Story of Seasons: Pioneers of Olive Town (Switch) im Test

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Im letzten Jahr habe ich mit dem letzten Story of Seasons auf der Nintendo Switch meine Kindheit wieder aufleben lassen, nun begebe ich mich mit Story of Seasons: Pioneers of Olive Town in ein neues Abenteuer, lasse die Großstadt hinter mir und werde zur Pionierin. Was sich am Konzept geändert hat, ob sich ein Blick nach Olivingen – so der deutsche Name der Stadt – lohnt und wie zufrieden ich wirklich war, erfährst du in meiner Review zu Story of Seasons: Pioneers of Olive Town auf der Nintendo Switch.

Willkommen in Olivingen

Das Prinzip eines Story of Seasons Spiel sollte vermutlich klar sein, dennoch habe ich die Story noch einmal kurz zusammen gefasst: In Story of Seasons: Pioneers of Olive Town lässt du dein Leben in der Stadt hinter dir und kehrst nach Olivingen zurück. Hier hat dein Großvater vor vielen Jahren ein Stück Land gekauft, das du jetzt übernimmst. Das erste, was du in Olivingen machst, ist dein Aussehen festzulegen. Das ist ziemlich cool gemacht, weil du dir theoretisch gesehen auch eine nicht-binäre Figur erstellen kannst, vollkommen nach deinen Wünschen.

Leider hört die Diversität beim eigenen Charakter danach auf, denn der Bürgermeister fragt dich, ob du der Enkel oder die Enkelin deines Großvaters bist. Etwas nicht-binäres gibt es an der Stelle nicht mehr, obwohl du einen solchen Charakter erstellen kannst. Das finde ich sehr schade. Allerdings kannst du in Story of Seasons: Pioneers of Olive Town ebenfalls wieder gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen, wenn du das möchtest. Das ist wiederum cool, ich hätte mir nur gewünscht, dass die Entwickler:innen den Schritt ganz wagen.

Doch zurück zum eigentlichen Prinzip: Du erbst also das Land deines Großvaters und ab da an ist es deins. Du kannst dort machen, was du möchtest. Du willst lieber nur Obst und Gemüse anpflanzen und einen ganzen Hain mit Obstbäumen haben? Nur zu! Dir sind Tiere lieber? Dann bau doch so viele Tierställe wie du möchtest. In Story of Seasons: Pioneers of Olive Town schreibt dir niemand vor, was du machen sollst. Theoretisch gesehen brauchst du nicht mal einen Bauernhof zu bauen, sondern du könntest auch den ganzen Tag nur fischen. Und da du an sich keine Ausgaben hast, weil du kein Essen brauchst, kannst du eigentlich den ganzen Tag auch gar nichts machen. All das liegt an dir.

Da gar nichts tun allerdings so stark an unsere aktuelle Lage erinnert, und man außerdem dafür belohnt wird, wenn man etwas tut, wirst du dich ziemlich schnell in den normalen Hofalltag verlieben. So ist es mir passiert. An sich erfindet Story of Seasons: Pioneers of Olive Town das Rad der Farmingspiele nicht neu, will es aber auch gar nicht. Stattdessen ist es einfach ein normales und modernes Story of Seasons Spiel, im Grunde fast so was wie das erste richtige Spiel, seit Harvest Moon eigene Wege ging und Story of Seasons zu den Ursprüngen zurückkehrte.

Easy Mode, here I come!

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town bringt übrigens einen sogenannten Setzlingsmodus mit sich. Das ist ein einfacher Spielmodus, in dem alles ein bisschen sehr viel einfacher geht. Der normale Spielmodus wird übrigens schon als klare Herausforderung gesehen – ich bin also froh, dass es keinen schwierigen Modus weiter gibt.

Um für euch den Setzlingsmodus auszuprobieren, habe ich diesen für meinen Spieldurchgang gewählt und fühle mich stellenweise hart unterfordert. Bereits im ersten Frühling hatte ich alle meine Werkzeuge auf die erste Stufe erweitert und die letzte Stufe des Rucksacks erreicht. Außerdem konnte ich bereits mein Haus einmal ausbauen, habe ein Haustier, einen fertigen Hühnerstall… Ich glaube, du weißt, worauf ich hinaus möchte. Der Setzlingsmodus ist wirklich so hart einfach, dass man gar nichts falsch machen kann. Auch die Freundschaft zu den Dorfbewohner:innen ist bei vielen bereits auf zwei oder drei Herzen – und das nur nach einem Monat. Dieser Modus ist vielleicht für Kinder gut, die sich schnell überfordert fühlen, Veteranen sollten jedoch definitiv auf normal spielen.

Doch das ist noch nicht alles. Auch so ist Story of Seasons: Pioneers of Olive Town recht einfach. Beispielsweise erinnere ich mich noch an das klassische Harvest Moon: Back to Nature auf der PlayStation 1. Hier habe ich mich mit den Dorfbewohner:innen anfreunden müssen, wenn ich wissen wollte, wann diese Geburtstag haben oder wenn sie mir ihre Rezepte verraten wollten. In Pioneers of Olive Town weiß ich das alles schon: Mein Kalender kennt direkt vom ersten Tag alle Geburtstage, sogar von denen, die ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht kennengelernt habe.

Ebenso finden im Sommer beispielsweise Taifune statt. Wenn ich mich an frühere Spiele der Reihe erinnere, warn das die schlimmsten Tage überhaupt: Ich konnte meine Hütte nicht verlassen, meine Tiere nicht füttern und nicht nach meinen Feldern sehen. In Pioneers of Olive Town ist das halt einfach nur ungemütliches Wetter, zumal ich mir um das Futter meiner Tiere eh keinen Kopf machen brauche, denn die haben einen Trog, in den ich bis zu 10 Futter schmeißen kann. Ich brauche also theoretisch gesehen mehrere Tage einfach nicht bei meinen Tieren vorbei schauen.

Du hast alle Zeit der Welt

Was ich in früheren Spielen der Reihe prinzipiell gut fand, war der Zeitdruck. Häufig hatte man drei Jahre Zeit, um den Hof auf Vordermann zu bringen, damit man dort weiter leben konnte. Doch weil es den Leuten vermutlich zu stressig war, hat auch Story of Seasons: Pioneers of Olive Town keine Zeit- und somit auch keine Zielvorgabe, was ich schade finde. Ich mochte die Herausforderung, einfach in einer bestimmten Zeit etwas zu schaffen und im Dorf akzeptiert zu werden. Ich fand das früher gut.

Dafür ist es trotz allem super motivierend, sodass ich mir irgendwann einfach selbst Ziele gesetzt habe. Pioneers of Olive Town stachelt mich an, jeden Tag aufzustehen und tatsächlich erst weit am späten Abend wieder ins Bett zu gehen. Das hatte ich bisher so bei noch keinem Spiel dieser Art und das macht mir wiederum viel Spaß. Ebenso wie das Kennenlernen der Dorfbewohner:innen.

Im Spiel gibt es viele Dorfbewohner:innen, die ich kennenlernen kann und von denen jeder auch seine eigene Geschichte und Funktion im Dorf hat. In meinem Tagebuch finde ich eine Übersicht aller Dorfbewohner:innen, wie viele Herzen ich bei ihnen schon habe – ja, ich kann für jede:n Herzen sammeln – und was ich sonst noch so über sie herausgefunden habe. Ein bisschen verwirrend ist, dass ich für jede:n Herzen sammeln kann. Nur diejenigen, die ich auch daten kann, haben dunkelrote statt orangene Herzen, was mich persönlich verwirrt hat und mir der Unterschied erst nach einiger Zeit klar wurde. Hier hätte ich mir, wie vorher auch, einfach den Umstand gewünscht, dass jede:r auch die Herzen in den Textboxen hat, damit ich gleich weiß, mit wem ich Zeit verbringen sollte. Und damit wir gleich klar wird, dass Manuela die Mutter ist und keine Bachelorette… Ziemlich cool ist übrigens, dass die Dorfbewohner:innen auf Ereignisse reagieren.

Um die Zeit übrigens sinnvoll nutzen zu können, kannst du in Story of Seasons: Pioneers of Olive Town auch jede Menge Maschinen bauen: Eine verwandeln Gras in Garn, Blumen in Farbe, Holz in Baumaterial. Das ist irgendwie cool, nimmt mir aber irgendwie auch den Reiz, denn ich bin größtenteils nur damit beschäftigt, Rohstoffe zu farmen und sie meinen Maschinen zu bringen. Das ist einfach für Dinge wie Holz und nervig für Dinge wie Mineralien.

Reif für die Insel?

In Story of Seasons: Pioneers of Olive Town hast du auch die Möglichkeit online zu spielen und dann die Inseln deiner Freund:innen zu besuchen. Der Sinn davon erschließ sich mir nicht und ein bisschen habe ich mich an Animal Crossing: New Horizons erinnert. Auch so hat Pioneers of Olive Town für mich einige abgekupferte Elemente dabei, die teilweise gut und teilweise nicht so gut sind. Das bereits erwähnte Besuchen anderer Olivingens halte ich für weniger sinnvoll.

Das eingeführte Auftragsbrett im Rathaus wiederum, das mich vor allem an My Time at Portia erinnert, gefällt mir dafür wieder umso mehr, auch wenn dort am Anfang nur wenige Aufträge hängen. Ähnlich wie in benanntem Indiespiel packt auch hier der Bürgermeister immer mal wieder selbst Aufträge ans Brett, um Olivingen schöner, bunter und größer zu gestalten, damit mehr Touristen in die Stadt kommen und mehr Leben bringen. Groß Einfluss habe ich persönlich jedoch nicht darauf, wie sich die Stadt entwickelt.

Auf diese Weise baust du übrigens die Stadt ganz automatisch aus und schaffst es so, dass es einen Salon und eine Boutique gibt, in denen du Kleidung bestellen, deine Frisur anpassen oder deinen Charakter gänzlich verändern kannst. Lediglich das Geschlecht kannst du nicht ändern, nach dem du es einmal am Anfang mit binären Möglichkeiten ausgewählt hast. Das ist schon ziemlich cool, denn so kann ich immer mal wieder meine Haare anpassen oder auch neue Kleidung bestellen, für die ich nicht nur Geld ausgeben muss, sondern die Rohstoffe auch gleich liefern darf. Wäre das in der Realität so, würde niemand von uns Kleidung tragen.

Übrigens läuft Story of Seasons: Pioneers of Olive Town stellenweise sehr unschön und ruckelig, vor allem dann, wenn ich aus der Stadt auf meinen Hof komme. Da braucht es immer einen Moment, bis sich die Framerate gefangen hat. Ansonsten passt es jedoch so weit. Hin und wieder fallen mir die Ladezeiten negativ auf, denn gerade vor Cutscenes ist diese im Handheldmodus der Nintendo Switch doch recht lang. Manchmal lädt es auch einfach nur lang, wenn ich meine Hütte verlasse und auf meinen Hof will – ohne besonderen Grund dann.

Fazit: Olivingen ist… nett

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town erfindet das Rad der Farmingspiele definitiv nicht neu und dennoch hat es mich in seinen Klauen. Es motiviert mich sehr und stachelt mich an. Auch wenn es Dinge gibt, die mir sauer aufstoßen, wie beispielsweise, dass ich einen nicht-binären Charakter gestalten kann, mich aber dann doch zwischen Enkel oder Enkelin entscheiden muss. Dafür wiederum kann ich gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen, was ein definitiver Pluspunkt ist und bei allen Spielen der heutigen Zeit so sein sollte. Auch wenn das Beziehungen aufbauen an sich super einfach geht – selbst wenn mir nicht direkt klar ist, wen ich heiraten kann.

Auf der einen Seite ist Pioneers of Olive Town für mich motivierend, auf der anderen Seite ist es besonders im Setzlingsmodus lachhaft einfach. Geburtstage stehen bereits fertig im Kalender, mein Kochbuch ist sofort gefüllt. Nicht einmal Taifune haben mehr große Auswirkungen, ich kann sogar dabei das Haus verlassen. Als Veteranin der Reihe komm ich vor allem auf diesen Aspekt immer noch nicht klar. Und was das Ganze mit den Besuchen auf anderen Inseln soll, weiß ich bis heute nicht. Pioneers of Olive Town bietet mir viel Freiheit, denn ich kann machen, was ich will – ich muss theoretisch nicht mal den Hof bewirtschaften. Dennoch fehlt mir etwas, eine klare Linie, die mich an die Hand nimmt und mir vielleicht sogar einen zeitlichen Rahmen steckt. Zudem finde ich die teilweise langen Ladezeiten und die Einbrüche der Framerate beim Betreten des Hofes unangebracht. Ein bisschen mehr Einfluss hätte ich mir allerdings beim Entwickeln der Stadt gewünscht.

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town ist ein nettes Spiel mit Ecken und Kanten, doch besonders Kinder und Neueinsteiger kommen gut ins Spiel rein und werden ihren Spaß haben. Veteranen sollten vielleicht vorher ein paar Videos gucken, bevor sie sich entscheiden.

ProContra
+ Motivierendes Konzept– Vieles ist viel zu einfach
+ Setzlingsmodus gut für junge Spieler:innen– Sehr, sehr, sehr, sehr einfach im Setzlingsmodus
+ gleichgeschlechtliche Beziehungen möglich– Besuche auf anderen Inseln
+ Viele Tiere und Pflanzen– Teilweise sehr lange Ladezeiten
+ Freiheiten in der Zeitgestaltung– Einbrüche der Bildrate beim Betreten des Hofes
+ Charaktererstellung sehr vielfältig (nicht-binärer Charakter optisch möglich)– Es gibt nur männlich oder weiblich, kein nicht-binärer Charakter möglich
+ Dorfbewohner:innen reagieren auf Ereignisse– Hofbetrieb optional
– Nicht sofort ersichtlich, wer zur Heiratswahl steht
– Maschinen nehmen mir teilweise den Reiz

Technik: 70
Grafik: 68
Sound: 82
Umfang: 84
Gameplay: 56
KI: 60

Spielspaß: 73

  • Story: Ich habe einen Hof geerbt und beginne ein neues Leben in Olivingen.
  • Frustpotential: Nope.
  • Nachhaltigkeit: Pioneers of Olive Town schlägt gerade in den Markt der Farmingspiele.
  • Design/Stil: Ein hübscher Stil.
  • Musik und Sound: Passt.
  • Preis-Leistung: Pioneers of Olive Town kostet auf der Nintendo Switch 49,99 €, was ich sehr angemessen finde für die Menge an Spielzeit, die viele hier investieren.

Offenlegung

Ich habe mir Story of Seasons: Pioneers of Olive Town auf der Nintendo Switch selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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