Curious Expedition (Switch) im Test – Entdecke neue Welten

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Curious Expedition vom Berliner Studio Maschinen-Mensch ist bereits 2016 erschienen und der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern. Doch bevor dieser erscheint, wird der Erstling auf die Konsolen gebracht. Wir haben uns die Expeditionen in neue Welten auf der Switch angesehen und verraten euch, ob der Titel sein Lob als einer der besten deutschen Indie-Titel der letzten Jahre verdient hat.

Erste gehversuche in neue Welten

Ich habe Curious Expedition 2 im letzten Jahr auf der EGX in Berlin gesehen und fand, dass das Spiel sehr interessant aussah. Am Stand war immer gut was los, sodass ich mir das Spiel nicht im Detail angeschaut oder gar angespielt habe. Ich muss zugeben, dass mir gar nicht ganz klar war, dass das jetzt erscheinende Konsolenspiel erst die Umsetzung des schon vor ein paar Jahren erschienen Erstlings ist. Das wurde mir dann recht schnell klar, und doch barg Curious Expedition noch einige Überraschungen.

Während ich wusste, was mich grob vom Gameplay erwartete, hatte ich nicht damit gerechnet, dass meine Expeditionsleiterin Marie Curie am Ende meines ersten Spieldurchgangs nicht nur unseren Packesel und einen Hund, sondern auch den Expeditionskollegen verspeist haben würde, der sich zuvor in ein Monstrum verwandelt hatte, da ich die geistige Gesundheit der Truppe nicht auf ausreichendem Level halten konnte.

Anders gesagt: Curious Expedition sieht auf den ersten Blick irgendwie harmlos, wenn auch ernst aus, allerdings wartet auf euch ein knallhartes Abenteuer, welches keineswegs nur aus Erkundung, sondern auch aus Planung, geschicktem Handel und vor allem vielen Überraschungen besteht.

Es stehen zahlreiche historische Persönlichkeiten als Spielfiguren zur Auswahl.

Ruhm ist nicht alles

Curious Expedition inszeniert eine Zeit, in der Forscher nach neuen Erkenntnissen streben und quasi im Konkurrenzkampf stehen: Nach jeder Expedition wird euer eigener Ruhm mit dem der anderen aktiven Forscher verglichen. Schon direkt von Anfang an steht euch eine stattliche Auswahl von historischen Persönlichkeiten zur Verfügung, die alle ihre eigenen Vorteile bei den Expeditionen mit sich bringen – mehr könnt ihr unter bestimmten Bedingungen nach einem Durchgang freischalten. In dieser Hinsicht ist Curious Expedition ein waschechtes Roguelike.

Während der Expeditionen kann man sich entscheiden, ob man auf direktem Weg zur Goldenen Pyramide und damit zum schnellen Abschluss strebt, oder aber ob man mehr Zeit in Erkundung und damit auch Kämpfe steckt: Es winken Belohnungen in Form von seltenen Gegenständen, aber es drohen auch Gefahren in Form von Kämpfen, und es gibt die Chance, zuvor angenommene Quests zu erfüllen: Die dazu nötige Person oder den Gegenstand zu finden, benötigt meist viel Geduld und ein gutes Auge für Verstecke auf der Map.

Curious Expedition erfordert Einiges an Planung und Fingerspitzengefühl. Inventarplätze sind begrenzt und man braucht genügend Proviant, um über die Runden zu kommen und nicht den Esel zu verspeisen, allerdings auch genügend Utensilien, um dunkle Höhlen oder hohe Berge erkunden zu können, und Ausrüstung zur Heilung und Vieles mehr – jede Expedition ist anders und zum ersten Mal sage ich, dass zufällig generierte Weltkarten wie die in Curious Expedition voll und ganz ihre Daseinsberechtigung haben. Während sie durchaus das Frustpotential steigern können, machen sie jede Expedition unberechenbar – so soll es ja auch sein.

Im besten Fall ist der Weg zum interessanten Ort frei.

Manches ist vertraut

Selbstverständlich gibt es dennoch immer wieder dieselben Versatzstücke – das ist nicht furchtbar schlimm, denn es gibt mehrere verschiedene Umgebungen von der Wüste über den Dschungel bis zur Arktis, allerdings baut sich auch Curious Expedition wie jedes zufällig generierte Spiel um vorgefertigte Versatzstücke herum auf – das merkt man recht schnell und manch Element mag nach einer gewissen Zeit repetitiv werden. An seinem Anspruch verliert das Spiel aber nicht, ganz im Gegenteil, und manches Mal ist es eben auch ein bisschen Glückssache – wie von prozedural generierten Spielen gewohnt. Manche Welten sind einfach, andere eher schwierig, manchmal ist die Goldene Pyramide nur Schritte vom Start entfernt, mal unerreichbar.

Je mehr Kämpfe auf dem Weg lauern, desto schwieriger wird alles – im Kampfsystem wird jede Aktion ausgewürfelt. Das ist zwar halbwegs intuitiv, allerdings trotzdem nicht komplett eindeutig und auf die Fertigkeiten der Begleiter hat man nicht unbedingt direkt Zugriff. Die Kämpfe in Curious Expedition haben mir so weniger gut gefallen, während ich andere Elemente wie das Handeln oder das Rufsystem bei den in den Umgebung lebenden Stämmen schon motivierender fand.

Ob man uralte Schreine plündert oder nicht ist ein ständiges Abwägen: Es winkt Ruhm für die dort gefundenen Artefakte, allerdings schadet es eurem Ruf in der Region und ihr löst regelmäßig Naturkatastrophen oder andere Dinge aus, wenn ihr dort etwas stehlt. Aber ganz ehrlich … irgendwie muss man ja auch Geld verdienen, oder?

Suchtpotential ist da

Curious Expedition nimmt einen ziemlich schnell in den Bann und lädt zu noch einer weiteren Runde ein. Die Umsetzung auf die Switch gefällt soweit, die Bedienung ist gut und die Texte auch im Handheldmodus nicht zu klein – bei der Performance hapert es aber teilweise ein bisschen, vor allem beim Aufdecken neuer Bereiche auf der Map.

Überaus gut gefallen hat mir der Soundtrack, er untermalt das Geschehen immer passend und auch atmosphärisch und auch so, dass es gut zum Stil des Titels passt. Ausgesprochen gut sind auch die deutschen Texte, diese wirken nicht wie schlecht “zurückübersetzt” oder generell übersetzt – was ja auch bei Spielen, die aus Deutschland kommen nicht selbstverständlich ist.

Expeditionsbegleiter verspeisen ist im Übrigen auch schon auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad der letzte Ausweg – auf den höheren kann euch so ein Schicksal wesentlich früher ereignen, da dann zum Beispiel auch die Kämpfe sehr viel anspruchsvoller sind. Curious Expedition ist durchaus etwas für Spieler, die Herausforderungen lieben – und die können sich zur Vervollständigung auch eine ganze Weile mit dem Spiel beschäftigen.

Das Ende meines ersten Durchgangs.

Fazit: Nicht alles ist, wie es scheint

Curious Expedition hat mich Einiges gelehrt – dass Spiele nicht immer so sind, wie man auf den ersten Blick denkt und dass Expeditionen eine wirklich anspruchsvolle Sache sind. So ist auch Curious Expedition ein Spiel für Spieler, die eine Herausforderung suchen. Es überzeugt in seiner Ausführung ebenso wie mit seinen Spielelementen: Handel, Erkundung, Kämpfe – all das bringt seinen eigenen Nutzen und Herausforderungen mit sich und eine zufällige Generierung der Begegnungen und Welten ergibt hier voll und ganz Sinn, auch wenn sie die üblichen Herausforderungen mit sich bringen und ich generell mit den Kämpfen nicht so richtig warm wurde. Die Umsetzung auf die Switch überzeugt bis auf die Performanceprobleme beim Aufdecken der Karte. Und so kann Curious Expedition auch auf den Konsolen die Spieler eine ganze Weile beschäftigen, bis der Nachfolger erscheint.

ProContra
+ Zufällige Generierung passt hier gut– Frustpotential vorhanden
+ Sehr guter Soundtrack– Performanceprobleme beim Karte aufdecken
+ Handeln, Kampf und Co. – viele überzeugende Spielelemente…– … wobei die Kämpfe am ehesten für Frust sorgen
– Viele historische Figuren zum Freischalten– Einige Elemente werden repetitiv
+ Zahlreiche verschiedene Boni der Begleiter
+ Unberechenbare Expeditionen

Technik: 83
Grafik: 77
Sound: 90
Umfang: 85
Gameplay: 80
KI: 83

Spielspaß: 82

  • Story: Curious Expedition erzählt viele Geschichten – und malt dabei ein gelungenes Bild von der Zeit der Kolonialisierung und Erforschung mit allen Facetten.
  • Frustfaktor: Stellenweise durchaus vorhanden – die zufällige Erstellung der Welten passt zwar, bringt aber auch die üblichen Herausforderungen mit sich.
  • Nachhaltigkeitswert: Curious Expedition bringt wertvolles Wissen mit, beschäftigt eine ganze Weile und hat nicht umsonst eine große Fangemeinde.
  • Design/Stil: Sehr gelungen. Obwohl ich nicht so sehr auf eine Optik wie diese stehe, gefällt mir Curious Expedition sehr gut.
  • Musik und Sound: Passend und gelungen.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die 14,99€ für das Spiel sind gerechtfertigt.
  • Akkuverhalten: Ungefähr 3 Stunden Spielzeit sind mit einer Switch vom Launch drin.

Offenlegung

Wir haben einen Reviewkey zu Curious Expedition vom Entwickler erhalten.

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Manuel Eichhorn
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