Disco Elysium: The Final Cut (PC/PS5) im Test – Ein buntes Unterfangen

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Ich bin schon lange neugierig, wenn es um Disco Elysium geht: Bei seinem Erscheinen 2019 wurde das Spiel schon gehörig gefeiert, seitdem ist es weiter gereift: Zahlreiche Features wie eine Vertonung und eine deutsche Übersetzung der Texte wurden nachgereicht, nun ist das Spiel soweit, dass es nach und nach auch auf den Konsolen erscheinen kann. Diese Version mit dem Titel Disco Elysium: The Final Cut habe ich mir angesehen und verrate euch, wie die Ermittlung lief.

Zwischen Revolution, Mord und Gedächtnisverlust

Von allen (Rollen-)Spielen, die ich in den letzten Monaten gespielt habe, fällt es mir bei Disco Elysium: The Final Cut am schwierigsten, eine kurze, griffige Zusammenfassung zu liefern. Doch der Untertitel A Detective RPG trifft es ganz gut – nur, dass Disco Elysium deutlich anders funktioniert, als man das von vielen anderen Rollenspielen gewohnt ist.

Disco Elysium: The Final Cut ist ein „echtes“ Rollenspiel, eins, das mich in eine komplexe Welt wirft und eins, dass mich tatsächlich handeln und sein lässt, wer ich bin. Welches mit so vielen feinen Aspekten der Charakterentwicklung arbeitet, dass hier nicht Holzhammerentscheidungen über den Ausgang eines Dialogs oder der Handlung entscheiden, sondern vielleicht einfach nur meine gewählten Attribute.

Sind wir mal ehrlich: In den meisten RPGs sind wir uns bewusst, zu welchen Ergebnissen bestimmte Auswahloptionen oder Charaktereigenschaften führen. In Disco Elysium: The Final Cut ist das anders. Überraschend anders laufen immer wieder Situationen ab, abhängig davon, welche Art von Figur ich mir geschaffen habe. Doch davon abgesehen ist nichts garantiert: Jeder konkrete Einsatz einer Fähigkeit wird ausgewürfelt und kann so auch für Überraschungen sorgen. Selbst, wenn du dich in Sicherheit wähnst, kann etwas schiefgehen.

Die Leichte zu untersuchen ist gar nicht so leicht.

Ermitteln ohne Gedächtnis – mit Herausforderungen des Alltags

Ein verwüstetes Zimmer im Hostel, eine Leiche an einem Baum, ein verlorener Ausweis: Die Ausgangslage für uns in Disco Elysium: The Final Cut ist nicht gut. Und genau das inszeniert das Spiel großartig: Hier muss ich mich auch noch darum kümmern, einfach nur mit dem Leben klarzukommen und mit den inneren Stimmen des Protagonisten. Ich muss außerdem die Schulden für das kaputte Hotelzimmer bezahlen, plus des täglichen Preises – die Schulden können je nach Charakter übrigens unterschiedlich ausfallen, zudem ist das Geldverdienen aber generell keine leichte Aufgabe.

Ich habe Disco Elysium: The Final Cut auf PC und PS5 mit unterschiedlichen Figuren gespielt und war wirklich überrascht, wie unterschiedlich bestimmte Dinge gelaufen sind. Nur eins war gleich: Meine Faszination dafür, wie gut die Spielelemente ineinander greifen und die Handlung und Entscheidungen spürbar machen. Geschrieben ist Disco Elysium sehr gut, und die Unterschiede und Konsequenzen wirken glaubhaft, selbst, wenn man nur einen bestimmten Ruf an einer bestimmten Stelle weg hat. Einen kleinen Logikfehler hatte ich nur in meinem PS5 Durchgang ein einziges Mal, da hatte mein Co-Ermittler vergessen, dass wir mit einer bestimmten Figur schon gesprochen hatten.

Disco Elysium: The Final Cut inszeniert auch einen glaubhaften Ablauf der Tage, während man jede Menge verschiedener Figuren trifft. Manche sind mehr, andere weniger hilfsbereit. Klassische Kämpfe gibt es in diesem Spiel übrigens nicht: Je nach Figur geht man körperlichen Auseinandersetzungen entweder aus dem Weg, gewürfelt wird am Ende aber so oder so.

Die Auseinandersetzung mit einem Müllcontainer kann sich je nach Figur deutlich unterscheiden.

Hakelige Konsolenumsetzung

Was mich weniger überzeugt: Die PS5 Umsetzung von Disco Elysium: The Final Cut. So ganz grundsätzlich ist die Anpassung der Steuerung nicht verkehrt, die Maus wird mit dem rechten Stick ersetzt. Dennoch ist ab der ersten Minute auffällig, wie hakelig das Ganze abläuft: Eingaben werden häufig ignoriert, in den meisten Fällen muss man zwei Mal den Befehl erteilen, zu einem Objekt zu laufen bzw. mit diesem zu interagieren. Die Kopfbewegungen des Protagonisten sind dabei wild und unkoordiniert.

Auf dem PC läuft das Ganze butterweich und ich bin ehrlich: Hier hat mir Disco Elysium: The Final Cut deutlich mehr Spaß gemacht, auch, weil die Schrift besser lesbar ist. Auf der PS5 fallen Inventar und Dialoge deutlich zu klein aus, auch die Navigation durch letztere gestaltet sich mit dem DualSense schwierig, weil kein präzises Scrollen möglich ist.

Immerhin optisch kann Disco Elysium: The Final Cut auf PS5 überzeugen, doch auch die Ladezeiten lassen nicht darauf schließen, dass man besonders viel Optimierungsarbeit in die PS5 Version gesteckt hat – zu Rucklern, die auf dem PC nicht vorhanden sind, kommt es obendrein. Ich bin ehrlich: Die Konsolenumsetzung ist bisher eine Enttäuschung, ich hoffe, dass da noch Patches nachgereicht werden, bevor Disco Elysium dann auch auf die anderen Konsolen kommt.

Fazit: Eine tiefgründige Ermittlung

Selten haben mich eine Welt, die Ereignisse und die RPG Mechaniken so in einem Rollenspiel gefesselt wie in Disco Elysium. Das Team von ZA/UM hat hier eine glaubwürdige, vielschichtige Welt voller Überraschungen abgeliefert – in der alles anders ablaufen kann, abhängig davon, welche Entscheidungen du triffst und über welche Eigenschaften dein Charakter verfügt. Überraschungen gibt es so oder so, denn jeder Einsatz von Fähigkeiten wird ausgewürfelt. Garantiert sind dir aber eine super Atmosphäre, großartige Figuren und eine sehr gut geschriebene Story. Wenn du über einen Computer mit Maus verfügst, empfehle ich dir diese Version von Disco Elysium: Die PS5 Umsetzung überzeugt mich mit hakeliger Steuerung und leicht wackliger Technik deutlich weniger, während auf dem PC alles butterweich läuft. Dort ist Disco Elysium: The Final Cut ein großartiges RPG – und vor allem mal ein richtiges!

ProContra
+ Hervorragende RPG Mechaniken– Hakelige Steuerung (PS5)
+ Sehr gute Atmosphäre– Technische Umsetzung nicht ganz überzeugend (PS5)
+ Glaubwürdige Interaktionen– Kleine Logikfehler können passieren
+ Viele Überraschungen– Viel zu kleine Texte (PS5)
+ Runde Spielmechanik

PC Version

Technik: 92

  • Grafik: 88
  • Sound: 95
  • Umfang: 95
  • Gameplay: 89
  • KI: 93

Spielspaß: 95

  • Story: Disco Elysium erzählt eine vielfältige Geschichte – und inszeniert sie komplett glaubwürdig in einer kreativen, interessanten Welt.
  • Frustfaktor: Ist vorhanden – aber nachvollziehbar und moderat.
  • Wiederspielwert: Sehr groß, denn man kann sich verschiedene Figuren schaffen.
  • Design/Stil: Sehr gut gelungen.
  • Musik/Sound: Passender, stimmiger Soundtrack.
  • Preis/Leistung: Die 39,99€ UVP sind auf jeden Fall angemessen.

PS5 Version

Technik: 87

  • Grafik: 81
  • Sound: 95
  • Umfang: 95
  • Gameplay: 73
  • KI: 93

Spielspaß: 81

  • Story: Disco Elysium erzählt eine vielfältige Geschichte – und inszeniert sie komplett glaubwürdig in einer kreativen, interessanten Welt.
  • Frustfaktor: Ist vorhanden – aber nachvollziehbar und moderat. Auf der PS5 nervt die Steuerung.
  • Wiederspielwert: Sehr groß, denn man kann sich verschiedene Figuren schaffen.
  • Design/Stil: Sehr gut gelungen, auf der PS5 mit technischen Abstrichen und zu kleinen Texten.
  • Musik/Sound: Passender, stimmiger Soundtrack.
  • Preis/Leistung: Die 39,99€ UVP sind auf jeden Fall angemessen.

Offenlegung

Wir haben einen PC Reviewcode für Disco Elysium: The Final Cut erhalten. Die PS5 Version haben wir selbst gekauft.

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Manuel Eichhorn
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