Carto (Switch) im Test – Wie die Karte zu meiner Freundin wurde

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Prinzipiell kann ich mit Karten wenig anfangen, doch wenn ich einmal an einem Ort gewesen bin, kann ich mit ziemlicher Sicherheit dort auch wieder hingelangen. Mein Navigationssinn ist ziemlich ausgeprägt. So wie der des jungen Mädchen Carto, das in Carto seine Familie sucht. Ob wir ans Ziel der Reise kommen oder unterwegs den Weg aus den Augen verlieren, verrate ich euch in meiner Review zur Switch Version von Carto.

Das Abenteuer beginn!

Es begann mit einem Sandsturm

Carto beginnt actionlastig: Zunächst ist Carto auf einem Flugschiff mit ihrer Großmutter, bis sie in einen Sandsturm kommen und Carto aus dem Schiff geweht wird. Nun wacht sie allein am Ufer eines Meeres auf und ist auf der Suche nach ihrer Großmutter. Zu trocken? Kein Ding!

Die Grundgeschichte von Carto ist nicht sonderlich spannend und erfindet das Storyrad auch definitiv nicht neu, allerdings sind es die vielen kleinen anderen Geschichte, die die Reise so unglaublich spannend machen. So treffen Carto und ich auf ziemlich viele Menschen, die ganz unterschiedliche Bräuche hegen: Ob das nun die Rhythmusbäuerin ist, die ihre Pflanzen mit Musik zum Wachsen bringt, die Wächter, die den Mutterbaum schützen möchten, oder der Stamm, bei dem Kinder mit 15 die Insel für immer verlassen. Es sind diese Geschichten, die Carto für mich zu einem interessanten und spannenden Spiel machen.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, nicht tolerant genug zu sein und diese Bräuche, die ich im Laufe der Zeit kennen lerne, zu verurteilen. Einfach aus dem Grund, dass ich es nicht anders kenne und diese Traditionen deswegen mit ganz anderen Augen sehe. Dabei sind es Bräuche, die bei diesen Völkern funktionieren. Was ich dafür noch spannender finde, ist wie die Menschen damit umgehen. Manche wollen die Traditionen brechen, andere wollen sie fortleben. Ein ganz typisches Menschenbild wird hier gezeichnet, und das finde ich großartig.

Carto ist ein gewaltfreies Spiel, in dem ich mit den richtigen Kartenteilen die Lösungen finde. Es ist ein Spiel, das entspannt und einen zum Knobeln herausfordert, ohne wirklich ans Äußerste zu gehen. Und das liebe ich so an diesem kleinen Spiel.

Ein Kartenstück hier…

Neben einer tollen Geschichte kommt Carto allerdings auch mit einem interessanten und innovativen Gameplay daher: Carto und ich sind Kartenleserinnen und Navigatoren, Das bedeutet, dass wir auf unserer Reise immer wieder Kartenstücke finden, die wir dann nur richtig zusammensetzen müssen, um die Rätsel zu lösen, die uns die Welt stellt. Das können hierbei ganz verschiedene sein: Mal muss ein Kartenstück nur an die richtige Stelle, um einen NPC glücklich zu machen, mal müssen die Karten eine gewisse Reihenfolge haben, um ein neues Gebiet freischalten zu können.

Ich bin eigentlich kein Freund von Rätselspielen, doch in Carto stehe ich dabei nie vor unlösbaren Aufgaben. In anderen Spielen muss ich regelmäßige Pausen machen, damit ich einen klaren Kopf bekomme und dann vielleicht die Lösung finde, doch in Carto passt alles. Es ist eine wirklich erholsame Version eines Rätselspiels. So sollten mehr Spiele sein.

Zudem sind einige Rätsel wirklich spannend und abwechslungsreich gemacht. So gut wie gar nicht nutzen sich die verschiedenen Elemente ab, sondern lockern das Ganze gelungen auf. Ich war zum Beispiel verzweifelt, als ich durch einen Nebelwald ging, denn alle Bäume sahen gleich aus, nichts wies mir wirklich einen Weg – bis ich genauer hinsah. Und das ist im Grunde das Geheimnis für alle Rätsel: Genaues Hinsehen bringt einen häufig zur Lösung.

Die technische Umsetzung

Ich habe die Demo zu Carto auf dem PC gespielt und das Hauptspiel nun auf der Switch und ich muss sagen: Auf der Konsole fühlt sich das Spiel deutlich intuitiver an. Als würde es hier seinen Platz haben. Beachtet bei dieser Aussage, dass ich selten Spiele am PC mit einem Controller spiele, sondern dort fast immer nur mit Maus und Tastatur bewaffnet bin.

Manchmal ist die Steuerung ein bisschen verwirrend, vor allem was die Funktionstasten betrifft, sodass ich immer wieder Dinge tue, die ich eigentlich gar nicht tun möchte. Dennoch liegt das aber eher an mir, statt am Spiel selbst, denn das spielt sich auf der Switch erstaunlich flüssig und lupenrein klar. Das einzige Manko, was mir wirklich auffiel, ist die Akkuleistung im Handheldmodus. Bei meiner Switch (ich habe noch eine vom Launch) war der Akku nach einer Dreiviertelstunde nur noch bei knapp 10 %. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Anpassung gewünscht, sodass auch mal längere Spielsitzungen möglich sind.

Carto punktet zudem mit einem niedlichen Zeichenstil und der wippende Gang, den die kleine quirlige Protagonistin mit bringt, hat irgendwie mein Herz erobert. Gleichzeitig sorgt der ruhige und schöne Soundtrack für die richtige Entspannung. Ich bin allerdings noch hin und her gerissen, ob ich mir nun eine Sprachausgabe wünsche oder nicht. Manchmal nervt es mich, die Texte nebenbei zu lesen, die ich so viel lieber hören würde, allerdings glaube ich auch, dass gesprochene Sprache die Atmosphäre ein wenig zerstört hätte.

Fazit: So wurden die Karten meine Freunde

Ich bin seit der E3 2020 fasziniert von Carto und freute mich umso mehr auf den Release – enttäuscht wurde ich kein Stück! Ich habe mit Carto zwar eine nicht unbedingt spannende Hauptgeschichte erhalten, dafür jedoch sehr viele verschiedene Stämme und Bräuche kennen gelernt, die ich ohne das Spiel nicht kennen lernen hätte können. Es ist ein sanftes Rätselspiel, das wholesome ist und mir auch entspannte Kopfnüsse verpasst, die jedoch nie an meine Grenzen gehen. Carto ist definitiv eines meiner Highlights des Jahres 2020.

Carto kommt zudem mit einem niedlichen Zeichenstil und einem wunderbar entspannenden Soundtrack daher. Für mich ist es ein rundum passendes Konzept in einer grandiosen Darstellung. Jeder, der auf der Suche nach einem ruhigen Rätselspiel ist, findet mit Carto das Spiel, das er die ganze Zeit gesucht hat. Eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und plötzlich komme ich auch viel besser mit dem Lesen von Karten zurecht.

ProContra
+ Wunderbarer Soundtrack– Hauptgeschichte erfindet Geschichtenrad nicht neu
+ Pfiffiger Zeichenstil– Akkuverbrauch im Handheldmodus sehr hoch
+ Innovatives Gameplay– Steuerung teilweise ein wenig verwirrend
+ Rätsel, die sich sehen lassen können
+ Informative Nebengeschichten, die die Welt lebendig erscheinen lassen
+ Welt voller Geschichten

Technik: 86
Grafik: 87
Sound: 85
Umfang: 89
Gameplay: 84

Spielspaß: 91

  • Story: Carto ist auf der Suche nach ihrer Großmutter und stolpert dabei von einer Geschichte in die nächste.
  • Frustpotential: Die Rätsel sind relativ logisch nachvollziehbar und an nur sehr wenigen Stellen wirklich frustrierend.
  • Design/Stil: Ein pfiffiger und niedlicher Zeichenstil. Vor allem Cartos Laufstil zeichnet sich aus.
  • Nachhaltigkeitswert: Ich hoffe doch, dass Carto viel Aufmerksamkeit bekommt, da es ein tolles und entspannendes Spiel ist.
  • Musik und Sound: Ein tolles Soundtrack, der gut zu jedem Gebiet und Rätsel passt.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Carto kostet 19,99 € und ist davon jeden Cent wert.

Offenlegung

Wir haben uns Carto auf der Switch selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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