We Should Talk (PC) im Test – Reden könnte so einfach sein

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Würde man in Beziehungen mehr reden, würde es definitiv weniger Probleme und Trennungen geben. Das ist nicht nur ein blöder Spruch, sondern tatsächlich die Realität. In We Should Talk geht es genau darum: Um die Kommunikation in einer Beziehung, die nicht unbedingt auf rosa Wolken schwebt. Ich habe für euch einen Blick ins Spiel geworfen und verrate euch in meiner Review zur PC Version, ob sich dieser gelohnt hat.

Setz mich nicht unter Druck, Sam!

In We Should Talk bin ich gerade in meiner Lieblingsbar angekommen, habe meinen Drink bestellt und dann schreibt mir Sam. Sie ist meine Freundin und wir scheinen relativ frisch zusammengezogen zu sein. Während ich in der Bar und mit meinem Drink versuche, den Alltag zu vergessen und einfach mal abzuschalten, dreht Sam allerdings erst richtig auf. Sie will Pläne für den nächsten Tag mit mir machen. Will, dass ich sie den ganzen Abend bespaße, weil sie zu Hause ist und ich in der Bar. Eine schwierige Situation.

Sam leidet an verschiedenen Angststörungen, die wohl auf ihre Kindheit zurückzuführen sind, und will über diese mit mir reden. Während ich einfach nur in der Bar bin und abschalten will. Nun, in meinem ersten Durchlauf habe ich sie spüren lassen, was ich davon halte. Sie hat mich gestört und unter Druck gesetzt, sie wollte permanente Aufmerksamkeit und lieber über ihre Sachen texten, als mit mir später in Ruhe unter vier Augen darüber zu reden.

Ernsthaft, We Should Talk hat mich hier ordentlich unter Druck gesetzt und endlich weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn jemand permanent klammert, obwohl man eigentlich seine Ruhe will. Leider kann man Sam nicht ignorieren, denn das wäre vermutlich das, was ich irgendwann getan hätte: Einfach das Handy auf stumm schalten und in der Tasche verschwinden lassen. Doch so eine ist meine Protagonistin nicht.

Doch ich rede an dem Abend nicht nur mit Sam, nebenbei gibt es auch Unterhaltungen mit Dante, meinem Exfreund, und Jimmy, der einer Datingapp auf den Leim ging. Beides ziemlich interessante Menschen.

Interessante Gespräche und Antworten

We Should Talk wird nur durch Dialoge geführt, die ich selbst zusammenstückeln kann. Ich entscheide somit direkt, wie sich die Gespräche entwickeln und sogar, wie lange ich sie führe. So kann ich sehr lange mit Jimmy reden, wenn ich die richtigen Antworten kombiniere, oder ich halte Sam kurz mit ihren Herausforderungen – ich kann aber auch den ganzen Abend für sie da sein. Es liegt an mir. Ebenso wie sich die Länge der Gespräche gestaltet, gestaltet sich auch die Länge des Spiels.

So kann ich relativ schnell durch sein mit einem Durchlauf oder mehr Zeit in Anspruch nehmen. Ich habe mich in meinen drei Durchgängen eher auf Geschwindigkeit berufen und habe eine gesamte Spielzeit von knapp 60 Minuten, doch dafür ist jede Minute ihr Geld wert.

Was ich allerdings ziemlich schade finde, ist dass manche Durchläufe einfach viel zu schnell vorbei sind. Gerade, wenn es interessant wird, werde ich abgeblockt und die Credits laufen über den Bildschirm. Hier hätte ich mir bei manchen dann doch ein bisschen mehr Tiefgang erhofft, als ich bekommen habe. Auch wenn ich selbst über die Länge des Spiels entscheide, beschließt das Spiel manchmal dann schon, einige Minuten vor den Credits, dass ich ein bestimmtes Ende freigespielt habe.

Was ich hingegen mag, sind die einzelnen Reaktionen auf die Sätze, die ich produziere. Ob ich beispielsweise Steph, die Barfrau, mit meiner Bestellung aus der Fassung bringe oder nicht, liegt an meiner Wahl. Und das finde ich wirklich sehr spannend und interessant, sodass ich auch einfach nur mal geschaut habe, was eigentlich passiert, wenn ich ein bisschen an den Sätzen drehe. Hier ist viel Potential zum Ausprobieren vorhanden, und das finde ich richtig gut. Gefällt mir und ist sehr zu empfehlen.

Zumal We Should Talk auch mit neun verschiedenen Enden daherkommt, sodass sich Ausprobieren auf jeden Fall lohnt. Um eine Übersicht zu bekommen, welche Enden man schon hat, gibt es im Startmenü eine kleine Übersicht. Ich denke, dass auf diese Weise sogar die trophäenlose Switch Version gut über die Runden kommen wird, werde mir das aber in den kommenden Monaten selbst nochmal anschauen.

Wie ist der Drink?

We Should Talk läuft auf dem PC sehr flüssig. Das Dialogsystem ist ziemlich gut ausgereift und es gibt nur wenige Situationen, in denen ich es überstrapaziert habe und somit die Antworten von Sam, Jimmy oder Dante keinen Sinn mehr ergeben haben. Das ist mir nur sehr selten passiert, doch sonst sind alle Dialoge sehr gut aufeinander abgestimmt.

Doch nicht nur das Dialogsystem ist gut, sondern auch die ganze Atmosphäre in der Bar. Nebenbei läuft klassische Barmusik, die sehr gut passt, da sie emotional klingt und somit eine hervorragende Untermalung bietet. Zudem hört man regelmäßig Gespräche im Hintergrund, die suggerieren, dass doch einiges los ist. Schade, dass man nicht mit mehr Menschen interagieren kann, sondern dass ich so krass ans Skript gebunden bin. Ich mag zwar, dass es eine vorgegebene Route gibt, ich hätte aber doch noch ein bisschen mehr Einfluss auf alles und zwar nicht nur in der Länge der einzelnen Gespräche, die ich führen kann.

Ein großer Pluspunkt ist für mich allerdings die Natürlichkeit der einzelnen Figuren. Meine Protagonistin ist bisexuell und das wurde ziemlich gut umgesetzt, sodass sich deswegen niemand seltsam fühlt oder es zu komischen Gesprächen kommt. Und genauso sollte es auch in der Realität sein, doch nicht sind dort nicht alle Menschen angekommen.

Fazit: Ein ordentlicher, kommunikativer Weg

We Should Talk ist ein Spiel, in dem es um die Kommunikation in einer Beziehung und per Chat geht. Hier spielt es eine große Rolle, wie ich was in einer schriftlichen Unterhaltung ausdrücke und wie es die Person am anderen Ende aufnimmt. Ich liebe es, in We Should Talk mich durch die verschiedenen Antworten zu probieren, um auf diese Weise herauszufinden, wie weit ich gehen kann, welche Antworten welche Situationen hervorbringen. Immerhin habe ich neun verschiedene Enden, die ich erreichen kann.

Auf der anderen Seite wirkt We Should Talk trotz der großen Freiheit, die ich habe innerhalb des Dialogsystems, sehr linear und so, als habe ich am Ende doch keinen Einfluss mehr auf irgendwas. Manche Enden kommen auch einfach viel zu schnell, sodass ich wiederum gar nichts mehr sagen kann. Das ist schade und hier habe ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Dennoch ist We Should Talk ein kleines, interessantes Spiel, das man sich einmal anschauen kann, denn lange geht ein Spieldurchlauf nicht und das Preis-Leistungs-Verhältnis passt zum spannenden und interessanten Setting. Von mir gibt es trotz der fehlenden Freiheit eine klare Kaufempfehlung.

ProContra
+ Tolle Atmosphäre– Kurze Spielzeit, sodass manchmal kein Tiefgang entsteht
+ Kurze Spielzeit, da in manchen Konversationen passend– Fehlende Freiheit in der Grundgestaltung der Story
+ 9 verschiedene Enden– Selten passen die Reaktionen nicht zum Gesagten
+ Klasse Dialogsystem– Enden kommen viel zu schnell zum Teil
+ LGTBQ+ Elemente

Technik: 71
Grafik: 70
Sound: 90
Umfang: 56
Gameplay: 68
KI: 73

Spielspaß: 85

  • Story: We Should Talk erzählt den Abend einer Bar: Man selbst geht trinken, während die Freundin zu Hause sitzt und auf einen wartet. Sehr interessante Thematik über Kommunikation in einer Beziehung durch Kurznachrichten.
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden.
  • Nachhaltigkeitswert: Es könnte genutzt werden, wenn es mehr Möglichkeiten böte.
  • Design/Stil: Gute Umsetzung des Dialogsystems.
  • Musik und Sound: Perfekte Baratmosphäre.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Etwa 6 € sind okay für den Titel.

Offenlegung

Ich habe We Should Talk bei Kickstarter unterstützt und somit die PC Version erhalten.

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Beatrice Vogt
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