Party Hard (Xbox One) im Test – Der einfache Weg zum Partymuffel

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Man liebt Partys – Oder man hasst sie. In Party Hard aus dem Hause Pinokl Games könnt ihr unter Beweis stellen, welch großer Partymuffel ihr wirklich seid. Seit einiger Zeit ist der Indie-Titel nun auch für Xbox One erhältlich und lässt euch eine Reise durch die USA auf ganz neue Weise erleben. Eure Aufgabe ist es, auf diversen Feiern die verdammten Gäste zum Schweigen zu bringen. Jeden Einzelnen.

Mit Messer & Taktik (… und Geduld)

Euch ist die Party zu laut? Die Cops zu rufen ist ja echt was für Anfänger… In Party Hard lernt ihr, wie man es auch machen kann: Mit einem Messer bewaffnet geht’s ab auf die Party – Und ihr geht erst wieder, wenn keiner mehr tanzt, und auch keiner mehr besoffen in der Ecke liegt. Party Hard wird häufig als eine Mischung aus „Hardcore“-Hitman und Hotline Miamibezeichnet, mit letzterem hat Party Hard aber allenfalls den Grafikstil gemein. Es handelt sich hier nämlich um keinen Twin-Stick-Shooter, ja nicht einmal um einen Shooter, sondern eigentlich wirklich um ein Stealth-Spiel, aber um eines, in dem ihr auf gefährlichem Fuß lebt.

Party Hard verlangt von euch, dass ihr nach und nach die Party dezimiert, ohne dabei gesehen zu werden – Oder wenn gesehen, dann keinesfalls von der Polizei geschnappt!. Abhängig vom Level geht das manchmal richtig „elegant“ und ziemlich schnell, beispielsweise wenn man alle 20-30 Personen auf der Tanzflache gleichzeitig grillen kann, indem man die zugehörige Technik manipuliert. Überhaupt können die in den Levels platzierten manipulierbaren Objekte und Fallen ein sehr effizienter Weg sein, um möglichst viele Partygänger gleichzeitig auszuschalten.

Nicht nur hat man diese Objekte aber auch schnell alle kennengelernt, sondern ihre Anzahl im Level sind auch schnell erschöpft. Und somit verbringt ihr in Party Hard de facto viel Zeit mit dem Warten – Warten darauf, dass ein einzelner, oder maximal zwei, NPCs in einen abgeschlossenen Raum gehen, wo ihr sie ungesehen abstechen könnt. Gesehen zu werden oder mit einer Straftat in Verbindung gebracht zu werden, kann für euch ganz schnell böse ausgehen. Trotzdem kann es ganz unterschiedliche Ergebnisse haben, wenn die Polizei auftaucht: Zwar sind die Polizisten wesentlich schneller unterwegs als ihr und holen euch somit problemlos ein, andererseits lässt sich die KI auch sehr einfach austricksen: Entdeckt man passende Strukturen im Level, kann man durch Umrunden derselben die Cops ebenso leicht abschütteln wie mit eventuell vorher eingesammelter Ersatzkleidung – Auch wenn der Cop direkt hinter euch ist: Auf Knopfdruck Kleidung wechseln und schon verliert er sein Interesse!

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Passiert euch trotz aller Vorsicht oft!

Optische Abwechslung, spielerische Wiederholung

In Party Hard schleicht (Wortspiel!) sich somit recht schnell eine gewisse Routine ein – Abwechslung im Spiel ergibt sich nämlich hauptsächlich durch die Optik. Egal ob Dinnerparty, Bikerclub, Dachparty oder auf einer Yacht – Die Level sind ziemlich stimmungsvoll und wissen mit einer gelungenen Form von Pixelart zu beeindrucken. Ebenso kann die Musikuntermalung im Hintergrund durchaus überzeugen. Doch auch wenn der Aufbau der Level jeweils anders ist, gibt es spielerisch relativ wenig Variation und wir hätten uns noch mehr interaktive Möglichkeiten innerhalb der Levels gewünscht.

Teilweise wären uns noch weitere Möglichkeiten eingefallen, wie man sich die Umgebung zunutze machen könnte, aber die Möglichkeiten sind eben auf das beschränkt, was auch Party Hard grade anbietet. Auf Knopfdruck könnt ihr euch zudem alle Objekte anzeigen lassen, mit denen ihr gerade interagieren könnt. Sich nach mehreren Fehlversuchen eine neue Taktik für das Level zurechtzulegen, funktioniert aber nicht: Bei jedem Neustart werden bestimmte Objekte und Gegenstände zufällig neu generiert. Auf der einen Seite erhöht das den Wiederspielwert, auf der anderen Seite macht es das teilweise frustrierende Erlebnis noch frustrierender, vor allem nach einem recht guten Lauf, bei dem man aber plötzlich gestoppt wurde, weil man doch entdeckt wurde. Manchmal kommen einem die Polizei oder andere Partygäste plötzlich und nicht unbedingt nachvollziehbar auf die Schliche. Um das mitzubekommen, müsste man jedes Detail des Bildschirms im Auge behalten, um gelbe Pfeile zu sehen, die von der entsprechenden Figur auf einen deuten. Es ist uns aber auch schon das eine oder andere Mal passiert, dass wir plötzlich, ohne irgendetwas getan zu haben, von anderen NPCs verpfiffen oder von Türstehern verprügelt wurden. Nicht verwechseln mit folgendem: Von Zeit zu Zeit sind auch andere Partymörder unterwegs!

Echte spielerische Variation hat Pinokl zum Glück noch mit den anderen Figuren eingebaut: Riesige spielerische Variation könnt ihr zwar nicht erwarten, aber immerhin nette Nuancen: Der Polizist zum Beispiel kann Körper durch die Gegend tragen, ohne Verdacht zu erregen – Praktisch. Die Lady dagegen kann Gegner erst einmal ausknocken und erst dann umbringen – Auch gut. Nett sind die spielerischen Voraussetzungen, die man für das Freischalten der anderen Figuren erfüllen muss. Das Freischalten geht keineswegs automatisch, sondern ist jene Voraussetzungen gebunden: Für den Polizisten einmal das Spiel durchspielen, für den Ninja ein Level ohne Aufmerksamkeit zu erregen abschließen…

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Optisch sind die Levels wirklich gelungen!

Von Story, Easter Eggs und schlechter Übersetzung…

Party Hard krankt leider stark an den spielerischen Limitierungen und Wiederholungen, kann aber zum Glück durch die freischaltbaren Figuren doch noch ein wenig Tiefgang entfalten. Trotz allem dürfte es viele Spieler geben, die nicht so lange mit dem Titel durchhalten. Insbesondere am Anfang ist Party Hard nämlich frustrierend und benötigt viel Geduld, auch, weil man zum Spielbeginn nicht mehrere Level zur Auswahl hat, sondern eben nur das erste. Sobald die anderen freigeschaltet wurden, könnt ihr jederzeit welche wiederholen.

Auch andere Dinge, die bei der Stange halten könnten, funktionieren nur bedingt gut: Zwar gibt es eine Hintergrundgeschichte, die eigentlich recht fesselnd in eine mysteriöse Mordermittlung einspannt, jedoch ist nicht nur die englische Synchro in den Zwischensequenzen schlecht zu verstehen, sondern auch die deutsche Textübersetzung – wie generell im Spiel – sehr lückenhaft und fehlerbelastet.

Netter sind da auf Dauer schon die Easter Eggs bzw. Anspielungen auf tatsächliche Pop- und Partykultur, mit denen Pinokl Games wirklich nicht gegeizt hat. Nutzt man beispielsweise bestimmte Fluchtwege zu oft wie Fenster oder unterirdische Gänge, kommt ein „Schreiner“ im rot-blauen Gewand angelaufen und hämmert diese Fluchtwege dicht. Danach verschwindet er im Klo – Durchs (vermutlich grüne) Abflussrohr. Lauert man andererseits jemandem in der Nähe einer Badewanne auf, wird ganz kurz dieser eine Soundeffekt aus diesem einen Film eingespielt, den wir alle für seine berüchtigte Badewannen-Messerszene kennen.

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Erhalten Sie die Leistungen und öffnen Sie die Helden… Ähm, ja!

Fazit: Kurzatmiges Stealthgame für geduldige Spieler

Party Hard hat ein ganz großes Problem: Das Gameplay wird vor allem auf Dauer dem vielversprechenden Konzept, der sehr gelungenen Pixelart-Optik und dem prinzipiell großen Anspruch nicht gerecht. Die taktischen Möglichkeiten in den Levels sind begrenzt und wiederholen sich schnell, sodass man viel Zeit in jedem einzelnen Level mit Warten verbringt. Wieso wir an so vielen Stellen nicht noch mehr interagieren können oder Pinokl Games noch ein bisschen kreativer bei der Implementierung weiterer Gameplayelemente war, wissen wir leider nicht. Geduldige und ausdauernde Spieler, die zudem ein gewisses Maß an Frustresistenz mitbringen, werden auf Dauer wenigstens doch noch belohnt: Die freischaltbaren Figuren in Party Hard bringen wenigstens einigermaßen interessante spielerische Nuancen und müssen zudem mit passenden Leistungen überhaupt erst freigeschaltet werden. Würde die nur mäßig vertonte und übersetzte Geschichte ein bisschen besser zünden, wäre für Party Hard eine immerhin gute Wertung drin – So bewegt man sich eher in Richtung Mittelmaß, aller aufheiternden Momente zum Trotz.

Pro Contra
+ Sehr gelungene Pixelart – Viel warten, zu wenig interaktive Möglichkeiten
+ Passender Soundtrack – Stellenweise sehr frustrierend
+ (Optisch) gelungene und abwechslungsreiche Level… – … spielerisch aber zu schnell eintönig
+ Gelungene Freischaltung interessanter Figuren – Schlechte deutsche Übersetzung
+ Prinzipiell interessante Story… – … die durch schwache Vertonung und schlechte Übersetzung kaum zündet.

Technik: 71

  • Grafik: 85
  • Sound: 85
  • Umfang: 71
  • Gameplay: 58
  • KI: 58

Spielspaß: 60

Einzelspieler

  • Story: Die Geschichte erzählt nebenbei die Mordermittlungen und ist mysteriös angehaucht – Zieht aber wegen mieser Vertonung und Übersetzung nur eingeschränkt!
  • Wiederspielwert: Für geduldige und frustresistente Spieler dank freischaltbarer Figuren und (optisch) abwechslungsreicher Level vorhanden.
  • Frustfaktor: Stellenweise sehr hoch.
  • Design/Stil: Sehr gelungene und stimmungsvolle Pixelart.
  • Musik/Sound: Die Musikuntermalung passt super und ist abwechslungsreich.

Wir bedanken uns bei Pinokl Games für die Bereitstellung des Downloadcodes zu Party Hard!

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Manuel Eichhorn
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