The Adventure Pals (Switch) im Test – Ein Platformer zum Liebhaben

Ein Großteil der aktuellen Spiele ist leider nichts für mich – so wirkt es zumindest, wenn ich vor allem durch den PlayStation Store oder Steam scrolle: Neben dem x-ten Roguelike Verschnitt gehören da auch ein Großteil der 2D-Platformer dazu, die mich erst mit wunderbarem Artwork locken und dann unter Umständen mit Pixelgrafik enttäuschen. Bitte nicht falsch verstehen – es geht um diese unglaubliche Flut an Spielen dieser Art, und das bedeutet auch, dass es Ausnahmen gibt. Sehr gute Ausnahmen. The Adventure Pals des britischen Studios Massive Monster hatte 2016 auf Kickstarter mein Interesse geweckt. Und jetzt gibt es das Spiel sogar für die Switch! Ob es meine Erwartungen erfüllt hat, erfahrt ihr im Test.

Ein Hoch auf Vielfalt

Die Entwickler beschreiben ihr Spiel selbst als Action-Adventure. Und genau das ist es auch. Vielleicht bin ich manchmal einfach zu schnell, wenn ich 2D sehe und dann direkt auf Platformer schließe. Aber: Jump’n’Run- und Platformereinlagen gibt es in The Adventure Pals natürlich auch, und zwar nicht zu knapp und in sämtlichen Ausführungen. Ob vor Endbossen weglaufen, innerhalb eines Zeitlimits ein Level abschließen zu müssen, im richtigen Timing springen oder auch heißgeliebte Unterwasserpassagen – all das hat der Titel zu bieten, aber noch mehr darüber hinaus.

Wir schlüpfen in The Adventure Pals in die Rolle eines Jungen, dessen Geburtstag vom bösen Mr. B so richtig versaut wird. Der Bösewicht entführt nämlich seinen Großvater und schickt noch dazu einen Haufen Monster in die Welt, sodass alles mal ganz schnell den Bach runtergehen könnte. Es geht also um die Rettung und darum, alles wieder in Ordnung zu bringen. The Adventure Pals erzählt also eine typische Platformerstory, weiß das jedoch auch und nimmt bestimmte Dinge bei Gelegenheit deshalb selbst auf die Schippe. Außerdem gibt es jede Menge sprechende Tiere und neben einer Giraffe hat unser junger Protagonist einen Stein zum zweiten besten Freund. Die Reise durch die verschiedenen Welten ist einfach unheimlich witzig – eine von Dinosauriern besetzte Stadt müssen wir beispielsweise den Sandwichbroten und Lady Pancake wieder zurückgeben.

The Adventure Pals bietet letztlich fünf verschiedene Oberwelten mit begrenzten Interaktionsmöglichkeiten, von denen wir dann in die einzelnen Level starten – davon gibt es mehr als 20. Darin erwarten uns immer wieder neue Herausforderungen und Widersacher. Unser Protagonist ist mit einem Schwert bewaffnet und wird damit immer wieder in äußerst actionreiche Kämpfe verwickelt. In diesen Situationen hat The Adventure Pals beinahe schon etwas von einem Hack & Slay, denn das Angreifen besteht im Wesentlichen aus Buttonsmashing, wobei man durch Sprünge im richtigen Moment den Angriffen der Feinde ausweichen kann.

Äh, ja … Ein Veggiesaurus hat uns irgendwie auch mal verfolgt!

Items und Level-Ups

Sehr cool: Für jeden besiegten Gegner gibt’s Erfahrungspunkte und mit diesen darf man insgesamt 21 Level aufsteigen. Bei jedem Level-Up droppen bis zu drei Karten, mit denen man den Helden aufbessern kann. Fast wie in einem Rollenspiel könnt ihr den Weg und die Fertigkeiten des jungen Helden also selbst bestimmen. Beim Erreichen der Levelcap hat man alles gelernt, doch zwischenzeitlich könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr lieber mehr Unterstützung von Sparkles, der Giraffe, oder Mr Rock hättet oder doch lieber auf eine der anderen Verbesserungen zurückgreifen möchtet. Das Levelsystem lockert The Adventure Pals unheimlich auf, geht über normale Kost hinaus und motiviert.

Unterstützung im Kampf bekommen wir auch durch zahlreiche Items. In erster Linie handelt es sich dabei um verschiedene Bomben, die mal die Gegner vergiften, mal aber auch am erstbesten Ziel kleben bleiben. In vielen Situationen sind diese unheimlich hilfreich, denn nur mit dem Schwert können die Kämpfe auch schon mal brenzlig werden. Mit den Items dagegen sind die Gegner meist ganz schnell beseitigt und machen einem nicht mehr das Leben schwer. Dementsprechend wichtig sind auch die Gesundheits- und Unverwundbarkeitstränke. Letztere helfen auch bei schwierigen Platformereinlagen weiter.

Was wäre ein Platformer natürlich ohne Sammelobjekte. Diese gibt es in The Adventure Pals auch, sind allerdings eine motivierende und auch witzige Nebenbeschäftigung, denn sie halten dazu an, die versteckten Bereiche in den detaillierten Levels zu erkunden. Sammeln kann man zum einen Cookies, die man bei einer Art Orakelkatze für neue Kostüme für Mr Rocks einsammeln kann, und Aufkleber, mit denen man das eigene Sammelalbum mit maximal 44 Stück bestücken kann. Man muss auch sagen, dass die meisten Positionen der Sammelobjekte ziemlich offensichtlich sind – somit fügt sich das Sammeln gut in den Spielfluss ein, aber es gibt eine Handvoll Ausnahmen, bei denen man schon genauer hinschauen muss, um wirklich alles zu finden. Ob man schon alles gesammelt hat, wird einem sogar immer angezeigt – pro Level gibt es fünf Cookies und einen Aufkleber.

Das Levelsystem ist ziemlich cool.

Auf der Switch zu Hause

The Adventure Pals kann einen ca. 8-10 Stunden gut unterhalten. Spätestens nach dieser Zeit werden vor allem geübte Spieler die Story durchgespielt und die Welt gerettet haben; übrig bleibt dann noch das Sammeln verbleibender Cookies und Aufklebern – unter anderem auch in den Arenen, die anspruchsvolle Kämpfe bieten. Überlebt man alle Runden, gibt’s eine Belohnung. Zusätzlich kann man nochmal durch alle Level rasen, um dort verbliebene Fundstücke aufzusammeln und den Rang zu perfektionieren – das Bewertungssystem in The Adventure Pals ist eher nette Dreingabe als Notwendigkeit. Rang A+ gibt’s für alles sammeln und nicht sterben, wenn irgendetwas nicht erfüllt ist, bin ich quasi immer gleich in Rang B abgerutscht. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass The Adventure Pals auch ein sehr kinderfreundliches Spiel ist – vor allem durch seine süße Story. So könnte dann auch die Zeitkomponente noch eine Bedeutung bekommen.

Optimal kann ich mir The Adventure Pals vorstellen, wenn es ein Elternteil zusammen mit dem Kind spielt – so kann man sich sogar über die gebotenen Inhalte unterhalten oder gemeinsam lachen. Beachten sollte man dabei aber, dass das Spiel nur auf Englisch spielbar ist! Mir hat das Spiel vor allem viel Spaß gemacht, weil ich es auf der Nintendo Switch gekauft habe. Ich habe nur ein einziges Mal auf dem TV gespielt und sonst immer im Handheld-Modus – dafür ist The Adventure Pals einfach wie gemacht.

Technisch gibt’s nicht allzu viel zu meckern, ich nehme an, dass die Switch Fassung auch keinerlei Abstriche gegenüber den anderen Konsolenfassungen machen muss. Hin und wieder gibt es allerdings kleine Probleme mit der Framerate, die nicht spielstörend sind, allerdings sind es schon krasse Aussetzer, die bei vielen Effekten auf dem Bildschirm passieren können. In der letzten Spielwelt sind zudem einige kleine Bugs bei mir aufgetreten – ich konnte mich plötzlich an bestimmten Levelstellen verhaken, was vorher nie passiert ist. In einem Level stürzte The Adventure Pals zudem immer an der gleichen Stelle ab – in einem Kampf, dessen Gegner ich einfach nicht mit normalen Angriffen besiegen durfte. Hier half nur das Besiegen mit Items.

Vorsicht: The Adventure Pals macht starken Nutzen der in den Joy-Cons verbauten Vibrationsmotoren. Das wird laut, wenn man es nicht ausstellt – schon beim Spielstart, wenn man den berüchtigten beliebigen Knopf drückt.

Das Bewertungssystem ist eher Dreingabe denn Notwendigkeit.

Fazit: Ein Platformer zum Liebhaben

Bei der Kickstarterkampagne 2015 habe ich noch in letzter Sekunde vor einem Beitrag zurückgeschreckt, einfach, weil ich in der Regel mit 2D-Platforming-Titeln nicht viel anfangen kann. Doch wisst ihr was: The Adventure Pals hätte es absolut verdient gehabt. Es ist ein unheimlich süßer, kinderfreundlicher Titel, der auch geübten Spielern hin und wieder eine kleine Herausforderung bietet und eine knuffige Geschichte rund um Familie und (tierische) Freundschaft und das erste Abenteuer eines jungen Helden erzählt. Die Spielwelten sind bunt und detailliert und insbesondere auf der Switch ist der Titel zu Hause – nur kleine technische Probleme trüben den ansonsten sehr runden Gesamteindruck. Hut ab, Massive Monster, ihr habt einen kleinen Crush auf 2D-Spiele in mir entfacht und ich bin vor allem gespannt, was ihr noch so aus dem Hut zaubert!

Wertung

Technik: 82
Grafik: 86
Sound: 80
Umfang: 84
Gameplay: 88
KI: 70

Spielspaß: 88

  • Story: The Adventure Pals erzählt eine witzige und humorvolle Geschichte rund um (tierische) Freundschaft, das erste große Abenteuer und Familie. Das Erlebnis ist auch kindgerecht, während es viel Humor bietet.
  • Frustfaktor: An manchen Stellen vorhanden, allerdings ist der Schwierigkeitsgrad insgesamt eher zahm.
  • Wiederspielwert: The Adventure Pals unterhält lange genug, und nach dem Durchspielen der Story kann man noch die verbliebenen Sammelobjekte besorgen, um wirklich jedes Geheimnis zu entdecken.
  • Design/Stil: Sehr detailliert, bunt – und witzig. The Adventure Pals ist toll gestaltet für Groß und Klein.
  • Musik: Die Musik ist an sich gut und die Melodien verursachen bisweilen Ohrwürmer, es handelt sich gleichwohl auch immer um ähnliche bzw. dieselben Melodien. Die Soundeffekte sind Durchschnitt, aber in Ordnung.
ProContra
+ Detaillierte Levels- Bewertungssystem der Level eher unbrauchbar
+ Schöne Geschichte über Freundschaft und Familie- Stellenweise Framerateeinbrüche
+ Großartiger Humor- Gegen Ende kleinere Bugs und ein Absturz
+ Angemessener Umfang
+ Motivierendes Levelsystem
+ Sinnvolle Sammelobjekte

Screenshots

Im echten Leben heiße ich Manuel und neben Videospielen interessiere ich mich vor allem für Bücher. Die lese ich nicht nur gerne, sondern schreibe sie auch selbst. Wenn ich nicht gerade zocke oder Tests oder Geschichten schreibe, arbeite ich als Kundenberater. Ich schleppe immer ein Notizbuch mit mir herum, nur, um dann doch alles ins Handy zu notieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beim Hinterlassen eines Kommentars wird dein Name, deine E-Mail-Adresse, IP-Adresse sowie deine Texteingabe gespeichert, damit wir den Kommentar anzeigen können. Bitte lies dazu unsere Datenschutzerklärung!