Before We Leave (PC) im Test – Auf der Suche nach Glück

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Wenn der Planet zerstört wird, bleibt die einzige Hoffnung der Weltraum: Auf neuen Planeten wartet Unbekanntes, das uns hilft, eine neue Heimat aufzubauen. Das ist das Szenario des gewaltfreien Spiels Before We Leave, das seit einiger Zeit bei Epic im Early Access war und nun auch bei Steam erhältlich ist. Ich habe mir die Siedlungssimulation einmal genauer angesehen und verrate euch im Test, ob ich damit meinen Spaß hatte oder ob ich doch lieber bei Die Völker 2 bleibe.

Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Die Welt machte sich auf eine gewaltige Katastrophe bereit und beschloss, dass die Bevölkerung in Bunkern Schutz suchen sollte. Für mehrere hundert Jahre waren die Bunker das Zuhause von vielen, so lange, bis es wieder sicher war, an die Oberfläche zu gehen – und genau hier setzt Before We Leave ein und gibt mir einen Planeten, den ich selbst besiedeln darf. Die ersten Schritte sind schnell getan, denn praktischerweise kommt der Bunker bereits mit einigen Standardrohstoffen daher, sodass ich schon mal ein paar Häuser, Farmen und Holzfäller bauen kann.

Die Einführung unterstützt mich dabei und hilft mir, mein erstes Boot und mein erstes Raumschiff zu bauen, damit ich nicht vollends verloren bin. Doch immer suche ich nachdem, was in der Beschreibung des Spiels steht: Immer suche ich danach, wo ich meine ganz eigene Zivilisation schaffen kann, denn an sich folge ich nur dem Forschungsbaum und dem Willen meiner Bevölkerung. Und gerade letzteres treibt mich manchmal in den Wahnsinn.

Beispielsweise sollte ich laut der Einführung Kleidung erforschen. Ich war also auf gutem Wege, hatte aber Kleidung noch nicht erforscht – doch plötzlich verlangte meine Bevölkerung danach, als ob sie wusste, was Kleidung wirklich ist und dass ihr das derzeit fehlt. Ein ähnliches Verhalten kenne ich aus ähnlichen Spielen und finde es unangebracht, denn ich kann noch nicht wissen, was mir fehlt, wenn es noch nicht bekannt ist. Sicher, es ist so, dass viele sich etwas bestimmtes Wünschen, aber deswegen erforscht das nicht gleich jemand und sucht nach Wegen, das umzusetzen.

Tja, und dann saß ich in Before We Leave mit einer unzufriedenen Bevölkerung da, weil sie keine Kleidung hatte und ich nicht genügend Rohstoffe, um das überhaupt zu erforschen. Ein ziemlich nerviger Teufelskreis.

Schiffe und Raumschiffe

In Before We Leave habe ich zu Beginn einen Planeten mit verschiedenen Inseln, auf denen unterschiedliche Bedingungen herrschen und mitunter andere Rohstoffe warten. Das ist wiederum ziemlich cool und zwingt mich dazu, eine von mir gehasste Handelsroute zu basteln, um alle Inseln möglichst gleich zu betreuen. Ich hasse Handel in solchen Spielen, aber hier passt es wenigstens und ich kann auch festlegen, wie viele Rohstoffe am Ende zurückbleiben sollen, damit ich meine Inseln nicht selbst plündere.

Damit ich jedoch Handel betreiben kann, benötige ich ein Schiff, das auf meiner Startinsel nur darauf wartet, dass ich es repariere und damit andere Inseln suchen gehe. Habe ich auf der zweiten Insel das Raumschiff entdeckt, steht mir sogar das All zur Erkundung bereit, in dem eine festgelegte Anzahl Planeten auf mich wartet, erforscht zu werden. Das macht Before We Leave zu etwas besonderem und stachelt mich an, mehr zu erforschen – auch wenn meine Bevölkerung ganz schön undankbar ist und mich teilweise nervt, weil sie sich so typisch menschlich verhält.

In meinem Verständnis fehlt es aber doch irgendwie an irgendwas. Ich kann es nicht genau sagen, was es ist. Denn ich mag, dass Before We Leave gewaltfrei ist und ich quasi ganz entspannt, meine Siedlungen bauen kann – wenn eben nur nicht die Bevölkerung zu bockig wäre. Vielleicht fehlt mir auch ein Ziel, denn mir ist nicht ganz klar, warum ich mit einem Raumschiff den Weltraum erkunden soll oder warum ich nicht wie in Godhood meine ganz eigene individuelle Bevölkerung schaffen kann.

Was mir auch auffiel während der Testphase, war mein teilweise großes Desinteresse. Before We Leave hat mich nicht wirklich angestachelt, lediglich beim Erkunden der Planeten. Aber ich wollte nicht wissen, was bestimmte Entscheidungen machen – zumal ich keine Entscheidungen treffen kann – ich wollte nicht wissen, wie es weitergeht. Ich wollte nicht mal gucken, wie ich meine Bevölkerung glücklich machen kann. Irgendwas fehlt diesem Spiel, das mich dazu veranlasst, mich stundenlang in dieser Spielwelt zu verlieren, was ich sehr schade finde.

Es frisst mich?!?!

Nochmal: Before We Leave ist eine gewaltfreie Siedlungssimulation, die in 4X-Manier daherkommt. Und dennoch fraß es mich und das ziemlich schnell. Obwohl ich die Grafikanforderungen des Spiels auf ein Minimum geschraubt habe, hat es meinen Akku in Windeseile gefressen, sodass ich mit meinem Laptop häufig nur eine halbe Stunde spielen konnte, bevor mein Gerät nach Strom schrie. Das finde ich merkwürdig.

Ansonsten lief Before We Leave sehr flüssig auf meinem Acer Swift 3X, und das auch in ausgezeichneter Grafikqualität. Keine Ruckler, kein nichts. Auch sonst fiel mir wenig auf, das wirklich für Stirnrunzeln sorgte. Manchmal sind die Männchen durch die Häuser gelaufen und manchmal wurden sie abseits der Straße langsamer, manchmal nicht. Aber das waren nur Kleinigkeiten, die mir nebenbei auffielen.

Gesteuert wird Before We Leave größtenteils per Maus, kann aber auch so gut wie komplett mit der Tastatur gespielt werden, da viele Menüs und Symbole mit Tasten belegt sind. Und, was ich total liebe, ist die Musik, die aus glücklichen Häusern ertönt. Das ist so ein glückliches Gefidel, dass ich gerne mitwippe und manchmal auch ganz bewusst über diesen Häusern verweile, einfach um der Musik zu lauschen.

Fazit: Ihr seid nicht glücklich 🙁

Before We Leave erzählt von einer Zivilisation, die viele Jahre in einem Bunker hauste und nun die Welt neu besiedeln will. Eine Zivilisation, die theoretisch ein ungeschriebenes Blatt ist und die ich selbst formen kann, wie ich möchte. Doch das ist nur Hörensagen, an sich habe ich keinen wirklichen Einfluss auf die Bevölkerung, sondern folge nur ihren immer weiter wachsenden Wünschen, um sie irgendwo glücklich zu machen. So leicht ist das, wie üblich in diesem Genre, nicht und so wird aus einer entspannten Runde im sonst gewaltfreien Before We Leave eher eine Balancing zwischen Forschung und Glückseligkeit, immer jedoch im Hinterkopf, das irgendwas im Spiel fehlt.

Before We Leave ist ein gewaltfreies Spiel, das für mich kein wirkliches Ziel erkennen lässt. Ich bin mir nicht sicher, warum ich das wirklich alles tun soll, denn eine Story, bzw. eine Führung habe ich im Spiel nur, wenn ich der Einführung folge. Hier fehlt es mir jedoch an einer sinnvollen Verknüpfung zwischen der Story, die auf der Produktseite steht und dem richtigen Spiel. So bleibt es eine ganz nette Siedlungssimulation mit all den typischen Vor- und Nachteilen, doch der Reiz, weiter zu spielen, bleibt bei mir vollends aus. Schade.

ProContra
+ Gewaltfreies Spielkonzept– Bevölkerung undankbar
+ An sich gute Grundidee…– … die jedoch innerhalb des Spiels keinen Nutzen mehr hat
+ Viele Forschungsmöglichkeiten– Zivilisation lässt sich nicht so formen wie gedacht
+ Viele Erkundungsmöglichkeiten– Keine Entscheidungen möglich
+ Wunderschönes Gefidel über glücklichen Häusern– Ziemlich linearer Ablauf

Technik: 69
Grafik: 82
Sound: 88
Umfang: 68
Gameplay: 63
KI: 43

Spielspaß: 60

  • Story: Before We Leave ist eine simple, gewaltfreie Siedlungssimulation ohne wirkliches Ziel.
  • Frustfaktor: Mich hat die undankbare Bevölkerung, die Dinge will, die noch gar nicht erforscht sind, in den Wahnsinn getrieben.
  • Nachhaltigkeitswert: Ich werde Before We Leave nicht nochmal spielen, dafür fehlt mir irgendwas am Spiel selbst und reizt mich nicht wirklich.
  • Design/Stil: Grafisch ist Before We Leave ziemlich gut.
  • Musik und Sound: Der Soundtrack ist schön und die Musik, die aus glücklichen Häusern strömt, ein Traum.

Offenlegung

Wir haben ein Pressemuster zu Before We Leave von der PressEngine erhalten.

Before We Leave erschien am 13. Mai 2021 auf Steam und steht schon eine Weile im Epic Games Store zur Verfügung.

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Beatrice Vogt
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