Atelier Ryza (Switch) im Test – Die Träume einer Alchemistin

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Atelier Ryza: Ever Darkness & The Secret Hidout ist der dritte Titel der Atelier Reihe, der im Jahr 2019 in Europa erscheint und somit auch der dritte Titel, den ich dieses Jahr auf der Switch Spiele. Ich bin gespannt, was sich verändert hat, ob GUST sich abermals weiterentwickelt hat oder ob wir immer noch auf der Stelle treten. Mehr erfahrt ihr in der Review zur Switch Version.

Ich werde Alchemistin!

Während es bisher in Atelier Spielen eher darum ging, dass unsere Protagonistin bereits Alchemistin ist oder durch ihre Vorgeschichte zu einer wird, ist Ryza zunächst ein ganz normales Mädchen. Sie lebt bei ihren Eltern und hilft hin und wieder auf den Feldern. Ryza hat zwei gute Freunde und einen Rivalen im Dorf, der alle immer drangsaliert, doch Ryza ist nichts Besonderes. Sie sucht Abenteuer, findet jedoch keine, bis sie eines Tages von zwei merkwürdigen Fremden gefunden wird. Empel und Lila zeigen ihr, wozu Alchemie im Stande ist und sofort ist Ryza Feuer und Flamme, denn so etwas möchte sie auch können! Und schon ist ihr Wunsch geboren, Alchemistin zu werden.

Auch sonst weicht Atelier Ryza von den mir bekannten Mustern ab. Es geht nicht unbedingt darum, dass die Welt bereits kaputt ist und jetzt natürlich nur eine Alchemistin wieder alles richten kann. Wir suchen auch nicht unbedingt nach unserer Vergangenheit, um eine mächtige Alchemistin zu werden. Nein. Atelier Ryza ist eher wie ein gutes, englisches Jugendbuch, das sich mit dem Erwachsenwerden beschäftigt und dabei die Abgründe genauso gut wie die Höhen zeigt. Ich werde Zeuge, wie Lents Vater trinkt, wie er seinen Sohn schlägt, und wie Lent keine Lust darauf hat, sondern sich von ihm lösen möchte, was jedoch nicht so einfach ist, schließlich ist er sein Vater. Ich beobachte, wie sich Ryza gegenüber ihrer Familie behaupten muss, denn “Alchemie” ist doch nur so ein Schabernack, damit kann man doch sowieso kein Geld verdienen. Und ich sehe, wie alle versuchen, zu beweisen, dass sie eben keine Kinder mehr sind, dass sie das Dorf auch beschützen können – immerhin erlegen sie einen Drachen! Doch das Dorf ist nicht sonderlich dankbar.

Ryza macht zum Beispiel für die Fischer einen Köder, doch irgendwann beißen keine Fische mehr an – und Ryza ist mit ihrer Zauberei schuld am Ganzen. Und schon entwickelt sich Atelier Ryza fast zu einer Art Hexenverfolgung, die glücklicherweise noch nicht ganz so düster wie im klassischen Mittelalter ist. Dennoch geht es Ryza nahe, denn sie möchte doch nur ihr Dorf und ihre Freunde beschützen. Sie möchte doch nur anerkannt und akzeptiert werden. Das ist erstklassisches Material für ein gutes, englisches Jugendbuch und aus diesem Grund gefällt mir die Story sehr – auch wenn sie ihre Zeit brauchte, um mich wirklich zu catchen.

Guck! Oberschenkel!

Ich hatte die Atelier Reihe immer als recht brav in Erinnerung. Besonders die Protagonistinnen waren hier ganz klassisch und nicht unbedingt in den Fokus des männlichen Auges gerückt worden, doch Atelier Ryza bringt nicht nur eine ganz andere Geschichte als die Vorgängertitel, sondern bricht auch mit diesem Muster. Ryza ist sexy. Nicht nur durch ihr Verhalten, sondern auch durch ihr Äußeres wird klar, dass GUST nun andere Wege gehen wird. So trägt Ryza ein sehr knappes rotes Höschen, ihre kräftigen Oberschenkel werden auf diese Weise in den Vordergrund gerückt und beim Rennen dreht sich die Kamera genau so, dass man wunderbar ihren Hintern und ihre kräftigen Oberschenkel besichtigen kann. In Cutscenes, wenn man Ryzas Brüste sehen kann, wird deutlich, dass auch ihr Vorbau sehr beweglich ist, denn die Brüste wackeln bei jeder Bewegung. Dies war bereits zum Teil in anderen GUST Spielen sichtbar, jedoch bisher noch nicht bei den Hauptrollen der Atelier Reihe. Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll, da ich irgendwie prinzipiell Frauen in Spielen nicht ernst nehmen kann, die so oversexualized dargestellt werden.

Dennoch mag ich das Design der meisten Charaktere, denn man nimmt ihnen auch dadurch ihre Rollen ab. Schade finde ich nur immer noch, dass auch Atelier Ryza nur eine japanische Tonspur mit sich bringt. Ich gebe hier einfach die Hoffnung nicht auf, dass ich irgendwann auch mal eine englische Tonspur bekomme, sodass ich nicht immer nur die Untertitel lesen muss oder mich über Lents seltsames “Fick” im Kampf wundern brauch. Doch obwohl sich GUST bei den Protagonisten so viel Mühe gegeben hat, so scheint es doch bei den anderen Dingen hinterher zu hinken. So gibt es nicht nur seltsame Schatten, sondern auch viele NPCs sehen langweilig und identisch aus, was so kurz vor einer neuen Konsolengeneration nicht mehr sein sollte. Zudem fühlt sich die Welt für mich nicht lebendig an, obwohl sie so groß ist. Es gibt zwar NPCs, die irgendwohin laufen, doch das ist nicht echt, sie haben kein Ziel, sondern laufen nur wirr durch die Gegend. Auch das sollte 2019 nicht mehr passieren. Auch scheint das wieder eingeführte Element der Tageszeiten keinen wirklichen Einfluss auf die Welt zu haben, denn Shops sind zwar geschlossen, aber ob ich nachts um 4 durch die Straßen ziehe oder morgens um 9 macht keinen Unterschied, sowohl bei den Quests nicht, als auch bei den NPC nicht.

Davon mal abgesehen, weist Atelier Ryza: Ever Darkness & The Secret Hidout einige kleinere Dinge auf, die mir im Zuge dieses Tests aufgefallen sind, so ist nach einer Cutscene nicht immer klar, wohin ich denn nun wirklich muss. Deswegen muss ich regelmäßig prüfen, was meine Aufgabe ist und was ich tun muss, um weiter zu kommen.Das heißt, ich kann entweder den türkisen Türen folgen, die mir den Weg über die Maps weisen, oder ich prüfe im Journal, wohin ich soll. Schade, dass das nicht von alleine aus den Szenen hervorgeht. Nach einer Cutscene wird zudem geladen, dann lande ich wieder im Spielbildschirm, kann mich aber noch nicht bewegen, weil nochmal geladen wird. Auch das ist nervig, aber vielleicht kann es die Switch einfach nichts anders.

Neues Kampf- und Alchemiesystem

Die Atelier Reihe versucht sich seit jeher mit jedem Titel an innovativen Neuerungen. Mal wird das Alchemisystem komplett geändert, mal nimmt man Änderungen am Kampfsystem vor. In Atelier Ryza hat man nun beides gändert und ich finde, dass die Änderungen ziemlich cool geworden sind. Ich beginne beim Kampfsystem, das nun deutlich aktiver ist als noch bei den Vorgängern. So greift Atelier Ryza auf eine Art Active Time Bar zurück, sodass jeder Charakter nach Ablauf einer bestimmten Zeit seinen Zug setzen kann, doch das ist noch nicht alles, denn ganz so neu ist das wiederum nicht in der Atelier Reihe. Dazu kommt ein Active Point System, für das ihr mit jedem Schlag, jedem Zauber oder fast jeder anderen Aktion Punkte sammelt, um das Taktiklevel zu erhöhen. Das bringt euch in jedem Kampf auch gleich noch ein paar Vorteile und erhöht zum Beispiel die Anzahl an Schläge, die ihr bei einem Gegner platzieren könnt. Das gefällt mir richtig gut! Zudem verraten euch die Kommentare eurer Gruppe, welche Dinge ihr einsetzen könnt, damit eine Folgeattacke ausgelöst wird. Das ist ziemlich gut und gibt dem Ganzen auch den gewissen Pfiff.

Neben dem Kampfsystem wurde auch das Alchemiesystem aufgewertet, sodass ihr nun auch seht, ob ein Item zum Beispiel zu weiteren Items führt und euch somit Rezepte freischalten lässt, wenn ihr ausreichend Skill oder die benötigten Zutaten habt. Das ist ziemlich cool und führt mich meistens dazu, dass ich kaum noch die Dinge mache, die die Story von mir will, dafür aber immer wieder schaue, ob ich neue Rezepte freischalten kann. Auch hier greift Atelier Ryza wieder das Motiv des Erwachsenwerdens, des Ausprobierens auf, sodass auch die ganze Alchemiearbeit nicht langweilig wird – das Gefühl hatte ich manchmal bei den Vorgängern der Reihe.

Fazit: Alchemistin mit Mängeln, die trotzdem empfehlenswert ist

Am Anfang habe ich gedacht, dass GUST mit Atelier Ryza einen technischen Rückschritt gemacht hat und ich mich nun mit einem ähnlichen Level wie damals Atelier Firis konfrontiert sehe, doch glücklicherweise hat sich der Titel doch ganz schnell gefangen, auch wenn an der einen oder anderen Stelle noch viele technische Mängel auf uns warten. Atelier Ryza hat mich vor allem durch die gelungene Story überzeugt, die mich nach einiger Zeit in ihren Bann ziehen konnte, denn sie erinnert an ein gutes, englisches Jugendbuch und beschäftigt sich mit den Themen, die einem als Jugendlicher heute so begegnen. Schade finde ich jedoch, dass sich bei der Story, beim Gameplay und auch beim neuen Alchemiesystem so viel Mühe gegeben wurde, dass die Welt an sich dabei stark zurückbleibt: NPCs sehen sehr identisch aus, der Tageszeitenwechsel hat so gut wie keinen Einfluss auf die Welt und auch an sich fühlt sich alles ein bisschen arg leblos an. Das muss 2019 nicht mehr sein, ebenso die Ladezeiten, die sich mir nicht erklären lassen. Hier habe ich mir mehr gewünscht, deutlich mehr, denn die Ansätze sind durchaus vorhanden.

Atelier Ryza ist zwar ein ganz netter Titel, bleibt für mich aber besonders dieses Jahr hinter Atelier Lulua und Nelke & the Legendary Alchemists deutlich zurück, was schade ist, denn alleine durch die Story hätte es großes Potential. Wäre die technische Seite nicht so schlecht und hätte es nicht so einen großen Unterschied zu Atelier Lulua, so könnte Atelier Ryza an der Spitze der Atelier Spiele stehen, doch so bleibt es leider nicht wirklich in Erinnerung, obwohl ich es trotzdem empfehlenswert finde.

ProContra
+ Gelungenes und frisches Kampfsystem– Oversexualized
+ Gutes Alchemiesystem– Seltsame Schatten
+ Ryza hat einen Grund, Alchemistin zu werden– Uhrzeit irrelevant für NPC
+ Gute musikalische Untermalung – Story braucht Zeit, um sich zu entfalten
 + Story Material für gutes Jugendbuch – Japanische Synchro
 + Glaubhafte Charaktere, gute Umsetzung der einzelnen Geschichten – Welt relativ leblos, viele NPC sehen gleich aus
 + Unabhängige Protagonistin – Nach Cutscenes ist nicht immer klar, wohin man als nächstes soll
+ Passender Soundtrack– Ladezeiten nach Cutscenes doppelt

Technik: 72
Grafik: 58
Sound: 80
Umfang: 90
Gameplay: 82
KI: 52

Spielspaß: 72

  • Story: Ihr entdeckt mit Ryza die Geheimnisse der Alchemie und erlebt dabei verschiedene Situationen rund ums Erwachsenwerden.
  • Frustfaktor: So gut wie nicht vorhanden.
  • Nachhaltigkeitswert: Atelier Ryza könnte durch die sexualisierte Darstellung von Ryza im Gedächtnis bleiben, ich denke jedoch nicht, dass hier nachhaltig was gut gemacht wurde.
  • Design/Stil: Wie immer – klassischer Atelier Stil.
  • Musik und Sound: Passt und bleibt im Ohr.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Für den normalen Preis von 59,99 € ganz in Ordnung, obwohl 49,99 € auch eine gut gesetzte Marke wären.
  • Akkuverhalten: Pro Stunde werden im Handheldmodus rund 32 % des Akkus verbraucht, somit ist eine Spielzeit von knapp drei Stunden ohne Strom möglich. (Launchkonsole)

Offenlegung

Wir haben Atelier Ryza: Ever Darkness & The Secret Hidout für die Nintendo Switch selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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Katharina

Naja, übertreib mal nicht. Das Thema des Spiels ist Sommer und jetzt hat die Protagonistin einmal ne Hotpants an statt einen Rock oder ein Kleid. Oversexualizen tun eher die Fans die einen Thigh Fetisch haben. Und die Ladezeiten sind jetzt auch nicht so schlimm, man wartet nie länger als 15 Sekunden, meist sogar noch weniger. Das ist absolut im Rahmen.