Donut County (PS4) im Test – Den Humor kann man nur in Löchern genießen

Wenn Waschbären in einem Ort auftauchen, ist von vornherein klar, dass hier nicht immer etwas Gutes im Hintergrund geschieht. Wenn Waschbären in einem Ort auftauchen und einen Donutladen eröffnen, woraufhin alle möglichen Bewohner und Häuser verschwinden, ist definitiv etwas im Busch. Herzlich willkommen in Donut County, das ich mir auf der PlayStation 4 in unserem Test etwas genauer angeschaut habe.

Der Müll ist unser Heiligtum

Waschbären wühlen gerne im Müll. Das wissen wir. Doch was ist, wenn sie dies nur tun, um mehr über die Bewohner eines Ortes herauszufinden. Um Forschungen zu betreiben und irgendwann die Weltherrschaft an sich zu reißen. Oder zumindest um Forschungen zu betreiben, um irgendwann eigenen Müll produzieren zu können. So hast du es noch nicht gesehen, nicht wahr? In Donut County kann man mehr oder weniger genau von diesem Fall ausgehen, allerdings mit einem gewissen kleinen Extra: Ihr spielt ein Loch, das vom Waschbären BK gesteuert wird, der wiederum in seiner Arbeitsapp einfach nur das nächste Level erreichen will, um einen Quadcopter zu erhalten. Aus diesem Grund sammelt er so viel Müll ein, wie er finden kann. Und wenn dann da eben der eine oder andere Bewohner von Donut County mit dabei ist, dann ist das eben so.

Deine Aufgabe ist dabei ziemlich deutlich: Du sammelst mit dem Loch, das mit jedem eingesammelten Item größer wird, alles ein, was nicht bei drei auf dem Baum ist – und dann schnappst du dir den Baum einfach gleich mit. Was hier nach einer schrägen Idee klingt, spielt sich unheimlich spaßig, denn der Entwickler Ben Esposito hat sich dabei einige Kniffe ausgedacht, um das Ganze in einen modernen Rahmen zu setzen.

Gleich zu Beginn wirst du in einen Chat mit BKs bester Freundin Mira verwickelt, die einfach nur über ihren Alltag schreibt. Sie erzählt außerdem, dass der “Huper” wieder da ist, der vor ihrem Haus Kreise auf seinem Roller dreht und nervig hupt. Wenig später ist Ruhe im Karton, das liegt jedoch an dem Loch, das du gesteuert hast, um den “Huper” verschwinden zu lassen. Und schon nimmt das Ganze seinen Lauf – bis BK selbst verschwindet und wir uns in einem Kampf gegen den Trash König wiederfinden, bei dem es darum geht, dass alle Bewohner ihr Eigentum wieder zurück bekommen. Ob uns das gelingt?

Passender Humor – Schräger Stil

Was gleich zu Beginn von Donut County auffällt, ist der ziemlich passende und schräge Humor, denn wie sollte man eine solche Story auch anders verpacken, als mit einem hervorragenden Humor, der auch gleich noch unsere aktuelle Zeit durch den Kakao zieht? Eben. Und so wünscht uns die App nach jedem erfolgreichen Levelabschluss einen schönen Mülltag. Oder Mira erzählt, dass sie ihren Hund mit Brot füttert, weil er auch nichts weiter als ein großer Laib Brot ist. Oder in der Trashpedia findet man Einträge, in denen steht, dass Häschen auf Sachen rumkauen, weil sie tief in ihre Innern böse sind.

Gleichzeitig geht Donut County auch auf die aktuelle Zeit ein, weswegen wir das Loch beispielsweise über eine App steuern oder BK auf die besorgten Bürger eingeht, die sich freuen würden, wenn der Feuerwerksstand in die Luft fliegt. Oder dass BKs größte Angst ist, dass der Trash King ihm sein Tablet wegnimmt, während alle Bewohner von Donut County gerade unterhalb der Stadt hocken und hoffen, jemals wieder das Tageslicht zu sehen. Das ist unheimlich passend und ist im Grunde wirklich eine Hommage an unser aktuelles Zeitgeschehen. Eine gelungene Mischung aus Aktualität und Jugendkultur, die mir sehr gut gefällt.

In der Kürze liegt die Würze?

Eines möchte ich euch gleich noch ans Herz legen, was im Grunde auch der größte Schwachpunkt an Donut County ist: Es ist viel zu kurz. Das ganze Spiel dauert grob gesagt anderthalb Stunden, dann ist man mit der Story durch. Wenn man dann noch Platin oder alle Errungenschaften möchte, braucht man vielleicht nochmal so grob eine halbe oder dreiviertel Stunde. Überlegt euch also gut, ob euch Donut County das Wert ist, ich persönlich finde, dass es sich lohnt, weil es wirklich ein sehr witziges Spiel ist, das man durch die Länge bestimmt auch in Zukunft nochmal spielen wird. Jedoch ist vor allem dieser Zeitfaktor eher ein großer Kontrapunkt am Spiel.

Dadurch, dass es so viel Spaß macht, die Story von Donut County zu spielen, erschien mir auch das Gameplay nicht überflüssig oder zu viel. Im Gegenteil, nochmal so fünf oder zehn Level mehr hätten dem Spiel wirklich gut getan und hätten sich auch nicht gestreckt angefühlt, denn im Grunde verbringt man im Spiel die erste Hälfte damit, die ganze Stadt einzusaugen, damit BK seinen Level freispielt und den Quadcopter erhält. Die andere Hälfte besteht darin, BK davon zu überzeugen, dass er etwas falsch gemacht hat und die Bewohner und ihr Hab und Gut wieder nach oben zu schicken. Hier ist definitiv Potential vorhanden und ich würde mich über eine Verlängerung definitiv freuen, denn es fühlte sich nicht fertig an, eher so als würde noch etwas kommen.

Löcher, in denen etwas verschwinden kann…

Auf der PlayStation 4 lief Donut County erstaunlich flüssig, obwohl die Konsole schon einige Jahre auf dem Buckel hat, doch das nur am Rande. Hin und wieder neigt das Loch jedoch zu technischen Herausforderungen, denn nicht immer saugt es gleich alles ein, was darin verschwinden soll, doch das macht nichts. Bei mir hat sonst so weit alles funktioniert, wie es funktionieren sollte. Was mir jedoch das erste Mal wirklich negativ an einem Videospiel aufgefallen ist, ist der Soundtrack, der nur so träge im Hintergrund vor sich hin plätschert. Wenn man sich die Thematik betrachtet, einen Blick auf den Humor wirft  und schlichtweg darüber nachdenkt, fällt gleich auf, dass der Soundtrack durchaus ein wenig mehr Pepp vertragen kann. Ich hatte da an etwas Eingängiges gedacht, bei dem man mit den Füßen mitwippen kann. Das hat mir hier wirklich gefehlt.

Gleichzeitig trumpft Donut County auch noch mit verschiedenen Rätseln auf, die man lösen muss, um ins nächste Level zu gelangen. Nicht immer sind die Rätsel wirklich schwierig und genau genommen, gibt es nur ein schwierigeres Rätsel, bei dem man schon ein bisschen mitdenken muss, um wirklich ans Ziel zu kommen. Hier hat mir doch auch noch ein kleines bisschen mehr Köpfchen gefehlt, das man anwenden muss, um an die Lösungen zu gelangen.

Und schon macht man sein eigenes Popcorn im Loch.

Fazit: Ein kurzes, spaßiges Spiel für zwischendurch, das nicht im Sommerloch verschwinden darf

Gleich vorweg: Ich hatte meinen Spaß mit Donut County auf der PlayStation 4 und würde es immer und immer wieder zum selben Preis kaufen. Die Story ist perfekt und humorvoll und zieht das aktuelle Zeitgeschehen hervorragend durch den Kakao, was nicht jedem Titel der heutigen Zeit geschieht. Und, mal unter uns gesagt, wie geil ist das denn bitte, wenn man ein Loch steuert, das einen ganzen Ort mitsamt Bewohner einsaugt? Ich kann euch Donut County sehr ans Herz legen, auch wenn es nur eine sehr kurze Spielzeit von etwa 90 Minuten bis hin zu zwei Stunden verzeichnen kann.

Ja, es hat seine Schwächen, beispielsweise läuft es nicht immer rund und auch der Soundtrack hat ein wenig Pepp verdient, aber trotzdem liebe ich die schräge Story mit ihrem abgefahrenen Humor, die ihresgleichen sucht. Ich kann Donut County jedem empfehlen, der noch auf der Suche nach einem kleinen Spiel für zwischendurch ist, bei dem man ein Loch spielt, das von einem dummen Waschbären gesteuert wird, der einfach nicht versteht, was er da eigentlich gerade tut. Sehr zu empfehlen und bisher eines meines Lieblingsspiele aus dem Jahre 2018.

Technik: 72
Grafik: 92
Sound: 72
Umfang: 40
Gameplay: 83

Spielspaß: 85

  • Story: Du steuerst ein Loch, das von einem Waschbären gesteuert wird und der unbedingt so viel Müll wie möglich einsaugen will. Wie genial ist das denn bitte?
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden, da die Rätsel selbst sehr einfach sind und das Spiel sehr kurz.
  • Wiederspielwert: Für mich ist der Wiederspielwert sehr hoch, dadurch, dass das Spiel so kurz ist, denn so kann ich hin und wieder eine Runde als Loch verbringen und die sehr schräge Story genießen.
  • Design/Stil: Stilistisch hat es seinen ganz eigenen comicartigen und auch witzigen Grafikstil, der sich sehen lassen kann. Für mich hat das alles ziemlich gut zur Story gepasst.
  • Musik: Meh, über den Soundtrack möchte ich nicht sprechen. Er fiel mir bei Donut County immerhin auf, da ich das Gefühl habe, dass er nur im Hintergrund geplätschert hat und nicht so wirklich in den Vordergrund trat. Da habe ich mir mehr gewünscht.
ProContra
+ Spaßiges Spiel mit schrägem Humor- An manchen Stellen ein bisschen buggy
+ Kreative Story, die das heutige Zeitgeschehen aufgreift- Soundtrack plätschert nur im Hintergrund
+ Passender Grafikstil- Sehr kurze Spielzeit, in der man sogar Platin erreichen kann
+ Einfaches und innovatives Gamplay- Rätsel an vielen Stellen viel zu einfach

Mein Name ist Meykota und ich habe schon vieles hinter mir. Ich habe 2014 gemeinsam mit meinem Mann den Palace gegründet, leite mein ganz eigenes Team im Kundenservice und schwinge von Zeit zu Zeit meine flotte Schreibefeder, um die eine oder andere Geschichte auf virtuelles Papier zu bringen. Ich brauche regelmäßig Abwechslung, weswegen es mit mir eigentlich nie langweilig wird.

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