Moorhuhn: Volle doppelte Ladung (PC) im Test – Zwischen technischen Eskapaden und Nostalgie

Heutige Spieler werden mit dem uns älteren Hasen bekanntem Moorhuhn vermutlich weniger anfangen können: Im Jahr 1999 erschien ein Spiel namens Moorhuhnjagd. Die Aufgabe hier war es, die Moorhuhnplage zu beseitigen und mithilfe eines Fadenkreuzes so viele Hühner wie möglich zu erledigen. Selbstverständlich gab es für Vögel, die weiter weg waren, mehr Punkte. Diesem Spiel folgten viele weitere – und schon bald wurde aus dem Huhn, das wir jagten, der Jäger mit seinen ganz eigenen Abenteuern. Dieses Jahr möchte man mit einer kleinen Sammlung für den PC die Ära erneut beleben. Wir haben einen Blick auf Moorhuhn: Volle doppelte Ladung geworfen und dabei herausgefunden, warum zumindest für uns beide Titel leider den Hype nicht wiedererwecken können.

Da es sich hierbei um eine Collection handelt, gehen wir zunächst auf jeden Titel einzeln ein und vergeben am Ende eine Gesamtwertung. Hierbei erhält jedoch jeder Titel der Collection eine Teilwertung, sodass auch jeder Titel für sich stehen kann.

Moorhuhn – Das Verbotene Schloss

Moorhuhn – Das Verbotene Schloss hat schon einige Jahre auf dem Buckel und erschien ursprünglich im Jahr 2009 für die Nintendo Wii, ein Jahr später folgte der PC-Release. Nun steht uns das Ganze erneut auf dem PC in einer nicht überarbeiteten Version zur Verfügung. Es ist somit nur ein Relaunch des Ursprungsspiels, bei dem ihr als Moorhuhn durch verschiedene Jump’n’Run Level lauft und diversen Fallen und Gegnern ausweicht. Das Ganze spielt sich dabei in der klassischen third-Person-3D-Ansicht, es ist also kein typischer roguelike-2D-hardcore-Platformer, wie man es aus der heutigen Zeit kennt. Was nun reizvoll klingt, ist leider nicht so reizvoll, vor allem wenn man es mit heutigen Standards testet, doch wir sind uns sicher, dass der Titel auch schon zum Release nicht mehr ganz mit der Zeit ging.

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Der Zahn der Zeit

Was gleich zu Beginn von Moorhuhn – Das Verbotene Schloss auffällt ist die Größe. Das Spiel stammt aus einer Zeit, in der Full HD noch nicht ganz so im Videospielbereich angekommen war und noch nicht gänzlich zu den Standards zählte. So könnt ihr dem Spiel leider nicht beibringen, dass es euren ganzen Bildschirm ausfüllt, sondern nur einen Teil. Okay, das ist was, an das man sich gewöhnen könnte. Die Einführung ins Spiel erfolgt dann durch eine simple Texteinblendung: Ihr wollt also zu einem Schloss und müsst euren Weg erst einmal durch einen finsteren Wald kämpfen. Alles klar, klingt erstmal nicht schlecht, wenn hier nicht alles so wahnsinnig veraltet wäre und das Spiel wenigstens auch auf Tasteneingaben reagieren würde.

Moorhuhn – Das Verbotene Schloss stammt nicht nur aus einer anderen Zeit, sondern wirkt so als wäre es bereits beim ursprünglichen Release veraltet gewesen. Schade. Leider reagiert es an keiner Stelle im Spiel sonderlich punktgenau: Sprünge werden häufig ignoriert, die Übersicht in den Leveln selbst fehlt gänzlich und vom fehlenden Sinn einmal ganz zu schweigen. Es fällt schwer, an Moorhuhn – Das Verbotene Schloss überhaupt etwas Positives zu finden. Bei einem Re-Release hätte es sich durchaus angeboten, wenn man sich die Mühe gemacht hätte und das Gameplay an die heutige Zeit angepasst hätte: Full HD hätte mindestens drin gewesen sein müssen und eine Steuerung durch einen Controller wäre auch toll gewesen, doch so verrenkt man sich die Finger, wenn man versucht durch die einzelnen Level zu kommen – und am Ende ist man dann noch ein Stück frustrierter, da Moorhuhn – Das Verbotene Schloss ganz gekonnt diverse Eingaben durch die Tastatur zu ignorieren.

Fazit zu Moorhuhn – Das Verbotene Schloss: Verschenkter Re-Release

Moorhuhn – Das Verbotene Schloss Hätte heute durchaus sein Potential haben können, wenn man sich für den Re-Release die nötige Zeit genommen und das Spiel an die heutige Zeit angepasst hätte. Es gibt viele Spiele heutzutage, die noch einmal in überarbeiteter Form auf anderen und neueren Plattformen erscheinen. Das ist auch gar nicht so verkehrt, allerdings wird dann darauf geachtet, dass man wenigstens bestimmte Dinge anpasst und so den Titel beispielsweise auch in HD anbietet und eine Controller-Unterstützung einbaut. Das hätte Moorhuhn – Das Verbotene Schloss auch wirklich gutgetan, denn es hat zwar wenige gute Dinge, doch dann wäre es nicht ein vollkommen verschenkter Re-Release gewesen und man hätte dem Titel die Chance auf ein Revival geben können, doch auf diese Weise bleibt es leider ganz weit hinter dem anderen Titel der Collection zurück, was die Gesamtwertung doch schon eine ganze Ecke nach unten reißt.

Pro Contra
+ Musik ganz passend – Keine Überarbeitung
+ Passables Charakterdesign – Kein Full HD
– Keine Controller-Unterstützung
– Auf Eingaben wird nur widerwillig reagiert
– Technisch sehr veraltet

Technik: 39

  • Grafik: 48
  • Sound: 52
  • Umfang: 54
  • Gameplay: 17
  • KI: 23

Spielspaß: 25

  • Story: Die Story ist so belanglos und irrelevant, dass man absolut keinen eigenen Abschnitt für sie braucht.
  • Frustfaktor: Dank verkorkster Technik und einem ignoranten Spiel, das sehr viele Eingaben ignoriert, ist der Frustfaktor verdammt hoch. Eingaben werden ignoriert, Sprünge sind nicht abgepasst und die Übersicht in den einzelnen Leveln ist auch flöten gegangen. Sehr schade.
  • Wiederspielwert: Sehr, sehr, sehr, sehr gering.
  • Design/Stil: Stilistisch hätte es besser sein können, aber geringes Potential vor allem im Charakterdesign ist erkennbar.
  • Musik: Ganz passabel.

Moorhuhn: Tiger & Chicken

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Wer auf ein wenig mehr Action im klassischen Shaolin-Hack’n’Slay hat, der ist mit Moorhuhn: Tiger & Chicken ganz gut beraten. Moorhuhn: Tiger & Chicken erschien ursprünglich im Jahr 2013 und steht nun erneut in einer nicht überarbeiteten Version zur Verfügung. Warum dieser Titel jedoch einen Blick wert ist, verraten wir euch in den kommenden Abschnitten. Denn während Moorhuhn – Das Verbotene Schloss seine Macken hat und deswegen gar nicht zu überzeugen weiß, kann Moorhuhn: Tiger & Chicken wirklich mithalten.

Sei kein Huhn! Kämpfe!

Zunächst einmal: Yeah, Moorhuhn: Tiger & Chicken hat eine Controller-Unterstützung und kann in Full HD präsentiert werden! Jippie! Da macht das Spielen gleich doppelte Freude, da man sich nicht auf der Tastatur verrenken muss, um irgendwelche Kombos auszuführen oder Spezialkräfte zu aktivieren. Das ist ziemlich cool und macht deswegen gleich doppelt so viel Spaß.

Moorhuhn: Tiger & Chicken erzählt die Geschichte, eines asiatischen Moorhuhns, das aus einem Gefängnislager geflohen ist und seine Freundin finden möchte. Es wächst in einem Shaolinlager auf und lernt so die hohe Kunst des Kampfsports, doch selbstverständlich spielen wir kein normales Moorhuhn, sondern das (fast) letzte Moorhuhn in freier Wildbahn, das die Sklaverei beenden und den bösen König stürzen wird. Was jetzt dämlich klingt, ist ziemlich cool umgesetzt und wird sogar mit einer ganz guten deutschen Synchronisation untermalt – und punktet mit sensationell komischen Sprüchen, die uns doch zum Lachen bringen können. Beispielsweise sollen wir nicht kämpfen, sondern uns wie ein Huhn verhalten: Wild in der Gegend rumlaufen und rumschreien.

Moorhuhn: Tiger & Chicken ist zudem ein Action-Rollenspiel, sodass ihr euch einfach mit vollem Karacho auf die Gegner werfen könnt. Das macht richtig viel Spaß, zudem ist das Kampfsystem auch sehr flüssig. Je mehr Feinde ihr besiegt, desto mehr Erfahrungspunkte erhaltet ihr auch. Diese Punkte könnt ihr dann wiederum nutzen, um eure Fertigkeiten und Statuswerte aufzuwerten, sodass ihr noch mächtiger werdet. Das macht richtig Spaß, allerdings hat auch Moorhuhn: Tiger & Chicken einige technische Macken, die leider nicht sein sollten. Sein größtes Manko ist, dass es leider nur eine Spielzeit von knappen vier Stunden hat. Dann ist der Spaß leider schon wieder vorbei, dafür hat es jedoch einen Couch-Coop-Modus: Einfach zweiten Controller anschließen und loslegen. Allerdings ist es auch spaßig genug, wenn man alleine kämpft.

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Die Schattenseiten der Shaolin

Leider läuft Moorhuhn: Tiger & Chicken nicht immer ganz rund. Hin und wieder kommt es zu leichten Freezes und an einer Stelle im Spiel stürzt es jedes Mal ab. Umgehen kann man diesen Absturz nur, indem man die Gegner an dieser Stelle einfach ignoriert und weiterläuft. Wir haben es mehrfach ausprobiert, doch immer wieder ist das Spiel an derselben Stelle abgestürzt. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass wir das Spiel ganz abschreiben können, doch nach einigen weiteren Abstürzen haben wir dann herausgefunden, dass man diese Stelle ganz leicht umgehen kann. Danach läuft alles soweit flüssig und sinnvoll ab. Auf Eingaben reagiert das Spiel gut, sodass hier nichts zu meckern bleibt.

Weitere Probleme mit Abstürzen hatten wir nach dieser Stelle nicht mehr, dafür hat die Grafik hin und wieder verrückt gespielt, sodass es einigen Texturen offenbar eine große Freude bereitet hat, immer mal wieder aufzuploppen und zu verschwinden. Fanden wir nicht ganz so lustig, aber damit lässt sich leben. Etwas spannender und kreativer waren die Entwickler dann doch eher am Ende des Spiels, als die Synchronisation seinen Schabernack mit uns trieb. An dieser Stelle möchte der große böse König vom letzten Shaolinmeister das Geheimnis erfahren, nachdem es ihm schon so lange dürstet und so löst diese Szene etwas Spannendes aus: Das Gespräch beginnt immer wieder von vorne, wie in einer Zeitschleife und hört erst auf, wenn wir dem bösen König gegenüberstehen. Das hatte auch nichts damit zu tun, dass wir zu langsam waren oder noch ein wenig rumgetrödelt haben, da auch wir nebenbei der Story weitergefolgt sind und neue Szenen ausgelöst wurden – leider konnten wir diese aufgrund der überlappenden Tonspuren nicht verstehen, was sehr schade ist.

Ansonsten macht Moorhuhn: Tiger & Chicken jede Menge Spaß. Wenn ihr also die Chance habt, den Titel irgendwo allein zu erwerben, können wir ihn euch nur wärmstens empfehlen. Bedenkt jedoch, dass das Spiel wirklich sehr kurz geworden ist und ihr mit etwa vier Stunden schon durch seid. Entscheidet ihr euch sogar dazu, das Spiel sofort auf der hohen Schwierigkeitsstufe zu spielen, was wir euch nicht ganz empfehlen, da einige Gegner schon auf einfach echte Arschlöcher sind, habt ihr dann sogar schon alle Errungenschaften freigeschaltet, die es ingame zu holen gibt.

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Fazit zu Moorhuhn: Tiger & Chicken: Einmal ein asiatisches Shaolin-Moorhuhn sein

Moorhuhn: Tiger & Chicken macht jede Menge Spaß und ist ein Spiel, das viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Es kommt mit flotten Sprüchen und einem flotten Kampfsystem daher, was sich wirklich sehen lassen kann. Zusätzlich besitzt Moorhuhn: Tiger & Chicken eine deutsche Synchronisation, sodass die ganzen Sprüche nochmal einen Tacken witziger rüberkommen, da einige Sprecher besonders sarkastisch und trocken sprechen – zumindest dann, wenn es zu den Sprüchen passt. Und wenn das noch nicht reicht: Moorhuhn: Tiger & Chicken verfügbar zudem auch noch über einen Couch-Coop-Modus, sodass ihr auch ganz bequem zu zweit spielen könnt.

Wir empfehlen euch jedoch, Moorhuhn: Tiger & Chicken nicht in diesem Bundle zu kaufen. Zum einen ist es doch sehr kurz, sodass 10 € für das Bundle doch etwas zu teuer ist, und zum anderen ist es das deutlich bessere Spiel, sodass ihr nicht unbedingt das schlechtere Moorhuhn – Das Verbotene Schloss spielen müsst. Moorhuhn: Tiger & Chicken macht sehr viel Spaß und ist deswegen sehr zu empfehlen, auch wenn es kleinere Macken in der Technik hat und an einer Stelle immerzu abstürzt. Doch all das kann man übersehen, wenn man Spaß beim Spiel hat.

Pro Contra
+ Deutsche Synchronisation… – … die zum Ende des Spiels leider vollständig durchdreht
+ Flottes Kampfsystem – Leider sehr kurz (4 Stunden)
+ Couch-Coop-Modus – Stürzt an einer Stelle ab
+ Witzige Sprüche – Texturen verschwinden immer mal wieder
+ Spaßiges Gameplay

Technik: 66

  • Grafik: 72
  • Sound: 74
  • Umfang: 35
  • Gameplay: 83
  • KI: 64

Spielspaß: 87

  • Story: Die Geschichte ist ziemlich gut durchdacht und lässt uns gebannt mitfiebern auch wenn von Anfang an klar ist, was geschieht und es keine Überraschungen gibt.
  • Frustfaktor: Der ist nur gelegentlich vorhanden, da einige Gegner doch manchmal übertrieben stark sind.
  • Wiederspielwert: Recht hoch, da das Spiel eine kurze Spielzeit von etwa vier Stunden hat.
  • Design/Stil: Stilistisch orientiert es sich am fernöstlichen Stil, das aber gut zur Thematik und zur Story passt.
  • Musik: Passend und gelungen, nur die Synchronisation hapert am Ende.

Gesamtwertung und Fazit

Koch Media hat versucht, mit der Collection Moorhuhn: Volle doppelte Ladung noch einmal zwei ältere Moorhuhn-Spiele wieder auf den Markt zu bringen, hat dabei aber leider versäumt, beide Titel an die heutige Zeit anzupassen und wenigstens ein bisschen zu überarbeiten. So bleibt Moorhuhn – Das Verbotene Schloss ganz schön zurück und wirkt sogar so, als wäre es schon zum Release im Jahr 2009 veraltet gewesen. Hier hätten wir uns wirklich mehr gewünscht, da der Titel durchaus Potential hätte, auch in der heutigen Zeit mitzuhalten und das wäre vermutlich schon durch wenige kleinere Kniffe möglich gewesen: Full HD und zumindest eine Controller-Unterstützung wären doch mit großer Sicherheit drin gewesen und bestimmt auch nicht gar so aufwendig gewesen. Schade, denn so verschenkt der Titel wirklich viel Potential und reißt die Wertung der Collection ganz schön runter.

Moorhuhn: Tiger & Chicken hingegen ist ein Spiel, wie man sich öfters welche wünscht: Es macht Spaß, hat eine interessante Geschichte und sieht auch noch recht gut aus. Leider ist es ein wenig zu kurz, was aber nicht ganz so dramatisch ist. Auch dieser Titel wurde leider nicht überarbeitet, sodass größere Fehler wie der Absturz an einer ganz bestimmten Stelle oder dass die Tonspur am Ende nochmal mächtig durchdreht auch immer noch vorhanden sind. Doch am Ende macht das nichts, denn Moorhuhn: Tiger & Chicken ist trotzdem ein spannender und witziger Actiontitel, der sich sehen lassen kann, den wir euch auch wärmstens empfehlen können.

Leider können wir jedoch die gesamte Collection nicht so richtig empfehlen, da Moorhuhn – Das Verbotene Schloss einfach zu alt ist, um wirklich noch lohnenswert zu sein, dafür hat es sich Moorhuhn: Tiger & Chicken wirklich in sich und wer die Gelegenheit hat, diesen Titel alleine zu erwerben, sollte unbedingt zuschlagen.

Information: Vielen Dank an Koch Media für das Pressemuster von Moorhuhn: Volle doppelte Ladung.

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