Edge of Eternity (PS5) im Test – Zwischen Staunen und Zersetzung

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Ich war super gespannt, ob sich dieses Warten lohnen würde: Im März 2015 habe ich Edge of Eternity bei Kickstarter unterstützt und eine PS4 Version des Titels angefordert. Dass ich fast sieben Jahre auf das Spiel warten würde und schließlich eine PS5 Version erhalte, habe ich damals nicht ahnen können. Gefreut habe ich mich die ganze Zeit auf das Spiel – ob sich die Wartezeit gelohnt hat, verrät unsere Review, nachdem ich die Reise durch Heryon nun absolviert habe.

Ambitioniert – außer der Anfang

Edge of Eternity ist ein höchst ambitionierter Titel und es ist durchweg erstaunlich, das was verhältnismäßig kleine Team von Midgar Studio auf die Beine gestellt hat. Das merkt man aber erst, wenn man den Beginn des Spieles hinter sich gelassen hat. In den ersten ein bis zwei Stunden hatte ich zunächst ein falsches Bild von Edge of Eternity. Der Einstieg in die Story gefiel mir zwar, aber es reihte sich Schlauch an Schlauch, es ging also sehr linear zu, und sonderlich hübsch war Edge of Eternity da auch nicht. Ein bisschen kam die Frage auf: Ist es das? Habe ich darauf so lange gewartet?

Doch dann wurde alles anders, denn man die Einführung hinter sich gebracht hat, Protagonist Daryon die vermeintlichen Gefährten wieder verloren hat und seine Familie getroffen hat, geht es erst richtig los. Und plötzlich ist Edge of Eternity doch relativ offen, wobei es keine komplett offene Spielwelt bietet, sondern lediglich größere, offene Gebiete, und entfaltet vor allem eine Faszination für die Spielwelt, die ich so am Anfang gar nicht erahnt habe.

Heryon ist eine wunderschöne Spielwelt – eine so schöne Fantasy-Spielwelt, das sie einfach beeindruckend ist und es Spaß macht, bei verschiedenen Tag- und Nachtzeiten die Gebiete zu erkunden und zu schauen, welche Geheimnisse und Herausforderungen dort warten. Und das Team hinter Edge of Eternity hat nicht daran gespart, solche zu platzieren. !B

Vor einer Kiste im Wald am Rand der Spielwelt in Edge of Eternity.
Es lohnt sich, jeden Winkel von Heryon zu erkunden.

Weniger ist manchmal mehr

Letztlich bleibt ein Eindruck, der sich am Anfang bei mir auftat: Midgar Studio hat so ziemlich alles in Edge of Eternity implementiert, was man sich von einem modernen Spiel wünscht: Ein Tages- und Nachtwechsel, Wetter, Crafting, Erkundung, zufällige Ereignisse, Haupt- und Nebenquests, kleinere Entscheidungen, eine freie Charakterentwicklung. Doch nicht alles davon greift nahtlos ineinander. Es funktioniert alles für sich genommen und mir hat es auch Spaß gemacht, die Teile von Edge of Eternity alle zu erkunden, doch manches wirkt einfach etwas undurchdacht.

Das Crafting von Waffen und Rüstungen zum Beispiel ist, sagen wir mal, nett, aber eigentlich auch nicht nötig. Vor allem, da man beim Erkunden der Spielwelt Hunderte und Hunderte von Ressourcen sammelt, aber natürlich meist ausgerechnet das nicht, was man zum Herstellen der besten Gegenstände braucht. Und dann sind einige von ihnen bei Händler:innen auch noch günstiger, als wenn ich die fehlenden Ressourcen kaufen würde, oder in einer versteckten Kiste gibt es etwas besseres. Anders gesagt: Auf das Craften von Rüstungen hätte man verzichten können und sich lieber auf die Waffen konzentrieren können und dieses System besser erklären.

Das zentrale Element der Kristalle für Waffen erklärt Edge of Eternity nämlich so gut wie gar nicht. Kurz gesagt werden ein guter Teil der Figureneigenschaften und auch die Fertigkeiten der Figur einzig durch Kristalle bestimmt, die auf die Waffe gesetzt werden. Dass man diese Kristalle auch zusammenfügen und so neue Kristalle erschaffen kann, erfährt aber nur, wer in der Stadt aufmerksam ist und den zugehörigen Tisch findet. Das Spiel verliert kein Wort darüber.

Es ist wie es ist: Edge of Eternity hat einen beeindruckenden Umfang, denn mit der Story kann man schon seine 35, 40 oder auch mehr Stunden verbringen und dann gibt es noch all diese Dinge drumherum. Doch manches ist auch einfach nur da ohne einen bestimmten Zweck und auch zum Beispiel die Verteilung der Ausrüstung im Spiel ergibt teilweise nicht so viel Sinn. UNd das, wo wir eine Welt wartet, in der es sich wirklich lohnt, und es noch dazu Spaß macht, jeden Winkel zu erkunden und jedes Geheimnis mitzunehmen. Vielleicht wäre eben doch weniger mehr gewesen. !B

Bei Schnee auf dem Weg in ein Gebäude mit hohen, leuchtenden Pflanzen in der Art von Pilzen.
Solche Anblicke sind immer wieder toll.

Taktische Kämpfe juhu!

Dass man Systeme nämlich durchaus kann, zeigt Midgar Studio in Edge of Eternity mit dem Kampfsystem: Seine offenkundigsten Inspirationen nehmen sich die Entwickler:innen ja von J-RPGs und bieten somit hier ein taktisches und rundenbasiertes Kampfsystem, welches aus meiner Sicht voll und ganz gelungen ist.

Es fühlt sich nicht alles so hochpoliert an wie vielleicht in einem Final Fantasy, aber das muss es auch gar nicht. Vor allem vom Ablauf her fand ich die Kämpfe in Edge of Eternity sehr übersichtlich und ich konnte erstaunlich gut einschätzen, ob ich einen Kampf prinzipiell gewinnen kann oder nicht. Wenn ich in zu große Gegnergruppen gelaufen bin, konnte ich sofort sagen, dass das nix wird – und hatte meist recht.

Durchaus liegt auch der eine oder andere unfaire Kampf auf dem Weg, doch wie sollte es anders sein, sein eigenes Level abseits dessen verbessern hilft meistens weiter. Aber: Grinden muss man in Edge of Eternity nicht. Wer genug erkundet und Kämpfe auf dem Weg erledigt, wird mitunter soweit im Level fortschreiten, dass die Hauptstory beinahe zu einfach ist. Ich habe mit der Standardeinstellung gespielt, in dem die Level der Gegner jeweils feststehen und nicht angepasst werden – doch das lässt sich auch aktivieren. !B

Screenshot aus dem Kampf. Ein Zauber geht auf eines der Felder nieder.
In den Kämpfen geht es teils sehr effektreich zu.

Überall speichern, bitte

Einstellungen sind ein gutes Stichwort: Wer möchte, kann Edge of Eternity so spielen, dass nur an Wegpunkten gespeichert werden kann. Ganz so wie in klassischen J-RPGs eben. Es kann aber auch eingestellt werden, dass überall gespeichert werden darf. Ich habe genau das aktiviert, nehmt es mir nicht übel, es ist eine der Komfortfunktionen, die ich durchaus gerne mitnehme. Darüber hinaus lässt sich auch die Schwierigkeit der Kämpfe einstellen, sodass auch hartgesottene Spieler:innen auf ihre Kosten kommen.

Was ich dahingehend blöd finde: Eine der Trophäen/Erfolge/Errrungenschaften von Edge of Eternity ist davon abhängig, dass man alle Kämpfe im Spiel auf höchster Schwierigkeit schafft. Hier ist mir bewusst geworden, dass ich solche Errungenschaften nicht mehr sehen möchte, zumal in einem Spiel wie diesem, das viele tolle Trophäen für Erkundung und das Erledigen von Quests bietet. Doch so schließt man Spieler:innen aus, die ein Spiel vielleicht auch nur wegen der Story genießen.

Die ist in Edge of Eternity übrigens dauerhaft gelungen: Nicht jeder Dialog ist unbedingt komplett gelungen, allerdings repräsentieren Daryon und Selene für mich zwei glaubwürdige Hauptfiguren in einer Welt, die von einem Krieg und der „Zersetzung“, einer Krankheit heimgesucht wird und die versuchen, ihre Familie zu retten. Daryon ist verfolgt vom Schicksal als junger Deserteur der Armee – ein Thema, das gut, aber nicht aufdringlich thematisiert wird. Generell empfinde ich die Erzählweise von Edge of Eternity als ziemlich angenehm. !B

Unterwegs in der Spielwelt auf einem Reittier, einem sogenannten Nekaruh.
Auch per Nekaruh lässt sich die Welt erkunden.

Gut zum Staunen

Wer als kleines Team ein so ambitioniertes Spiel wie Edge of Eternity liefert, hat technisch Vieles zu beachten, vor allem, wenn der Titel auch noch auf so viele unterschiedliche Plattformen kommt. Die gute Nachricht ist, dass Edge of Eternity insgesamt solide gelungen ist.

Richtig unschön ist eigentlich nur das Laden der kompletten Spielwelt beim Einstieg ins Spiel oder beim Laden nach dem Game Over: Da baut sich so gut wie alles einzeln auf. Ansonsten gibt es wenig, was direkt stört: Einige Animationen sind zwar etwas hakelig und ich hatte zumindest ein Rätsel, was bei mir einfach nicht funktionierte, doch ansonsten lädt vor allem Heryon immer weder zum Staunen ein, auch dank der Soundkulisse und gelungenen Musik.

Was mich aber stört: Die Nutzung der Schultertasten des DualSense Controllers. Vor allem beim Laden des Spieles wird der Widerstand der rechten Schultertaste oft aktiviert und deaktiviert, beim Spielen ist der Widerstand dauerhaft an, ohne einen echten Nutzen. Die Folge: Der DualSense Akku geht beim Spielen von Edge of Eternity unglaublich schnell zu Neige. Da wünsche ich mir definitiv noch ein Update, um das zu lösen! !B

Blick in den Abendhimmel.
Auch ein Blick den Himmel belohnt mit schönen Aussichten.

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt

Nach vielen Stunden in Heryon sage ich froh: Das Warten auf Edge of Eternity hat sich in der Tat gelohnt! Midgar Studio hat hier ein extrem ambitioniertes Spiel abgeliefert. In manchen Belangen ist es vielleicht sogar zu ambitioniert: Bestimmte Systeme wie das Crafting von Rüstungen oder das Kombinieren von Kristallen werden entweder kaum erklärt, oder haben kaum einen Nutzen, oder beides. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen, doch dafür begeistert Edge of Eternity in den Kerndisziplinen fast ohne Einschränkungen: Mit einer gelungenen Geschichte, tollen taktischen Kämpfen und einer einfach wunderschönen Fantasy-Spielwelt sind die wichtigsten Merkmale für ein gelungenes J-RPG mehr als gegeben. Konkret an der PS5 Version nervt mich nur die schreckliche Einbindung der DualSense Schultertasten. Doch auch die hat mich nicht davon abgehalten, Heryon in all seiner Pracht zu erkunden.

ProContra
+ Wunderschöne Spielwelt– Manche Elemente eher unnötig
+ Gelungene Story und Figuren– Ein paar frustrierende Kämpfe
+ Tolle taktische Kämpfe– Furchtbare Einbindung der DualSense Schultertasten
+ Gute Musikuntermalung
+ Viele Geheimnisse in der Spielwelt
+ Gute Einstellmöglichkeiten (Speichersystem)
Auf dem Bild ist eine 84 als Wertung zu sehen.

Technik: 84
Grafik: 85
Sound: 82
Umfang: 90
Gameplay: 80
KI: 80

Spielspaß: 85

  • Story: Edge of Eternity erzählt gelungen von einer wunderschönen Spielwelt, die von Krieg und einer Seuche heimgesucht wird. Die jugendlichen Hauptfiguren sind hier gut dargestellt.
  • Design/Stil: Absolut gelungen.
  • Musik und Sound: Die Soundkulisse passt sehr gut, nur einige Effekte tanzen etwas aus der Reihe.
  • Frustpotential: An manchen Stellen vorhanden.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die UVP von 39,99€ halte ich für angemessen.
  • Langzeitmotivation: Edge of Eternity unterhält lange bei einem Durchgang und bietet dank vieler optionaler Dinge wirklich genügend Motivation.

Offenlegung

Wir haben einen PS5 Reviewkey zu Edge of Eternity erhalten und das Spiel auch über Kickstarter selbst erworben.

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Manuel Eichhorn
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