Graveyard Keeper (Switch) im Test – Wie stark sind deine Nerven?

Diesen Autounfall hast du nicht überlebt. Du erwachst in einer nebligen Umgebung, der Tod steht dir gegenüber. Doch noch ist es nicht vorbei, denn du hast eine Bestimmung. Du wirst auf den Friedhof achtgeben und dennoch einen Weg finden, nach Hause zurückzukehren. Doch hast du dafür die Nerven? Ich habe mir für euch Graveyard Keeper auf der Nintendo Switch angesehen und verrate euch im Test, wie viele Nerven man wirklich braucht.

Der Anfang

Graveyard Keeper beginnt damit, dass ich einen schrecklichen Autounfall habe. Ich bin mir nicht ganz sicher, was wirklich passiert, jedoch weiß ich, dass ich nicht tot sein kann. Definitiv nicht, oder? Doch was macht dieser seltsame Typ dann bei mir, der irgendwie wie der Tod aussieht und warum ist alles so neblig? Fragen über Fragen, doch die Antwort liegt im Friedhof, den ich von nun an verwalten darf. Ein Esel bringt regelmäßig Leichen vorbei, die ich begraben darf, und irgendwie will jeder irgendwas von mir. Es gibt dabei viele Quests, denen ich nicht ganz folgen kann. Unter anderem deswegen, weil die Quests noch wunderschön Oldschool sind: Mir wird nicht auf der Karte angezeigt, wohin ich gehen muss. Ich habe keine Pfeil, der mir sagt, was ich tun soll. Das ist zum einen eine ganz nette Abwechslung, zum anderen treibt es mich in den Wahnsinn, weil ich mir Dinge merken muss.

Der Esel zum Beispiel erzählt mir, dass ich ihm Öl besorgen soll. Die Konversation dazu ist jetzt schon ein paar Tage her und ich habe keine Ahnung mehr, was das Tier gesagt hat, wo ich das Öl finden kann. Irgendwann riet mir mal ein befreundeter Gamer, dass Zettel und Stift in der heutigen Zeit gar nicht mehr so verkehrt sind, wenn man wirklich spielen will. Früher habe ich das ja ganz gerne gemacht, als die beigefügten Spielehefte noch cool waren und Platz für Notizen enthielten. Nun gut, also stehe ich da, und weiß bei der Hälfte des Spiels nicht mehr so richtig, was ich machen muss, aber das ist irgendwie mein Bier, obwohl eine kleine Erinnerung doch ganz praktisch wäre.

Mein eigentliches Ziel in Graveyard Keeper ist es, dass ich zurück in die Welt kehre, zurück zu meiner Familie. Dafür mache ich irgendwie alles: Ich lasse mich mit dem Inquisitor ein, suche ein seltsames Portal und fleddere Leichen, um Nahrung zu … Oh, Moment, das wollte ich hier gar nicht erwähnen, sondern erst im nächsten Abschnitt. Ich bin mir jedoch wirklich nicht sicher, ob ich meinen Weg zurück nach Hause finde. Was mir bisher im Spiel fehlt, ist der typische Harvest Moon Charakter. Ja, ich weiß, es ist keines und soll vermutlich auch keins sein, aber ich kann Dinge anpflanzen und mir ein Leben aufbauen, aber eine Beziehung führen oder heiraten ist offensichtlich keine Option. Auch fehlt mir ein bisschen sehr, dass ich mich mit dem Protagonisten identifizieren kann. Er ist ein Mann, der “tot” ist und wieder zurück will. Keine Ahnung, was er vorher gemacht hat. Das ist ein bisschen sehr schade in unserer heutigen Zeit, in der wir uns mit denjenigen identifizieren wollen, die wir durch virtuelle Welten lenken. Die Welt und auch der Charakter fühlen sich einfach nur wie ein Mittel zum Zweck an.

Spring über deinen Schatten, Bea!

Was bei Graveyard Keeper eher das Besondere ist, ist der Sprung über den eigenen Schatten, den nicht nur der Friedhofswärter machen muss, sondern auch ich: Die erste Nahrung gibt es nämlich doch eher von den Leichen, die der Esel immer mal wieder vorbei bringt. Von denen kann man so wunderbar schön ein paar Stücke Fleisch herausschneiden und sie entweder selbst braten und zu Burgern verarbeiten oder an das örtliche Gasthaus verscherbeln. Neben Fleisch kann man auch aus allerhand anderen Dingen der Leichen Profit schlagen. Während das erste Mal wirklich seltsam ist, wird es bald immer mehr zur Gewohnheit und ich sehne den Esel herbei, dass er mir eine neue Leiche bringt. Doch das ist nicht das einzige, was wirklich etwas tricky ist.

Neben den Leichen, die ich so fleddern kann, gibt es auch noch andere Dinge, die ich überwinden muss. Klar, kann ich mit dem Inquisitor zusammenarbeiten, muss ihm dann nur helfen, dass wir eine weitere “Hexe” auf dem Scheiterhaufen brennen lassen. Und vielerlei Dinge mehr in dieser Hinsicht. Was jedoch eher unschön ist, ist die Spielmechanik hinter alldem. Ich habe in Graveyard Keeper wie auch in den meisten anderen Spielen dieser Art eine begrenzte Energieleiste. Ist die alle, kann ich entweder schlafen oder essen. Witzigerweise ist hier sogar die beste Option, sich einfach ins Bett zu legen, denn während andere Spiele in der Richtung über feste Tagesrhythmen verfügen, ist das bei Graveyard Keeper nicht unbedingt der Fall. Bei Nacht wird es dunkel und an manchen Wochentagen kann ich bestimmte Aktionen ausführen, wenn ich will. Einen anderen Einfluss gibt es jedoch nicht, was wirklich ein wenig sehr schade ist.

Graveyard Keeper ist definitiv ein nettes Spiel, das sich vor allem unterwegs lohnt, doch so wirklich will das Spiel nicht überspringen. Es fehlt wirklich an Langzeitmotivation, denn jeder Tag gestaltet sich eher dadurch, dass ich der Energieleiste hinterherrenne. Ich habe kein wirkliches Ziel, außer alle möglichen Dinge zu bauen und sie irgendwie in meinen Yard zu basteln, doch dadurch, dass ich mich nicht mit dem Protagonisten identifizieren kann, fehlt mir fast schon jeglicher Reiz. Warum soll ich denn  jeden Tag etwas tun, um meine Energieleiste zu leeren? Das ist wirklich schade, denn Potential ist definitiv vorhanden, einfach mit ein bisschen hier und da und schon passt das, denn die Welt an sich ist schon verstörend und somit passend genug, sodass man mit dem korrekten Konzept im Hintergrund ein wirkliches Meisterwerk schaffen könnte.

Hat der noch alle Knochen beisammen?

Graveyard Keeper erschien für Nintendos Switch und ist somit nun auch hervorragend für unterwegs geeignet. Das ist ganz praktisch, da durch das einfache Speichersystem (ins Bett gehen und so, kennen wir bereits) und den nutzlosen Tageswechsel die Spielsessions auch sehr kurz gehalten werden können. Ein wenig unschön ist die Ladezeit zu Beginn des Spiels auf der Switch: Zunächst wählt man den Account aus, der nun spielt, anschließend lädt das Spiel eine gefühlte Ewigkeit. Danach gibt es so gut wie keine oder nur noch sehr kurze Ladebildschirme. Dennoch ist es ein wenig frustrierend und sorgt für Unmut. Ansonsten läuft Graveyard Keeper auf der Switch relativ flüssig, in manchen Gebieten stockt es für einen kurzen Moment, doch das ist nicht weiter dramatisch.

Überrascht bin ich von der Steuerung, denn hier wurde wirklich mitgedacht und die Knöpfe sinnvoll besetzt. Nicht immer ist das bei PC Umsetzungen auf dem Handheld so, doch hier bin ich wirklich positiv überrascht. Weniger schön ist jedoch, dass nicht immer reagiert wird, wenn ich einen Knopf drücke. Vor allem, weil mir das Spiel anzeigt, wann ich etwas drücken kann, dann ist es noch blöder, wenn es nicht reagiert.

Fazit: Ganz nett, aber…

In Graveyard Keeper landet ihr plötzlich in einer ganz anderen Zeit und seid damit beauftragt worden, den Friedhof zu verwalten – und zwar mit allen makaberen Ideen, die es da so gibt, von Fleisch extrahieren bis dieses dann auch noch an das städtische Gasthaus zu verkaufen. Besonders in den ersten Stunden, wenn alles in Graveyard Keeper noch neu ist, war ich regelrecht gefesselt an die Konsole, doch ziemlich schnell verflog dieser Zauber. Mittlerweile fehlt es dem Spiel wirklich noch an Reiz, da bestimmte Elemente einfach nicht genutzt wurden und somit fast schon irrsinnig und unnütz erscheinen. Das ist wirklich schade, da hier wirklich viel Potential vergeudet wird. Graveyard Keeper ist ein ganz nettes Pixelspiel mit dem Simulationsaspekt, dem viel zu schnell die Energieleiste ausgeht und somit viel Reiz verloren geht, der eigentlich vorhanden sein sollte, da die Welt an sich wunderbar schräg ist und man wirklich bei einigen Entscheidungen über seinen eigenen Schatten springen muss.

Pro Contra
+ Schräge Geschichte – Hin und wieder sehr leichtes Ruckeln
+ Man muss über seinen eigenen Schatten springen – Eingaben reagieren nicht immer
+ Am Anfang recht viel zu tun… – … was jedoch ziemlich schnell ziemlich eintönig wird
+ Zauber der ersten Stunden verfliegt recht schnell – Tag- und Nachtwechsel und Wochentage haben kaum richtigen Effekt
+ Gute Umsetzung auf der Switch – Energieleiste wird zu schnell leer
– Sehr viel vergeudetes Potential
– Story und Protagonist sind kulissenhaft

Technik: 68
Grafik: 72
Sound: 75
Umfang: 76
Gameplay: 51

Spielspaß: 70

  • Story: Du verwaltest einen Friedhof. Bist du mit allen Wassern gewaschen oder wirst du doch unter dem Verwaltungsaufwand verloren gehen?
  • Frustfaktor: Eher weniger vorhanden, dafür wird es recht schnell eintönig.
  • Wiederspielwert: Eher niedrig.
  • Design/Stil: Passender Pixellook, erinnert ein bisschen an ein Spiel aus dem RPG Maker.
  • Musik: Ist auch da.

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