Seasons After Fall (Steam) im Test – Ein kleiner Fuchs zum Träumen?

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Viele kleinere Spiele versuchen heute, etwas Großes zu sein. Sie locken beispielsweise mit Beschreibungen, bei denen man sich denkt: „Das muss ich spielen!“ oder sie werben mit tollen Bildern. Schaut man sich so ein Spiel oft näher an, sieht man sich ganz oft plötzlich einem 2D Hardcore Roguelike Shoot’em Up Platformer in Pixelgrafik gegenüber. Von der zuvor episch klingenden Beschreibung ist dann plötzlich keine Spur mehr. Andere Spiele hingegen versuchen, bekannteren Spielen nachzueifern – so wie es den Anschein bei Seasons After Fall zu haben scheint. Ob sich der Titel auf Steam jedoch behaupten kann, oder ob man die Jahreszeiten doch lieber sich selbst überlassen sollte, verraten wir euch in unserer Review zum Steamspiel Seasons After Fall mit einem kleinen Fuchs in der Hauptrolle.

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Alles begann mit einer Knospe

Seasons After Fall beginnt mystisch: Ihr seid ein kleines magisches Licht, das auf der Suche nach einer Heimat ist und das am Ende seinen Sinn in einer kleinen Knospe findet. Angeleitet von einer magischen Stimme, die offenbar versucht, das Ritual der Jahreszeiten durchzuführen, um befreit zu werden, schlüpft ihr in die Rolle eines kleinen Rotfuchses und macht euch die Jahreszeiten zunutze. Bevor ihr die Jahreszeiten jedoch alle nutzen könnt, erwartet euch eine spannende Reise, die einiges an Köpfchen von euch abverlangt, die jedoch an keiner Stelle wirklich so richtig fies wird – okay, doch es gibt da einen Moment, aber zu dem kommen wir später.

Und dabei sieht Seasons After Fall sehr schön aus und wirkt wie von Hand gezeichnet. Die Umwelt lebt fast, auch wenn wir in einem verzauberten Wald sind, in dem es keine Tiere außer Glühwürmchen und seltsames Krabbelgetier gibt, und eben die Hüter der Jahreszeiten erwarten euch in ihren verschiedenen Welten. Schade nur, dass Seasons After Fallseine tolle Atmosphäre ein wenig selbst zunichtemacht, aber auch dazu kommen wir später noch einmal im Besonderen. Zunächst einmal: Mit Seasons After Fall erwartet euch ein Platformertitel, der nicht unbedingt schwierig ist, der es jedoch hin und wieder in sich hat, und der mit verschiedenen kleineren Physikrätseln daherkommt, die sich meistens recht fix lösen lassen.

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Schon wieder?

So schön Seasons After Fall auch ist und so verzaubert uns seine Welt hat, so müssen wir doch zu Beginn dieser Review gleich mit dem größten Problem des Spiels um uns werfen: Es ist unheimlich repetitiv, soll heißen, dass sich einfach viel zu viel immer wieder wiederholt. Und damit meinen wir nicht die verschiedenen Mechaniken, sondern die Level an sich. Das ist schade, denn Seasons After Fall hat das Potential, vieles zu bieten. Dennoch steckt es in seinen vier verschiedenen Leveln fest, die man immer wieder besuchen muss. Zwar hat man bei jedem Besuch in der Regel ein paar mehr Fähigkeiten, die einem etwas mehr im Level eröffnen, aber im Grunde ist es doch immer wieder dasselbe.

Im Grunde geht es damit los, dass ihr in Seasons After Fall zunächst nach den vier Jahreszeiten suchen sollt. In dem ihr sie findet, macht ihr euch dessen Macht zunutze und schickt die Wächter der Jahreszeiten in den Schlaf. Für die vier Jahreszeiten müsst ihr auch in vier verschiedene Gebiete reisen und die jeweiligen Wächter finden. Habt ihr das jeweilige Licht einer Jahreszeit und somit auch seine Fähigkeit geht es zurück ins Heiligtum, wo alles begann. Wenn ihr alle vier Jahreszeiten beherrscht, geschieht etwas, was wir euch nicht verraten wollen, und eure neue Aufgabe besteht darin, die vier Winde zu entfesseln. Dafür müsst ihr wieder – genau – in die vier verschiedenen Level gehen, um die Winde zu befreien. Zwar habt ihr nun neue Fertigkeiten, aber im Grunde ist es doch dasselbe Gebiet, damit denselben Mechaniken daherkommt. Von Abwechslung kann hier keine Rede sein. Das ist sehr schade, da genügend Potential vorhanden ist.

Doch nicht nur die einzelnen Level wiederholen sich, sondern auch die Mechaniken selbst, die sich auf diese Weise ziemlich leicht abnutzen. Diese Mechaniken oder Rätsel sind sogar so repetitiv, dass man nach wenigen Minuten fast immer einen Überblick hat, wie man weiterkommt. Das regt zwar so auch Kinder an, Seasons After Fall zu spielen, aber als halbwegs geistig reifer Erwachsener fühlt man sich doch sehr leicht unterfordert. So gibt es Beispielsweise Geysire. Diese sind im Herbst niedrig, im Frühling schießen sie jedoch in die Höhe und im Winter gefrieren sie so zu unterschiedlich hohen Eissäulen, auf denen man wunderbar laufen kann. Auf diese Weise gibt es viele Dinge, die sehr einfach und logisch sind. Nur wenige Momente in Seasons After Fall werden euch vermutlich so richtig ins Grübeln bringen – wie beispielsweise das Rätsel mit den Glühwürmchen.

Keine Sorge, wir spoilern euch nicht, möchten euch nur auf diesen unverhältnismäßige Levelstück hinweisen. Wenn ihr den Sommer bereits erhalten habt und somit wieder auf dem Rückweg zum Heiligtum seid, kommt ihr an eine Stelle, an der ihr Glühwürmchen in einer bestimmten Kombination braucht. Das ist an sich nicht schwierig, habt ihr jedoch die Glühwürmchen passiert, kommt ihr auf den ersten Blick nicht weiter. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass ihr vermutlich noch den Sommer aktiv habt und euch dieser nicht weiterbringt. Ihr benötigt nämlich einen Pilz, um weiterzukommen. Diesen findet ihr aber nur, wenn ihr zum Herbst wechselt und dann an einer bestimmten Ecke sucht. Das ist eine wirklich fiese Ecke, da man im Vorfeld überall doch immer recht unkompliziert vorankommt.

Und das sind wirklich Dinge, die Seasons After Fall in eher schlechtes Licht rücken: Auf der einen Seite diese Rätsel, die viel zu leicht sind und auf der anderen Seite Stellen im Spiel, bei denen man sich fragt, was die Entwickler eigentlich geraucht haben. Aber das bedeutet nicht, dass der Titel nicht auch schöne Momente hat. Die gibt es nämlich, und wenn man sich ganz allein auf die Grafik bezieht, findet man schon genug. Leider ist eine verdammt niedliche Grafik nicht ausreichend, um ein Spiel zu produzieren.

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Oh, wie schön ist der verzauberte Wald

Wir haben es bereits erwähnt, aber wir sagen es gerne noch einmal: Seasons After Fall ist verdammt schön und verströmt aufgrund des niedlichen und einmaligen Zeichenstils eine ganz wunderbare Atmosphäre. Das können wir dem Spiel zugutehalten. Andere Vertreter des Genres steckt es aufgrund der schönen Grafik wirklich problemlos in die Tasche. Aber wisst ihr, was eigentlich fast noch besser ist als der Grafikstil? Der unheimlich schöne Soundtrack, der irgendwie an französische Dörfer erinnert. Wir wissen nicht, warum uns der Soundtrack daran denken lässt, aber es passt. Ebenso wie der Fuchs als magisches Tier auch nach Frankreich passt. Also lasst uns ein wenig in unserer Gedankenwelt verweilen.

Übrigens: Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, denn Seasons After Fall ist in Englisch, Deutsch und Französisch verfügbar und zwar sowohl mit entsprechenden Untertiteln als auch mit einer tollten Sprachausgabe, die nur gelegentlich schlecht abgemischt ist. Wir selbst hatten leider keine Möglichkeit, die Abmischung zu ändern, da das in den Einstellungen wohl nicht vorgesehen ist. Doch die deutsche Tonausgabe ist auch richtig gut geworden, es lohnt sich also, hin und wieder beim Deutschen zu bleiben. Gespielt haben wir übrigens mit einem Xbox 360 Controller, dessen Steuerung doch sehr eingängig war. Technisch verzeichnet Seasons After Fall übrigens so gut wie keine Mängel.

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Fazit: Das Spiel mit den Jahreszeiten ist uns zu heikel

Seasons After Fall ist ein sehr schönes Spiel, das in erster Linie durch eine sehr schöne Grafik, einen genialen Soundtrack, eine gelungene Vertonung und durch seine liebevollen Charaktere besticht, weist jedoch auch viele Dinge auf, die eher nicht sein sollten. Und so werden all diese schönen und positiven Punkte durch Elemente überschattet, die sich immer wieder wiederholen. Das ist sehr schade, denn der Titel hat so viel Potential, dass es fast schon eine Verschwendung ist, dass das nicht genutzt wurde. Uns gefallen Spiele, die den Spieler fordern und fördern, die ihn aber auch nicht unter- und auch nicht überfordern. Wir möchten ein ganz normales Spiel. Seasons After Fall ist jedoch an einigen Stellen sehr leicht und an anderen, wenigen Stellen doch wieder verdammt schwer, wo man sich dann doch fragt, warum der Schwierigkeitsgrad nun gerade so angezogen wurde.

Seasons After Fall ist kein schlechtes Spiel, aber es ist auch nicht so gut, dass man sich wirklich noch in einigen Jahren daran erinnern wird, was ebenfalls schade ist. Eine Kaufempfehlung können wir dennoch aussprechen, wenn ihr zum Beispiel auf der Suche nach einem niedlichen und einfachen Platformer mit einem Fuchs seid oder eurem Kind einmal etwas Abwechslung von Call of Duty bieten möchtet.

 Pro Contra
 + Sehr niedliche Charaktere, sehr schöner Grafikstil – Leider viel zu repetitiv
 + Verträumter Soundtrack – Rätsel zu leicht
 + Schöne Atmosphäre – Einige Rätsel dann aber auch wieder viel zu schwer
 + Sehr gute Vertonung – Mehr Vielfalt in den Welten wäre schön gewesen

Technik: 77

  • Grafik: 91
  • Sound: 92
  • Umfang: 63
  • Gameplay: 71
  • KI: 67

Spielspaß: 72

  • Story: Die Geschichte ist sehr schön, vor allem die Charaktere und die Umgebungen überzeugen. Es ist nur sehr schade, dass man immer wieder dasselbe machen muss. Das nervt und lässt einem die Lust an der Story verlieren.
  • Frustfaktor: Der ist genau dann vorhanden, wenn das vermeintlich einfache Spiel plötzlich beschließt, komplex zu sein.
  • Wiederspielwert: Eher gering und nur dann gegeben, wenn man alles freischalten möchte. Nach einem Durchgang hat man allerdings fast alle Errungenschaften.
  • Design/Stil: Der Stil ist wunderschön und erinnert an eine feine Bleistiftzeichnung, die mit Farben lebendig gehalten wird.
  • Musik: Ein verträumter Soundtrack, der uns an französische Dörfer denken lässt.

Information: Vielen Dank an Focus Home Interactive für das Pressemuster von Seasons After Fall.

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Beatrice Vogt
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