Beacon Pines (Xbox) im Test – Dramen, Freundschaften und das Ende der Welt

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Ich habe die Tage gezählt, bis ich Beacon Pines endlich vollständig spielen konnte: Ich war so hin und weg von der Demo Version vor einiger Zeit, dass ich den Titel bei Kickstarter unterstützte. Vor wenigen Tagen erschien das Drama im Ziegenpelz nun und ich habe mir im Zuge des Ultimate Game Pass die Story auf der Xbox Series S angesehen. Enttäuscht wurde ich dabei keineswegs, dafür erhielt ich eine spannende Geschichte oder besser: Ich erhielt viele spannende Geschichte mit unterschiedlichen Ausgängen. Was mir besonders gut gefallen hat und warum sich ein Blick lohnt, erfährst du in dieser Review zur Xbox Series S Version von Beacon Pines. !B

Im Hintergrund des Bilds ist ein düsterer Wald zu sehen. Im Vordergrund sind zwei Charaktere: Links ist eine junge menschliche Ziege, rechts eine Art Katze, ebenfalls vermenschlicht. Die Katze sagt "Pa always says, "You can figure out what the plan was when you're done."
Ein wichtiger Hinweis von Rolos Dad.

So niedlich und doch so gefährlich

Beacon Pines erzählt die Geschichte von Luka VanHorn, der zu Beginn des Spiels am Grab seines Vaters steht. Vor sechs Jahren ist dieser bei einem Unfall ums Leben gekommen. Luka lebt mittlerweile mit seiner Oma zusammen, da seiner Mutter vor einigen Monaten spurlos verschwunden ist. Niemand weiß, wo sie ist oder was geschehen ist. Eines Tages erzählt Rolo, Lukas bester Freund, dass er im alten verlassenen Lagerhaus im Wald seltsame Lichter gesehen hat – und das ist der Beginn von so vielen verschiedenen Geschichten, die alle unterschiedlich enden.

Luka und alle anderen in Beacon Pines, das ist praktischerweise auch der Name des Dorfes, sind übrigens zauberhaft gestaltete Tierwesen. So ist Luka zum Beispiel eine Ziege, aber viele andere Bewohner:innen der Stadt sind Eichhörnchen, Fledermäuse, Hunde oder ganz andere Tiere des Waldes. Das finde ich schön, erweckt jedoch auch den Eindruck, es hier mit einem niedlichen und friedlichen Spiel zu tun zu haben. Das ist nicht der Fall. Lass dich also bloß nicht vom optischen Eindruck täuschen, die Geschichte und die Charaktere haben es faustdick hinter den Ohren.

Bereits zu Beginn schilderte ich, dass Luka an sich auch noch damit zurechtkommen muss, keine Eltern mehr zu haben. Das führt zu einigen unangenehmen Gesprächen sowohl zwischen Iggy, dem fiesen Mobber der Stadt, als auch mit Rolo in einem der Erzählstränge. Doch das ist nicht alles, was hier passiert. Allerdings gibt es auch nicht nur DIE Geschichte, die Beacon Pines erzählt, sondern an sich ganz viele, die alle auf unterschiedlichen Entscheidungen basieren. Doch dazu gleich mehr. Unter anderem kann dir im Laufe der Zeit so vieles über den Weg laufen. Du kannst Mutationen finden, Morde aufklären, etwas über Parallelgeschichten erfahren und einen Hund in Asche verwandeln. Alles gepaart mit kindlicher Naivität, die das Ganze aber ungemein charmant gestaltet. !B

Dieses Spiel ist…

… eine interessante Version eines der Bücher, bei denen man Entscheidungen trifft und dann zu einer bestimmten Seite blättert, um dort weiterzulesen. Grundsätzlich gestaltet sich die Geschichte zunächst relativ einfach. Es gibt bestimmte Wendepunkte im Spiel, an denen ich eine Entscheidung treffen kann. Diese Entscheidungen sind jedoch nicht willkürlich, sondern an Worte gebunden, die ich überall in der Spielwelt finden kann. Wichtig: Schau dir dabei einfach alles an, was du so anschauen kannst. Du weißt nie, wo sich etwas verbirgt. Manchmal braucht auch eine Melone eine gewisse Tracht Prügel, um ein neues Wort herauszurücken.

Am Anfang hast du noch nicht viele Wörter, um die Geschichte groß beeinflussen zu können, doch später wirst du mehr finden. Dann lohnt es sich auch, bereits ältere Erzählstränge nochmal zu besuchen und zu schauen, ob sich dort noch weitere Möglichkeiten auftun. So macht es auch Spaß, Stränge nochmal zu erleben, die eigentlich mehr oder weniger abgeschlossen waren. Und vielleicht entpuppt sich dann doch einer deiner Widersacher als geheimer Held, wer weiß das schon so genau? Viel mehr will ich jedoch auch gar nicht verraten.

Ich liebe an Beacon Pines einfach die Komplexität und wie sich alles entwickelt – und wie sich alles aufgrund eines Worte verändern kann. Und ich liebe es, dass die Protagonist:innen allesamt Kinder im Alter von etwa 12 Jahren sind. Das gibt dem Ganzen einen ganz gewissen Touch, wie ich ihn nur aus Filmen oder Serien kenne, in denen Kinder in mysteriösen Abenteuern verstrickt werden. Das gefällt mir sehr gut und hat auch dazu geführt, dass ich es fast an einem Stück auf der Xbox Series S durchgespielt habe. Es wird mich auf jeden Fall so anstacheln, dass ich irgendwann auch einen Blick auf die Nintendo Switch Version werfen werde. Übrigens hat Beacon Pines eine Spielzeit von etwa 6 Spielstunden, von denen ich jede Minute genossen habe. Schade finde ich es hier jedoch erstmals, dass das Spiel derzeit nur auf Englisch zur Verfügung steht. Ich denke, das kann einige abschrecken, da doch sehr viel zu lesen und verstehen da ist. !B

Auf dem Bild ist ein Buch zu sehen. Links sieht man die letzte Szene, die im Spiel war, rechts wird die Geschichte mit dem geschrieben Wort fortgesetzt.
Das ist ein Wendepunkt in der Geschichte.

Du bist etwas Besonderes

Was ich neben der Geschichten im Spiel von Hiding Spot Games noch ziemlich herausragend finde, ist die Erzählerin. Sie liest viele Teile der Story vor, da sich die Geschichte von Beacon Pines in einem Buch abspielt. Immer wieder zoomt das Spiel aus dem Geschehen heraus und zeigt das Buch der Geschichte. Links siehst du dann das letzte Bild aus der Story, rechts zeichnet sich die Geschichte im geschrieben Wort ab. Und das wird durch eine wunderbare Erzählerin sehr gut und passend vorgetragen. Sie baut sogar eigene Emotionen ein, was das Ganze noch ein bisschen spannender macht und mehr noch den Anschein erweckt, als würde mir jemand die Geschichte vorlesen und ich kann hin und wieder Entscheidungen treffen. Das gefällt mir sehr gut.

Dass die Charaktere an sich nicht richtig vertont sind, ist etwas, was mir persönlich mittlerweile nicht mehr ganz so gut gefällt. Ähnlich wie in früheren Spielen haben die Charaktere keine Stimme, sondern nur murmelnde Brummelgeräusche, die sich je nach Charakter von der Stimmfarbe unterscheiden. Das finde ich ein bisschen schade, dennoch nimmt es den Charakteren nicht wirklich ihren Charakter. Auch wenn ich mir sicher bin, dass das noch ein bisschen mehr zur Geschichte beigetragen hätte. Vielleicht wollte man der Erzählerin aber auch nicht die Show stehlen. Wer weiß.

Dafür punktet Beacon Pines mit einem wunderschönen Zeichenstil. Ich mag den grafischen Stil der Charaktere sehr, sehr gerne und finde es immer wieder faszinierend, dass die Geschichten so düster sind, ich aber trotzdem mit niedlichen Tieren spiele. Das macht es manchmal fast surreal, doch nach einiger Zeit hatte ich mich sehr daran gewöhnt. Sogar so sehr, dass ich wirklich traurig bin, dass die Geschichten mit Luka und seinen Freund:innen bereits vorbei sind. Ich hätte wirklich noch gerne Zeit mit allen verbracht, vielleicht sogar mit ihnen die Kindheit verbracht. Aber vielleicht bekomme ich ja auch irgendwann einfach noch viel mehr Geschichten. Freuen würde ich mich auf jeden Fall sehr darüber.

Zudem finde ich den Grafikstil generell sehr schön, weil er teilweise wie mit Wasserfarben gezeichnet wirkt, was dem Ganzen nochmal einen spannenden Touch mitgibt. So wirkt es wirklich stellenweise so, als würde ich in einem alten Märchenbuch die Geschichte von Beacon Pines lesen und nebenbei die Illustrationen genießen. !B

Auf einer Lichtung steht ein zweistöckiges weißes Haus mit einem roten Dach. Umrahmt wird es von zwei rosafarbenen Bäumen. Der Weg rechts am Haus vorbei führt durch einen Grastorbogen. Vor dem Haus steht Luka, der Protagonist.

Fazit: Gib mir mehr

Das Wertungsbildchen zeigt eine 92.

Beacon Pines hat mich in voller Länge erwischt und überrascht. Es gehört zu den wenigen Spielen, von denen ich mir mehr und Fortsetzungen wünsche. Ich will noch mehr über die Stadt und ihre Geschichte erfahren, ich will Luka und seine Freund:innen begleiten und mit ihnen erwachsen werden. Beacon Pines punktet mit einer faszinierenden Erzählweise, die viele verschiedene Storystränge miteinander kombiniert und zu einem düsteren Gesamtwerk verpackt – obwohl die Charaktere allesamt niedliche Tiere sind. Es fühlt sich eher wie einer dieser Filme oder Serien an, in denen Kinder das ganz große Mysterium lösen und das hat mir unheimlich gut gefallen. So gut, dass ich es glatt zu einem meiner Lieblingsspiele 2022 erklären möchte und ich freue mich sehr darauf, Beacon Pines auf weiteren Plattformen zu spielen und die Geschichten erneut zu erleben.

ProContra
+ Viele interessante Erzählstränge mit innovativer Erzählweise– Voice Acting der Charaktere wünschenswert
+ Niedlicher Grafikstil, tolles Charakterdesign– Keine deutsche Übersetzung
+ Passende und mitfühlende Erzählerin
+ Packende Atmosphäre
+ Vielschichte Themen, die im Zuge der Stories angeschnitten werden

Offenlegung

Ich habe Beacon Pines auf der Xbox Series S gespielt und im Zuge des Game Pass‘ „kostenlos“ erhalten.

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Beatrice Eichhorn
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