Bea: „Ich mag keine First-Person-Sicht.“

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Ich mag Videospiele, das weiß hier, glaube ich, jeder. Doch wenn ich in ein Videospiel eintauchen möchte, brauche ich vor mir eine sichtbare Person, sonst fühle ich mich nicht heimisch. Das ist vielleicht eine seltsame Aussage, aber durch meine letzten Erfahrungen mit First-Person-Spielen möchte ich diese Erkenntnis endlich mal zu Papier bringen.

First-Person-Sicht bedeutet, dass man direkt aus den Augen der Protagonistin spielt. Es gibt keine Figur, die ich direkt steuern kann, sondern ich gucke direkt raus. Im Gegensatz dazu gibt es die sogenannten Third-Person-Sicht, also quasi die Sicht einer dritten Person, die ich steuere und die ich direkt beobachten kann bei all ihren Bewegungen. Beides hat sicherlich seine Vor- und Nachteile, so kann mit ersterem vermutlich eine Nähe zur Welt hergestellt werden.

Eine Nähe, die mir vollends fremd ist. Ich verbringe, wie fast alle anderen Wesen auch, mein Leben in einer First-Person-Sicht und sehe die Welt direkt durch meine Augen. Ich sehe jedoch auch so viel mehr: Gerade zum Beispiel meine Hände, die das hier tippen, die an meinen Armen dran hängen, die wiederum von gelben Baumwollstoff umgeben sind. Ich sehe auch die nervige Haarsträhne, die auf der linken Seite neben meinem Auge hängt und die ich einfach nicht wegschneiden kann. Wenn ich blinzele, kann ich für einen kurzen Moment meine Wimpern wahrnehmen. Und manchmal sehe ich auch bewusst meine Nase (da die da irgendwie dauerhaft ist, kann ich sie zu großen Teilen ignorieren. Gerade sehe ich auch Manuels Kopf in meinem Blickfeld, da er unbedingt gucken will, was ich schreibe.)

Dieser Screenshot ist aus Eastshade.

Doch all das sehe ich in Videospielen nicht. In manchen Spielen habe ich immerhin Hände, die manchmal irgendwas machen, doch schaue ich an meinem virtuellen Selbst herab, sehe ich nichts, außer den Boden. Wieso ist das in vielen Spielen dieser Art so?

Zudem nervt mich oft auch das Gehen selbst. Zur Probe lief ich gerade selbst durch das Schlafzimmer, um mir ganz sicher zu sein: Mein Kopf bewegt sich beim Gehen immer mal im Takt meiner Schritte. Darauf achten tatsächlich nur wenige Spiele, ebenso wie auf generelle Bewegungsabläufe. Viele First-Person-Spiele fühlen sich für mich nur an, als würde ich mich auf Schienen bewegen, bzw. die Kamera würde nur auf Schienen gleiten.

Ich erinnere mich an meine erste Erfahrung mit First-Person-Abschnitten. Das war damals in Assassin’s Creed Revelations, als Desmond voll fertig durch den Animus war und ich nur in seinem Kopf herumwandern konnte: Natürlich in First-Person-Sicht, und wie habe ich diese Abschnitte gehasst! Ich wusste nie, wohin Desmond springt oder wo er wirklich hingeht. Ich war einfach nicht eins mit ihm – und das zieht sich bei mir durch. Seitdem habe ich es vermieden Spiele mit First-Person-Sicht zu spielen. Ein solches Spiel ist bei mir tatsächlich mit viel Arbeit und Lernen verbunden.

Overwatch ist ein Spiel, das ich gerne spiele, das jedoch auch auf die First-Person-Sicht setzt, weil man das bei Shootern wohl so macht. Ich habe hier wirklich sehr lange gebraucht, bis ich halbwegs mit der Steuerung klar komme – und auch jetzt passiert es mir immer noch, dass ich mit Rücken irgendwo dagegen stoße, weil ich nicht weiß, was hinter mir ist. Und doch hat Overwatch einige dieser Bewegungsabläufe, von denen ich sprach und die es für mich ein kleines bisschen angenehmer gestalten – dennoch würde ich mir, allein schon wegen der coolen Skins, einen Third-Person-Modus wünschen (und zwar nicht nur bei Brigitte).

Kürzlich war ich in Eastshade unterwegs, lief quasi auf Schienen durch eine Landschaft. Mich selbst habe ich im Spiel nicht gesehen, aber es gab Kleinigkeiten, die bemerkenswert waren. So beispielsweise das Klettern: Mir kam es so vor, als würde sich meine Kamera anders bewegen, wenn ich irgendwo hinuntergehe. Im besten Fall ist meine Figur wirklich geklettert, in der Realität kann ich mir das nur einreden, um es cool zu finden.

Im Grunde müsste für mich jedes Spiel so sein wie ein Autorennspiel, bei denen man zwischen einer Cockpit- oder Fahrzeugansicht wechseln kann, um es für die Ansprüche der Spieler:innen anpassbar zu machen. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich Spiele auch in Zukunft weiterhin meide, in denen es nur eine First-Person-Sicht gibt.

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Beatrice Vogt
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