Road to Guangdong (Xbox One) im Test – Ein häppchen Familiengeschichte

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Road to Guangdong von Just Add Oil Games war eine ganze Weile in Entwicklung. Es hat wohl etwas gedauert, bis der Roadtrip durch die chinesische Provinz Guangdong Gestalt angenommen hatte. Doch nun ist er endlich bereit zum Starten – und ein Familienrestaurant kann wieder eröffnet werden. Ob ich gerne durch Guangdong gefahren bin, verrät unsere Review zur Xbox One Version von Road to Guangdong.

Eine Geschichte in fünf Rezepten

Ein langer Roadtrip ist Road to Guangdong nicht: Nach gut drei Stunden hat man alle Rezepte beisammen, den Segen der Familie eingeholt und die ganze Familie zum Frühlingsessen eingeladen – und mit etwas Aufmerksamkeit auch 1.000 Gamerscore verdient. Der Umfang und auch die Tiefe des Spielerlebnisses sprechen nicht unbedingt für das Spiel – als anspruchsvollstes Element wirkt vom Marketing des Spieles her das Fahren durch die chinesische Provinz und das Instandhalten des alten Familienautos Sandy – doch ganz so ist es dann doch nicht.

Ersatzteile lassen sich nicht nur kaufen, sondern finden.

Die Kernelemente von Road to Guangdong sind nämlich ziemlich schnell durchschaut: Das Fahren entpuppt sich als anspruchslos, da der Verkehr auf den Straßen nicht besonders dicht ist, mit Unfällen oder einem realistischen Kollisionsverhalten muss man sich ohnehin nicht herumschlagen. Auch das Repaprieren von Sandy ist eigentlich schnell erledigt, es sind immer wieder die gleichen Teile die kaputtgehen, am besten sammelt man sie einfach von den Ersatzteilhaufen, die ständig neben der Strecke auftauchen, ein, lässt an jeder Werkstatt volltanken und Öl nachfüllen – damit hat sich das. Die wirklich spannenden Elemente von Road to Guangdong liegen woanders.

Beim Kennenlernen der Familie und dem Erfahren der Rezepte liefert Road to Guangdong einen erstaunlich großen Abwechslungsreichtum: Bei den Verwandten der Protagonistin Sunny gibt es immer ein individuelles Problem zu lösen – vom Kinderwunsch, der noch erfüllt werden muss, davon, wer bereit ist, die Führung zu übernehmen, oder welche Ente zum Abendessen geschlachtet werden soll und wie wir ein Kind davon abhalten, zu lügen. Das sind spannende Geschichten, die zwar nur teilweise Fingerspitzengefühl erfordern, aber dennoch einen guten Einblick in die Kultur liefern und Sunnys Geschichte Persönlichkeit und Realismus verleihen – und es wird die ganze Zeit über deutlich, wie sehr die komplette, über die ganze Provinz verteilte Familie an Sunnys Eltern und dem Restaurant hängt.

Die Familiengeschichte ist vielfältig.

Ein Kochkurs im Schnelldurchgang

Kochen und das Restaurant eröffnen muss Sunny aber letztlich allein: Hier haltet ihr euch als Spieler raus und könnt die entsprechenden Szenen sogar überspringen. Da mir die Atmosphäre und die Aufmachung von Road to Guangdong sehr gefällt, wünsche ich mir, es in einem ähnlichen Spiel oder vielleicht sogar in einem Nachfolger mit einem umfassenderen Spielerlebnis zu tun zu bekommen: Es wäre cool, Sunnys ganze Mission zu erleben und nicht nur die eher flachen Erlebnisse auf der Straße und die Dialoge durchzuklicken, die nur in einem Fall wirklich Aufmerksamkeit erfordern – zwei Erfolge von Road to Guangdong können einem doch recht leicht durch die Lappen gehen, und in diesem Zusammenhang schafft man es nicht, einen Teil der Familie zum Essen einzuladen.

Das kann passieren: Ein Teil der Familie möchte nicht zum Essen kommen.

Road to Guangdong versucht ansonsten, einen kleinen Aspekt von Ressourcenmanagement mit einzubauen, doch ich sehe nicht, dass das Geld für den Ausflug wirklich zum Problem werden könnte: Das Einzig nötige ist, immer mal wieder alte Teile von den Schrottplätzen einzusammeln, um sie beim nächsten Mechaniker zu verkaufen. Macht man das nicht, könnte einem das Geld bei einer nötigen Reparatur durchaus ausgehen – und dann ist der Trip für diesen Durchgang von Road to Guangdong vorbei. Was man ansonsten beachten muss: Das Gaspedal niemals ganz durchdrücken, um die Kühlung nicht zu überfordern und den Verschleiß der Teile klein zu halten.

Optisch überzeugt mich Road to Guangdong mit einer guten Atmosphäre und auch die Musik gefällt: Das Auto hat zwar nur zwei Radiosender, einen für klassische und einen anderen für moderne Musik, doch als gut funktionierende Untermalung dürfte da eigentlich für jeden was dabei sein. Doch auch technisch hätte ich mir vor allem bei der schmalen Spielzeit gewünscht, dass alles rund ist: Die Autos im Verkehr schweben jedoch regelmäßig bei Unebenheiten auf der Straße, manchmal verschwinden sie einfach ins nichts oder halten unvermittelt an – warum die Entwickler das nicht komplett sauber umsetzen konnte, ist mir etwas schleierhaft.

Das Erlebnis auf der Straße ist atmosphärisch, aber etwas schal.

Fazit: Nicht versalzen, aber zu wenig gewürzt

Ich habe die Familiengeschichte in Road to Guangdong sehr genossen: Atmosphärisch und stilistisch liefert das Spiel ab und die Anliegen der Familienmitglieder sind abwechslungsreich und individuell. Es ist aber auch eine kurze Familiengeschichte: Nach gut drei Stunden hat man alles gesehen, einen großen Wiederspielwert hat Road to Guangdong nicht – nicht nur, weil das Erlebnis auf der Straße zwar niemals langweilig wird, aber recht schal bleibt, sondern auch, weil man dann alle Gamerscore verdient hat. Darüber hinaus ist auch technisch nicht alles ganz sauber umgesetzt. Für einen Abend gute, entspannende und informative Unterhaltung empfehle ich Road to Guangdong, auch wenn dem Spiel längerfristig ebenso wie Sandy das Benzin ausgeht.

ProContra
+ Gute Atmosphäre– Sehr kurze Spielzeit
+ Ansprechende Familiengeschichte– Technisch nicht ganz sauber: Schwebende Autos
+ Gute Musikuntermalung– Geringer Wiederspielwert
+ Einfacher Gamerscore– Einfache Gamerscore
+ Abwechslungsreiche Anliegen der Familie

Technik: 71
Grafik: 77
Sound: 85
Umfang: 57
Gameplay: 71
KI: 63

Spielspaß: 74

  • Story: Road to Guangdong erzählt die Geschichte rund um ein Familienrestaurant – die Geschichte ist vielfältig und abwechslungsreich, wenn auch sehr kurz.
  • Nachhaltigkeitswert: Es gibt so gut wie keinen Wiederspielwert und ich bin mir sicher, dass wir in einigen Jahren nicht noch vom Spiel sprechen werden.
  • Design/Stil: Stimmig und schön.
  • Musik und Sound: Musik und Sound ergeben ein stimmiges Ganzes.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: 19,99€ sind für das Spiel schon grenzwertig.

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Ein Reviewkey zu Road to Guangdong wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.

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Manuel Eichhorn
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