West of Loathing (Switch) im Test – Strichmännchenabenteuer im Wilden Westen

Wie kennen das alle: “Was möchtest du einmal werden, wenn du groß bist?” “Cowboy!” Doch selten haben wir wirklich die Gelegenheit, ein Cowboy zu werden – in den wenigsten Fällen verrät man uns sogar, was ein Cowboy so wirklich tut. Mit The West of Loathing könnt ihr nun aber euer ganz eigenes Abenteuer im Wilden Westen erleben und mit gesundem Gaminghumor das eine oder andere Rätsel lösen. Wir haben uns The West of Loathing auf der Switch angesehen und verraten euch in unserem Test, warum auch ihr euren Hut nehmen und losreiten solltet.

Komm hol dein Lasso raus…

The West of Loathing beginnt genau da, wo jeder gute Abenteurer sein Abenteuer beginnt: Ihr wacht auf der Ranch eurer Eltern auf, verabschiedet euch von eurer Familie, sammelt schon einmal die ersten Items ein und begebt euch dann auf eure Abenteuerreise. Bevor es losgeht, bestimmt ihr noch, welcher Klasse ihr angehören wollt. Dies setzt vor allem eure Stats und bestimmt ein wenig die Entwicklung eures Helden, hat aber kaum größere Auswirkungen auf die Story. In typischer Strichmännchenmanier geht es dann los, sodass ihr schon einmal den nächstgelegenen Ort erkunden könnt.

Ab hier wird es dann richtig spannend, denn ihr erkundet zunächst den neuen Ort und nehmt hier und da verschiedene Quests an, um weitere Ortschaften auf der Map freischalten zu können. Euer Ziel besteht natürlich darin, jeden Ort zu bereisen und dabei möglichst viel Meat zu sammeln. Was sich unappetitlich anhört, ist tatsächlich auch unappetitlich: Die Währung in The West of Loathing sind wunderschöne Koteletts, die ihr sammeln und finden könnt. Doch das ist noch nicht das einzig schräge am ganzen Spiel.

Diese Stadt ist groß genug für uns beide

Wer sich zunächst denkt, dass ihr euch nur durch eine große farblose weiße Masse Landschaft bewegen müsst, der irrt sich. Mit jeder Wanderung – und wenn es nur von Ort A nach Ort B ist – schaltet ihr entweder einen neuen Ort frei, sammelt verschiedene Gegenstände oder könnt euch mit Goblins und anderen Rabauken messen. Auf diese Weise macht das Erkunden jede Menge Spaß, da man nie weiß, was wirklich auf der Strecke passieren kann. Glücklicherweise sind diese zufälligen Kämpfe nicht immer sonderlich gefährlich, sodass ihr keine Angst haben braucht, dass ihr eventuell auf eurer Reise sterbt. Auf diese Weise habt ihr ziemlich schnell eine volle Karte und jede Menge Orte, die es zu entdecken gilt.

Jeder Ort, den ihr besuchen könnt, birgt verschiedene Geheimnisse. Manche sind relevant für Quests, wieder andere haben einfach nur ein paar Items für euch – und noch andere sind voll mit Gegnern oder beherbergen neue Quests für euch. Doch, was auch immer euch erwartet: Es macht jede Menge Spaß, da sich das Spiel selbst und manchmal auch die aktuelle Videospielentwicklung aufs Korn nimmt, sodass ihr niemals wisst, was sich wirklich in einem Ort verbirgt, wenn ihr ihn nicht besucht.

Mir hat vor allem das Erkunden der vielen Orte Spaß gemacht, da es sehr spannend ist, die einzelnen Dinge zu besuchen und zu entdecken. Etwas ärgerlich sind da dann nur manchmal die Quests, die man nebenbei erfüllen kann, denn nicht immer ist ganz ersichtlich, was man tun muss. Doch das macht nichts, denn auf diese Weise wird The West of Loathing seinem klassischen Stil gerecht. Ich empfehle euch daher, den einen oder anderen Schmierzettel griffbereit zu haben, um Informationen und Quests zu notieren.

Humor vom Feinsten

Neben der ganzen Erkundungstour gefällt mir The West of Loathing vor allem wegen seinem ganz besonderen Humor. Ihr werdet viele Scherze finden, die sich auf den Wilden Westen beziehn, doch mit anderen Witzen nehmen die Entwickler einfach nur die aktuelle Situation aufs Korn. Zum Beispiel findet ihr auf der Kellog Ranch ein Rätsel, wenn ihr dieses löst, öffnet sich eine geheime Tür – hinter dieser Tür ist einfach nur ein Stuhl und sonst nichts weiter. Kommentiert wird das Ganze damit, dass es sich um den langweiligsten geheimen Raum aller Zeiten handelt. Oder der Reboot Hill: Hier findet ihr ein Schild, auf dem Reboot Hill steht – das Re ist jedoch nur mit Farbe hinzugeschmiert. Euch wird versichert, dass sich hier nur jemand einen Scherz erlaubt hat.

Doch das ist bei Weitem nicht alles. Jede Quest und jede Storyline hat einen ganz besonderen Humor, der nicht immer gleich sichtbar ist, aber dem Spiel eine sehr amüsante Würzung verpasst. Auch das macht The West of Loathing so einzigartig und spannend, denn es wird einfach nicht langweilig. Und wenn ihr einmal nicht weiter wisst, wird euch euer “pardner” mit bestem Wissen und Gewissen zur Seite stehen – dennoch ist es dann eure Entscheidung, was ihr wirklich tut. Allein der Humor macht The West of Loathing zu einem ganz besonderen Stück Software.

8Bit? Quatsch, ich will Strichmännchen!

Wer bis hierhin meine Review aufmerksam gelesen hat, wird schon mehrfach von Strichmännchen gelesen haben: The West of Loathing würde ich eher als Retrospiel bezeichnen, obwohl es nicht die klassische 8 Bit Struktur hat wie viele andere Indiespiele. Stattdessen kämpft ihr euch als Strichmännchen durch den Wilden Westen, was dem Ganzen einen viel persönlicheren und individuelleren Charme verpasst. Ich finde das ziemlich cool, etwas schade ist hierbei nur, dass man manchmal auch an kleineren Ecken hängenbleibt.

So gut wie jedes Gespräch oder Textfeld öffnet sich von alleine – was wiederum manchmal sehr nervig sein kann, da ich vielleicht nur an der Person vorbei laufen wollte und sich dann einfach so das Gespräch öffnet. Das finde ich nicht so passend gelöst. Besser wäre es, wenn alle Gespräche und Interaktionen immer erst nach einem Knopfdruck ausgelöst werden würden. Das würde dem Ganzen einen besseren Touch geben.

Übrigens: Ihr reist in The West of Loathing nicht nur herum, sondern begebt euch manches Mal auch in den einen oder anderen Kampf. Die Kämpfe funktionieren rundenbasiert. Euer Protagonist – Wyatt – hat pro Kampf AP zur Verfügung, mit denen er besondere Attacken ausführen kann. Das ist ziemlich cool, schade ist allerdings, dass sich diese Punkte nur pro Kampf wieder aufladen. Wenn man die Angriffe als nicht klug genug einsetzt, so schaut man am Ende möglicherweise in die Röhre und kann zum Beispiel keinen Schutzwall mehr einrichten.

Fazit: Einmal in den Wilden Westen, bitte!

Was ich mir zunächst aufgrund des Grafikstils und der versprochenen Slapstickkomik holen wollte, ist sein Geld allemal wert. Ich habe viele schöne Stunden mit The West of Loathing verbracht und an genau den richtigen Stellen gelacht. Es ist gutes Spiel, mit dem ihr viele Stunden verbringen könnt, während ihr die Gegend erkundet, dem einen oder anderen Goblin eins überbratet oder eine Quest nach der anderen erledigt. Besonders angetan hat es mir wirklich die Strichmännchengrafik, da sich diese vom Rest der Indiegames abhebt und somit einen ganz eigenen Charme versprüht, dicht gefolgt von der Idee des Spiels an sich.

Im Grunde habt ihr in The West of Loathing freie Wahl, was ihr tut. Ihr könnt euch den Quests widmen oder frei durch die Gegend streifen oder aber ihr folgt der Story. Wie auch immer, ihr werdet euer ganz eigenes, aberwitziges Abenteuer erleben, jede Menge Meat sammeln und mit der Macht der Bohnen euren Gegnern zeigen, dass ihr über den Wilden Westen herrschen könnt. Ein gelungenes Spiel für zwischendurch und auf der Switch perfekt für unterwegs geeignet.

Wertung:

Technik: 80
Grafik: 79
Sound: 81
Umfang: 87
Gameplay: 78
KI: 75

Spielspaß: 92

  • Story: In The West of Loathing erlebt ihr euer ganz eigenes Abenteuer im Wilden Westen, bei dem ihr mehr oder weniger allein entscheiden könnt, was ihr tut. Wichtig ist nur, dass ihr euer eigenes Abenteuer erlebt.
  • Frustfaktor: Dieser besteht nur manchmal bei den Quests, wenn man nicht weiter weiß. Hierfür empfehlen wir am besten einen Zettel oder einen Block neben sich zu haben, um sich wichtige Informationen zu notieren.
  • Wiederspielwert: The West of Loathing macht wirklich Spaß, allerdings ist der Wiederspielwert nicht so hoch, wenn man den Titel einmal durch gespielt hat.
  • Design/Stil: Der Stil ist an den Wilden Westen angelehnt, doch alle Figuren sind in stilistischer Strichmännchenmanier gezeichnet, was einen ganz eigenen Charme hervorruft.
  • Musik: Die Musik passt gut und hält sich im Hintergrund, unterstreicht das Szenario jedoch gut.
ProContra
+ Sehr witziger und schräger Humor- Quests nicht immer aufschlussreich
+ Charmanter Strichmännchenstil- Kleinere grafische Fehlerchen
+ Gelungener Soundtrack- Manchmal geht der rote Faden verloren
+ Spielwelt lädt zum Erkunden ein
+ Kampfsystem mit Köpfchen
+ Freier Spielstil sorgt für Abwechslung

Mein Name ist Meykota und ich habe schon vieles hinter mir. Ich habe 2014 gemeinsam mit meinem Mann den Palace gegründet, leite mein ganz eigenes Team im Kundenservice und schwinge von Zeit zu Zeit meine flotte Schreibefeder, um die eine oder andere Geschichte auf virtuelles Papier zu bringen. Ich brauche regelmäßig Abwechslung, weswegen es mit mir eigentlich nie langweilig wird.

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