Ary and the Secret of Seasons (Xbox) im Test – Faszinierende Zeiten

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Könnt ihr euch auch nicht so richtig entscheiden, welche Jahreszeit eure liebste ist? Nun müsst ihr das gar nicht mehr. Nach längerer Entwicklungszeit und einer Verschiebung ist Ary and the Secret of Seasons ab heute endlich erhältlich und erlaubt euch das Spielen und Rätseln mit allen Jahreszeiten. Ich konnte mir das Abenteuer vorab schon anschauen und verrate euch in der Review zur Xbox One Fassung, ob es sich lohnt.

Im Strudel der Jahreszeiten

Am Beginn von Ary and the Secret of Seasons sehen wir eine junge Heldin, die das Verschwinden ihres Bruders noch verarbeiten muss – doch vor allem ihr Vater hat daran noch viel härter zu nagen. An einem notwendigen Treffen der Wächter der Jahreszeiten kann er nicht teilnehmen – also beschließt Ary kurzerhand, etwas mehr wie ihr Bruder auszusehen und sich in das Abenteuer zu stürzen.

Von Anfang an inszeniert Ary and the Secret of Seasons ein verspieltes Abenteuer und schafft dabei den Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit – mitunter wirken auch die Feinde wie witzige Spielzeuge, und Ary rundet das Bild mit ihren Bemerkungen oder Animationen gut ab, aber dennoch wird eindrücklich dargestellt, dass sich die Welt durch die durcheinandergeratenen Jahreszeiten in Gefahr befindet.

Die Geschichte von Ary and the Secret of Seasons geht über übliches “Die Welt ist in Gefahr und du musst sie retten” hinaus, zumal sie auch eine direkte Bindung zur sympathischen Protagonistin einbaut und wie immer mehr in die Geschichte mit einbezieht. Die verpeilten Wächter der Jahreszeiten können nämlich bei weitem nicht so viel ausrichten wie das junge Mädchen, das die Kraft ihrer Familie geerbt hat, die Jahreszeiten kontrollieren zu können…

So kann es aussehen, wenn man mit mehreren Jahreszeiten spielt.

Holprige Anfänge

Die Entwickler von Ary and the Secret of Seasons wollten erkennbar ein großes Abenteuer schaffen: So gibt es eine halboffene Spielwelt, durch die sich die Hauptquest wie ein roter Faden zieht, die aber auch mit Nebenquests aufwartet und zusätzliche Herausforderungen bietet. Doch noch dazu gibt es in den vier Gebieten der Spielwelt (eins für jede Jahreszeit) auch noch die Tempel der Jahreszeiten, die es zu erforschen und befreien gilt.

Diverse Teile von Ary and the Secret of Seasons brillieren dabei deutlich mehr als andere: Vor allem die Anfänge des Abenteuer sind leider eher holprig. Zwar erkundet man auch schon einen kleinen “Dungeon”, in dem Ary and the Secret of Seasons sein volles Potential zumindest andeutet, doch den Großteil verbringt man erst mal in der Spielwelt, die dieses Potential nur ansatzweise nutzt.

Ich nehme an, dass sich das Team bei eXiin mit der Spielwelt, die noch dazu in verschiedenen Jahreszeiten dargestellt werden muss, da jedes Gebiet in eine andere Jahreszeit verwandelt hat, deutlich übernommen wurde. Zwar kann auch die Spielwelt eine gute Atmosphäre aufbauen und mit Abwechslung überzeugen, dennoch herrscht aber der Eindruck vor, es mit einer teils leblosen und an manchen Stellen auch detailarmen Kulisse zu tun zu haben – es gibt immer wieder Stellen, die viel zu sehr an eine PS3-Welt erinnern und dem restlichen Auftritt von Ary and the Secret of Seasons gar nicht gerecht werden.

Am schlimmsten wiegen aber die viel zu vielen losen Enden, die die Sorgfalt vermissen lassen, die die Herzstücke von Ary and the Secret of Seasons – und dazu kommen wir gleich – auf jeden Fall aufweisen: Es gibt jede Menge falsch verknüpfte Quests, oder man muss einen Dialog mehrmals auslösen, bis er angerechnet wird, NPCs ganz ohne Text, falsch eingefügte Sprachen… Es wirkt einfach alles in bisschen unfertig. Und dann kommen die Tempel der Jahreszeiten.

“Sie können nicht öffnen Brust…” Auch die Übersetzung passt nicht immer ganz.

Ein Einzigartiges Rätselabenteuer

Wenn die Story etwas Fahrt aufgenommen hat, weiterhin spannend und humorvoll ist, und man vornehmlich die Tempel der Jahreszeiten erkundet, zeigen sich die Anteile von Ary and the Secret of Seasons, die einen ganz anderen Eindruck hinterlassen als die teils unfertige Spielwelt. Um es direkt zu sagen: Die Tempel, oder Dungeons, sind detailverliebte und gut durchdachte Spielplätze für Rätselfreunde und überzeugen zudem mit Atmosphäre und Abwechslung.

Ich hatte noch nie so viel Spaß mit Rätseldungeons in Videospielen – normalerweise bin ich nicht mal ein großer Freund davon. Doch die Entwickler von Ary and the Secret of Seasons packen die Spielelemente immer wieder in neue Aufgaben und Facetten – zudem wird Arys Repertoire an Fähigkeiten immer wieder erweitert, zum Beispiel mit der Schleuder, mit der man Jahreszeiten “schießen” kann. Man verfügt dann auch über alle vier Jahreszeiten, die gleichzeitig platziert werden können: Da muss man sich überlegen, welche Jahreszeit wo platziert werden muss. Der Herbst zum Beispiel sorgt für Wasser und treibt Wasserräder an.

Die Dungeons in Ary and the Secret of Seasons erfordern schlichtweg Aufmerksamkeit und etwas Geschick: Es gibt keine wahnsinnig komplexen Kopfnüsse, und auch nichts, wo man “perfekt” sein muss. Man muss Elemente nicht an genau der richtigen Stelle platzieren, um Erfolg zu haben – und auch physikbasierte Rätsel bleiben immer nachvollziehbar, während kein Element überstrapaziert wird.

Die Atmosphäre und die Gestaltung der Tempel in Ary and the Secret of Seasons tun ihr Übriges dazu, dass diese Abschnitte die Stärksten sind: Musik und Stil passen perfekt zusammen, und hier sieht das Spiel auf der Xbox One X viel besser aus als in der Welt draußen – es sieht aus wie ein Spiel aus der aktuellen Konsolengeneration und spielt sich auch so. Nur die Bildrate bricht bei vielen Effekten immer mal ein und wirklich viel Arbeit in die Optimierung für Microsofts stärkere Konsole ist definitiv nicht geflossen. Wie es auf den anderen Plattformen aussieht, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Wunderschön!

Geheimnisse in jedem Winkel

Vor allem nach diesen Erkundungen der Tempel wirken die Ausflüge in die Spielwelt manches Mal wie eine simple Streckung der Spielzeit – obwohl man auch die Welt selbst gut für Geheimnisse genutzt hat: In fast jedem Winkel gibt es Kisten mit Münzen, die dabei helfen, bessere Waffen oder Fähigkeitsupgrades zu kaufen, die sehr nützlich sind. Je mehr man mit den Jahreszeiten spielen kann, desto mehr kann man auch noch die verbliebenen Geheimnisse erkunden, denn auch in der Welt gibt es einige auf Physik und Geschick basierende Rätsel.

Ich glaube wirklich, dass einfach nur die Zeit gefehlt hat, um auch diese Welt von Ary and the Secret of Seasons in vollem Glanz erstrahlen zu lassen – doch so zeigt sich in den etwa zehn Stunden Spielzeit (es kann auch mehr sein, wenn man mehr rätselt und erkundet, oder weniger, wenn man schnell durchkommt) ein etwas zerrüttetes Spielerlebnis. Welches aber dennoch jede Menge Spaß macht.

Kleiner Tipp nebenbei: Die Möglichkeit zur Schnellreise in Ary befindet sich im wenig pompösen Inventar.

Fazit: Die Facetten der Jahreszeiten

Ary and the Secret of Seasons hat für seine Dungeons, die Tempel der Jahreszeiten, einen Preis verdient. Ich hatte noch nie so viel Spaß beim Rätseln und Springen – mit einer gesunden Mischung aus Geschick und Aufmerksamkeit sind alle Herausforderungen gut und ohne Frustration zu lösen. Und obwohl – oder gerade weil – sie teils auf Physik basiert sind, muss man nie perfekt sein und genau das tun, was das Spiel will – das gefällt mir richtig gut.

Stil und Musik tun ihr Übriges dazu, um eine tolle Atmosphäre in den stimmungsvoll gestalteten Dungeons zu schaffen. Die Welt drumherum gefällt mir weniger gut: Sie ist manchmal leblos, detailarm, wie eine Hülle. Doch am ärgerlichsten sind die vielen losen Enden in Ary and the Secret of Seasons: Nicht auslösende Quests oder Dialoge, NPCs ohne Text, ein Wirrwarr an Sprachen oder eine Kiste mit Null Münzen. Die vielen Flüchtigkeitsfehler und Bugs passen nicht zur großen Sorgfalt, die die Tempel deutlich ausdrücken. Die technische Umsetzung an sich wird mit zunehmender Spielzeit auf der Xbox One X dagegen erstaunlicherweise immer besser, auch wenn die Bildrate dauerhaft immer mal stockt.

Ary and the Secret of Seasons ist ein Spiel zum Verlieben, doch es entsteht der Eindruck, dass sich die Entwickler mit der Welt, die in verschiedenen Zuständen dargestellt werden muss, doch übernommen haben. Hier gibt es einige lose Enden zu viel – die Ary nicht vedient hat und die dem Titel bei all den anderen herausragenden Aspekten gar nicht gut stehen.

ProContra
+ Herausragende Dungeons– Offene Welt teils veraltete, detailarme Kulisse
+ Ausgewogenes Rätseln– Quests nicht richtig ausgearbeitet
+ Gute Atmosphäre– Fehlende Dialoge
+ Musikuntermalung passt– Bildrate stockt immer wieder
+ Vielfältiges Rätseln– Welt hinterlässt unfertigen Eindruck
+ Humorvolle Geschichte

Technik: 74
Grafik: 75
Sound: 83
Umfang: 85
Gameplay: 85
KI: 44

Spielspaß: 83

  • Story: Ary and the Secret of Seasons erzählt gekonnt und humorvoll eine Geschichte von einer Heldin, die erwachsen wird und von einer Welt, die gerettet werden muss.
  • Nachhaltigkeitswert: Ary and the Secret of Seasons bietet zwar keinen riesigen Wiederspielwert, sollte uns aber dennoch in guter Erinnerung bleiben.
  • Frustpotential: Kaum vorhanden.
  • Design/Stil: Der Stil passt und sorgt häufig meist für eine gute Atmosphäre.
  • Musik und Sound: Die Musik ist gut und unterstreicht das komplette Erlebnis sehr sinnvoll.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die 39,99€ empfinde ich als zu hoch für das Spiel – 30€ hätten es auch getan, oder sogar 25€.

Offenlegung & Unterstützung

Ein Reviewkey zu Ary and the Secret of Seasons wurde uns zur Verfügung gestellt. Getestet haben wir es auf Xbox One X.

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Manuel Eichhorn
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