Beyond Blue (Xbox One) im Test – Geheimnisse der Tiefe

4.5
(2)

E-Line Media, die Macher von Never Alone, verfolgen mit ihrem neuen Titel Beyond Blue mehrere Ziele: Nicht nur möchte der Titel ein unterhaltsames Erkundungsabenteuer sein, sondern er möchte auch etwas lehren über die Geheimnisse der Weltmeere – und ein Bewusstsein für die Gefahren, die den Lebewesen und damit dem ganzen Ökosystem Erde drohen. Deswegen erscheint der Titel auch während der World Oceans Week 2020. Ob die Mission gelingt, verrät unser Test zu Beyond Blue.

Unsere Liebe zu den Walen

Wer Beyond Blue herunterlädt, sollte dies bereits in einem Bewusstsein darüber tun, dass es sich bei dem Spiel um einen Titel handelt, der ein gewisses Interesse an Natur, Umwelt und den Weltmeeren voraussetzt – und der keine Action bietet, sondern ein unterhaltsames und wunderschönes Abenteuer, das viele Erkenntnisse bereithält und dieses auch mit zusätzlichem Wissen untermauert. Gleichwohl ist Beyond Blue so aufgebaut, dass es auch Neulinge in dem Bereich abholt. Wer eine Bereitschaft dazu mitbringt, sich mit einem spannenden Ökosystem und seinen Bewohnern zu beschäftigen, wird mit vielen verschiedenen Mitteln begleitet und erhält noch dazu eine solide Videospielstory.

Man begleitet in Beyond Blue die Meeresforscherin Mirai, die die Wale als ihre Lieblingstiere entdeckt hat. Man begleitet mit Mirai und ihren Kollegen eine Walschule, erledigt allerdings auch noch andere Aufgaben, die mit dem Gewinn neuer Erkenntnisse und dem Schutz des Meeres zu tun haben. Schließlich sind die verschiedenen Lebewesen in den Tiefen des Ozeans miteinander verbunden und die Forscher wollen Krankheiten und (möglicherweise illegalen) Eingriffen des Menschen besser auf die Spur kommen.

Beyond Blue bietet eine faszinierende Mischung aus ruhigem Erkundungsgameplay, Erkenntnissen aus der Wissenschaft, einfachen ingame-Dialogen, einer Wissensdatenbank rund um die entdeckten Tiere und zusätzlicher Dokumentation mit Filmschnipseln von speziellen oder bisher nicht gezeigten Szenen aus der BBC Serie Unser Blauer Planet II. Es handelt sich dabei jeweils um etwa zweiminütige Szenen, die die Handlung im Spiel gut begleiten und ergänzen – und im besten Fall dazu ermutigen, sich einmal die komplette Serie anzuschauen und sich auch über Beyond Blue hinaus mit dem Meer und unseres Einflusses darauf zu beschäftigen. Doch ich finde, genau hier verpasst Beyond Blue auch eine große Chance.

Auch mindestens einem Oktopus begegnet man.

Ein bedrohter Lebensraum

Beyond Blue macht an vielen Stellen deutlich, welchen Bedrohungen durch den Menschen die Weltmeere ausgesetzt sind: Die Ozeane sind die größten Sauerstoffquellen der Erde und Vermüllung und der Tiefseebau und Bohrungen sind seine größten Bedrohungen. Doch nur Letzteres wird direkt im Spiel thematisiert: Unerklärlicher Lärm tief unter der Wasseroberfläche können wir mit den Forschern schließlich auf eine möglicherweise illegale Tiefseebauaktion zurückführen – doch der viele Müll in den Meeren wird in Beyond Blue selbst so gut wie gar nicht thematisiert, sondern nur in einem der Filmschnipsel.

Ich finde etwas schade, dass Beyond Blue diese Chance verstreichen lässt. Durchaus steht das Spiel in dieser Form für entspannte und relativ einfache Erkundung, während es die Gefahren auch im Spiel selbst deutlich macht: Die Tauchgänge, in denen man Werkzeuge der Bohrungen findet, sind überaus gut inszeniert und auch emotional, doch ich denke, das Thema Müll im Meer wäre noch greifbarer gewesen.

Selbst wenn es Beyond Blue etwas von seinem Charme genommen hätte, wenn man auch direkt im Spiel Szenen eines vermüllten Areals gezeigt hätte, so hätte ich mir wenigstens einen Tauchgang gewünscht, der gerade dieses Thema aufgreift und anhand von Plastik und Co. zeigt, welcher direkten Gefahr die Tiere ausgesetzt sind. Denn im Großen und Ganzen entdeckt man im Spiel anscheinend recht unberührte Gebiete.

Müll findet man nicht besonders viel im Spiel.

Hab ich dich schon gescannt?

Das Gameplay von Beyond Blue an sich wartet mit keinen Überraschungen auf: Viel mehr als sich bewegen und die Tiere scannen, um Erkenntnisse über sie zu sammeln, macht man nicht. Es gibt keine Quick-Time-Events, keine Geschicklichkeitspassagen oder sonstiges – das Einzige, was nötig ist, ist ein gutes Auge, um alle scannbaren Tiere zu finden. Um alle Erfolge im Spiel freizuschalten, muss man, wer hätte es gedacht, wirklich jedes einzelne noch so kleine Tiere in den verschiedenen Gebieten scannen.

Dazu kann man nach dem Abschluss aller acht Tauchgänge alle Gebiete auch nochmal besuchen. Wirklich alles zu finden, kann aber auch wirklich eine Weile beschäftigen, das Spiel zeigt euch aber direkt an, wenn ihr euch wieder in die Tiefen hinabbegebt, was ihr schon gescannt habt und was nicht. Mitunter beschäftigt euch das noch einmal so lang wie das Spiel selbst: Ich war doch etwas überrascht, als ich nach den acht Tauchgängen und nur ungefähr vier Stunden schon den Abspann gesehen habe. Für die gebotenen Inhalte und das Gameplay reicht das zwar auch, aber Beyond Blue hätte sich mit einigen einfachen Dingen durchaus noch etwas erweitern und bereichern lassen.

Im U-Boot liegen beispielsweise wechselnde Bücher und wissenschaftliche Unterlagen herum. Doch diese kann man einfach nur ansehen – sie haben aber keine Inhalte. Hätten die Entwickler hier kleine Textauszüge oder Ähnliches mit eingebaut, wäre die zwar die reine Konzentration auf das Meer und die Wale verlorengegangen, aber man hätte generell ein besseres Verständnis für die Arbeit von Wissenschaftlern und die Herausforderungen des Lebens als solche schaffen können. Solche optionalen Beschäftigungen hätten Beyond Blue gutgetan, denn so bleibt die Zeit zwischen den Tauchgängen größtenteils unproduktiv.

Außerhalb der Tauchgänge lässt Beyond Blue Chancen ungenutzt.

Der Ozean ist wunderschön

Wunderschön und vielfältig: Der Ozean.

Technisch hinterlässt Beyond Blue auf der Xbox One X einen super sauberen Eindruck. Ruckelig wird es nur, wenn man die Schlote besucht, denn der austretende Dampf bringt die Xbox One X plötzlich zum Pusten. Sonst wirkt nur der letzte Tauchgang etwas unsauber, aber sonst überzeugt Beyond Blue nicht nur mit wunderschönen Panoramen, sondern auch einem scharfen Bild und einer guten Gestaltung.

Auch die Soundkulisse rundet das Erlebnis sehr gut ab: Die Soundkulisse unter Wasser überzeugt und der Soundtrack im U-Boot passt auch gut und kann sogar individuell gewählt werden. Auch die Steuerung funktioniert gut, die deutsche Übersetzung von Beyond Blue dagegen ist ganz leicht lückenhaft und hat immer mal ein paar englische Fetzen mit dabei. Beim Sound fällt auf, dass die Filmschnipsel im Vergleich zum Rest des Spieles viel zu laut abgemischt sind – da sollte man nochmal nachbessern.

Fazit: Ein wertvolles Spielerlebnis

Der Erscheinungstermin von Beyond Blue während der World Oceans Week 2020 ist perfekt gewählt. Der Titel weckt nicht nur Interesse und Faszination für die wunderschönen Welten unter Wasser, sondern auch für die Gefahren, die ihr drohen. Als zentrale Chance verpasst das Spiel dabei allerdings, die Vermüllung der Meere zu präsentieren – viel mehr Konzentration erfolgt auf das Thema Tiefseebau, welches zwar sicherlich genauso wichtig, aber vermutlich weniger greifbar ist. Die Mischung aus Erkundung, Wissenschaft und Filmschnipseln ergeben eine gute Mischung im technisch größtenteils fehlerfreien Gewand. Die Spielzeit von Beyond Blue ist dabei eher knapp, die Zeit an sich aber umso wertvoller. Beyond Blue kombiniert Unterhaltung und Bildung meisterhaft, entfaltet dabei zwar nicht sein ganzes Potential, aber zeigt, welche Art von Spiel es öfter geben sollte.

ProContra
+ Sehr schöne Gebiete– Abmischung der Filmschnipsel zu laut
+ Unterhaltung und Bildung kombiniert– Müll im Meer wird kaum thematisiert
+ Filmschnipsel mit zusätzlichem Wissen– Spielzeit eher kurz
+ Entspanntes Gameplay– Letzter Tauchgang leicht hakelig
+ Weckt Interesse für die Ozeane und die Gefahren, die ihnen drohen– Lücken in der deutschen Übersetzung

Technik: 81
Grafik: 94
Sound: 87
Umfang: 66
Gameplay: 80
KI: 78

Spielspaß: 88

  • Story: Beyond Blue erzählt neben der emotionalen Geschichte der Walschule auch die Geschichte der Wissenschaftler und bietet damit eine ansprechende Mischung.
  • Frustfaktor: Existiert nicht.
  • Nachhaltigkeitswert: Das Spiel an sich kann einige Zeit beschäftigen und lädt zum Erkunden ein. Vom Inhalt und seiner Botschaft her sollte Beyond Blue viel beachtet und diskutiert werden!
  • Design/Stil: Sehr gut und stimmig umgesetzt.
  • Musik und Sound: Runden das Erlebnis gut ab.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die abgerufenen 19,99€ ist das Spiel wert.

Offenlegung

Wir haben einen Reviewkey für Beyond Blue vom Publisher erhalten. Gespielt haben wir auf einer Xbox One X.

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Manuel Eichhorn
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JasGames

aaah, sehr gut. Hab mich eine Weile darauf gefreut und finde es gut, dass solche Games kommen. Da es ja anscheinend nicht so lang geht, werd ich es mir am wochenende mal anschauen.