The Path of Motus (Steam) im Test – Von Brücken, Gemeinheiten – und vom Aufgeben

Als ich vor kurzem von The Path of Motus gelesen habe, wurde ich sofort neugierig. Ein netter kleiner Indie-Titel, der sich tatsächlich mit dem Thema Mobbing auseinandersetzt. Setting und Hauptfigur wirkten zudem unverbraucht. Da habe ich es mir nicht nehmen lassen, einen Blick zu riskieren – selten zuvor habe ich ein Spiel gespielt, das einerseits so viel Sinn ergibt, andererseits auch so viel Unsicherheit zurücklässt. Im Test erfahrt ihr, wieso.

The Path of Motus ist ein Spiel unheimlich gemischter Gefühle – einerseits erfüllt es dadurch seine Aufgabe und vermutlich auch die selbst gesteckten Ziele vorzüglich, andererseits wird es dadurch als Spielerfahrung auch sehr frustrierend. In den ersten zehn bis zwanzig Minuten führt euch The Path of Motus gut an das heran, worum es geht: In der Rolle des Goblins Motus wollt ihr aus dem Wald fliehen, in dem er und all seine Bekannten gefangen sind. Doch dabei seid ihr nicht nur der schwierigen Aufgabe ausgesetzt, Brücken zu bauen, sondern auch den entmutigenden Zurufen von Mobbern, die ihr abwehren müsst.

In der Anfangsphase spielt The Path of Motus gebündelt all seine Stärken aus: Das Artdesign ist hervorragend gelungen und das Spiel wirklich schön anzusehen, der Soundtrack und die Musik ist hervorragend und die Geschichte persönlich und emotional. Ein starker Einstieg, der aber schnell von der spielerischen Wankelmütigkeit des Titels zerrüttet wird.

Im Wesentlichen wechseln sich in The Path of Motus in schöner Abwechslung drei Spielelemente ab: Es gibt erstens gewöhnliche 2D-Platformer-Sequenzen, zweitens Rätsel zum Brücken bauen, in dem ihr zwar nicht exakt Malen nach Zahlen übt, allerdings sicherstellen müsst, dass jedes dargestellte Objekt mit der jeweils angezeigten Anzahl von Linien verbunden ist und gleichzeitig eine sinnvolle Brückenform entsteht, und drittens das recht interessante Kampfsystem: Die Mobber nämlich werfen euch Phrasen in verschiedenen Phasen an den Kopf, die ihr zuerst kontern müsst, um schließlich zum Gegenschlag auszuholen. Besonderheit: Sowohl ihr als euch jeder Widersacher ist mit einem Treffer erledigt.

Das Brückenbauen ist insgesamt das am meisten gelungene Element, weil es rein auf Logik beruht.

“Gib auf!”

Es gibt in The Path of Motus den Moment, in dem im Hintergrund eine Stimme “Give up” flüstert, also: “Gib auf”. Einerseits ist dies ein Zeichen für den wirklich hervorragend atmosphärischen Soundtrack, andererseits steht es auch für die teils absurde und frustrierende Schwierigkeit des Titels. In The Path of Motus ballt sich viel Frust in den gerade mal gut zwei Stunden Spielzeit. Ja, das Abenteuer ist nicht lang, obwohl man Motus von der Kindheit bis zum Erwachsensein begleitet.

Quasi jedes der drei Spielelemente bringt seine eigenen Bosheiten mit sich – das Brückenbauen ist aber das verlässlichste Element, weil es immerhin auf Logik beruht und sich jedes der Rätsel mit etwas Ruhe lösen lässt. Das größte Unding vorweg: Ungefähr in der zweiten Spielhälfte werden Plattformen eingeführt, die einfach keine sind. Sobald man darauf springt, fällt man in den Tod. Es gibt nur überhaupt keine Möglichkeit, diese Plattformen im Vorfeld zu erkennen. Anders gesagt: Hier erlebt ihr automatisch Trial & Error. Größter Ausgleich zur Schwierigkeit gleich auch gesagt: In The Path of Motus wird man nie irgendwo hin zurückgesetzt, sondern man wird direkt auf dem gleichen Bildschirm wiederbelebt.

Auch alles andere in The Path of Motus ist unberechenbar. Während das Kampfsystem grundsätzlich eine hohe Dynamik gewährleistet und schnelle Reaktionen erfordert, sind manche Kämpfe einfach nicht ohne Tricks schaffbar

– dadurch, dass die Mobber sofort erneut spawnen. Und zwar wirklich sofort. Schön ist dagegen, dass man zwei von ihnen mit ihren eigenen Waffen schlagen kann, denn die Worte des einen erledigen auch den anderen.

Im Endeffekt fährt man mit The Path of Motus immer mit dem ‘Austricksen’ am besten. Fast auf jedem Bildschirm gibt es mindestens einen Weg, die eigentlichen Mechaniken zu umgehen. Das ergibt auf der einen Seite ganz viel Sinn, weil man so wohl auch in der Realität vorankommen kann, indem man klüger ist als die anderen, die sich selbst für super halten, andererseits stellt das im Spiel die sogenannten “High Roads” dar, für die es auch eine Belohnung gibt, wenn man alle absolviert.

Es gibt trotzdem Situationen, die sich zunächst einmal nur mit Buttonsmashing im richtigen Moment und etwas Glück meistern lassen. Wenn wieder und wieder ein neuer Gegner einfach vom oberen Bildschirmrand in die Spielwelt fällt, kann das frustrierend sein. Als Spiel fühlt sich The Path of Motus dadurch an vielen Stellen irgendwie unausgereift an, aber dennoch ergibt alles voll und ganz Sinn. Das Spiel will euch zum Weitermachen anregen, es euch möglichst schwer machen, und auch, wenn es so wirkt, als hassten euch der Entwickler und/oder sein Spiel, so ist es ja auch genau das, was es will! Und wisst ihr was: Ich hätte das Spiel trotz der Ärgernisse tatsächlich in einem Rutsch durchgespielt.

Technische Hürden

Nicht ganz so rund lief The Path of Motus auf meinem Rechner, der definitiv stark genug fürs Spiel sein sollte. Zusammen hingen die Probleme wohl ausschließlich mit dem AMD Grafikkartentreiber – zunächst konnte ich das Spiel gar nicht starten. Ein Update auf die aktuellste (Stable Release) Treiberversion für meine Radeon RX 480 brachte Abhilfe.

Gegen Ende des Spieles schlugen die Probleme aber nochmal zu: Ich kam einfach nicht mehr aus einem Haus raus, das ich gerade erst gebaut hatte. Das Spiel fror einfach jedes Mal beim Verwenden der Tür ein, manches Mal stürzte es nach einigen Minuten ab. Da The Path of Motus leider keinen Steam Cloud Support hat, konnte ich auch nicht einfach auf einem anderen Gerät weiterspielen.

Einen Tag und eine komplett neue Treiberinstallation später ging dann alles. Die an dieser Stelle versteckte Videonachricht des Entwicklers Michael Hicks startete wieder und anschließend konnte ich auch das Spiel beenden. Stichwort Videonachricht: So nett sie auch ist und so interessant die Einblicke, in einem Spiel von gut zwei Stunden Spielezeit ein Video dieser Länge zu verstecken, ist doch etwas fragwürdig. Ich weiß nicht, ob es sich wirklich viele ansehen werden. Ein kürzeres Dankesagen – wie es im Anschluss noch einmal in einem netten spielbaren Level erfolgt – wäre voll und ganz ausreichend gewesen.

Hier kommt man definitiv nicht ohne Tod raus – aber zum Glück spawnt man an Ort und Stelle wieder.

Fazit: Eine schwierige Botschaft

Ich bin fest davon überzeugt, dass The Path of Motus einer völlig stimmigen Logik folgt und in sich absolut Sinn ergibt. Dennoch: Als Videospiel wird es The Path of Motus schwer haben, viele Freunde zu finden, denn dafür entsteht in der wirklich sehr kurzen Spielzeit zu viel Frust und einige Designentscheidungen wirken einfach wirklich seltsam. Für mich geht lediglich eins gar nicht: Plattformen als Sprungziele, die einfach keine sind und dann einfach transparent werden.

Alle anderen Gemeinheiten in The Path of Motus kommen dagegen der zentralen Botschaft zugute: Mobbing ist schwer zu erklären, und wenn ihr eure Träume verwirklichen wollt, müsst ihr weitermachen, dürft euch nicht unterkriegen lassen, müsst vielleicht sogar mal zurückschlagen oder die anderen mit ihren eigenen Waffen schlagen. Es gibt oft mehr als eine Lösung, einen Trick, das macht The Path of Motus wirklich cool. Auch wenn es etwas zu oft in gerade mal gut zwei Stunden wirkt, als hasse euch alles und jeder – inklusive dieses Spiels, das spielerisch so gemein ist, aber gleichzeitig audiovisuell verzaubert.

Technik: 66
Grafik: 83
Sound: 90
Umfang: 58
Gameplay: 61
KI: 39

Spielspaß: 68

  • Story: Die Geschichte ist emotional und berührend – und durchaus realistisch.
  • Frustfaktor: Stellenweise sehr hoch. Während dies an vielen Stellen Sinn ergibt, sind manche Designentscheidungen einfach zu frustrierend – wie transparent werdende Plattformen, die sich aber rein gar nicht abheben oder vorhersehbar sind.
  • Wiederspielwert: Vorhanden, um alle High Roads zu erledigen und ggf. versteckte Orte zu finden.
  • Design/Stil: Gelungen – Optik und Animationen passen zur guten Atmosphäre. Insgesamt lässt sich The Path of Motus sehr schön ansehen.
  • Musik: Musik und Soundtrack sind überaus stimmig und herausragend gelungen zur Unterstreichung der Atmosphäre.
ProContra
+ Gelungene Rätsel zum Brückenbau- Unnötig frustrierende Designentscheidungen
+ Grundsätzlich viel Abwechslung- Kurze Spielzeit
+ Emotionale und berührende Geschichte- Zu lange Videobotschaft
+ Insgesamt stimmige Botschaft und Verknüpfung Inhalt - Gameplay- Technische Probleme mit AMD Grafiktreiber, Abstürze
+ Sehr atmosphärischer Soundtrack- Viel Frust

Wir bedanken uns bei Michael Hicks für das Pressemuster zu The Path of Motus!

Screenshots

Im echten Leben heiße ich Manuel und neben Videospielen interessiere ich mich vor allem für Bücher. Die lese ich nicht nur gerne, sondern schreibe sie auch selbst. Wenn ich nicht gerade zocke oder Tests oder Geschichten schreibe, arbeite ich als Kundenberater. Ich schleppe immer ein Notizbuch mit mir herum, nur, um dann doch alles ins Handy zu notieren.

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