Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice (PC) im Test – Wo ist Faith?

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Larry Laffer, der Schwerenöter aus den 80ern, kehrte vor fast genau zwei Jahren zurück und sorgte für gemischte Gefühle bei den Spielenden. Grund genug, um es noch ein weiteres Mal zu versuchen. Ob mich Larry Laffer in Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice auch wie der Vorgänger mitnahm, verrate ich euch in meiner Review zur PC Version.

Willkommen in der Karibik

Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice setzt strenggenommen da an, wo Leisure Suit Larry: Wet Dreams Don’t Dry aufgehört hat: Larry Laffer, unser Casanova, der im Prequel von den 80ern in die Neuzeit transferiert wurde, darf sich noch immer mit unseren Neuerungen rumschlagen und ist dabei auf der Suche nach Faith, der Liebe seines Lebens. Kennengelernt hat er Faith im Vorgängerspiel, Interesse an ihm hatte sie nicht wirklich.

Larry und ich beginnen das Spiel also ziemlich amüsant auf einer Insel, auf der “El Larry” eine Prophezeiung erfüllen und die hübscheste – und somit einzige heiratsfähige – Frau auf der Insel heiraten soll. Natürlich hat Larry da keine Lust drauf, baut sich sein eigenes Floß und schippert in Begleitung von Pi, seinem Smartphone, zu der Stelle, an der Faith zuletzt gesehen wurde. Der Startschuss für Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice und einem weiteren abstrakten Point & Click Adventure ist gefallen.

Ich mochte den Vorgänger und auch schon die Spiele davor, doch was mir hier ein bisschen arg aufs Gemüt schlägt, sind die derb vielen Anspielungen, Wortwitze, Designelemente, Dialoge und Dekorationen, die sich rund um das Thema Sex drehen. Hier wurde noch einmal ordentlich zugelegt, was ich persönlich nun wiederum hart übertrieben finde. Wie üblich für die Reihe wurde auf Nacktheit verzichtet, was ich wiederum gut finde.

Irgendwie hatte für mich der Vorgänger deutlich weniger dieser Witze, sodass es für mich in einem erträglichen Rahmen war. Immerhin, und das finde ich ziemlich cool, macht Pi Larry manchmal einen Strich durch die Rechnung und erklärt ihm, dass bestimmte Äußerungen oder Gesten in der Neuzeit nicht mehr angemessen sind und er sich eher strafbar macht, statt jemandem zu gefallen. Großer Pluspunkt für Pi, die sowieso ziemlich gut und immer noch herausragend gelungen ist.

Dafür entwickelt sich die Geschichte allerdings ein wenig spannender als noch im Vorgänger, denn es steckt deutlich mehr dahinter als einfach nur nach Faith zu suchen.

Wie logisch ist die Logik

Zugegebenermaßen: Ich bin bei Point & Click Adventures immer irgendwann aufgeschmissen, weil ich in manchen Puzzlen nicht so weit oder komplex denke wie das Spiel selbst. Im Vorgänger habe ich gut die Hälfte des Spiels geschafft, ohne eine Komplettlösung zu benötigen, in Wet Dreams Dry Twice sah das allerdings ein bisschen anders aus und ich war bereits relaaaativ am Anfang überfordert. Für mich sind viele Lösungsansätze einfach nicht logisch und es geht sehr vieles mit Probieren einher.

So zum Beispiel wie ich den Hahn herunterlocke, um ihn anschließend als eine Ablenkung für Emma zu nutzen. Das war für mich nicht nachvollziehbar und so gibt es einige Rätsel, die ein bisschen logischer hätten gemacht werden können. Zum Glück gibt es mittlerweile bereits eine Lösungen im Internet, die ich nutzen konnte, um voran zu kommen.

Interessanterweise schwankt die Schwierigkeit der Rätsel durch die Story und ist nicht gleichbleibend schwierig. Dennoch ist es mehr oder weniger ein ständiges Probieren von Optionen, die zwar irgendwie vielleicht im Nachhinein gut zu einander passen, was man aber vorher nicht unbedingt gedacht hätte.

Zudem ist die technische Umsetzung nicht unbedingt gelungen. Während ich es im ersten Teil noch angenehm fand, mit Hilfe des PiPhones zu arbeiten, bin ich nun fast ein bisschen verzweifelt: Ich öffne das Inventar, wähle ein Item aus und bekomme es nur selten wieder los, stattdessen klicke ich alles Mögliche an, um die Info zu erhalten, das nicht funktioniert. Irgendwie habe ich mir hier eine smoothere Umsetzung gewünscht, um Objekte auch wieder los zu lassen.

Hey, ich hab eine To Do App!

Larry im 21. Jahrhundert

Deutlich amüsanter als die ganzen sexuellen Witze finde ich die Unterschiede zwischen den 80er Jahren und dem 21. Jahrhundert. Larry kämpft noch immer damit, sich in unserer Zeit einzugewöhnen, während ihm Pi immer wieder zur Seite steht. Dabei erklärt sie ihm beispielsweise wie man Frauen heutzutage behandelt und geht auch auf Umweltaspekte ein, sodass es zum Beispiel schädlich für die Umwelt ist, ein altes PiPhone zu vergraben. Doch nicht nur das.

Wet Dreams Dry Twice setzt neben Influencern, Travelbloggern und Beg-packern noch weiter eines drauf und hat nun auch Emma, eine Umweltaktivistin, dabei. Etwas, mit dem sich Larry gar nicht identifizieren kann, da man in den 80ern eher über den technischen Fortschritt froh war und die Umwelt nicht wirklich im Mittelpunkt stand – anders als heute. Trotz allem sind die Antworten in den Gesprächen manchmal nicht sonderlich nachvollziehbar.

Hier hat sich das Entwicklerstudio Crazybunch viel Mühe gegeben und wirklich überlegt, wie sich ein Sprung 40 Jahre in die Zukunft für Larry anfühlen würde. Gute Arbeit!

Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice kommt übrigens wieder mit einer deutschen Sprach- und Tonausgabe daher, was erneut relativ gut gelungen ist. Allerdings haben sich in die Untertitel doch einige Fehler eingeschlichen, was sich meistens durch fehlende Wörter auszeichnet. Die Rechtschreibung wiederum ist fast vollkommen korrekt, lediglich die fehlenden Wörter hätten auffallen sollen beim Korrigieren.

Fazit: Definitiv trockenes Höschen

Als Larry vor zwei Jahren seine Rückkehr feierte, war ich begeistert – weswegen mich nun Wet Dreams Dry Twice direkt ansprach und leider im Laufe des Spielens verlor. Die Geschichte setzt da an, wo der Vorgänger aufgehört hat: Larry ist auf der Suche nach Faith, was sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer spannenderen Geschichte entpuppt, die voll ist mit sexuellen Anspielungen, für meinen Geschmack waren es jedoch ein bisschen zu viele.

Es ist ein nettes Point & Click Adventure, das sich jedoch bei der Logik seiner Rätsel ein bisschen überschätzt und deswegen die meisten Rätsel ein sinnloses Probieren verschiedener Items darstellt. Bei vielen Puzzles schwankt die Schwierigkeit zudem stark, hier hätte ich mir etwas Gleichbleibendes mit Logik gewünscht. Dafür kann das gute Voice Acting überzeugen, auch wenn die Untertitel mit fehlenden Worten daherkommen und auch die technische Umsetzung nicht sonderlich sauber ist.

Ich liebe dafür jedoch, wie Wet Dreams Dry Twice die Neuzeit erklärt und mit dem leichten Humor Larry versucht, die heutige Welt mit all ihren Problemen und Herausforderungen zu erklären. Wenn diese Leichtigkeit auch bei den Rätseln spürbar gewesen wäre, wäre es eine glatte Empfehlung gewesen. So kommen Point & Click Fans möglicherweise auf ihre Kosten, sofern sie nicht rätseln sondern probieren wollen.

ProContra
+ Interessanter Zeichenstil– Fehlende Worte in den Untertiteln
+ Gutes Voice Acting– “Probieren” statt wirklich “Rätseln”
+ Interessante Rätsel…– … die in Schwierigkeit schwanken und in manchen Fällen nicht logisch sind
+ Gute Umsetzung des 21. Jahrhunderts– Technische Umsetzung nicht sauber (Steuerung)
+ Knackiger Humor– Witze lutschen sich zu sehr ab

Technik: 74
Grafik: 84
Sound: 90
Umfang: 76
Gameplay: 51
KI: 68

Spielspaß: 60

  • Story: Larry ist auf der Suche nach Faith und landet in einem noch größeren Abenteuer.
  • Frustpotential: Da die Logik in vielen Rätseln zu wünschen übrig lässt, ist es eher ein frustrierendes Durchprobieren der richtigen Möglichkeiten.
  • Design/Stil: Toller Zeichenstil, perfekt an den Vorgänger angeschlossen.
  • Nachhaltigkeitswert: Schwer einzuschätzen.
  • Musik und Sound: Besonders das deutsche Voice Acting ist klasse.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Wet Dreams Dry Twice kostet 35 €, was es auch wert ist. Vor allem durch den Zeichenstil und die relativ lange Spielzeit, kommt man hier schon auf seine Kosten.

Offenlegung

Wir haben Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice vom Publisher erhalten.

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Beatrice Vogt
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Manuel Eichhorn

Ich frage mich jetzt nur, warum es eine 67 gibt. Klingt mir eher nach 69.