The Wanderer (Switch) im Test – Eine fremde Welt entdecken

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Ich liebe Literaturklassiker. Zwar habe ich bewusst noch keinen wirklich gelesen, dennoch liebe ich sie und hatte The Wanderer: Frankenstein’s Creature schon seit dem Launch auf der Switch auf meiner Wunschliste. Nun habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und verrate euch in meiner Review zur Switch Version, warum sich der Kauf zwar gelohnt, ich aber jede Menge Frust beim Spielen empfinde.

Eine fremde Welt

Ich erwache allein, umgeben von Helligkeit, die ich nicht einordnen kann. Ich kann nichts sehen, sondern folge nur meinem Drang, zu fliehen. Ich bin ein Wesen, das nicht weiß, was oder wer es ist, ein unbeschriebenes Blatt. In The Wanderer: Frankenstein’s Creature bin ich das Wesen, das von Viktor Frankenstein in Mary Shelleys weltberühmten Roman erschaffen wurde. Und doch bin ich kein Monster.

Ich bin wirklich beeindruckt, von allem, was ich im Spiel erlebe, denn ich entdecke die Welt neu. Das Wesen urteilt nicht, denn es versteht noch nicht alles. Es ist eine friedliche Seele, zu der ich sie zum Teil geformt habe. Es will nichts Böses und so will auch ich nichts Böses. Ich erlebe Farben und die Welt, Menschen und Spiele, die Jahreszeiten und Hunger aus einem ganz anderen Blickwinkel, doch alles wird überschattet von der Frage, wer ich bin.

The Wanderer: Frankenstein’s Creature ist ein faszinierendes Spiel, vor allem darüber, die Welt einmal aus neuen Augen zu sehen. Umso trauriger ist es, dass auch diese Literaturverspielung zeigt, wie engstirnig die Menschen sind. Ich besuchte im Spiel eine Kirche, ich spielte mit Kindern. Immer wieder sprachen die Menschen von Brüderlichkeit – doch ich, als Monster, empfing keine Liebe. Stattdessen wurde ich gejagt und ausgestoßen – nur, weil ich anders aussah. Es ist traurig, das wir auch heute noch nicht so viel mehr dazu gelernt haben, obwohl Shelleys Werk schon über 200 Jahre alt ist.

Mich hat The Wanderer: Frankenstein’s Creature wirklich überwältigt, denn die musikalische Untermalung und die mit Wasserfarben gemalte Welt tragen ihr Übriges zur Atmosphäre bei. Empfohlen wird übrigens, beim Spielen Kopfhörer zu tragen – und ich weiß auch warum, denn der Soundtrack ist wahrhaft traumhaft und sorgt für genau die richtige Stimmung: Wehmütig, neugierig, verängstigt, sorgenvoll, sorgend.

Und dennoch habe ich beim Spielen sehr viel Frust empfunden.

Die Traurigkeit der Welt

Es macht mich stets traurig, wenn ich gehaltvolle und wunderbare Indies spiele, die technisch nur mangelhaft sind. Leider ist The Wanderer: Frankenstein’s Creature auf der Switch kaum spielbar, auch wenn ich mich durch die technische Seite der Story irgendwie gequält habe. Doch ich weiß nicht, wie oft ich verschiedenste Kapitel durch die Geschichte erneut spielen musste, da einfach Cutscenes und Scripts nicht ausgelöst wurden.

An sich hat The Wanderer keine wirklich lange Spielzeit und mit etwa 2 Spielstunden sollte man durch sein, doch es ist betrüblich, wenn ich nicht weiterspielen kann, weil mich das Spiel nicht weiterspielen lässt. Ich musste viel zu viel wiederholen, viel zu viel hat nicht ausgelöst und oft hat mir die Steuerung einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Mir ist es unbegreiflich, wie ein so emotionales und mächtiges Spiel mit einer solchen technischen Darstellung auf den Markt geworfen werden kann. Gibt es denn niemanden, der das Spiel noch einmal geprüft hat, bevor man es an Nintendo schickte? Neben den vielen Kapiteln, die ich wiederholen musste, war auch die Steuerung des Wesens katastrophal. Häufig lief ich an unsichtbare Wände, häufig wurde die Richtung nicht erkannt, in die ich lenkte, wodurch das Wesen in eine andere ging. Das ist traurig und macht wenig Spaß.

The Wanderer: Frankenstein’s Creature könnte ganz oben mitspielen, macht sich jedoch selbst zumindest die Version der Nintendo Switch kaputt, was nicht sein müsste! Da können weder Atmosphäre noch Soundtrack noch Zeichenstil sonderlich viel reißen und das macht mich traurig. Neben dieser technischen Seite tauchen auch immer wieder französische Wortfetzen auf und hin und wieder gibt es auch Rechtschreibfehler.

Entscheide ich über mein Schicksal?

Ich las auf Steam eine Rezension zum Spiel, in der sich darüber aufregte, dass man keine wirklichen Entscheidungen treffen kann und dass es immer gleich endet. Ich habe für meine Review sehr viel darüber nachgedacht und sicher, wäre es schön, wenn die Entscheidungen, die ich im Spiel treffen kann, auch wirkliche Entscheidungen für die Geschichte wären, andererseits spiele ich eine Literaturverspielung, die mir wenig Spielraum lässt.

Ich kann nicht in einem Spiel, in dem es um Akzeptanz und die Engstirnigkeit der Menschen allem anderen gegenüber ein Ende fordern, in dem alles gut ist. Der Mensch ändert sich nicht so schnell und schon gar nicht in einem Spiel, das nur eine zweistündige Spielzeit hat.

Ja, man kann in The Wanderer: Frankenstein’s Creature Entscheidungen treffen, die jedoch nur einen geringen Einfluss auf die Spielerfahrung haben. Es sind eher Entscheidungen, die „das Ungeheuer“ weiterentwickeln, die auf tieferer Ebene passieren. Und das finde ich einen viel wichtigeren Schritt, als hier wirklich die Geschichte ändern zu wollen. Aus meiner Sicht muss nicht die Geschichte, sondern die Menschheit geändert werden, um mehr Respekt und Akzeptanz untereinander zu schaffen.

Was allerdings zutrifft, und da stimme ich der Review wiederum zu: Wenn ich keine Entscheidungen treffen kann und sich die Geschichte auch nicht verändert, habe ich keinen wirklichen Grund The Wanderer: Frankenstein’s Creature noch einmal zu spielen, noch dazu mit dem technischen Hintergrund.

Fazit: Wenn doch nur die Technik nicht wäre

The Wanderer: Frankenstein’s Creature erzählt Mary Shelleys weltberühmten Roman rund um Frankensteins „Monster“ nach und tut dies mit einer phänomenalen Hingabe: Ich entdecke gemeinsam mit dem Wesen, das nichts über unsere Welt weiß, die Welt aus ganz neuen Augen. Lerne Farben und Lichter kennen, entdecke Liebe und Freundschaft, und Hass, und bin fast ein bisschen traurig, das ich unsere Welt bereits so kenne, wie ich sie kenne.

Hier wurde grandios ein Literaturklassiker in ein Videospiel verwandelt, das auf passende Wasserfarben und einen hervorragenden Soundtrack zurückgreift – und doch ist es auf der Nintendo Switch kein Spiel, das wirklich Freude bereitet. Viel zu oft haben Scripts nicht ausgelöst, viel zu oft habe ich deswegen ganze Kapitel wiederholen müssen. Aufgrund der mangelhaften Steuerung, die nicht immer das macht, was ich will, war das kein Zuckerschlecken und ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wie ich es überhaupt bis zu den Credits geschafft habe.

So bedeutsam und wichtig die Geschichte rund um Akzeptanz und Engstirnigkeit auch ist, so traurig ist die technische Umsetzung. Es ist schade, denn hier verschwindet ein großartiger Indiediamant aufgrund seiner mangelhaften technischen Seite vermutlich in der Dunkelheit.

ProContra
+ Phänomenaler Soundtrack– Steuerung mehr als mangelhaft
+ Grandioser Wasserfarbenstil– Immer wieder laufe ich in die falsche Richtung
+ Tiefe Geschichte, große Emotionen– Viele Scripts lösten nicht aus
– Ganze Kapitel mussten mehrfach wiederholt werden
– Rechtschreib- und Übersetzungsfehler
– Kaum Wiederspielwert

Technik: 47
Grafik: 80
Sound: 84
Umfang: 38
Gameplay: 14
KI: 20

Spielspaß: 60

  • Story: The Wanderer: Frankenstein’s Creature erzählt die Geschichte rund um das Wesen, das Viktor Frankenstein in Mary Shelleys weltberühmten Roman schuf.
  • Nachhaltigkeitswert: So leid es mir tut, doch aufgrund der technischen Seite verschwindet es eher.
  • Frustpotential: Sehr hoch, da es bei der Switch Version viele Dinge gibt, die Frust hervorheben und die dazu führen, dass man ganze Kapitel erneut spielen muss.
  • Design/Stil: Ein wunderhübscher Grafikstil mit Wasserfarben.
  • Musik und Sound: Phänomenal und sehr gut untermalend.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: 14,99 € sind sehr hoch gegriffen, für die Hälfte passt es besser, allein deswegen, da man rund 2 Stunden Spielzeit bekommt.

Offenlegung

Ich habe mir The Wanderer: Frankenstein’s Creature für die Nintendo Switch selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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