Moonlighter (Nintendo Switch) im Test – Ladenhüten und Monsterkloppen

Ich habe mich wirklich lange auf Moonlighter gefreut. Beim ersten Start des Spieles im Mai war ich mehr als neugierig. Für mich war aber auch klar, dass ich diese Art von Spiel lieber auf Nintendo Switch genießen würde. Die Version war schon eine Weile angekündigt, im November durfte man dann endlich auch auf Nintendos Plattform loslegen. Ich habe mittlerweile einige Stunden mit dem Aufbau meines Ladens verbracht. Das Ergebnis lest ihr hier.

Fairness statt Frust

Meine ersten Gehversuche mit Moonlighter habe ich nach einem langen Arbeitstag gemacht, noch nicht so ganz wissen, was genau mit erwartet. Kurzum: In der ersten halben Stunde fand ich das Spiel ziemlich frustrierend. Vielleicht auch, weil ich nicht so richtig ein Fan von Roguelike Spielen bin. Moonlighter ist jetzt wirklich kein vollständiger Vertreter dieser Gattung, denn keinesfalls müsst ihr wieder von vorn anfangen, wenn ihr sterbt. Euer Fortschritt innerhalb des Dungeons geht aber verloren.

Kurzum geht es in Moonlighter darum, tagsüber einen Laden zu führen und dort Waren für andere Abenteurer zu verkaufen, während ihr diese Waren nachts in Dungeons findet. Innerhalb dieser Dungeons verfolgt das Spiel den Rogue-Lite-Ansatz. Die Beute, die ihr im Beutel mit euch herumtragt, geht verloren, während ihr nur einige Items aussuchen könnt, die Protagonist Will direkt bei sich trägt. Diese bleiben erhalten.

Beim ersten Mal sieht man so hart erkämpftes Gut einfach wieder verschwinden, allerdings schafft Moonlighter auf Dauer etwas, das ich nur selten so gut in einem Spiel gesehen habe: Man erhält ein Gefühl für die Herausforderungen, die vor einem liegen, und dafür, wann man lieber aufhören sollte. Die Entscheidung kann man anhand verschiedener Kriterien treffen: Wie hoch der eigene Gesundheitsstand ist oder wie voll der Beutel schon ist. Und das, obwohl die Dungeons zwar immer die gleiche Anzahl von Ebenen aufweisen, grundsätzlich aber bei jedem Durchgang zufällig generiert werden.

Manche Items können nur an einer bestimmten Stelle im Beutel transportiert werden.

Selbst profitieren und verkaufen

Natürlich sammelt ihr eure Beute nicht nur für andere: Auch Will selbst kann Eingesammeltes dafür nutzen, seine eigene Ausrüstung verbessern zu lassen oder Tränke brauen zu lassen. Abgesehen von der Ausrüstung gibt es aber keine Charakterentwicklung: Levelaufstiege sind ebenso wie neue Fertigkeiten Fehlanzeige. Somit sollte man sich darauf konzentrieren, die richtigen Gegenstände für Upgrades aufzuheben, in dem man sie sich bei den ebenfalls im Dorf ansässigen Kollegen anschaut. Gleichzeitig sind die Upgrades spätestens ab der zweiten Stufe auch nicht ganz billig, was im Endeffekt bedeutet, dass man erst mal ein möglichst gutes Geschäft machen muss.

Um dieses zu haben, ist es wichtig, die Reaktionen der Kunden auf die Waren in eurem Laden zu verfolgen. Wenn etwas zu teuer ist, wird es nicht gekauft – liegt etwas dagegen zum Spottpreis in eurem Regal, sind den Leuten schon die Goldmünzen in die Augen geschrieben. Keine Sorge – diese Reaktionen werden auch pro Gegenstand dokumentiert, und dies kann man dafür nutzen, die Preise nach und nach anzuheben, um auf ein gesundes Preislevel zu kommen: Kunde immer noch zufrieden, aber möglichst viel Gewinn für euch. Zusätzliche Kassenupgrades helfen euch dabei, mehr Trinkgeld zu erwirken.

Was mir in Moonlighter fehlt ist so etwas wie spürbarer Bedarf nach bestimmten Items. Natürlich gibt es Dinge, die droppen häufig und andere selten, entsprechend verhalten sich teils auch die Preise. Innerhalb des Ladens allerdings verkauft sich das, was zu einem angemessenen Preis auf den Tischen liegt. Einen grundsätzlichen steigenden oder sinkenden Bedarf nach bestimmten Items gibt es nicht.

Die Kundenreaktionen sind recht eindeutig.

Ich lasse meinen Laden nicht allein

Dadurch und durch die fehlende Charakterentwicklung fühlt für mich bei Moonlighter noch das gewisse Etwas, um das Spiel zum einen dauerhaft und auch für längere Sitzungen motivierend zu machen. Alles in allem ist das Spielerlebnis recht gleichförmig. Langweilig wird es zwar nie, zumal die Mischung aus teils anspruchsvollen Dungeons und dem entspannenden Verkaufen im Laden, bei dem man sich nicht einmal mit beleidigenden Kunden herumschlagen muss, wirklich gut gelungen ist.

Da jedoch auch der Schauplatz Rynoka fast bis zum Ende sehr blass bleibt und eben auch die Kunden keine echten Persönlichkeiten mitbringen, ist Moonlighter insgesamt etwas zu simpel gestrickt, um einen wirklich voll und ganz in die Welt hineinzuziehen. Seinen durchaus vorhandenen Wiederspielwert entfaltet das Spiel allein durchs gelungene Prinzip und dessen gute Umsetzung: Auch wenn sich die Kämpfe und das Erkunden der Dungeons nicht so geschmeidig anfühlt wie in einem Diablo oder manch anderem Spiel, ist es sehr gelungen und bringt unterm Strich genügend Abwechslung mit sich.

Bevor man das letzte große Tor öffnet, gibt es insgesamt vier Dungeons zu erkunden. Jeden davon durchstreift man selbstverständlich mehr als einmal. Bei jedem Durchgang werden die jeweils drei Ebenen vor dem Endboss zufällig generiert, einzelne Räume erkennt man aber regelmäßig wieder. Die Herausforderung steigt in der Regel von Ebene zu Ebene, hier und da mischt das Spiel aber auch mal auf der ersten Ebene schon mal einen schwierigeren Raum unter.

Solide Umsetzung

Nintendo Switch Versionen lassen manches Mal länger auf sich warten – wenn das Ergebnis am Ende passt, ist das auch gut so. Bei Moonlighter kann man sagen, dass das der Fall ist. Im Handheld Modus sind lediglich die Schriften insgesamt recht klein. Ich hatte zwar keine Probleme damit, hin und wieder bemerkt man jedoch, dass es doch etwas anstrengend ist. Die Performance des Spieles ist aber größtenteils einwandfrei und positiv anzumerken ist der Akkuverbrauch im Handheldmodus, der bei Moonlighter voll und ganz im Rahmen liegt. Die Switch hält so auch für eine mittlere Zugfahrt durch.

Gut gefallen hat mir der Soundtrack von Moonlighter. Er strotzt zwar nicht wirklich vor Abwechslung, da pro Gebiet die Musikuntermalung jeweils immer gleich ist, allerdings ist die Musik wirklich sehr gelungen und auch atmosphärisch. Das passt!

Fazit: Ein Laden mit Ausbaupotential

Ich kehre immer wieder gern in Moonlighter zurück, denn die Spielmechaniken sind wirklich solide und die Mischung aus Monsterhaue und Chef des Abenteuerladens macht wirklich Spaß. Unterm Strich vermisse ich nur das Gefühl, wirklich mit in die Welt einbezogen zu sein: Weder meine Spielfigur noch die Welt entwickelt sich spürbar weiter, sie sind eher Kulisse als echter Schauplatz. Auch beim Verkaufen und einem Wirtschaftssystem schöpft Moonlighter nicht alle Potentiale aus. Die Atmosphäre ist dabei großartig und das Spiel wie gemacht für die Nintendo Switch, da man einen einzelnen Durchgang zum Beutesammeln auch gut und gern mal in ein paar Minuten abschließen kann. Auch an der Umsetzung für Nintendos mobile Konsole gibt’s nichts auszusetzen. Moonlighter soll noch weitere Updates im Jahr 2019 erhalten. Darauf freue ich mich und werde bis dahin auch weiter regelmäßig meinen Laden führen.

Technik: 80
Grafik: 83
Sound: 81
Umfang: 77
Gameplay: 79
KI: 80

Spielspaß: 80

  • Story: Schauplatz, Handlung und Charakter bleiben leider recht blass.
  • Frustfaktor: Am Anfang eventuell da, allerdings entwickelt man bei Moonlighter auf Dauer ein gutes Gefühl für Herausforderungen und das Spiel ist sehr fair.
  • Wiederspielwert: Vorhanden, da es immer wieder Spaß macht – Motivationspotential für längere Sitzungen und auf Dauer fehlt aber etwas.
  • Design/Stil: Stimmungsvoll und atmosphärisch.
  • Musik: Die Musik unterstreicht das Geschehen wunderbar passend.
ProContra
+ Tolle Atmosphäre- Keine Charakterentwicklung
+ Jederzeit fair mit einem guten Gefühl für Herausforderungen- Schauplatz und Figuren bleiben blass
+ Tolle Abwechslung aus Action und 'Entspannung'- Keine spezielle Nachfrage oder Bedarf nach Items
+ Gute Umsetzung auf Nintendo Switch (+ Akkulaufzeit)- Recht kleine Schrift im Handheldmodus
+ Atmosphärische Musikuntermalung- Langzeitmotivation etwas knapp
+ Prinzip sehr zugänglich
+ Auch für kurze Spielsitzungen geeignet

Screenshots

Im echten Leben heiße ich Manuel und neben Videospielen interessiere ich mich vor allem für Bücher. Die lese ich nicht nur gerne, sondern schreibe sie auch selbst. Wenn ich nicht gerade zocke oder Tests oder Geschichten schreibe, arbeite ich als Kundenberater. Ich schleppe immer ein Notizbuch mit mir herum, nur, um dann doch alles ins Handy zu notieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beim Hinterlassen eines Kommentars wird dein Name, deine E-Mail-Adresse, IP-Adresse sowie deine Texteingabe gespeichert, damit wir den Kommentar anzeigen können. Bitte lies dazu unsere Datenschutzerklärung!