Fairy Tail (PS4) im Test – Gelungene Adaption des Mangas?

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Gleich vorweg: Ich habe den Manga oder den Anime zu Fairy Tail nie gesehen, allerdings hat mich der Titel interessiert. Es klang vom Konzept her irgendwie interessant, eine Welt zu erkunden, in der die Protagonisten sieben Jahre nicht waren. Ich habe mir Fairy Tail also als Außenstehende für euch angeschaut und verrate euch in meiner Review zur PS4 Version, was ich vom Spiel halte und ob ich ihn empfehlen würde.

Sieben Jahre

Fairy Tail beginnt direkt mit einem Kampf gegen einen Gegner, den Natsu und seine Freunde – also die Protagonisten und Teilnehmer der Gilde Fairy Tail – schon länger suchen. Das ist ziemlich praktisch, da auf diese Weise gleich das Kampfsystem erklärt wird. Ein durchaus gelungenes Tutorial. Doch irgendwie konnte mich der Rest des Anfangs absolut nicht mitnehmen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, wer der Typ ist, noch konnte ich der sprunghaften Story wirklich gut folgen:

Nachdem Kampf ist man wieder draußen und unterhält sich, hierbei werden die Protagonisten namentlich eingeführt und ich bekomme eine Überblick, welche Kräfte sie beschwören können. Lucy zum Beispiel kann verschiedene Sternzeichen beschwören, was ich cool finde. Mehr erfahre ich leider nicht über die Charaktere, sondern sehe mich der nächsten Cutscene gegenüber, in der ein Drache einen mächtigen Angriff plant, wir einen mächtigen Zauber einsetzen und mitsamt der Insel, auf der wir sind, verschwinden.

Die Szene war ziemlich cool und emotional gemacht und hat mich ein bisschen mitgenommen. Der Twist danach ist auch ganz nett, denn die Gruppe Fairy Tail war mitsamt der Insel 7 Jahre verschwunden. Eines Tages tauchen alle wieder auf und stellen fest, dass sich niemand mehr so wirklich an die Gilde Fairy Tail erinnern kann, weil sie urplötzlich verschwand. Die Welt scheint sich in dieser Zeit jedoch so gut wie kaum weiterentwickelt zu haben, sodass Fairy Tail einfach wieder da weitermachen, wo sie aufgehört haben: Sie wollen wieder die stärkste Gilde des Königreichs Fiore werden.

Mein Ziel in Fairy Tail ist also auf den ersten Blick, dass ich meine Gilde wieder auf einen A Rang unter die besten Gruppen bringen soll – natürlich verbirgt sich noch ein bisschen was anderes dahinter, auf das ich nicht näher eingehen möchte. Ich nehme also verschiedene Quests an, erfülle Aufgaben und werde von Cutscene zu Cutscene geworfen, die für mich zu großen Teilen keinen Sinn ergeben, denn mich als Serienfremde abzuholen, schafft Fairy Tail nicht.

Okay, dann nimm sie eben als Geisel

Die Story in Fairy Tail fühlt sich für mich sprunghaft an, viele Elemente ergeben keinen Sinn – das liegt jedoch zum Teil daran, dass das Spiel aus mehreren Episoden zusammengesetzt ist. Man hat für den Titel beliebte Story Arcs des Manga genommen und sie in ein Videospiel verwandelt, was wiederum ziemlich cool ist, nur leider für eine relativ zusammenhanglose Story sorgt.

Was mir sehr gut gefällt, sind die verschiedenen Charaktere, die Teil meiner Gilde sind. Hier habe ich ziemlich schnell ein klares Bild, wer wie ist und zum Teil erfahre ich auch, in welchem Verhältnis die unterschiedlichen Charaktere stehen. Doch neben den magischen Fertigkeiten der Truppe erfahre ich dann leider doch nicht mehr. Beispielsweise gibt es einen Kampf gegen eine andere Gilde und die Gegnerin – Flare – droht damit, jemandem etwas anzutun, wenn Lucy nun keine Magie im Kampf einsetzt. Weder habe ich eine Ahnung, wer diese Person ist – es ist mir also relativ egal, was mit ihr passiert – noch ist der Kampf korrekt umgesetzt. Lucy und ich benutzen nach dieser Drohung weiterhin Magie – einfach, weil ich wissen wollte, was passiert – und können Flare trotzdem weiterhin Schaden zufügen.

So gibt es ganz klassische JRPG Beispiele, die mich Fairy Tail irgendwie in einem Licht sehen lassen, in dem es nicht sein sollte. Ganz beliebt im Spiel, und somit vermutlich auch in der Vorlage, sind solche Kämpfe, in denen der Gegner immer mal noch eine zweite oder eine dritte Form auspackt, während meine Charaktere selbst natürlich in den meisten Fällen nur eine Kampfform haben und höchstens mal noch Erwachen können.

Was mir zudem schon immer in JRPGs auf den Keks geht, ist die Tatsache: Ich bin in einem Kampf mit einem Bossgegner. Ich besiege ihn, doch die nächste Cutscene zeigt, wie ich am Boden bin und der Gegner über mir lacht, weil ich so schwach bin. In einem Spiel, das 2020 auf den Markt kommt, finde ich das absolut nicht mehr zeitgemäß. Dann sollte man es anders umsetzen, dass ich zum Beispiel keinen oder nur wenig Schaden mache oder wie auch immer.

Mir hat im Grunde komplett die Bindung zu den meisten Figuren gefehlt, was ich wirklich schade finde. Ich habe schon häufiger Spiele gespielt, die durch Manga/Anime inspiriert waren, aber selten hatte ich solche Schwierigkeiten, in die Story reinzukommen. Immerhin sind die Charaktere halbwegs lustig, so verstehe ich zwar keine Insider, aber kann trotzdem das eine oder andere Mal lachen.

Woah! Das Kampfsystem!

Ein ziemlich großer Pluspunkt ist für mich in Fairy Tail definitiv das Kampfsystem! Auch wenn ich mit der Story und dem restlichen Gameplay nicht sonderlich warm werde, so gefällt mir doch das übertriebene Kampfsystem sehr gut. Die Attacken sind zum Teil so übertrieben mit so vielen Effekten dabei, dass sie schon wieder gut sind. Dabei ziehen die magischen Angriffe entsprechend MP, jeder Angriff verbraucht dabei verschieden viele MP. Zudem wird angezeigt, wie stark die Attacke ist und welche Weite sie hat, denn das Kampfsystem selbst ist zum Teil sehr strategisch.

Nicht nur ist es relevant, zu wissen, ob der Gegner eine Schwäche oder eine Resistenz gegenüber meines Angriffs hat, sondern ich erfahre auch, welche Reichweite meine Attacke hat. So kann ich beispielsweise Attacken auswählen, die gleich mehrere Gegner mit einem Mal angreifen oder ich konzentriere mich nur auf einen Gegner direkt. Das ist ziemlich cool und macht mir jede Menge Spaß, da ich auf diese Weise auch mal mitdenken darf und nicht nur X drücke.

Zudem werden die Attacken bei einigen Levelerhöhungen auch stärker und die Namen verändern sich ein bisschen. Das ist auch ganz nett, denn so hat man nicht immer die “schwache” Attacke vom Anfang, sondern kann sie tatsächlich weiterhin nutzen. Für mich ist das Kampfsystem definitiv ein guter Pluspunkt, zumal es auch rundenbasiert ist und somit ganz gut ins Spiel passt.

Ein bisschen ankreiden muss ich jedoch das generelle Gameplay. Gut ist, dass ich nebenbei viele Items finde, die ich dann für Aufträge oder den Ausbau meiner Gilde nutzen kann. Das ist nett und da merkt man, dass GUST normalerweise größtenteils Atelier Spiele macht. Weniger gut finde ich jedoch die Langsamkeit von allem. Zum Beispiel schließe ich einen Auftrag ab, taucht ein Hinweis auf, dass ich den Auftrag abgeschlossen habe, geht er aus dem Bild, wird er durch den nächsten Auftrag ersetzt, sodass ich manchmal kaum spielen kann, weil ich fast nur warten muss, dass irgendwelche Nachrichten oder Cutscenes laufen. Das stört den Spielfluss wiederum ganz schön.

Die grafische Darstellung von Fiore

Hach, GUST, was soll das nur mit dir werden? Du erreichst immer mal ein gewisses grafisches Level auf einer Plattform und bleibst dann dort hängen. Die einzelnen Charaktere sind zwar sehr schön gestaltet und strotzen nur so vor Details, doch die restliche Welt ist eher mau. Besonders die NPC und die Städte selbst überzeugen mich an der Stelle kein Stück: Wie auch schon bei Atelier Ryza sind viele NPC einfach nur identisch und gefühlt gibt es fünf verschiedene Charaktermodelle, die dann auf den einzelnen Gebieten verteilt wurden. Dass sich diese nicht einmal farblich voneinander unterscheiden, finde ich für 2020 nicht mehr angemessen.

Die Städte wirken zudem einfach nur leblos. Es ist zwar deutlich besser als noch zum Beginn der Generation und zum Teil wurde auch mit Partikelelementen gearbeitet, um die Städte lebendiger wirken zu lassen, aber so richtig funktioniert das irgendwie nicht. Hier habe ich mir deutlich mehr Details und einfach eine schönere Welt gewünscht. Dafür sehen die meisten Gebiete sehr hübsch aus, auch wenn es sich hier größtenteils um Schlauchdungeons handelt, aber immerhin relativ hübsche Schlauchdungeons.

Dafür kann sich Fairy Tail musikalisch sehen lassen. Der Soundtrack ist klasse und untermalt die teilweise mittelalterliche Welt ordentlich. Gefällt mir wirklich gut und animiert auch immer wieder zum Mitwippen des Taktes. Ein bisschen schade finde ich es nur, dass es wieder eine japanische Tonspur gibt und nicht alle gesprochenen Zeilen übersetzt sind, sodass ich besonders bei den Angriffen keine Ahnung habe, was zum Beispiel Lucy sagt – obwohl ich besonders bei ihr das Detail der Angriffe sehr schön finde.

Wenn ich den Anime mit dem Spiel vergleiche, so ist die grafische Umsetzung auf jeden Fall sehr gut gelungen und auch die einzelnen Szenen wurden gut umgesetzt, nur das für Außenstehende eben der Zusammenhang fehlt.

Fazit: Schwierig, schwierig

Fairy Tail ist ein interessantes Spiel, das einen spannenden Anime/Manga in ein Videospiel verwandelt. Von der Adaption her und dem, was ich bisher zum Originalwerk gesehen habe, gehe ich absolut mit, dass es eine gelungene Umsetzung ist. Tatsächlich habe ich jedoch vom Original nicht so viel gesehen, um alles zu verstehen, weswegen mich die Story, die aus beliebten Story Arcs zusammengesetzt ist, nicht wirklich mitnehmen kann. Sie ist für mich viel zu sprunghaft und wirkt dadurch teils zusammenhangslos. Auch die Charaktere überzeugen mich nur teilweise. Zwar stimmt die Chemie zwischen den Figuren hervorragend und lässt mich das eine oder andere Mal laut lachen, doch baue ich sonst nur schwerlich eine Bindung auf.

Zudem kann mich Fairy Tail auch bei anderen Dingen nicht überzeugen, so ist das Gameplay teilweise sehr langsam und schwerfällig, während jedoch das Kampfsystem ein richtiges Kraftpaket ist! Die Kämpfe machen mir wirklich viel Spaß und sorgen für Motivation und Abwechslung. Leider hinkt Fairy Tail auch grafisch ein bisschen hinterher, besonders was NPC und Weltengestaltung angeht. Für mich ist es ein ganz nettes Spiel, bei dem mir die Story mittlerweile zum Teil relativ egal geworden ist, da mich das Kampfsystem bei Laune hält. Ein solches Spiel hatte ich auch noch nie. Ich kann eine Empfehlung für die Fans von Fairy Tail aussprechen, jedoch sollten Reihenfremde lieber nicht zugreifen – sofern sie die Story verstehen möchten.

ProContra
+ Cooles Kampfsystem– Schwerfälliges Gameplaykonstrukt
+ Schönes Charakterdesign…– mangelndes NPC Modell
+ Klasse Soundtrack– Story sprunghaft und zum Teil nicht nachvollziehbar
+ Gute Adaption des Manga/Anime– Einige Storyelemente nicht mehr zeitgemäß
– Zum Teil leblose Spielwelt
– Japanische Tonspur nicht immer übersetzt

Technik: 71
Grafik: 56
Sound: 87
Umfang: 80
Gameplay: 63
KI: 71

Spielspaß: 66

  • Story: Fairy Tail erzählt verschiedene Arcs des gleichnamigen Manga und erzählt somit unter anderem die Geschichte, dass die Gilde Fairy Tail die beste im ganzen Land werden will.
  • Frustfaktor: Beim Spielen gibt es eher keinen Frust, dafür aber bei der Umsetzung der Aufgaben und der Story, die für Außenstehende sehr sprunghaft wirkt.
  • Nachhaltigkeitswert: Ich denke, dass Fairy Tail vor allem bei Serienfans gut ankommt und dort lange für Gesprächsstoff sorgen wird.
  • Design/Stil: Passender Animestil.
  • Musik und Sound: Einfach klasse! Die Musik passt hervorragend zum Setting.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Preis für Fairy Tail ist mehr als angemessen.

Offenlegung

Wir haben uns Fairy Tail auf der PlayStation 4 kostenlos vom Publisher erhalten.

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Beatrice Vogt
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Tokra

Soweit ich etwas dazu sagen darf, das spiel hält sich sehr genau an den Manga und eher weniger an die zusätzlichen Arc‘s der Serie, die Serie ist sehr ausufernd was die zusätzlichen Arc‘s angeht! Als Serien Fan kann ich nur sagen ich hab sehr viel spass daran und ein Spiel auf dem ich auf der PS4 definitiv Platin erspiele.
Allen viel spass bei Fairy Tail die dem Spiel ne Chance geben, allerdings ist es um Welten besser wenn man einen bezug zur Welt hat.