King’s Bounty II (Switch) im Test – Eine Legende geht weiter

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King’s Bounty II hat eine ganze Weile auf sich warten lassen – vor gut zehn Jahren erschien der letzte Ableger der Reihe, die im Ursprung von New World Computing entwickelt wurde und als Vorläufer der Heroes of Might and Magic Reihe zu sehen ist. Mittlerweile gehört die Reihe 1C Entertainment, die King’s Bounty II selbst entwickelt haben. Im Gegensatz zu den Vorgängern startet das Spiel nicht nur auf dem PC, sondern auch auf PS4, Xbox One und Switch. Ich habe mir die Switch Version angesehen und verrate dir, ob sich das lange Warten auf King’s Bounty II gelohnt hat.

Ein ganz neues Abenteuer

Tatsächlich habe ich mich sehr lange auf King’s Bounty II gefreut – und eine Reihe Verschiebungen hat das Spiel auch hinter sich. Während die letzten Ableger der Reihe, die bereits unter der Regie von 1C Entertainment erschienen sind, noch Untertitel spendiert bekamen, erhält dieser Titel eine echte II – die er sich redlich verdient. Denn das hier ist ein komplett neues Abenteuer, nicht nur eine modernisierte Fassung.

Auf einer der Heroes of Might and Magic Verpackungen prangte einmal der Slogan „alles neu, punktum.“ Genau das trifft hier zu: King’s Bounty II wurde rundum an heutige Gepflogenheiten modernisiert, in seiner Formel verändert und dabei auch etwas zugänglicher gemacht. Die größte Veränderung: Wir spielen hier ein Third-Person-RPG, welches nur für die rundenbasierten Kämpfe in die isometrische Ansicht wechselt.

Doch in anderen Dingen bleibt King’s Bounty II der Formel der Reihe treu und ich finde, das Third-Person RPG passt hier umso besser: Die Entwicklung der Hauptfigur steht nämlich im Vordergrund, gemeinsam mit dem Treffen von Entscheidungen, die die Entwicklung verschiedener Ausprägungen erlauben. Fertigkeitenpunkte wollen sinnvoll eingesetzt werden, um die eigene Figur zu entwickeln und auch an den Spielstil anzupassen. Die drei Protagonisten des Spieles, Krieger, Magierin und Paladin, setzen dafür die Grundlagen. !B

Der Screenshot zeigt die Erkundung der Welt in Third-Person-Ansicht. Zu sehen ist ein Weizenfeld, durch das die Hauptfigur gerade läuft.
Die Erkundung der Spielwelt erfolgt nun in Third-Person-Ansicht.

Zugänglichkeit & Anspruch

Wo sich King’s Bounty II ohne zu Zögern heutigen Gepflogenheiten anpasst: Die meisten wichtigen Punkte werden auf der Karte markiert. Das Spiel ist textlastig, sehr sogar, doch wer nicht will, muss das Meiste nicht unbedingt lesen. Kleine Rätseleinlagen gibt es, bei denen die Texte hilfreich sein können, doch ansonsten liefern Kartenmarkierungen alle möglichen Informationen. Ob teils bildschirmlange Texte zum Durchscrollen noch zeitgemäß sind, sei mal dahingestellt, sonderlich viel Spaß gemacht, diese zu lesen, hat es mir auch nicht, vor allem durch die etwas verwaschene Optik auf der Switch – doch dazu später mehr.

Seinen Anspruch packt King’s Bounty II allerdings in den Kämpfen aus, und hier hat sich seit der Preview-Version, die ich gespielt habe, doch noch Einiges getan. Die Kämpfe, die so auf den Wegen liegen, sind als sehr moderat zu betrachten, doch die größeren Storykämpfe und teils auch optionale Kämpfe haben es in sich: Hier wird dir Einiges abverlangt. Es sind aber die für mich motivierendsten Schlachten, die ein Spiel dieser Art bisher hervorgebracht hat.

Die Truppen sind nun nicht mehr „anonym“ in rauen Mengen auf dem Feld, wobei nur eine Einheit klar sichtbar ist, sondern es werden alle Einheiten dargestellt und ihre Anzahl bleibt selbst bei höherer Führungsqualität des Helden oder der Heldin eher überschaubar – ich weiß noch, wie schwer ich mir früher immer getan habe, die Stärke einer Einheit einzuschätzen, das geht in King’s Bounty II wesentlich besser.

Dabei bringen viele Einheiten auch eigene Fertigkeiten mit, die im Kampf eingesetzt werden können – neben den Zaubern der Held:innen, je nach Fertigkeit zur Verfügung stehen und ebenfalls für positive Effekte an eigenen Einheiten oder für Schaden an Gegnern sorgen können. Hier ist immer abzuwägen, was sinnvoll ist – ein Tipp von mir: Vor den Schlachten speichern, denn hin und wieder lässt sich mit einer anderen taktischen Entscheidung am Ende doch besser leben und es lassen sich Verluste vermeiden. !B

Der Screenshot zeigt einen Kampf aus King's Bounty II, in dem der Spieler gerade den Feind angreift.
In den Kämpfen entfaltet King’s Bounty II seinen Anspruch.

Die Entwicklung von Held:innen

Was mir an King’s Bounty II ganz gut gefällt: Es gibt mir ein ganz gutes Gefühl dafür, was ich mit meiner Hauptfigur schon erreicht habe und was noch zu erreichen ist. Die Entwicklung der Heldin ist nachvollziehbar, aber ich kann zum Beispiel durch neue Ausrüstung bei Händlern schon erahnen, wo die Reise hingehen könnte. Ich habe mich für meinen Hauptdurchgang wieder für das Spielen als Paladin mit Elisa entschieden, weil sie für mich die sinnvollsten Fertigkeiten von Haus aus mitbringt und zum Beispiel von Anfang an heilen kann.

Entscheidungen im Spiel werden von Anfang an bestimmten Charaktertypen zugeordnet – es gab zwar für mich ein paar Momente im Spiel, wo ich die jeweilige Zuordnung nicht ganz nachvollziehen konnte, jedoch lässt sich die eigene Spielfigur so zum Beispiel in die Richtung Disziplin vs. Anarchie entwickeln. Wer zu oft die jeweilige Entscheidung trifft, bekommt den anderen Pfad später ggf. verwehrt – schön ist, dass die jeweiligen Entscheidungen im Spiel tatsächlich anders aussehen können, so gibt es auf dem einen Pfad manchmal eine Schlacht, wo auf dem anderen nur ein ernstes Gespräch wartet. Ich habe im Spielverlauf nicht immer nach dem gleichen Pfad entschieden und so in King’s Bounty II gute Erfahrungen gemacht.

Zu dieser Erfahrung gehört auch, dass King’s Bounty II wieder ein starkes Motivationspotential aufweist und einen problemlos über mehrere Stunden an den Bildschirm fesseln kann – denn in der Welt gibt es immer was zu tun und man denkt sich schnell: „Nur noch dieser Kampf“ oder „nur noch diese Quest“. Und so vergehen dann die Stunden… !B

Der Screenshot zeigt die Karte von King's Bounty II, auf der mehrere Aufgabenmarkierungen zu sehen sind.
Es gibt genug zu tun.

Die Technik auf der Switch

Wo ich mir Sorgen machte: Die technische Umsetzung von King’s Bounty II auf der Nintendo Switch. Eine grundsätzliche Konsolensorge wurde während meiner Previewphase schon beseitigt: King’s Bounty II ist voll und ganz auf die Steuerung mit dem Controller optimiert und steuert sich hier wesentlich besser als mit Maus und Tastatur. Das ist auch auf der Switch so und die Bedienung geht größtenteils makellos von der Hand.

Für die restliche technische Umsetzung gilt, dass sie einerseits besser ist, als befürchtet, mich aber andererseits nach bessere Optimierung und am besten einer stärkeren Switch fragen lässt: Zunächst sieht King’s Bounty II besser aus als erwartet, auch wenn das optische Erscheinungsbild sehr verwaschen ist. Auch die Performance passt, doch nur, solang man nicht in die größeren Gebiete geht: Dann ist schon regelmäßig ein deutliches Stocken zu vernehmen und die Bewegung in der Welt geht nicht mehr ganz so flüssig vonstatten, wie ich mir das wünschen würde.

King’s Bounty II bleibt auf der Switch jederzeit spielbar und Abstürze sind mir auch nicht passiert – doch vor allem die verwaschene Optik schmälert zum Beispiel die Lust auf die langen Texte noch mehr. Was ich optisch nicht verstehe: Vegetation wird häufig aus der Ferne angezeigt und ploppt dann aus (!) wenn man sich ihr nähert – oder aber der Detailgrad lässt deutlich nach. Hier ist glaube ich noch ein Fehler bei der Darstellung nicht gefixt worden. Teilweise werden am Bildschirmrand in King’s Bounty II auch nicht die korrekten Symbole angezeigt, wenn man Einheiten oder Gegenstände erhält bzw. verliert – auch hier sollte mit einem Patch nochmal nachgeholfen werden.

Insgesamt kommt King ’s Bounty II sicherlich auch zu gute, dass es bei offener Welt und ihrer Dynamik bei weitem nicht mit anderen aktuellen Open-World RPGs mithalten kann: Dynamisches Wetter gibt es ebenso wenig wie besonders agile NPCs oder wilde Tiere. Doch das braucht es auch gar nicht unbedingt, denn dafür wird die Welt ziemlich dicht genutzt für Geheimnisse oder auch die (optionalen) Aufgaben.

Wo mich King’s Bounty II ähnlich wie die älteren Serienableger wieder voll und ganz abholen konnte: Mit dem Soundtrack. Die Soundeffekte in der Welt sind sehr stimmig, während mich die Musik vor allem in den Kämpfen überzeugen konnte. Ein paar mehr Stücke könnte es vielleicht noch geben, doch die Untermalung ist insgesamt sehr stimmig, auch wenn es mir hier nicht passiert ist, dass ich in einer Schlacht abgewartet habe, nur um die Musik zu hören (das war dann doch eher in Heroes of Might & Magic IV). !B

Der Screenshot zeigt einen langen Text im Spiel, der ziemlich verwaschen dargestellt wird und schwer zu lesen ist.
Liest heute noch jemand so viel Text?

Fazit: Eine gelungene Wiedergeburt

Ich gehe ganz stark davon aus, dass 1C Entertainment mit King’s Bounty II die Grundlage für weitere Serienableger legt – und darauf freue ich mich. Meines Erachtens ist die Modernisierung der Reihe vollends gelungen. Zunächst wirkt es beinahe ungewöhnlich, wie zugänglich das Spiel geworden ist – doch wenn man die ersten größeren Schlachten absolviert hat, wird klar, dass auch King’s Bounty II sehr anspruchsvoll sein kann. Der Fokus auf die Held:innenentwicklung gefällt mir ebenso gut wie die dichte Nutzung der Spielwelt und die modernisierten Kämpfe – da ist es auch nicht so dramatisch, dass es beim Thema offener Spielwelt nicht mit vielen anderen aktuellen Titeln mithalten kann. Die technische Umsetzung auf der Switch ist ein zweischneidiges Schwert: King’s Bounty II ist mobil wie auf dem TV gut spielbar, doch das verwaschene Bild und die etwas wacklige Performance lassen öfter nach einer „besseren“ Version lechzen, die man vermutlich eher auf den anderen Konsolen bekommt. Insgesamt ist King’s Bounty II aber die Fortsetzung geworden, die ich mir für die Reihe gewünscht habe.

ProContra
+ Sehr gelungene Modernisierung– Hakelige Performance auf Switch
+ Gelungene Kämpfe– Verwaschenes Bild
+ Nachvollziehbare Truppenverwaltung– Anzeigen am Bildschirmrand nicht immer korrekt
+ Dichte Nutzung der Welt– Welt nicht so lebendig wie andere moderne offene Welten
+ Guter Soundtrack
Auf dem Bild ist eine 84 als Wertung zu sehen.

Technik: 84
Grafik: 68
Sound: 90
Umfang: 90
Gameplay: 85
KI: 85

Spielspaß: 85

  • Story: King’s Bounty II erzählt stimmig von einem bedrohten Königreich und dem Aufstieg einer Heldin oder eines Helden.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden.
  • Design/Stil: Gut gelungen – King’s Bounty II wählt eine realistische Darstellung mit Fantasy-Elementen.
  • Musik und Sound: Die Musikuntermalung ist sehr gut und passt stimmig zum Inhalt.
  • Preis-/Leistungsverhältnis: King’s Bounty II erscheint zum Vollpreis – was angemessen ist.

Offenlegung

Wir haben einen Reviewkey zu King’s Bounty II erhalten.

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Manuel Eichhorn
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