Little Racers STREET (Steam) im Test – Besseres Need for Speed von oben

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Von dem sehr vielfältigen spanischen Indiestudio Milkstone hatten wir unlängst erst das Hardcore-Action-RPG Pharaonic im Test. Nun begeben wir uns etwas mehr in Richtung der Anfänge des Studios zurück: Little Racers STREET ist bereits seit 2012 für PC und Xbox 360 zu haben. Kostenpunkt: Maximal 6 Euro, bestenfalls weniger als ein Euro. Dafür verspricht Little Racers STREET die Einfachheit von Top-Down-Racing kombiniert mit der Faszination von Straßenrennen. Wir haben uns angesehen, was der Titel kann.

Und los geht’s!

Tatsächlich ist Little Racers STREET ein unkompliziertes Spiel: Auch dauerhaft ist dieser kleine Titel perfekt für eine Runde zwischendurch. Die Menüs könnten zwar ansprechender sein und weniger grau und grau, doch dafür geht es ruckzuck los, und das obwohl Little Racers STREET inhaltlich doch Einiges zu bieten hat. Der zentrale Karrieremodus ist zwar unspektakulär inszeniert und im Wesentlichen auch nur ein Rennen nach dem anderen, doch dafür gibt es mehrere verschiedene Fahrzeugklassen, wobei ihr keine komplett abschreiben müsst: Für jedes Karriererennen werden euch fünf „zufällige“ (die Entwickler haben einen großen Pool möglicher Events geschaffen, aus denen jeweils welche herausgepickt werden) Rennen angeboten, von denen ihr eines fahrt – Auch wenn nicht immer jede Klasse angeboten wird, so könnt ihr auch dauerhaft mit eurem Citröen Saxo Verschnitt hier antreten.

Little Racers STREET will wie erwähnt die Fasznination (illegaler) Straßenrennen einfangen, weswegen wir diesen Testbericht mit „Need for Speed von oben“ betitelten. Und auch dass „besseres“ vorne dran steht, hat seinen Grund: Little Racers STREET ist zwar einerseits deutlich simpler gestrickt, andererseits aber anspruchsvoller und vielfältiger. So gibt es Rennen bei Tag und Nacht und sogar verschiedene Wetterbedingungen! Hier ist die Straße nicht pseudo-nass, sondern wenn es regnet oder schneit, merkt man das sogar am Fahrverhalten. Oho!

Alle Strecken siedeln sich auf den gleichen beiden Maps an, die man sogar im „Free Roam“ Modus frei befahren darf. Obwohl die beiden Karten, jeweils Stadt mit Rand- und Außengebieten, keinen großen Eindruck machen, fällt die begrenzte Spielwelt auf den Strecken kaum auf, sondern die unterschiedlichen Absperrungen sorgen dafür, dass die Strecken sogar einen sehr vielfältigen Eindruck hinterlassen. Nicht nur optisch, sondern auch von ihrem Anspruch her: Mal sind sie sehr kurvenreich, mal gibt es lange gerade Stücke, wo ihr die Power eures Nitros so richtig auskosten könnt.

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An alles gedacht

Auch spielerisch ist es faszinierend, wie sehr Milkstone in Little Racers STREET Einfachheit und Anspruch kombinieren konnte: Freilich muss man sich hier nicht auf Feinheiten des Handlings oder von Fahrzeugeinstellungen einlassen, vor allem das Tuning funktioniert lediglich über den Kauf fertiger Pakete wie „Power – Level 2“, aber das Manövrieren der Fahrzeuge über die wie erwähnt teilweise kurvigen Kurse ist nicht ganz ohne. Ob ein Fahrzeug eher auf „Grip“, also auf gute Bodenhaftung, oder „Turning“, also schnelles Lenken ausgelegt ist, merkt man hier auch tatsächlich. Gut gemacht!

In Little Racers STREET haben wir seit Längerem mal wieder ein Spielelement gesehen, welches man nicht mehr in vielen Rennspielen zu Gesicht bekommt: Alle freuen sich über ihr (optisches) Schadensmodell, welches in Little Racers STREET zwar kaum erkennbar ist, dafür aber sinnvoll genutzt wird: Schaden, den wir während des Rennens ansammelt, muss am Ende repariert werden. Die Kosten werden von eurem Preisgeld abgezogen. Wir haben es nie erlebt, dass diese Kosten höher waren als der Gewinn, vermutlich haben die Entwickler hier einen Riegel vorgeschoben, jedoch blieben manchmal von 50.000 Dollar nur noch 10.000 übrig, weil wir so Burnout-mäßig über die Strecken gerauscht sind… Hmpf!

Damit ihr auch im schlimmsten Turbogetümmel nicht den Überblick verliert, wird euer Auto mit einer farbigen Umrandung, die sich je nach Bedarf ändert, hervorgehoben. Im Menü könnt ihr sogar deren Intensität einstellen. Das eigene Fahrzeug verliert man glücklicherweise wirklich nur selten aus den Augen, die KI dagegen schon: Nervig in Little Racers STREET ist der teilweise unausgegorene Schwierigkeitsgrad bzw. die schwankende KI: Vor allem die Anführer des Feldes rauschen häufig auf Nimmerwiedersehen davon, während man die Letzten teilweise mehrfach (!) überrundet. Und das, obwohl ihr im bestmöglich aufgetunten Auto sitzen und der entsprechende KI-Fahrer mit einer Rostlaube unterwegs ist… Teilweise ist somit auch das Frustpotential recht groß.

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Ja, Schäden müssen repariert werden!

Nicht immer, aber immer wieder

Am besten fährt man mit Little Racers STREET somit, wenn man immer mal wieder kurze Runden einlegt, und dafür ist das Spiel auch gemacht. Tägliche Herausforderungen und ein nicht mehr besonders gut besuchter, lobbybasierter Multiplayer bieten noch etwas Abwechslung für Vielspieler, auch wenn es natürlich immer um das Renngeschehen an sich geht. Wenn nicht gegen andere Fahrer, dann höchstens mal gegen die Uhr in einem vorgegebenen Fahrzeug.

Technisch präsentiert sich dieses Erlebnis solide, auch wenn die Performance auf unserem Testrechner hin und wieder etwas zu wünschen übrig lässt. Durch die kleinen Ruckler sind dann insbesondere schnelle Rennen in Little Racers STREET auch sehr anstrengend für die Augen. An Sound und Co. gibt es sonst nichts auszusetzen, sondern es wird für einen solch kleinen Titel ein durchweg solides, wenn nicht sogar sehr gutes Niveau geboten.

Fazit: Klein, aber oho

Little Racers STREET zeigt, dass kleine Spiele großen Spaß bedeuten können: Für eine Runde zwischendurch ist dieser Titel perfekt und inhaltlich wie spielerisch im Grunde sogar vielfältiger als das Spiele wie Need for Speed, die das im Prinzip gleiche Erlebnis nur in eine andere Perspektive und einen größeren Rahmen stecken. Little Racers STREET kämpft lediglich auch mit einigen Macken im KI-Bereich, sodass es die Kontrahenten manchmal mit ihrem Geschwindigkeitsboost übertreiben, manches Mal aber auch viel zu leicht programmiert wurden. Ansonsten könnte die Performance besser ausfallen – Dennoch ein rundum gelungener Titel zum kleinen Preis, den sich Rennspielfreunde auch heute noch anschauen können.

Pro Contra
+ Unkompliziertes, aber doch anspruchsvolles Spielvergnügen – Performance eher instabil
+ Wettereffekte mit Auswirkungen aufs Fahrverhalten – Unausgegorener Schwierigkeitsgrad (KI)
+ Ansehnliche Spielwelt – Präsentation eher trocken (Menüs)
+ Vielfältige Strecken
+ Ansprechendes Fahrverhalten / Steuerung
+ Spürbare Unterschiede zwischen den Fahrzeugen

Technik: 78

  • Grafik: 71
  • Sound: 83
  • Umfang: 85
  • Gameplay: 84
  • KI: 66

Spielspaß: 82

Singleplayer:

  • Frustfaktor: Stellenweise wegen der unausgegorenen Schwierigkeit vorhanden, jedoch gewinnt man immer etwas.
  • Wiederspielwert: Vorhanden – Little Racers STREET bietet ordentlichen Inhalt, eignet sich jedoch vor allem für eine Runde zwischendurch.
  • Design/Stil: Die Präsentation an sich ist teilweise etwas trocken, aber die sonstige Gestaltung der Strecken ist in Ordnung und passt gut zusammen.
  • Musik: Geht vollkommen in Ordnung.

Informationen zum Testgerät (PC)
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 10 Professional (64 bit)

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Manuel Eichhorn
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