Mario Kart Tour (Android) im Kurztest – Nice try, Nintendo, nice try

Nintendo bringt seine großen Marken nach und nach auf mobile Geräte – ein guter Ansatz, denn einige der Formeln bieten sich ja auch ganz vorzüglich für eine Runde zwischendurch an. Mario Kart gehört ganz sicher dazu. Nach einer etwas längeren Wartezeit als gedacht ist Mario Kart Tour nun erhältlich – doch was Nintendo da abliefert, ist im Großen und Ganzen eine Frechheit.

Ich hatte keine bestimmte Erwartungen an Mario Kart Tour. Ich hatte es die ganze Zeit auf dem Schirm, dass es kommt, konnte mich aber bisher noch für keins der Mobilspiele einer Nintendo Marke begeistern und habe daher mit gemischten Gefühlen auf das Spiel gesehen. Klar war für mich: Für ein tolles Mobilspiel ist im Grunde alles vorhanden. Schnelle Rennen, sodass man auch mal für ein paar Minuten unterwegs Spaß haben kann. Und bei allem, wo Mario Kart drauf steht, bin ich grundsätzlich erst mal dabei.

Die Strecken sind schön und das Spiel technisch rund.

Wie sehr man auch schon in die Formel von Mario Kart eingreifen muss, um es auf Mobilgeräten spielbar zu machen, war für mich nicht ganz vorhersehbar. Doch nicht nur das: Man bereichert die Formel durchaus auch, denn so gesehen bietet Mario Kart Tour einige Elemente mehr als das vorzügliche Mario Kart 8. Doch das bringt leider neben wenig Licht vor allem viel Schatten mit sich.

Fangen wir mal beim grundsätzlichen Spielerlebnis an: Richtig aufregend ist das nicht, aber im Großen und Ganzen eben doch spaßig für zwischendurch. Obwohl fast aller tatsächlicher Anspruch aus Mario Kart Tour gewichen ist, muss man beim Fahren trotzdem hochkonzentriert sein. Das Lenken per Wischen mit einem Finger hat durchaus seinen Reiz und ist zumindest für normale Rennen auch eine legitime Steuerungsvarianten. Für die Sondermissionen, die Präzision erfordern, ist es dagegen gänzlich ungeeignet.

Der Anspruch ist deshalb weg, weil Mario Kart Tour praktisch alles automatisch tut. Von der Strecke kann man im Mobilspiel nicht fallen – ein zentraler Spaß- und Frustfaktor in den “großen” Mario Kart Spielen. Ja, in Mario Kart Tour wäre es ausschließlich Frustfaktor, denn es würde ständig passieren. So präzise ist die Steuerung eben nicht. Die Streckenbegrenzungen werden nur geöffnet, wenn ein Turbo aktiv ist, sodass man Abkürzungen ausnutzen kann. Ist der Turbo vorbei, wird man auf magische Weise zurück auf die Strecke geschoben.

Sogar Items schießt die Spielfigur in Mario Kart Tour automatisch ab, nämlich dann, wenn man eine neue Kiste einsammelt. Items zum Schießen werden automatisch hinter dem Kart zur Abwehr gehalten, also ist noch etwas weg, das im gewöhnlichen Mario Kart Konzentration verlangt. Die einzige Herausforderung besteht jetzt also im Lenken, was okay ist, aber eben auch nur für kurze Sessions. Betrachtet man es mal kritisch, würde glaube ich niemand freiwillig so ein Rennspiel spielen wollen. Eine Neigungssteuerung gibt es optional aber auch.

Eine große Stärke von Mario Kart Tour sind die Strecken, die aus bisherigen Ablegern übernommen, allerdings großartig visuell aufpoliert wurden. Ich finde, Mario Kart Tour sieht auf meinem Handybildschirm deutlich besser aus als auf der Switch. Hier hat Nintendo wirklich alles gegeben. Die Qualität schwankt zwar etwas, aber im Großen und Ganzen bin ich völlig angetan und die Performance ist auf meinem UMIDIGI S3 Pro hervorragend.

Spielerisch sind die Strecken dagegen nicht so spannend, eben weil zentrale Herausforderungen (enge Kurven) einfach keine mehr sind. Hier hat Mario Kart schon lange gegen die Konkurrenz zu kämpfen und spätestens hier sind die Strecken einfach nur spielerisch belanglos.

Gehe ich von diesem Grundsatz aus, ist Mario Kart Tour also kein wirklich aufregendes Spiel, aber immerhin eins, mit dem man durchaus zwischendurch Spaß haben kann. Und ja, es ist auch ein Spiel, für das ich mir vorstellen kann, zehn oder 15 Euro zu bezahlen, um es dauerhaft spielen zu können. Doch diese Option gibt es nicht. Stattdessen gibt es all das, mit dem Nintendo Mario Kart Tour schon jetzt kaputt gemacht hat.

Für mich geht es schon los mit diesem Faken der Spielersuche. Mario Kart Tour gaukelt einem vor jedem Rennen vor, nach Spielern zu suchen und alle Kontrahenten auf der Strecke haben auch entsprechende Namen – in verschiedenen Sprachen und solche Namen, die klar nach echten Spielern klingen. Die Spielersuche geht aber immer sekundenschnell, Lags gibt es auch keine … Ja, natürlich sind es die gewöhnlichen KI Fahrer, mit denen wir es hier zu tun bekommen, und die sind meistens auch noch ziemlich billig.

Es hat Potential, aber das hier ist irgendwie einfach nur frech. Jede Bereicherung wird zum Geldverdienen benutzt.

Im Hauptmenü kommt dann raus, dass es einen Mehrspielermodus in Mario Kart Tour gar noch überhaupt nicht gibt – dieser wird später nachgereicht. Warum tut man sowas? Könnte man den Einzelspielermodus nicht einfach so gestalten, wie in jedem anderen Mario Kart auch? Ja, dieses Verhalten unterstreicht den Tour Charakter des Spieles, aber ich fühle mich wirklich einfach nur verarscht.

Was der Mario Kart Formel wirklich gut tut, sind die Bonuspunkte, die man für jede Aktion sammelt. Fahren im Windschatten? Punkte. Eingesammeltes Item? Punkte. Sprung? Punkte. Was man aus vielen anderen Rennspielen seit Jahren schon kennt, hat selbst um Mario Kart 8 noch eine große Kurve gemacht. Auch, dass bestimmte Figuren, Karts oder der Gleiter Boni auf bestimmten Strecken mitbringen.

Ich wünsche mir, dass das auch in Mario Kart 9 mit einem vergleichbaren Modell Einzug hält. Doch ich zweifle daran, denn in Mario Kart Tour befeuert man auf diese Weise nur das freche und überall präsente Lootbox- und Echtgeldsystem.

22 Euro hier, fünf Euro da, und zu allem Überfluss auch noch der Gold Pass, der für 5,49€ im Monat nicht nur mehr Belohnungen, “Geschenke” und Items, sondern auch überhaupt erst die 200 ccm Klasse freischaltet, die einem sonst verwehrt bleibt. Ob man sie in Mario Kart Tour braucht, sei mal dahingestellt.

Ich will gar nicht weiter auf den Ingame-Käufe Wahnsinn eingehen, den Nintendo da verzapft. Das solltet ihr euch selbst ansehen. Mario Kart Tour ist ja zum Glück “Free to Play”.

Fazit: Nein, danke

Werde ich Mario Kart Tour in einem Jahr noch spielen? Nein, sicher nicht, außer es bekommt ein großes Update und wird ein ehrliches Spiel. Das ist es nämlich nicht und damit auch ein Armutszeugnis für Nintendo. Ganz grundsätzlich nimmt Mario Kart Tour zwar fast jeden Anspruch aus der etablierten Formel, bietet aber ein spaßiges Erlebnis und bereichert sie andererseits sogar mit einem Punktesystem innerhalb der Rennen, was gern auch im nächsten großen Ableger Einzug halten darf. Unnötig ist aber das Vortäuschen einer Spielersuche und eines (noch) gar nicht vorhandenen Multiplayers. Einfach nur noch frech ist davon abgesehen das Modell mit Ingame Käufen. Mario Kart Tour dürfte gern einen Zehner oder auch mehr kosten, ich würde es mir kaufen. So kann ich nur leider mit dem Spiel nichts anfangen. Und bin erstaunt, dass Nintendo, normalerweise so resistent bei sämtlichen Innovationen, die mit dem Internet zu tun haben, beim Profitmachen mit Mobilegames so schnell gelernt hat.

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