Curious Expedition 2 (PC) im Test – Entdeckungen und Verluste

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Curious Expedition 2 hat eine kleine Weile auf sich warten lassen. Nachdem ich im letzten Jahr den ersten Teil auf der Switch getestet habe, habe ich mich sehr auf den Nachfolger gefreut – und war gespannt, welche Fortschritte Maschinen-Mensch mit dem Spiel machen würde. Nun ist die fertige Version auf dem PC da und ich habe einige Expeditionen absolviert – ob meine Erwartungen an Curious Expedition 2 erfüllt wurden, erfährst du im Test.

Alles für den Ruhm

Curious Expedition 2 macht viele Fortschritte im Vergleich zum Vorgänger, der vor allem optisch sehr angestaubt wirkte. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen – doch eins bleibt gleich: Die Grundstruktur, die eure Expeditionen in einen historischen Kontext im Lauf der Zeit einordnet und je nach Einstellung mit fieser Roguelike Struktur daherkommt – doch das darfst du selbst wählen.

Einer der ersten Widersacher deines gewählten Forschers ist Jules Verne, der eine Entdeckung definitiv vor dir machen möchte – und im Laufe der Zeit triffst du noch mehr bekannte Persönlichkeiten, während du deine eigene Expedition immer wieder neu zusammenwürfeln darfst.

Curious Expedition 2 ist weiterhin ein Spiel der Zufälle – und des Frusts, wenn du es denn zulässt. Dein Spiel kann komplett enden, wenn deine Expedition stirbt, oder du kannst auch wählen, einfach nur zum Beginn des Jahres zurückgesetzt zu werden oder zum Stand vor der aktuellen Expedition. Es bleibt dir überlassen – einen Schwierigkeitsgrad gibt’s obendrein, nicht nur eine grundsätzliche Einstellung, sondern auch die Expeditionen in Curious Expedition 2 werden mit einem Schwierigkeitsgrad ausgezeichnet.

Dennoch: Ganz berechenbar ist das nicht. Ich hatte manchmal größere Herausforderungen mit angeblich leichten Expeditionen als mit schwierigeren. Ich habe schon das erste Curious Expedition als unberechenbar kennengelernt, und der zweite Teil ist das genauso.

Ups. Waren wir das?

Deine treusten Gefährtinnen und Gefährten

Das gilt auch für die rekrutierten Begleiter:rinnen: In Curious Expedition 2 greifen eine Menge Systeme ineinander. Es gibt Verletzungen, Infektionen, und die geistige Gesundheit, die man bei so einer Expedition irgendwie hochhalten muss. Und dann gibt es auch noch Loyalität. Jede Entscheidung kann Sympathie hervorrufen oder zerstören. Manchmal kommen Ereignisse und Entscheidungen aus heiterem Himmel – noch öfter sieht man sie aber kommen.

Durch die Zufallsgenerierung ist und bleibt Curious Expedition 2 immer für eine Überraschung gut – und das, obwohl man jede Expedition eigentlich gut planen muss und sich auch überlegen muss, welche Reise auf den Karten man auf sich nimmt. Es dauert aber durchaus einige Zeit, bis man alle Systeme verstanden hat und nicht mehr allzu dumm aus der Wäsche schaut, wenn etwas Bestimmtes passiert.

Trotz aller Überraschungen muss man auch sagen, dass Curious Expedition 2 auch oft den schmalen Grat dahin wandelt, zu viele Wiederholungen mit sich zu bringen. Manche Elemente und Begegnungen wiederholen sich einfach schnell und oft. Das bringen zufallsgenerierte Spiele mit sich, und es fällt auch hier auf. Beispielsweise kann es sein, dass bei mehreren Expeditionen kurz hintereinander Interaktionen mit den Eingeborenen völlig gleich ablaufen.

Verlassen können musst du dich auf die Begleiter:innen: Ohne sie ist eine Expedition schneller vorbei, als dir lieb ist. Überleg dir lieber gut, welche Entscheidungen du triffst…

Allein, allein

Allein ist eine Expedition schnell vorbei. Und dazu kann ich sagen: Curious Expedition 2 spielt mit dem Frust. Auf einfacherer Stufe weniger, aber auf den höheren Stufen wird es wirklich gemein. Das Spiel will das aber auch, und weist dich darauf hin.

Doch dauerhaft korrelieren riesige Vielfalt und Abwechslung mit dem Wiederholungscharakter. Obwohl die verschiedenen Figuren ganz unterschiedliche Eigenschaften mitbringen, nutzt sich vor allem die Würfelmechanik trotzdem recht schnell ab und die Kämpfe werden recht gleichförmig. Auch sonstige Herausforderungen fühlen sich schnell gleich an – und das Würfeln bringt mit sich, dass es immer eine gewisse Frage des Zufalls ist.

Expedition in schön

Wie schon am Anfang erwähnt, hat Curious Expedition 2 Schluss gemacht mit dem angestaubten Stil des Vorgängers: Jetzt gibt es einen wunderschönen, gezeichneten und detailverliebten Stil, der sich wirklich sehen lassen kann. Verschiedene Inseln, Biome, Tageszeiten und Ereignisse werden wunderbar in Szene gesetzt.

Es ist ein riesen Fortschritt gegenüber des Vorgängers und macht jetzt gleich doppelt so viel Spaß. Für mich kommt wirklich viel mehr Faszination für die Schauplätze auf – und das gelingt auch durch die Soundkulisse, die gut gelungen ist. Hier hat das Team hinter Curious Expedition 2 genau richtig entschieden, und ich glaube, dass der neue Stil auch mehr Spieler:innen anspricht.

Technisch ist das Ganze sauber umgesetzt – Fehler gibt’s manchmal nur in den deutschen Texten. Nicht immer wird ein ganz passender Text ausgespielt – und immer mal sind Formatierungen durch fehlende Klammern nicht ganz einwandfrei. Aber die Auffälligkeiten dahingehend halten sich in Grenzen.

Die Inszenierung hat mich voll und ganz überzeugt.

Fazit: Ruhm oder Tod

Curious Expedition 2 macht einen riesigen Fortschritt gegenüber des Vorgängers: Design und Stil sind meilenweit überlegen und jetzt einfach wunderschön und detailreich. Die verschiedenen besuchten Orte werden ebenso gelungen repräsentiert wie all das, was in dieser vor Gefahren gespickten Welt passieren kann. Bei dieser Vielfalt baut Curious Expedition 2 auf dem Vorgänger auf – und bringt auch bekannte Eigenheiten mit, die motivierend wie auch frustrierend sein können: Die Expeditionen sind unberechenbar und strotzen vor Vielfalt. Doch genau dabei wandeln sie auch auf dem schmalen Grat zu Wiederholungen, denn manche Ereignisse wiederholen sich sehr oft, während sich manche Spielmechaniken wie das Würfeln auch recht schnell abnutzen. Um nicht zu sagen, dass Curious Expedition 2 kein Spiel für jeden ist, halte ich fest, dass es mich mit seinem Stil begeistert hat und die Inszenierung mich insgesamt motiviert – auch wenn Schwächen in den Tiefen der Spielsysteme lauern.

ProContra
+ Umfangreiche Schwierigkeitseinstellungen– Hohes Frustpotential
+ Unberechenbare Expeditionen– Teils Gefahr von Wiederholungen
+ Wunderschöner Stil– Manche Elemente nutzen sich schnell ab
+ Viel Vielfalt– Kleine Probleme mit deutschen Texten
+ Motivierender historischer Kontext

Technik: 83
Grafik: 90
Sound: 90
Umfang: 86
Gameplay: 79
KI: 81

Spielspaß: 83

  • Story: Curious Expedition 2 erzählt viele Geschichten – und vermittelt ein gelungenes Bild der dargestellten Zeit.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden – der Schwierigkeitsgrad ist nicht wirklich berechenbar, lässt sich aber gut einstellen.
  • Nachhaltigkeitswert: Curious Expedition 2 kann lange beschäftigen, wenn man alles erreichen will. Diejenigen, denen das Spiel gefällt, werden eine ganze Weile damit verbringen.
  • Design/Stil: Sehr gelungen.
  • Musik und Sound: Passend und gelungen.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die 19,99€ für das Spiel sind absolut angemessen.

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Manuel Eichhorn
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