KOI (PS4) im Test – Von Entspannung keine Rede

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Es gibt, vor allem im Indiebereich, einige Spiele, die Ruhe und Entspannung sowie ein etwas puzzliges Gameplay anbieten. Spiele wie Journey und flower beispielsweise. Der kleine Titel KOI auf der PlayStation 4 versucht ebenfalls in diese Richtung zu schlagen und verspricht, dass Zen auf Fertigkeit und Ruhe auf Spannung trifft. Davon waren wir im Test leider absolut nicht überzeugt. Warum KOI eher an ein frustrierendes Spielerlebnis grenzt, verraten wir euch in unserem Test zum PlayStation 4 Spiel KOI, das digital zur Verfügung steht.

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Ein kleines Fischchen

Am Anfang weiß KOI noch zu überzeugen: Wir sind ein kleines Fischchen in einem großen Teich, dessen Aufgabe es ist, die Blumen zum Erblühen zu bringen. Zur Hilfe haben wir dazu andere Fische, die sich irgendwo im Teich verstecken und die natürlich die passende Farbe zu den jeweiligen Blumen haben. Fisch gefunden, zur Blume gebracht und Lichter geerntet. Noch das erste Level zeugt von einer schönen Harmonie, die sehr wohl entspannend sein kann und die zudem eine schöne Geschichte zwischen den Zeilen erzählt – nur dass man die Zeilen im Grunde sieht.

Während Genrekollegen wie flower beispielsweise auf einer stillen Erzählung basieren, bei denen die Geschichte nur durch Bildern erzählt wird, arbeitet KOI mit Bildern und Textfetzen. So gibt es leider keinen wirklichen Anspruch beim Storytelling, was nicht unbedingt bedeutet, dass KOI frustfrei ist, aber dazu kommen wir später. Die Geschichte selbst beruht auf Umweltverschmutzung, denn die Menschen kamen, haben alles verdreckt und sind wieder fortgegangen, um ihren Schmutz da zu lassen. Doch die Verunreinigung der Natur hat für viel Böses in der friedlichen Teichwelt gesorgt, sodass es böse Fische mit roten Augen gibt, die uns angreifen und fertig machen wollen. Alles in allem also eine schöne und kurze Geschichte.

KOI weist eine verdammt kurze Spielzeit auf: Ihr könnt alle sieben Level innerhalb einer Stunde schaffen (erster Durchlauf), selbstverständlich nur dann, wenn ihr euch nicht so ärgern lasst vom Spiel. Wenn ihr euch ärgern lasst, weil die Technik einfach nicht so will wie ihr, dann liegt das wirklich nicht an euch, denn KOI ist in vielerlei Hinsicht technisch äußerst unausgereift, weswegen wir zum aktuellen Zeitpunkt leider sehr vom Titel abraten müssen – anderthalb Stunden Frust lohnen sich einfach nicht.

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Die böse Umweltverschmutzung

Die Idee hinter KOI ist an sich eine schöne, da ihr wieder einmal feststellen werdet, wie böse die Menschen sind. Leider fehlt es dem Spiel erzähltechnisch an der Dramatik, weswegen zwar deutlich wird, was geschehen ist, aber das Ganze dann eben doch sehr platt und unausgereift wirkt. Das liegt aber weder am Design noch am Soundtrack, denn dieser hat es wirklich in sich. Hier haben wir es vermutlich mit richtigem Zen zu tun, denn die einzelnen Klänge verleiten schon einmal zum Entspannen – lenken aber nicht von der frustrierenden Technik ab, die dann doch die Schönheit des ganzen Spiels ruiniert.

Zum einen haben wir da eine Steuerung, bei denen man dem Fisch am liebsten seinen nicht vorhandenen Hals umdrehen möchte. Er bewegt sich schwammig, was hier wiederum bedeutet, dass er nach rutscht, wenn man anhält oder dass man mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wenn man plötzlich mal nach rechts abbiegen möchte. Deswegen ist es manchmal ein Graus den großen bösen Fischen auszuweichen – nur gut, dass deren Sichtfeld nicht immer funktioniert und sie uns so in den meisten Fällen fast nie entdecken. Neben der Steuerung übernimmt das Spiel in einigen Sequenzen und Leveln dann doch plötzlich selbst die Kontrolle. Das soll wohl die Strömung darstellen, bei der wir nicht selbst Hand anlegen dürfen. Dumm nur, dass es Level gibt, in denen das einfach nicht ersichtlich wird. Da werden wir plötzlich fortgerissen, während andere Level mit Linien im Wasser immerhin die Strömung darstellen.

Und dann gibt es da noch Rätsel und Fallen. Yeah! Wenn diese Elemente wenigstens noch funktionieren würden, wäre das wirklich ganz gut. Zum einen gibt es einige Rätsel, die einfach frustrierend sind. Beispielsweise müsst ihr in einem der wenigen Level Fische hinter so Ästen befreien. Selbstverständlich können die Äste nicht einfach verschwinden, sondern man muss sie mit Hilfe eines Klangspiels wegschicken. Bei diesem Rätsel-Minispiel-Dings leuchten einige Blätter auf dem Ast auf. Die Reihenfolge müsst ihr euch merken und dann die entsprechenden Blätter markieren. Das müsst ihr dreimal mit steigender Blattanzahl machen und wenn ihr etwas falsch macht, fangt ihr noch einmal ganz von vorne an. An sich kein Problem, bei uns jedoch weigerte es sich partout, bestimmte Blätter zu erkennen, weswegen wir fluchend einige Versuche brauchten, bis KOI dann doch Lust hatte, unsere Eingabe zu akzeptieren.

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Später gibt es dann noch ein Rätsel, bei dem ihr ein bestimmtes Muster erkennen sollt, dabei funktioniert das Ganze wie ein Memorie-Spiel: ihr müsst die entsprechenden Muster zuordnen und das auch noch innerhalb der vorgegebenen Zeit. Auch das ist an sich nicht schwierig, wenn KOI nicht einfach zwischendrin den Cursor festhalten würde und uns somit die Zeit davon rennt. Sehr nett vom Spiel, wirklich. Auf diese Weise gibt es einige Elemente im Spiel, die so derart frustrierend sind, dass man sich hinterher fragt, warum man das Spiel, das Entspannung versprach, eigentlich gekauft hat.

Doch es ist nicht nur diese Technik, die dafür sorgt, dass KOI einfach schrecklich frustrierend ist. Besonders für westliche Spieler ist KOI eine ganz besondere Umstellung, da mit der asiatischen Steuerung gearbeitet wird. Bedeutet: Bestätigen ist Kreis, Abbrechen ist X. Es hat eine kleine Weile gedauert bis wir das begriffen hatten. Wo wir auch schon bei einem weiteren großen Knackpunkt sind. KOI versucht möglichst intuitiv zu sein. Während die Story noch mit Texten erklärt wird, sitzt man bei den einzelnen Menüs und Rätseln da und fragt sich, was man eigentlich genau tun muss. Vor allem das Startmenü ist in keinster Weise selbsterklärend. Ihr seht euch einer Reihe von ominösen Symbolen gegenüber, bei denen man glauben könnte, zu wissen, was man auswählen muss, um das Spiel zu starten. Aber, wie gesagt, man glaubt es bloß. Ebenso „intuitiv“ ist das bereits erwähnte Rätsel mit den Mustern, die man zuordnen muss, denn zunächst ist nicht deutlich, was man machen soll. Erst wenn man mehrfach verkackt, ist KOI so nett und gibt einen kleinen Hinweis.

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Komm schon, was Positives?

Keine Sorge, KOI hat auch einige gute und schöne Argumente, die leider alle an eine Hand passen und sehr schnell aufgeführt sind. Wir erwähnten bereits den guten Soundtrack, der immer hervorragend zu den einzelnen Leveln passt, sodass wir uns im Unterwasserlabyrinth kaum um die Ecken trauten oder uns im Sternenmeer ganz abgehoben fühlten. Der Soundtrack ist somit der stärkste Punkt, den KOI aufzuweisen hat. Leider auch mit Abstand der einzige wirklich positive Punkt am Spiel. Zwar ist auch die Grafik ganz ansehnlich, kann aber aufgrund verschiedenster Elemente und Entscheidungen einfach auf keinen grünen Zweig gelangen.

Beispielsweise tropft es regelmäßig, um zu demonstrieren, dass wir uns immer noch im Wasser bewegen. An sich wäre das ein unheimlich praktisches Element um beispielsweise Gegenstände oder Gegner im Wasser zu erkennen, bevor man sie wirklich sieht. Aber nein, egal, wohin diese Tropfen treffen, der Effekt ist immer derselbe – was uns im besagten Unterwasserlabyrinth einiges an Nerven kostete. Es ist immer schön, wenn Entwickler auf solche Details achten, aber weniger schön, wenn man dann diese entsprechenden Details nicht auch noch passend in das eigene Spiel implementiert. Das sorgt für jede Menge Frust, der nicht sein sollte.

Was KOI noch ganz gut nutzt ist die pompöse Leuchtebar des PlayStation 4 Controllers. Diese blinkt nämlich bei entsprechenden Stellen und wenn wir innerhalb des Spiels den Sternensee erreichen, so blinkt sich die Leuchteleiste fast zu Tode und wechselt permanent zwischen den Farben. Das ist zwar augenintensiv, hebt jedoch die Atmosphäre ungemein an. Immerhin noch ein guter Punkt am Spiel. Sehr schade.

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Fazit: Viel gewollt, (fast) nichts gekonnt

KOI hat es nicht leicht, es versucht in große Fußstapfen zu treten und tritt mehrfach direkt daneben. Die Idee an sich ist sehr schön und wir lieben Geschichten, die durch sich selbst erzählt werden, allerdings bleibt KOI hier ganz schön hinter den Anforderungen zurück. Es verlangt zwar vom Spieler, dass man das Startmenü sofort und ohne Text versteht, doch die Geschichte selbst wird dann natürlich nicht nur in Bildern, sondern auch durch Text erzählt, was ein sehr unschlüssiges Element ist. Hätte KOI nicht diesen wunderbaren Soundtrack und den doch schönen grafischen Stil, wäre es vermutlich im tiefsten Sumpf der Wertungen verschwunden.

Vor allem auf technischer Ebene hat KOI einige Macken vorzuweisen. Rätsel, die nicht so wollen, wie wir wollen. Strecken, die das Spiel einfach mal selbst übernimmt. Eine Steuerung, die jenseits von Gut und Böse ist. Während ähnliche Spiele versuchen, wirklich Entspannung zu bieten und dabei auch noch eine Geschichte zu erzählen, erzählt KOIzwar etwas von Zen und Ruhe, hetzt aber dann doch von einem Level zum nächsten. Entspannung sieht jedenfalls ganz anders aus. Selten haben wir so stark geflucht und diverse Kraftausdrücke verwendet wie für KOI. Sehr schade, denn der Titel selbst hat von der Idee her Potential. Ach ja, und dann gibt es da noch diese lustigen Trophäen, bei denen man beispielsweise auf eine Spielzeit von 24 Stunden (!) kommen muss. Wie soll man das schaffen, wenn man innerhalb einer Stunde durch ist mit dem gesamten Spiel?

KOI versucht vieles, scheitert aber definitiv in der Umsetzung. Aufgrund der technischen Mängel können wir euch den Titel leider keineswegs ans Herz legen – es sei denn, ihr wollt einen schönen Soundtrack und ein kostenloses Theme für eure PlayStation 4 haben, kostet auch nur knapp 9 € im PlayStation Network.

Pro Contra
+ Genialer Soundtrack – Steuerung viel zu schwammig
+ Schöner Grafikstil – Menüs arbeiten nur mit Symbolen, nicht mit Text
+ Der Versuch von Entspannung – KI reagiert nicht, bzw. entwickelt eigenen Geist
+ Abwechslungsreiche Level – Ruhe wird durch zu viel Stress geblockt
+ An sich schöne Idee – Rätsel mit technischen Macken versehen
– Elemente nicht sinnvoll genutzt
– Viel zu kurz
– Seltsame Trophäen

Technik: 46

  • Grafik: 73
  • Sound: 90
  • Umfang: 20
  • Gameplay: 19
  • KI: 23

Spielspaß: 20

  • Story: Die Story könnte so schön sein, wenn sie sich selbst erzählen würde, anstatt auf entsprechende Texte zurückzugreifen. Ist zwar eine schöne Idee, aber leider fehlt es an der kreativen Umsetzung.
  • Frustfaktor: Selten haben wir bei einem Zen-Spiel so stark geflucht. Dank der wunderbaren Technik funktionieren Rätsel nicht, die Fische lassen sich nicht steuern oder die KI löst einfach nicht aus. Frust ist hier an vielen Stellen vorprogrammiert.
  • Wiederspielwert: Nun ja, wenn man es auf die Trophäen abgesehen hat, sollte man noch sehr viele Stunden investieren. Zum Beispiel 24 Stunden insgesamt. Ansonsten gibt es jedoch keinen Grund, warum man KOI überhaupt noch einmal starten sollte.
  • Design/Stil: Der grafische Stil ist schön, muss jedoch aufgrund der Technik und der ungenutzten Elemente ganz schön einstecken. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.
  • Musik: Hach, das Glanzstück des Spiels, diese ist sehr beruhigend und untermalt in den entsprechenden Leveln perfekt die Thematik, bzw. Dramatik.

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Beatrice Vogt
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