Behind the Frame (PC) im Test – Ein bisschen Magie und Malerei

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Ich habe eine kleine Schwäche für Spiele, in denen ich selbst irgendwie kreativ werden kann – oder in denen ich zumindest das Gefühl erhalte. So wie in Behind the Frame: The Finest Scenery, das kürzlich auf Steam und Itch erschienen ist. Hier geht es um Malerei und um das Magische daran. Mehr will ich jedoch in der Einleitung gar nicht verraten, sondern lade dich herzlich ein, meinen Test zur Steam Version von Behind the Frame zu lesen. !B

Zu sehen ist ein Zimmer im Morgenlicht. In der Mitte des Zimmers sitzt eine junge Frau in Rot, die an einem gelben Bild malt. Sie hält einen Pinsel in der Hand und sitzt vor einer Leinwand. Das Zimmer selbst sieht aus wie ein Atelier: Überall hängen Bilder.

Ein bisschen Malerei – Schritt für Schritt

Behind the Frame lässt mich eine junge Frau beobachten, die gerade ihr Bild für eine Ausstellung vorbereitet. Sie ist wohl relativ neu in der Stadt und sucht nun Anschluss. Während sie malt, beobachtet sie immer wieder den alten Mann, der ihr gegenüber wohnt, die gleiche Schürze trägt und eine orange-weiße Katze hat. Er ist auch Maler. Sie ist von ihm inspiriert und zeichnet ihn. Hier kommt bereits der Malereiaspekt für mich durch: Ich darf mit Pinsel oder Bleistift wirklich Malen. Zumindest hier so ein bisschen.

In Behind the Frame darf ich zunächst vor allem ausmalen oder schraffieren: Mit dem Pinsel darf ich bestimmte Aspekte meines Bildes mit der richtigen Farbe ausmalen, doch habe ich zu Beginn noch nicht alle Farben zur Verfügung. Während ich mit dem Bleistift wie früher über weiße Flächen streiche, um ein Bild entstehen zu lassen. Ich hatte früher mal so Malbücher, wo man auch mit einem Buntstift drüber schraffieren konnte und sich darunter ein Bild befand. Das war an sich ziemlich cool und das Malen der Skizzen hat mich sehr daran erinnert.

Erst im späteren Verlauf darf ich ein bisschen mehr malen: Hier vor allem vorgegebene Formen. Denn Behind the Frame ist neben einem Malereispiel vor allem ein relativ einfaches Point and Click Adventure, das mir hilft, die Beziehung zwischen A und J zu ergründen. Behind the Frame spiegelt durch und durch die Liebe zur Malerei wider und das finde ich sehr schön.

Was mir besonders gut am Spiel gefällt, ist das Ende. Ich will gar nicht spoilern, aber das Ende hat mich wirklich berührt, weil es kein klassisches Gamingende ist, sondern ein bisschen zum Nachdenken anregt. Die Spielenden auf Steam haben dazu bereits mehrere Threads eröffnet, um sich das Ende erklären zu können. An sich ist es jedoch relativ logisch: Behind the Frame wurde ein bisschen von den Filmen von Studio Ghibli inspiriert, weswegen das Ende mit einem bisschen Kenntnis ganz einfach ist – und vor allem wunderschön, sodass meine Augen für zwei Tropfen überliefen. !B

Dargestellt ist ein Bild, das mit Wasserfarben gemalt wurde. Auf der linken Seite des Bildes ist eine weiße Frau mit einem roten Regenschirm, im vorderen Bereich des Bildes ist ein dunkler Mann mit einem gelben Regenschirm zu sehen. Vor dem Bild ist eine Mischpalette mit Farben drauf und ein Pinsel, um das Bild zu vervollständigen.

Wo ist denn nur mein Pinsel?

Behind the Frame ist in erster Linie ein Point and Click Adventure mit einem wunderschönen Zeichenstil und einer besonderen Liebe zum Detail. Immer wieder gibt es kleinere Rätsel, die alle relativ einfach zu lösen sind. Meistens muss man sich nur umschauen, dann ist der richtige Hinweis gar nicht so weit entfernt. Manche Rätsel lassen sich mit Malerei lösen, für andere muss ich ein bisschen um die Ecke denken, keines ist dabei unlösbar und keines braucht komplexe Denkweisen wie aus klassischen Point & Click Adventures.

Das Spiel mit einem bisschen Magie, wie ich es ganz gerne nenne, ist unter anderem mit deutschen Texten versehen, auch wenn die Hauptfiguren nicht wirklich viel reden. Stattdessen sind eher ihre Gedanken übersetzt, was jedoch auf Deutsch nicht immer gut funktioniert. Immer wieder bleiben die Texte einfach für mehrere Szenen stehen, was sicherlich nicht so gedacht ist, weil die Texte nicht immer dazu passen. Im Kapitel, in dem man die Wohnung des alten Malers besucht, gibt es zudem viele zurückgebliebene Programmiertexte, sodass man immer wieder das Wort „<copy>“ findet.

Ebenso sind die Cutscenes ein wenig merkwürdig. In Behind the Frame erwecken die Cutscenes den Eindruck, man könne sich durchklicken und die Szenen auf diese Weise beschleunigen, doch das ist nicht der Fall: Sie scheinen jeweils eine gewisse Dauer zu haben, bevor man sie wegklicken kann. Das hat mich teilweise sehr verwirrt, sodass ich immer wieder dachte, das Spiel hätte sich aufgehangen oder es ist anders kaputt gegangen. Nimm dir deswegen auf jeden Fall Zeit beim Spielen. Behind the Frame hat sein ganz eigenes, zauberhaftes Tempo. !B

In der Mitte des Bildes hängt ein großes Bild, das mit einem roten Tuch verdeckt ist. Im unteren Bereich lässt sich der Text "An der Wand hängen viele Landschaftsbilder und ein verdecktes Gemälde. Outgame/Dialog/Buy, Kaufen, Outgame/Bialog Cancel, Abbrechen" lesen.

Ein bisschen Magie

Ich bin manchmal ein sehr stressiger Mensch, der sich nicht immer auf Dinge einlassen kann und manchmal Zeit braucht, doch mit Behind the Frame war das keineswegs so. Ich war direkt drin in dieser wunderschön gezeichneten Welt, habe mich mit der Protagonistin angefreundet und mich in den Soundtrack verliebt. Es ist eine magische Mischung aus allem, was es zu etwas ganz Besonderem macht.

Viele sagen, dass sie es zu kurz fanden, aber für mich hatte es genau die richtige Länge: Ich bin nicht gut in Spielen, in denen man rätseln muss, weswegen ich etwa anderthalb Stunden für den Titel gebraucht habe. Vielleicht habe ich auch so lange gebraucht, weil ich der Musik lauschte oder mich vom Regen in dem einen Kapitel habe einlullen lassen. Vielleicht habe ich aber auch bei den Bleistiftskizzen länger gebraucht, weil ich unbedingt jedes Fleckchen ordentlich schraffieren wollte. Ich weiß es nicht. Behind the Frame lädt auf jeden Fall dazu ein, sich in der Welt zu verlieren und auch mal einen Moment abzuschalten. Eine wirklich schöne Erfahrung. !B

Abgebildet ist das Skizzenbuch der Malerin. Im oberen linken Bereich ist ein gezeichneter alter Mann mit grüner Mütze zu sehen. Daneben der folgende Text: "Der alte Maler von gegenüber. Experte für Landschaften in Öl. Malt die ganze Zeit. Ignoriert mich ständig. Lebt alleine... Was er für Geschichten zu erzählen weiß?"

Fazit: Mehr als ein schönes Bild

Ich wusste nicht, was mich mit Behind the Frame: The Finest Scenery erwarten wird und wurde deswegen vollends von der bittersüßen Geschichte überraschte, die zum Nachdenken und Mitmachen anregt, die die Malerei und die Liebe in den Vordergrund stellt und dabei jedoch nicht aufdringlich wirkt. Behind the Frame ist wie ein zauberhaftes Gemälde, das zwar Ecken und Kanten hat, dennoch in Erinnerung bleibt und nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Es erzählt die Geschichte eines alten Mannes und einer jungen Frau und doch auch die Geschichte von zwei jungen Menschen, die verbunden durch die Malerei sind. Es ist eine magische Erfahrung mit einem Ende, das einen nachdenklich zurücklässt. Doch Behind the Frame hat auch einige kleinere Macken, die möglicherweise den Gesamteindruck schmälern, doch über diese kann ich im Gesamtbild schlichtweg hinwegsehen. Was zählt sind die Botschaft und die Magie dahinter. Und dass es mich im Herzen berührt und das hat es auf jeden Fall.

ProContra
+ Wunderbarer Grafikstil– Untertitel bleiben deutlich länger da als nötig und kommen oft in Folgeszenen mit
+ Traumhafter Soundtrack– Manchmal tauchen bei den deutschen Untertiteln Programmierzeilen auf
+ Herzallerliebste Geschichte, die zum Nachdenken anregt– Cutscenes sind ein wenig unübersichtlich im Fortschritt
+ Malerei und Bleistiftskizzen– Relativ kurze Spielzeit (ein bisschen länger wäre schön)
+ Einfache und logische Rätsel
+ Szenario, das zum Entspannen einlädt
Die Wertung zeigt eine 87 von 100.

Technik: 80
Grafik: 87
Sound: 93
Umfang: 70
Gameplay: 68

Spielspaß: 94

  • Story: Behind the Frame erzählt die Geschichte einer jungen Frau, einem alten Mann und der Liebe zur Malerei.
  • Frustfaktor: Manchmal ist die Steuerung ein wenig merkwürdig, wodurch Frust entstehen kann.
  • Nachhaltigkeitswert: Behind the Frame wird mich noch lange beschäftigen und mir immer wieder schöne Momente bescheren.
  • Design/Stil: Ein wunderschöner Zeichenstil mit richtigen Zeichnungen und Animationen. Ein toller Stil.
  • Musik und Sound: Ein wunderbarer Soundtrack, der zum Entspannen und Verweilen einlädt.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: 8,19 € sind für die wunderbare Erfahrung sehr angemessen.

Offenlegung

Ich habe mir Behind the Frame: The Finest Scenery für Steam selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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