Horizon: Forbidden West (PS5) im Test – Der Westen lockt

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Eigentlich habe ich von Vornherein gesagt, dass ich mir Horizon: Forbidden West nicht holen möchte. Ich hatte zwar Spaß mit dem Erstling, doch die Welt sah für mich zu generisch aus, die Kämpfe zu anstrengend und irgendwie war mir zudem nicht wohl dabei. Na ja, und dann war ein Tag vor dem Launch, es gab Gehalt und eins kam zum anderen. Und irgendwie war das auch gut so, glaube ich zumindest. Ob mir die Reise in den Verbotenen Westen gefallen hat oder ob ich doch lieber im Wilden Osten hätte bleiben sollen, findest du in dieser Review zur PlayStation 5 Version von Horizon: Forbidden West heraus. !B

Zu sehen ist eine junge Frau mit roten Haaren in einer bläulichen Kriegerrüstung.

Es beginnt mit einem Rückblick

Wenn du Horizon: Zero Dawn, so wie ich, bisher noch nicht abgeschlossen hast, ist das für Horizon: Forbidden West kein Beinbruch, denn alles beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung, die die für mich relevantesten Punkte wiedergibt. Das ist gut und macht mir Lust auf mehr. Ich mochte Zero Dawn ganz gerne, doch bei der Story bin ich aufgrund der Schwierigkeit irgendwie nie wirklich weitergekommen. Zum Glück hat Forbidden West einen Storymodus, der die ganze Geschichte für mich ein bisschen einfacher gestaltet, denn Kämpfe sind deutlich einfacher.

Generell finde ich die Geschichte hier ein bisschen schöner: Aloy entdeckt die Welt nicht mehr so schlimm und langatmig, wie noch im Erstling, sondern kennt schon alles und will nun die Welt retten. Hierfür brauchen wir ein GAIA-Backup, weswegen wir in den Verbotenen Westen des postapokalyptischen Amerika reisen. Auf der Reise dahin sterben ein paar nervige NPCs, aber das ist vermutlich generell besser für diese neue Welt. Neben all den Gefahren, denen sich Aloy stellen muss, punktet der Westen aber auch gleich noch mit einem Krieg unter den dort angesiedelten Stämmen. Du siehst: Es gibt schon allein durch die Story viel zu tun.

Generell gibt es sehr viel zu tun und wenn du dich gerne von… Oh eine neue Ruine! … ablenken lässt, ist Forbidden West vielleicht nicht das richtige Spiel für dich. Ich habe sehr viel Spaß in der Welt und helfe sehr gerne den Menschen dort, um ihr Leben ein bisschen besser zu gestalten. Generell habe ich das Gefühl, dass mir diese NPCs nicht am Po vorbei gehen, sondern dass ich ein Teil der Welt bin oder ihnen zumindest dabei helfe, dass es ihnen nur noch halb so schlecht geht. Auch einer der Gründe, warum ich überhaupt mit Aloy aufbreche, um all diese Funktionen für GAIA zu finden. !B

Aloy, eine taffe Frau

Es ist schade, dass die großen Blockbuster gerade erst anfangen, diverse Charaktere kennenzulernen – da sind die Indies schon seit jeher eine ganze Ecke weiter und deutlich bunter aufgestellt. Aloy ist als Rotschopf eine Ausnahme, dass sie weiblich ist, brauche ich an der Stelle nicht zu erwähnen. Wie gesagt, habe ich Horizon: Zero Dawn damals nicht ganz durchgespielt, aber ich kann sagen, dass sich diese junge Frau zu einer taffen Kriegerin entwickelt hat, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Im Spiel wirft man ihr vor, dass sie so ungehobelt ist, weil sie als ausgestoßene Nora aufwuchs. Ich glaube, dass in dieser harten Welt kein Platz für zarte Pflänzchen ist.

Und das merke ich auch generell im Rollenbild, das in Horizon: Forbidden West präsentiert wird. Frauen sind hier genauso hoch angesehen wie Männer. Damen, die einfach nur ihre Fingernägel lackieren, gibt es so gut wie nicht. Die Ladies kämpfen mit, sie führen sogar eine Rebellenarmee an und leiten ganze Städte. Niemand behauptet hier, dass Frauen hinter den Herd gehören – dort stehen zum Teil sogar auch Männer. Das gefällt mir richtig gut und davon kann sich unsere Welt noch ordentlich eine Scheibe abschneiden.

Doch zurück zu Aloy. Klar, einige Entscheidungen teile ich mit ihr nicht. Manchmal wünsche ich mir sogar, dass ich größeren Einfluss auf Gesagtes habe und nicht nur hin und wieder mal so ein bisschen. So könnte ich sicherlich einige Situationen ganz anders lösen, so wie ich es ja auch im Kampf kann, denn hier habe ich auch die Wahl, was ich mache. Mal nutze ich den Nahkampf, mal Mittelstreckenbögen, mal lege ich Fallen und mal hocke ich einfach nur in meinen roten Gräsern und töte alles aus der Ferne. Warum also nicht auch mehr Entscheidungen in Cutscenes?

Ich liebe jedoch die deutsche Synchro, vor allem da auch Aloys Sprecherin wieder zurückkehrte und ich mich sehr über Claudia Urbschat-Mingues freue, die als Gaia eingesprungen ist. Eine wunderbare Besetzung, wie ich finde. Die deutsche Synchronisation ist dieses Mal auch deutlich besser gelungen als beim Erstling: Auf lippensynchrone Einspielungen wurde geachtet und das ist super. !B

Auf dem Bild steht eine junge Frau in einer Wüste vor vielen Solaranlagen.
Solaranlagen!

Ich überbrücke meinen eigenen Stürmer

Die Welt in Horizon: Forbidden West ist eine postapokalyptische: Die Menschheit schuf eine KI, um die Erde irgendwie am Leben zu erhalten, doch durch verschiedene Veränderungen kam es zu einer Plage und kranken Maschinen, die eigentlich den Planeten schützen sollten. Schon einmal erkundete ich diese Welt und schon damals war ich fasziniert von ihr. Ich liebe es, die heutige Menschheit aus der Sicht der Zukunft zu sehen und zu beobachten, wie Rückschlüsse über uns gezogen werden. Auch in Forbidden West entdecke ich vieles, das von früher stammt. Allein im Verbotenen Westen gibt es so viele Autos, die nur darauf warten, mir die Inhalte ihrer Kofferräume anzubieten.

Es macht mir Spaß, durch die einzelnen Gebiete zu streifen und dabei Dinge zu entdecken, die ich auch schon in Death Stranding gesehen habe, nur dieses Mal aus einer ganz anderen Sicht und mit einem ganz anderen Hintergrund. Mein ganz persönliches Highlight sind die Tag- und Nachtverläufe im Spiel. Ich beobachte tatsächlich sehr gerne, wie die Sonne auf- und untergeht und vom Mond abgelöst wird. Hier greifen für mich wunderschöne Lichtreflexe ineinander über, sodass ich jedes Mal stehen bleibe und mir die Zeit nehme, um innezuhalten.

Allerdings sieht nicht alles in Forbidden West so hübsch aus wie diese Tag- und Nachtwechsel. Ich hatte erst vor wenigen Wochen nochmal in Zero Dawn hineingeschaut, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Der Nachfolger sieht auf der PlayStation 5 zwar deutlich schärfer aus, die NPCs haben auch deutlich schickere Charaktermodelle erhalten, aber an und für sich hat es sich meiner Meinung nach grafisch nicht wirklich weiterentwickelt. Hier wurden einfach nur die neuen Ressourcen genutzt, um die Welt noch größer zu gestalten. Generell fühlt sich Forbidden West für mich wie ein Zero Dawn 2.0 an, was okay ist, da die Formel für mich aufgeht, aber so einen richtigen Flash, dass ich nun ein PS5 Spiel vor mir habe, habe ich nicht.

Immerhin gibt es die Maschinen, die allesamt sehr eindrucksvoll sind und sehr stark an normalen Tieren orientiert sind, nur eben größer und mechanischer. Das finde ich ziemlich cool. Schade finde ich jedoch, dass diese Wesen immer noch nicht miteinander agieren. Es gibt eben Herden, die an einem Platz sind, und andere Herden, die an einem anderen Platz sind. Dass die Maschinen irgendwie miteinander „leben“, fehlt mir jedoch – so wie mir das auch bei den ganz normalen Tieren fehlt, die da rumrennen. Alles läuft immer einfach nur weg, nichts agiert miteinander oder lebt richtig. Das finde ich schade. Dafür kann ich wie in Zero Dawn bestimmte Maschinen überbrücken und sie zum Beispiel als Reittiere nutzen oder mit ihnen kämpfen, das ist wiederum ziemlich cool, lässt die Wesen jedoch nur als Nutz- und Loottiere erscheinen. !B

Auf dem Bild geht die Sonne über einem See unter. Am Strand steht eine junge Frau, balancierend auf einem Bein.

Die Fehler einer offenen Welt

In den meisten Openworldspielen passieren Fehler, das ist logisch und auch nachvollziehbar und auch Horizon: Forbidden West hat da noch das eine oder andere Missgeschick, das vermutlich in den nächsten Wochen und Monaten entfernt wird. Hoffe ich zumindest. Dennoch sind es für mich Fehler, die seltsam sind und die ich einem kleineren Release verzeihen würde, doch nicht unbedingt einem AAA-Titel, der gerade als Vorzeigespiel für PS4 und PS5 herhalten soll. So gibt es ganz klassische Clippingfehler, die aber vermutlich gar nicht vermeidbar waren. Ich denke hierbei vor allem an die Haare, die immer noch gerne durch alles durchklippen und ein kreatives Eigenleben in Cutscenes entwickelt haben – in der freien Wildbahn sind die Haare jedoch sehr hübsch und realistisch.

Bedenklicher finde ich jedoch einige andere Dinge. So zum Beispiel die einbrechende Framerate, die ich bei Stürmen häufiger erlebe. Das lässt sich immer nur mit einem neu Laden des Spielstands beheben – oder ich spiele an der Stelle eben in ausgewählten Frames weiter. Seltsamer finde ich jedoch, dass meine PS5 die Frames mit einem Spulenfiepen kommentierte und somit im Takt der einbrechenden Framerate fiepte. Aus Angst, die Konsole kaputt zu machen – was durchaus auch schon bei anderen Konsolen geschehen ist – habe ich dann lieber erstmal eine Pause eingelegt.

Nebenbei passieren immer mal kleinere Fehler: Plötzlich erhalte ich zum Beispiel Erfahrungspunkte für Kills, die ich definitiv nicht gemacht habe. Einmal hing ich auch in einer Höhle fest, weil ich mich zwar reinclippen konnte, aber nicht wieder rauskam. Sehr schade finde ich, dass Dinge, Maschinen, Tiere und Menschen sich nach und nach aufbauen und dass somit sogar in der Anfangscutscenes, die Aloys Reise an die Grenze darstellt, immer wieder Texturen nachgeladen werden. Und apropos nachladende Texturen: Es lud auch schon ganze Bereiche nicht, sodass ich ins Leere stürzte. Das ist für mich sehr ärgerlich und schmälert den Spielspaß für mich sehr.

Und von den Kletteranimationen möchte ich eigentlich erst gar nicht anfangen. Forbidden West lässt Aloy klettern, jedoch nur da, wo es das Spiel will. Für eine Quest sollte ich Felsen nach oben klettern. Ich entschied mich also für eine Wand, die in einem Assassin’s Creed locker erklimmbar gewesen wäre, und kam nicht hoch. Als ich ein paar Meter weiterging und die Wand dort genauso aussah, ließ mich das Spiel plötzlich nach oben. Mein Fazit: Ich kann nun mal nicht überall klettern, auch wenn die Dinge so aussehen, als käme ich da hoch. Außerdem bin ich mir sicher, dass sich Aloy bei einigen Animationen definitiv Arme oder Beine brechen müsste. So was ist super ärgerlich und hat teilweise mit einer Open-World-Fehlerquelle nichts mehr zu tun.

An sich bin ich der Meinung, dass Horizon: Forbidden West, auch wenn es schon einmal verschoben wurde, locker noch ein, zwei oder drei Monate gebraucht hätte, um wirklich die gröbsten Fehler auszumerzen. Nun wird das eben in nachfolgenden Patchs gemacht, wie das leider bei AAA Titeln zum Standard wurde.

Fazit: Ich mag den Verbotenen Westen. Irgendwie.

Aloy und ich befinden uns in Horizon: Forbidden West in einem postapokalyptischen Amerika und versuchen, die Welt vor dem Untergang zu retten. Keine leichte Aufgabe, zumal es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, die uns von unserer Reise ablenken können: Reliktruinen, Geheimnisse, Nebenquests und das Upgraden der Ausrüstung sind dabei nur einige Aspekte. Doch so voll die Welt auch ist, so fehlt es ihr an Leben und interagierenden Tieren sowie Maschinen. Dafür tummeln sich einige Fehler in dieser offenen Welt, die für mich teilweise den Spielspaß linderten und mich frustriert zurückließen. Das ist schade und sollte bei einem solchen Blockbuster nicht in der Häufigkeit auftreten. Dennoch punktet Forbidden West mit einer tollen Darstellung der Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind, einer taffen Heldin und eine sehr guten deutschen Synchronarbeit.

Dennoch finde ich es neben den ganzen Fehlern, die mir passiert sind, schade, dass sich Forbidden West für mich nur wie ein grafisch überarbeiteter PS4-Titel anfühlt. Und auch wenn ich Spaß mit Aloy und der Welt habe, so bleibe ich doch mit einem leicht säuerlichen Geschmack zurück und der Frage, ob denn nicht mehr auf der PS5 möglich gewesen wäre – und damit meine ich nicht unbedingt größer. Wenn du ein Fan von offenen Welten bist, gerne alte Kulturen kennenlernst, die Welt retten möchtest und den Erstling gut fandest, kannst du gerne zugreifen.

ProContra
+ Interessante Geschichte– Jede Menge Clippingfehler
+ Super viel zu tun, spannende Aufgaben– Einbrechende Framerates
+ Lebendige Charaktermodelle– Nicht oder nach ladende Texturen
+ Sehr gelungene deutsche Synchronarbeit– Verschwindende Spielwelt (ich falle durch die Welt)
+ Abwechslungsreiche Gebiete– Schmerzhaft wirkende Kletteranimationen
+ Schöner Tag- und Nachtwechsel– Klettern nur da möglich, wo das Spiel das will
– Maschinen/Tiere interagieren nicht und fungieren nur als Loot
Das Wertungsbild zeigt einen Score von 80 von 100 Punkten an.

Technik: 78
Grafik: 68
Sound: 92
Umfang: 90
Gameplay: 72
KI: 70

Spielspaß: 82

  • Story: Gemeinsam mit Aloy begibst du dich in den Verbotenen Westen, um die Menschheit und den Planeten vor dem Untergang zu retten.
  • Design/Stil: Forbidden West ist hübsch, könnte jedoch grafisch vermutlich noch mehr herausholen.
  • Musik und Sound: Der Soundtrack ist sehr gelungen. Für mich persönlich ist die deutsche Synchronisation sehr gut gelungen und greift auf hochkarätige Sprecher/-innen zurück.
  • Frustpotential: Im Story-Modus gibt es kaum Frustpotential, außer bei der Technik, sodass es regelmäßig vorkommt, dass die Framerate enorm heruntergeht und dadurch alles nur im 2 oder 3 Sekundentakt bewegt werden kann.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Horizon: Forbidden West kostet rund 80 €, was ich für die Größe des Spiels und der Spielzeit angemessen finde.

Offenlegung

Wir haben uns Horizon: Forbidden West auf der PlayStation 5 Digital Edition selbst gekauft.

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Beatrice Eichhorn
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