Wide Ocean Big Jacket (Switch) im Test – Erwachsen werden in der Wildnis

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Campingausflüge sind eine tolle Sache und wenn man sie digital erleben kann, sogar noch ein bisschen besser: Man wird nicht direkt mit den ganzen Insekten konfrontiert. In Wide Ocean Big Jacket, das für die Switch und den PC zur Verfügung steht, erlebt man jedoch mehr als einen Campingausflug, sondern man wird ein bisschen erwachsen.

Ganz klassisch zelten gehen

Wide Oceans Big Jacket schickt dich auf einen Campingausflug: Du spielst dabei die vier Charaktere Mord, Ben, Cloanne und Brad, die eine Nacht in der Wildnis schlafen und dabei alle klassischen amerikanischen Dinge tun, die man beim Camping so tut. Wir grillen also Hot Dogs, erzählen uns Gruselgeschichten, sammeln Holz, beobachten Vögel und noch ein bisschen mehr. Das ist ziemlich cool und macht Spaß. Schade ist hierbei nur, dass Wide Ocean Big Jacket wirklich sehr kurz ist und man nach einem Durchlauf auf der Switch auch schon alles gesehen hat.

Zwar habe ich all diese Dialoge zwischendrin, aber an Möglichkeiten mangelt es mir dann doch. Ich habe keine Entscheidungen bei den Gesprächen zum Beispiel und auch nicht die Möglichkeit, mir die Wildnis wirklich anzuschauen. Es gibt nichts, was ich entdecken kann, keine Geheimnisse. Und so bin ich mit dem ganzen Abenteuer nach etwas mehr als einer Stunde durch. Zwar ist das auch gut, denn irgendwie hat es mir dann vom Gameplay her bereits gereicht, da ich keine wirklichen Entscheidungen treffen kann, sondern einfach nur warte, bis die Dialoge fertig sind und ich zu den entsprechenden Dingen gelaufen bin.

Ich habe mir von der Story einiges erhofft, stattdessen bekomme ich nur eine ganz gute Gruselgeschichte und ein Gespräch über den richtigen Zeitpunkt für Sex, denn Ben und Mord sind ein Paar und sie denkt darüber nach, ob er der Richtige ist und ob sie mit ihm schlafen sollte. Beide sind erst 13 Jahre alt, doch an sich noch ganz schön jung. Was zum Beispiel dadurch zum Ausdruck kommt, dass Mord noch sehr verspielt ist. Dennoch führt sie dieses Gespräch.

Ein Wandel der Charaktere

Was mir in Wide Ocean Big Jacket auf gefallen ist, ist der Wandel, den zumindest Mord durchmacht. um Anfang der Geschichte ist sie ein ziemliches Biest und wirkt fast schon lästig, doch zum Ende hin gewöhnt man sich an sie und sie ist nicht mehr so anstrengend. Sie ist im Grunde genauso wie sie mit 13 sein sollte, denn sie ist auf der einen Seite verspielt, will aber auch ihren Platz im Leben finden und gleichzeitig so tun als wäre sie schon erwachsen. So ist es kein Wunder, dass sie am Anfang ein richtiges Brat ist.

Die anderen Charaktere hingegen sind ein bisschen platt und charakterlos. Cloanne ist so etwas wie die weisende Erwachsene in Wide Ocean Big Jacket, denn sie ist entspannt, lässt die Kinder machen, gibt jedoch an den richtigen Stellen die richtigen Hinweise. Brad und Ben hingegen sind wirklich platt und fast schon charakterlos, was sehr schade ist und im Vergleich zur sehr starken Mord doch zurückbleibt. Hier habe ich mir ein bisschen mehr Wandel gewünscht.

Zwar versucht man zwischendrin auch einen Konflikt zwischen Brad und Cloanne in die Wege zu leiten, doch der wird irgendwie typisch erwachsen beigelegt und man spricht nicht wirklich darüber, was man tun könnte. Beworben wird Wide Ocean Big Jacket als eine Art kleines Filmerlebnis, doch dafür fehlt mir ein bisschen der Tiefgang, den man durchaus auch in einem 90 Minuten Film findet, wenn er nicht gerade zufällig von Netflix produziert wurde.

Die Schwierigkeiten des Campings

Ich war am Anfang von Wide Ocean Big Jacket ein wenig überrascht vom ganzen Stil, denn es ist alles in sanften Farben gehalten, was sehr hübsch ist und zum Setting passt, doch irgendwie will der Funke nicht richtig überspringen. Bei den Charakteren habe ich mir mehr Details gewünscht, etwas, was sie wirklich abgrenzt. Irgendwie will mich der Grafikstil der Figuren nicht sonderlich überzeugen und ich finde besonders die Arme und Beine nicht schön modelliert. Doch das ist reine Geschmackssache.

Die Figuren ließen sich allerdings auch nicht schön steuern und ich habe ein bisschen gebraucht, um mich an die Steuerung zu gewöhnen, denn man kann sowohl den rechten als auch den linken Stick oder das Steuerkreuz benutzen, um zu laufen. Das ist eine große Umstellung, da in der Regel mit dem rechten Stick die Kamera gelenkt wird. Dennoch lief ich auch regelmäßig gegen irgendwelche Dinge und hatte nicht das Gefühl, die Figuren wirklich steuern zu können, was irgendwie auch unpassend und schade ist.

Dafür hat Wide Ocean Big Jacket einen schönen Soundtrack, der immer zu den entsprechenden Szenen und Geschehnissen passt und somit die ganze Atmosphäre gut untermalt. Hier hätte ich mir mehr und vielleicht sogar eine Synchro der Figuren gewünscht, da sich viele Dialoge einfach besser hören als lesen lassen.

Fazit: Ganz nett, aber…

Wide Ocean Big Jacket ist ein kurzes Spiel, das einen Campingausflug in den Vordergrund stellt: Am Lagerfeuer gibt es Gruselgeschichten, nachts sucht Mord, eine 13-Jährige, Rat bei ihrer Tante Cloanne, wann der richtige Zeitpunkt für das Erste Mal gekommen ist, und tagsüber verbringen wir Zeit am Strand. Es ist ganz nett, doch bleiben vor allem die Charaktere zurück und irgendwie sind nur Mord und Cloanne in Erinnerung, während Ben und Brad in den Hintergrund treten. Wide Ocean Big Jacket versucht sich ganz gut an einer Young Adult Geschichte, schafft es aber aufgrund des Grafikstils und der Steuerung nicht ganz, dass der Funke bei mir überspringt. Es ist eine kurze Geschichte, die die Länge eines Films hat, der jedoch der entsprechende Tiefgang doch irgendwie fehlt.

Doch nicht nur der Tiefgang fehlt, auch die Möglichkeiten, die Wildnis zu erkunden und Entscheidungen zu treffen, gibt es nicht, obwohl sie sehr gut zum Setting gepasst hätten. Es fühlt sich einfach an, als würde etwas fehlen. Wide Ocean Big Jacket ist eine nette Geschichte für zwischendurch, verpasst jedoch einige Momente, wodurch es großartig werden könnte. Jeder, der auf der Suche nach einer kurzen, netten Geschichte ist, sollte einen Blick auf Wide Ocean Big Jacket werfen, jedoch vielleicht auf einen Sale warten.

ProContra
+ Guter Soundtrack– Tiefgang fehlt in der Story, alles fühlt sich nur angeschnitten an
+ Nette Young Adult Geschichte– Figuren (Ben, Brad) haben keinen Charakter, der in Erinnerung bleibt
+ Mord macht eine gute, glaubwürdige Entwicklung durch– Grafikstil gewöhnungsbedürftig
+ Kurze Länge passt zum Setting, länger wäre übertrieben gewesen– Steuerung nicht passend, immer wieder laufe ich gegen Dinge
– Fehlende Entscheidungen und Erkundungsmöglichkeiten

Technik: 63
Grafik: 72
Sound: 87
Umfang: 45
Gameplay: 50

Spielspaß: 57

  • Story: Campingausflug mit der Familie.
  • Frustfaktor: Absolut nicht vorhanden.
  • Nachhaltigkeitswert: Wide Ocean Big Jacket hat leider nichts, woran ich mich wirklich erinnern könnte. Es ist ganz nett, mehr aber auch nicht.
  • Design/Stil: Der Stil der Charaktere ist gewöhnungsbedürftig, doch der Rest passt.
  • Musik und Sound: Hervorragend!
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Etwas teuer für den Preis von 6,59 €, hier habe ich mir ein bisschen mehr Tiefgang oder Freiheiten gewünscht. Für 4 € würde ich mitgehen.

Offenlegung

Wir haben uns Wide Ocean Big Jacket auf der Switch selbst gekauft.

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Beatrice Vogt

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