Super Lucky’s Tale (Xbox One) im Test – Liebevolles Jump & Run für Kinder

3D Platformer haben in der letzten Zeit einen wahren Hype ausgelöst – zu verdanken unter anderem Yooka-Laylee und sicher auch Super Mario Odyssey. Dass dabei auch die Xbox One einen exklusiven Genrevertreter erhalten hat, ist möglicherweise etwas untergegangen. Schade eigentlich – ich habe Super Lucky’s Tale auch nur dank des Game Pass gespielt, aber gelernt, das hier ein wirklich tolles – und kindgerechtes – Abenteuer auf euch wartet.

Schon in der zweiten von vier Spielwelten fingen bestimmte Erfolge von Super Lucky’s Tale an, ihre ganz aufgeregten Freischaltgeräusche von sich zu geben – ebenso schon beim zweiten Boss. Viele Spieler haben Super Lucky’s Tale also nicht weit gespielt, und schon gar nicht durch. Sehr schade, denn das Spiel bietet viel, um Fans von Platformern bei Laune zu halten – und das Frustlevel ist keinesfalls so groß, dass man sich genervt abwendet.

Super Lucky’s Tale ist richtig kinderfreundlich und sorgt durch die große Abwechslung dafür, dass es gerade dem jungen Publikum nicht langweilig wird. Die normalen Storylevel teilen sich in 2D- und 3D-Level, in denen es an üblichen Elementen wie Lava, bewegenden Hindernissen oder Gefahr der Zerquetschung natürlich nicht mangelt. Hier und da darf man auch mal vor was wegrennen – es ist alles dabei, was man von einem Platformer erwartet, während die Fertigkeiten des Protagonisten Lucky überschaubar bleiben und sich die Herausforderungen somit tatsächlich im Level und nicht in der Steuerung verbergen.

Während Fuchsbauten in 3D-Level zu geheimen Orten führen, sorgen sie in 2D-Abschnitten dafür, dass man in die hintere Ebene der Spielwelt versetzt wird, um dort beispielsweise Geheimnisse zu entdecken. In jedem Level lassen sich vier Glückskleeblätter sammeln: Eins für die Erledigung des Levels, ein weiteres für das Sammeln der im Level verteilen Buchstaben L,U,C,K,Y für Lucky (diese sind in der richtigen Reihenfolge im Level platziert, sodass man immer gleich abschätzen kann, ob man einen verpasst hat), eins für das Betreten eines geheimen Ortes und eins für das Sammeln von 300 Münzen im Level.

Von Anfang an gibt es immer mal ein Level, das vom Schwierigkeitsgrad her etwas aus der Reihe tanzt, zumindest beim ersten Spielen – oder es liegt einfach nur daran, dass ich bei bestimmten Platformer-Gameplayelementen einfach unfähig bin. Das letzte Level und der letzte Boss haben es ebenfalls etwas in sich, aber ansonsten ist der Schwierigkeitsgrad von Super Lucky’s Tale im sehr, sehr moderaten Rahmen. Viele Level sind sogar in wenigen Minuten erledigt.

Diese Animation kommt uns doch sehr bekannt vor.

Rätseln und Murmeln als Auflockerung

In den Oberwelten, von denen aus man in die eigentlichen Level durch Portale startet, verbergen sich auch noch diverse Herausforderungen. In erster Linie kann man hier frei Münzen sammeln, die bei jedem erneuten Besuch der Oberwelt wieder auftauchen, zum anderen führen Fuchsbauten aber auch zu optionalen Herausforderungen.

So löst man Schieberätsel oder versucht sich als Fuchs in der Murmel in Geschicklichkeitsparcours – da der Xbox One Controller keine Neigungssteuerung unterstützt geht das glücklicherweise alles mit dem Stick vonstatten. Das sind nette und bisweilen interessante Auflockerungen, die einem zusätzlich Glückskleeblätter bescheren. Abgesehen davon, dass es nett ist, sie alle gesammelt zu haben, kann man sie auch zum Ausbauen von Statuen in den Oberwelten benutzen, was allerdings keine spielerischen Auswirkungen, sondern lediglich kosmetischen Zweck hat.

Eingebettet ist dieses ganze Erlebnis in eine sehr kindgerechte Story, denn Lucky muss eigentlich seine Schwester retten, die aus der Heimat der Füchse entführt wurde bzw. bei einem ihrer großen Abenteuer in einem magischen Buch verschwunden ist. Das ist eine nette Idee und schön inszeniert. Wie erwartet auch nichts Großartiges, aber zweckmäßig genug, damit die Handlung eingebettet ist. Außerdem erzählen die einzelnen Level auch noch weitere kleine Geschichten – wie von einem manipulierten Konzert oder von einer Geisterfamilie, die von bösen Geistern auseinandergerissen wurde.

Murmelspaß!

Technisch nicht ganz stimmig

Rein optisch hinterlässt Super Lucky’s Tale auf der Xbox One X zunächst einen sehr sauberen Ausdruck – das Bild ist absolut gestochen scharf und flimmerfrei. HDR wird leider nicht unterstützt. Im Spielverlauf kommt es allerdings immer wieder zu kleinen Einbrüchen der Bildrate und bisweilen auch zum Tearing einzelner Bildbereiche. Das wäre sicher nicht nötig gewesen und ein wenig mehr Optimierung auf die Hardware sehr wünschenswert.

Spielerisch ärgerlich sind an einigen Stellen kleine Probleme mit der Kollisionsabfrage, die Lucky vor allem dann treffen, wenn er mit beweglichen Objekten in Berührung kommt. Manches Mal clippt man hindurch oder Lucky “springt” über den Bildschirm, allerdings nicht so, wie gewollt, weil das Spiel seine Position plötzlich neu berechnet. In späteren Leveln schafft man es so manchmal eine Ebene auf Plattformen nach oben, obwohl man den Sprung eigentlich gar nicht geschafft hätte.

Während die Gestaltung der Level sehr stimmungsvoll und abwechslungsreich ist und auch der Soundtrack gut dazu passt, fehlt es späteren Levels und im weitesten Sinne auch der letzten Oberwelt hier und da an Details. Der letzte Bosskampf dagegen ist ein wahrer Genuss und kann sich ebenso wie die vorherigen wirklich sehen lassen. Während alle dem typischen “Muss drei Mal getroffen werden” Muster folgen, halten sie spielerisch interessante Aspekte bereit.

DLCs “dezent” eingebunden

Was mich im Spielverlauf etwas gestört hat und was ich insbesondere durch den eigentlich sehr kindgerechten Aufbau etwas kritisch sehe, ist die ziemlich nahtlose Einbindung der DLC Inhalte ins Hauptspiel, ohne dass man die Erweiterungen überhaupt besitzt. Das geht beim Kostümekaufen los und endet bei den Möglichkeiten zum Reisen in andere Spielwelten – hier präsentiert Super Lucky’s Tale ohne Scham direkt die Dinge, die man noch gar nicht – und bietet freilich gleich an, zum Store zu springen. Man kann zwei Erweiterungen für jeweils 4,99 Euro kaufen, die je eine neue Welt und neue Herausforderungen mitbringen. Für einen bequemen Durchgang mit dem Hauptspiel ist man übrigens rund sechs Stunden beschäftigt.

Fazit: Kindgerechter Platformer

Manche mögen es vielleicht gar nicht glauben, dass die Xbox One ein solches Spiel hat. Super Lucky’s Tale ist ein tolles Jump & Run, das sich durch seine liebevolle Gestaltung, die hohe Abwechslung und die moderate Schwierigkeit vor allem an junge Spieler richtet. Herausforderungen sind dabei aber durchaus vertreten und so ist der Titel auch perfekt zum Zusammenspielen. Kleine technische Mängel auf der Xbox One X und die aufdringliche Einbindung der DLCs müssten aber nicht sein – so gibt es nämlich kleine Frustmomente und für Kids ist es sicher auch nicht nett, wenn ein im Spiel schon angepriesener Inhalt erst mal noch eine Kreditkarte erfordert. Abgesehen davon kann man mit Super Lucky’s Tale aber jede Menge Spaß haben und vor allem Game Pass Abonnenten sollten unbedingt einen Blick riskieren!

Technik: 80
Grafik: 80
Sound: 85
Umfang: 77
Gameplay: 86
KI: 70

Spielspaß: 81

  • Story: Eine nette und kindgerechte Geschichte und Rahmenhandlung rund um Lucky, der seine Schwester retten und dabei dem Bösen das Handwerk legen muss.
  • Frustfaktor: Ganz selten vorhanden. Manche Level sind tatsächlich schwierig, manchmal liegt’s an kleinen technischen Macken.
  • Wiederspielwert: Vorhanden, da es sicher noch Sammelobjekte zum Finden gibt und sich so auch die Erfolge vervollständigen lassen.
  • Design/Stil: Stimmungsvoll und atmosphärisch.
  • Musik: Die Musik und der Soundtrack passen gut zusammen.
ProContra
+ Spielerisch viel Abwechslung- Leichte Ruckler und Tearing auf Xbox One X
Moderater Schwierigkeitsgrad- Probleme mit der Kollisionsabfrage bei beweglichen Objekte
+ Kindgerechte Gestaltung- Aufdringliche Platzierung der DLCs
+ Stimmungsvolle Welten
+ Coole Bosskämpfe

Screenshots

Im echten Leben heiße ich Manuel und neben Videospielen interessiere ich mich vor allem für Bücher. Die lese ich nicht nur gerne, sondern schreibe sie auch selbst. Wenn ich nicht gerade zocke oder Tests oder Geschichten schreibe, arbeite ich als Kundenberater. Ich schleppe immer ein Notizbuch mit mir herum, nur, um dann doch alles ins Handy zu notieren.

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