A Plague Tale: Innocence (Xbox One) im Test – Eine beklemmende Reise

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Ich hatte A Plague Tale: Innocence seit dem Erscheinen im letzten Jahr auf dem Schirm. Das Setting fand ich interessant, doch ich ging davon aus, dass das Spiel wohl spielerisch nichts für mich sei. Dann landete es im Xbox Game Pass und eine Umfrage unter euch brachte mich schließlich darauf, das Spiel endlich mal zu spielen. Es war eine richtig gute Entscheidung – wieso das so ist, erfahrt ihr im Test.

Aus gescripteter Sicherheit…

Die ersten Minuten von A Plague Tale: Innocence waren aufs gesamte Spiel gesehen nicht die stärksten und meine Erwartungen schienen sich zu bestätigen: Es gab viele Scripts, und während man mir eine unmittelbare Gefahr durch die Pest und weitere mysteriöse Ereignisse weismachen wollte, wusste ich immer ganz genau, wann ich mich sicher fühlen konnte und wann nicht.

Das legt das Spiel auch in seiner kompletten Spielzeit nicht ab und folgt dem Muster der meisten anderen eher linear gestrickten Spiele: Begegnungen mit Widersachern und wann diese auftauchen werden durch Scripts ausgelöst. Erst bei einer bestimmten Aktion droht plötzlich Gefahr, vorher könnt ihr Lärm machen und so lang herumlaufen, wie ihr wollt, euch wird einfach nichts passieren. Im späteren Spielverlauf schafft A Plague Tale: Innocence besser, das Ganze zu verschleiern als am Anfang, aber keineswegs perfekt. Hier muss für künftige Spiele eine Lösung her – The Last of Us ging so für mich kaputt und auch am Gesamtbild von A Plague Tale: Innocence nagen diese Mechanikmängel etwas, dennoch macht Asobo Studios hier tatsächlich Einiges besser als noch Naughty Dog vor immerhin schon sieben Jahren.

Die NPCs verhalten sich nicht allzu dumm, und wenn sie ins Sichtfeld der Gegner laufen, werden sie teilweise sogar entdeckt, das ist schon mal sehr gut. Doch trotz oder gerade wegen des linearen Charakters schleichen sich einige KI Aussetzer ein und auch die Scripts kommen sich teilweise in die Quere: Mache ich etwas anders, als das Spiel es vorsieht, passt das nächste Gespräch meistens nicht zum Geschehenen. Doch allzu oft kann ich mich auch gar nicht entscheiden, was ich tun möchte: Mechanisch steht A Plague Tale: Innocence in großen Teilen Freiheit nicht allzu freundlich gegenüber, doch das ist auch gar nicht schlimm. Ich musste in diesem ersten Abschnitt loswerden, was mich am Spiel stört, denn der Rest … ist einfach wahnsinnig gut.

Mir haben tatsächlich auch die Stealth Passagen zum großen Teil Spaß gemacht.

… zu echter Spannung

In diesen ersten Minuten des Spieles hatte ich nicht erwartet, dass A Plague Tale: Innocence eine der besten Videospielegeschichten der letzten Jahre erzählt und diese auch von der Umsetzung her extrem überzeugend rüberbringt. Die jugendlichen oder teils noch kindlichen Protagonisten kommen alle mit ihren eigenen Hintergründen in der von der Pest und gefährlichen Ratten heimgesuchten Welt daher, ihre Handlungen sind glaubwürdig und nachvollziehbar, und A Plague Tale: Innocence bringt alles mit sich, was in eine gute Coming-of-Age Geschichte gehört, und so ist neben den unglaublichen Belastungen des Alltags auch etwas Platz für Witz, Auseinandersetzungen zwischen Geschwistern und auch ein kleines bisschen für angehende love interests.

Doch in erster Linie vermittelt A Plague Tale: Innocence ein glaubwürdiges Bild der Spielwelt, die auch audiovisuell ein Hochgenuss ist: An vielen Stellen sieht das Spiel einfach nur beeindruckend aus und auch die Musikuntermalung passt perfekt. Im übrigen ist das Spiel auf Deutsch vertont und die deutsche Synchronisierung kann sich wirklich hören lassen. Gute Arbeit, Focus Interactive!

Auch spielerisch lässt A Plague Tale: Innocence nicht locker: Während ich mich zwar dauerhaft manchmal künstlich sicher fühle, wo ich mich gar nicht sicher fühlen sollte, werden immer wieder neue Spielelemente eingeführt und aus den zentralen Elementen Erkundung, Schleichen und Kämpfen ergibt sich eine vollkommen runde Mischung, die bis zum Ende Spaß macht. In den letzten Minuten habe ich zwar manches Mal geflucht, doch auch die Bosskämpfe lassen sich wirklich gut meistern. Eins der letzten Kapitel, in dem man zum einzigen Mal nicht Amicia, sondern ihren Bruder Hugo spielt, überzeugt besonders und lockert nochmal unerwartet auf.

A Plague Tale: Innocence schreckt bei der Darstellung vor nichts zurück.

Viele technisch runde Stunden

Im Gesamten am meisten überrascht hat mich A Plague Tale: Innocence mit zwei Dingen: Seiner Spielzeit und wie technisch ausgereift es ist. Zunächst dachte ich, man sei recht schnell durch, denn manche der 17 Kapitel sind wirklich kurz. Am Ende könnt ihr aber mit sieben bis zehn Stunden Spielzeit rechnen – je nachdem, ob ihr auch alle Geheimnisse im Spiel finden wollt, oder nicht. Diese ergeben inhaltlich sogar Sinn und sind teils sehr gut versteckt. Im besten Fall ergänzen sie die Ereignisse mit spannenden Geschichten rund um die Spielwelt – oder emotionale Szenen rund um die Figuren.

Technisch zeigt sich A Plague Tale: Innocence fast in der ganzen Zeit einwandfrei: Ich habe schon länger kein technisch so rundes Spiel mehr gespielt. Auf der Xbox One X ist das Spiel nicht nur wunderschön, sondern läuft auch butterweich. Kantenflimmern oder ähnliches sind ein Fremdwort. Nur die KI leistet sich manchmal kleine Aussetzer – gegen Ende des Spiels auch die Verbündeten, die man immer wieder mit Befehlen losschicken kann. Manchmal funktioniert das am Ende des Spieles nicht ganz einwandfrei.

Die Speicherpunkte könnten hier und da sinnvoller gesetzt sein. Manchmal muss man größere Passagen wiederholen und auch Optionales wird mitunter nervtötend, wenn es nicht mitgespeichert ist, aber nochmal erledigt werden muss. Entdeckt man optionale Passagen in der Spielwelt, wird das meist nicht vor dem nächsten Storyspeicherpunkt gespeichert. Das ist manchmal etwas blöd.

Eine Sinnvolle Handlung

Was A Plague Tale: Innocence auch auszeichnet: Es ist nicht nur inhaltlich realistisch und sehr gut erzählt, sondern beschränkt sich auch spielerisch auf Wesentliche. Die Figuren lernen nicht ständig etwas Neues, aber holen immer wieder Neues aus ihren bestehenden Fähigkeiten heraus. Um alle Herausforderungen zu schaffen, müssen alle der Gefährten, die wir treffen, ihre Kräfte bündeln – und teilweise auch Leben lassen. Auch diese Präsentation gelingt dem Spiel fabelhaft.

A Plague Tale: Innocence erzählt eine Geschichte, wie sie mehr Videospiele erzählen sollten: Hier gibt es keinen Alleinhelden, man merkt den Protagonisten und Nebenfiguren immer wieder an, mit welchen Herausforderungen sie kämpfen und nur gemeinsam können sie schaffen, was auch immer sie gegenüberstehen. Das ist toll und ich wünsche mir, genau das in dieser Art auch von den großen Entwicklern und Publishern zu sehen. Focus Home Interactive hat sich jedenfalls schlagartig einen richtig guten Ruf bei mir erarbeitet – und das Entwicklerteam bei Asobo natürlich auch.

Fazit: Diese Reise war das Elend wert

A Plague Tale: Innocence ist für mich ein klassischer Überraschungshit, den ich nun schon gern viel früher entdeckt hätte. Asobo Studio und Focus Home Interactive haben einen Titel abgeliefert, von dem sich manch größerer Entwickler ähnlicher Spiele noch was mitnehmen kann: Eine herausragende Atmosphäre wird gepaart mit einer Geschichte, die inhaltlich wie erzählerisch super ist und nicht nur eine gut dargestellte Spielwelt, sondern auch realistische Figuren und viele Coming-of-Age Teile mitbringt. Ja, mechanisch habe ich teilweise ein Problem mit A Plague Tale: Innocence, da es, wie üblich für diese Art von Spiel, zu viel auf Scripts setzt, die teils die Logik außer Kraft setzen oder mich in Sicherheit bleiben lassen, wo es gar keine Sicherheit geben sollte. Dennoch ist A Plague Tale: Innocence durch die gelungene Mischung der Gameplayelemente und die sachte Einführung neuer Aspekte, ohne etwas zu übertreiben, auch spielerisch rund. Und technisch übrigens auch: Abgesehen von kleinen KI Patzern läuft es butterweich und sieht wunderschön aus. Bitte, Focus Home Interactive: In dieser Qualität möchte ich auch eure künftigen Spiele sehen!

ProContra
+ Herausragende Atmosphäre– Einige KI Aussetzer
+ Gut dargestellte Figuren– Ein paar frustrierende Stellen
+ Immer wieder neue Spielelemente– Gescriptete Sicherheit/Gefahr
+ Interessante Geschichte– Speicherpunkte nicht immer perfekt gesetzt
+ Coming-of-Age Elemente
+ Technisch rund
+ Gute deutsche Synchronisierung
+ Überzeugende Soundkulisse
+ Beeindruckende Schauplätze

Technik: 88
Grafik: 97
Sound: 97
Umfang: 90
Gameplay: 82
KI: 74

Spielspaß: 93

  • Story: A Plague Tale: Innocence erzählt eine atmosphärisch dichte und unheimliche Geschichte. Die besondere Stärke liegt in den Figuren, die nicht nur gut dargestellt sind, sondern die auch nachvollziehbar agieren und interagieren.
  • Frustfaktor: Vorhanden – vor allem gegen Ende habe ich manchmal geflucht.
  • Nachhaltigkeitswert: A Plague Tale: Innocence hat viel Aufmerksamkeit verdient – und wird hoffentlich noch mehr Leuten als Überraschungshit in Erinnerung bleiben.
  • Design/Stil: Stimmig und wunderschön – und vor allem technisch rund.
  • Musik und Sound: Die Musikuntermalung passt und die Synchronisierung ist auch sehr gelungen.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Preis von ca. 50€ (UVP) ist angemessen.

Offenlegung

Wir haben A Plague Tale: Innocence im Rahmen des Xbox Game Pass gespielt.

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Manuel Eichhorn
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