Yasai Ninja (PS4) im Test – Über Zwiebeln, Brokkoli und verfluchte Gurken

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Eine Zwiebel und ein Brokkoli kämpfen sich durchs feudale Japan, um verfluchten Gurken und letztendlich dem bösen Herrscher den Garaus zu machen und nebenbei noch ihren Ruf als echte Krieger zurückzugewinnen. Das Ganze verpackt in Hack’n’Slash Manier mit einigen Sprung- und Rätselpassagen klingt doch nach einem spaßigen Paket, oder? Ja, Yasai Ninja hat tolle Ansätze und könnte so Vieles sein. Warum unterm Strich aber kein gutes Spiel steht, verrät der Test der PS4-Version.

Verdammte Gurken!

Auf dem Papier macht Yasai Ninja Vieles richtig: Es gibt zwei spielbare Figuren mit unterschiedlichen Waffen und Fertigkeiten, die noch dazu richtig außergewöhnlich sind: Wo spielt man schon mal einen Brokkoli oder eine Zwiebel? Darüber hinaus kämpft man gegen verfluchte Gurken und anderes Gemüse, doch das sind längst nicht die einzigen Elemente in Yasai Ninja: Neben Sprungpassagen gibt es auch einige Rätseleinlagen und zwischendurch wird auch mal ein Sidescroller-Level eingeschoben. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Doch was auf dem Papier wirklich schön klingt, hat in der Realität eklatante Schwächen, die sich bereits ab dem ersten Level zeigen und nicht nur im technischen, sondern auch im spielerischen Bereich liegen. So unterscheiden sich beispielsweise die beiden Figuren spielerisch kaum, obwohl sie das eigentlich sollten: Brokkoli kämpft nämlich mit einem Nunchaku, während Kaoru Tamanegi (die Samurai Zwiebel) mit einem Schwert bewaffnet ist. In den Kämpfen macht das null Unterschied, da sich beide Figuren genau gleich träge spielen. Der einzige individuelle Nutzen der Figuren: Kaoru kann schwere Objekte verschieben, während Brokkoli Joe Schalter und Geräte bedienen kann. Somit ist man zwischendurch durchaus gezwungen, mal zwischen den Figuren zu wechseln, doch dazu später mehr.

Das „Hack’n’Slash“ Kampfsystem ist zwar prinzipiell recht witzig, da es schon Spaß macht, die Gurken in Scheiben geschnitten dahinfliegen zu sehen, nachdem man sie besiegt hat, doch leider fehlt es dem Kampfsystem an Präzision, Trefferfeedback und auch einem Kombosystem. Nach zwei, drei Angriffen ist erstmal Schluss. Es ist oft schwer nachzuvollziehen, wen man getroffen hat oder von wem man getroffen wurde, da auch keinerlei Soundeffekte das Kampfgeschehen untermalen – Die Ausnahme bilden das Schwingen des Schwertes und die Pfeile der Bogenschützen, die hin und wieder hörbar sind.

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Auch Sprungpassagen wie diese können frustig werden, lassen sich aber nach dem Lernen der unpräzisen Steuerung gut meistern.

Kommt eine Zwiebel geflogen…

Beim Kampfsystem kommen noch mehr Ärgernisse zusammen, die dazu beitragen, dass Yasai Ninja einen unheimlich hohen Frustfaktor hat. Neben der unpräzisen Steuerung ist nämlich auch die KI ein echter Quälgeist, vor allem die Bogenschützen, denn egal, wie man auf sie zustürmt, sie können einen einfach plattlatschen und dabei umwerfen. Und dann dauert es ewig, bis die eigene Figur wieder aufsteht. Was also vermutlich durchaus anspruchsvoll sein könnte, wird durch die Trägheit von Figur und Steuerung zur Geduldsprobe. Andere Gegner wie die später auftauchenden feindlichen Zwiebeln sind darüber hinaus zumindest am Anfang einfach bockschwer.

Theoretisch erhalten die Figuren regelmäßig automatisch ein Levelup, das jeweils neue Fertigkeiten und zwischendurch eine höhere Gesundheitsleiste freischaltet. Die Auswirkungen davon sind nicht oder nur ansatzweise zu spüren, denn gerade von den möglichen Angriffskombinationen konnten wir nur wenig umsetzen.

Hin und wieder kommt dann noch dazu, dass eigene Figuren oder die KI verbuggt sind. Regelmäßig fliegen wir nämlich beim Drücken der Angriffstaste einfach über die halbe Map zu einem nicht vorhandenen Ziel, was es uns unmöglich macht, einen richtigen Feind anzugreifen. Die Gegner wiederum laufen ganz gerne Mal stumpfsinnig an Wände oder in diese hinein, sodass wir sie nicht mehr angreifen können, was das Weiterkommen verhindert, da Schalter und Ähnliches erst bedienbar sind, wenn alle Gegner im Gebiet erledigt sind. Zum Glück ploppen die Gegner immer an anderer Stelle der Map wieder ein, sodass wir sie dann einfach dort erledigen.

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Beide tot – Level von vorn!

Es könnte so schön sein

Zwischendurch gibt es tatsächlich immer mal Lichtblicke in Yasai Ninja: Prinzipiell überzeugt das Artdesign nämlich ebenso wie die insgesamt zehn Level, die relativ abwechslungsreich gestaltet sind und auch spielerisch immer mal was Neues bereithalten. Doch nicht nur nutzen sich die Rätselmechanismen recht schnell ab, sondern auch im technischen Bereich ist nicht alles so, wie es sein sollte.

Die „Rätsel“ beziehen sich meistens darauf, schlichtweg alle Auslöser für eine Tür auf der Map zu finden. Das kann dann bedeuten, dass man mit Kaoru Objekte richtig verschieben muss oder dass man mit Joe Schalter bedienen muss, mal nur durch einfaches Drücken eines Knopfes, mal durchs Lösen eines Quicktime-Events. Die Entwickler waren sogar ganz ausgefuchst und haben all diese Mechanismen in einigen Leveln auch mal kombiniert!

Technisch zeigt sich Yasai Ninja indes äußerst durchwachsen – Am Artdesign gibt es wie erwähnt wenig zu meckern und im Prinzip sieht das Spiel auch ganz ordentlich aus. Auf der Kehrseite dieser schon nicht allzu auf Hochglanz polierten Medaille steht aber, dass Yasai Ninja mit einer niedrigen Framerate ebenso wie starken Bildzeilenverschiebungen zu kämpfen hat. Ab Level 4 hatten wir zudem mit dem Problem zu kämpfen, dass sich das Spiel im Ladebildschirm einfach aufhing und wir die Anwendung beenden und neustarten mussten. Genauer gesagt blieb der Neustart meistens aus, da der Frustfaktor durch solche Abstürze bei den in einigen Abschnitten ohnehin spartanisch gesetzten Checkpoints gleich nochmal eine ganze Latte nach oben gesetzt wird. Im Testverlauf haben wir Yasai Ninja gleich mehrmals zwischendurch einfach ausgemacht – Und durchs Spiel durch sind wir zugegebenermaßen bis heute nicht. Die Story ist zwischendurch übrigens nicht mehr als ein netter Anlass für die Level – Da es keine echten Zwischensequenzen und auch keine Synchronisierung gibt, wird man wohl schnell dazu übergehen, die Dialoge einfach wegzudrücken.

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Die Gestaltung der Level ist stimmungsvoll – Hier ein Sidescroller.

Koop-Modus + Zielgruppe

Der Entwickler Recotechnology gibt als Zielgruppe für Yasai Ninja Spieler im Alter von sieben bis zwölf Jahren an – Wir würden sagen, dass insbesondere für die Jüngeren darunter das Spiel viel zu frustig und unausgegoren ist, was die Steuerung angeht. Jedoch verfügt Yasai Ninja tatsächlich über einen Koop-Modus, in dem im Splitscreen jeder Spieler die Kontrolle über eine der beiden Figuren übernimmt.

Mit diesem Koop-Modus sammelt Yasai Ninja wenigstens einige Pluspunkte, denn der funktioniert insgesamt ganz gut. Und so könnte das Spiel dann auch für Kinder interessant werden, wenn es zusammen mit einem Erwachsenen gespielt wird. Eine USK-Einstufung hat der Titel übrigens nicht.

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Der Koop-Modus funktioniert zufriedenstellend.

Fazit: Eine echte Gurke!

Wir sind den verfluchten Gurken immer wieder mit dem besten Willen gegenübergetreten – Doch am Ende mussten wir einsehen, dass wir es bei Yasai Ninjamit einer echten Gurke zu tun haben. Auf der einen Seite sind dabei die Ansätze und bedingt auch die Umsetzung des Titels wirklich gelungen: Zwei außergewöhnliche Figuren kämpfen sich durch Japan und treten gegen übergeschnappte Gurken an – Wo gibt’s eigentlich sowas?

Auf der anderen Seite wiegen die technischen und spielerischen Mängel trotz Abwechslungsreichtum der schön gestalteten Level einfach zu schwer. Dem Kampfsystem mangelt es komplett an Feinschliff, viele Mechaniken nutzen sich schnell ab und zudem hat das Spiel nicht nur mit Rucklern, sondern auch mit Bugs und Abstürzen auf der PS4 zu kämpfen. Auch der Koop-Modus bringt nur einige wenige Pluspunkte – Das ist schade, denn aus Yasai Ninja hätte wirklich ein freches Gemüse werden können!

Pro Contra
+ Außergewöhnliche Figuren – Sehr unausgereiftes Kampfsystem, unpräzise Steuerung
+ Sehr schönes Artdesign – Fiese KI, teils zu wenig Rücksetzpunkte
+ Theoretisch viel Abwechslung durch interessante Mechaniken… – … die sich schnell abnutzen
+ Koop-Modus – Ruckler und Absturzprobleme
– Extrem hohes Frustpotential

Technik: 50

  • Grafik: 48
  • Sound: 32
  • Gameplay: 46
  • Umfang: 74
  • KI: 48

Spielspaß: 28

Einzelspieler/Koop:

  • Story: Zwiebel und Brokkoli machen sich auf den Weg, die verfluchten Gurken in Japan in Scheibchen zu schneiden. Einerseits sehr außergewöhnlich, andererseits wenig elegant erzählt und wirklich nur ein Anlass für den ganzen Rest.
  • Wiederspielwert: Vom Prinzip her durchaus vorhanden – Nach dem xten Scheitern fühlt man sich aber zwischendurch schlichtweg dazu gezwungen, Level wieder und wieder zu spielen.
  • Frustfaktor: Fast in jedem Level unheimlich hoch, da immer fiese Stellen kommen, die durch das unpräzise Kampfsystem gleich noch fieser werden.
  • Design/Stil: Das Artdesign überzeugt – Die technische Umsetzung ist durch Tearing, Ruckler und Flimmern eher fragwürdig.
  • Musik/Sound: Die Musikuntermalung ist ganz solide – Die Soundkulisse durch vollkommen fehlende Effekte leider weit unterdurchschnittlich.
  • Koop: Der Koop-Modus ist eine sinnvolle Ergänzung des Spieles, funktioniert im Splitscreen solide und bringt Yasai Ninja einige Pluspunkte.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4 500GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 8 Monate (PS4 Launchkonsole)

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Manuel Eichhorn
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