Rainbow Moon (PS4) im Test – Über taktische Abenteuer und kleine Stolperfallen

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Rainbow Moon ist schon ein bisschen älter: Tatsächlich erschien der Titel des deutschen Entwicklers SideQuest Studios bereits 2012 für die PS3 und ein Jahr später für die PS Vita. Während die Entwickler nun am Nachfolger schrauben, ließ es man es sich natürlich auch nicht nehmen, den Erstling noch einmal für PS4 umzusetzen. Ist Rainbow Moon in der Zwischenzeit gut gereift oder schlecht gealtert? Wir haben es herausgefunden, unser Test verrät mehr.

Klassisch, taktisch, gut

Schon bei seinem Erscheinen hätte man Rainbow Moon ankreiden können, dass es ja schlicht und einfach veraltet sei. Aber: Es macht das, was es tut, richtig gut! Als „vorgefertigter“ Held landet ihr in der Spielwelt Rainbow Moon und es ist eigentlich euer Ziel, von dort wieder wegzukommen. Doch das ist gar nicht so leicht. Um es in Spielstunden auszudrücken: Die Entwickler versprechen mindestens 40 Stunden gute Unterhaltung mit Rainbow Moon und so lange kann man sich mit dem Spiel auch beschäftigen.

Großartig viel Story gibt es sonst übrigens nicht: Hier und da erfahrt ihr durch die Quests etwas über die Welt und über die NPCs, aber mit großartigen Cutscenes oder seitenlangen Ausführungen braucht ihr nicht zu rechnen. Dennoch wird die Welt sehr stimmig inszeniert und trotz der recht kompakten Ausmaße aller Gebiete und Dungeons hat man schon den Eindruck, sich in einem großen Abenteuer wiederzufinden.

Direkt, wenn ihr loslauft, merkt ihr, dass sich Rainbow Moon an klassischeren Spielen orientiert: Die Fortbewegung läuft nämlich feldweise ab. Das fällt zwar nicht so auf und ihr müsst auch nicht ständig wieder den Stick bewegen, um die Figur zum Laufen zu bringen, jedoch merkt ihr schon, dass sie anstatt diagonal nach links unten erst ein Feld nach links, dann ein Feld nach unten geht, oder umgekehrt. Meistens sind die Fortbewegungsmöglichkeiten eher beschränkt, da viele Wege relativ eng sind.

Auch die Kämpfe halten sich an dieses Prinzip: Gefechte sind in Rainbow Moon streng rundenbasiert und in jedem Zug könnt ihr die Spielfigur ein Feld bewegen oder einmal angreifen. Das ist nur am Anfang zäh, denn bald schaltet ihr den ersten „Sub-Turn“ frei (Rainbow Moon gibt es nach wie vor nur auf Englisch!). Dann habt ihr schon zwei Möglichkeiten zu handeln, also zweimal bewegen, einmal bewegen und einmal angreifen, zweimal angreifen usw….

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Freie Charakterentwicklung? Nö!

Wer mittlerweile von diversen RPGs verwöhnt ist und erwartet, aus seinen Abenteurern genau das machen zu können, was er möchte, kommt mit Rainbow Moon nicht auf seine Kosten. Hinsichtlich der Figuren bekommt ihr vor allem am Anfang recht strenge Vorschriften: Euer erster Held ist ein Schwertkämpfer, nach knapp zwei Spielstunden bekommt ihr eine Bogenschützin. Auch die „Skills“, also besondere Fertigkeiten, die abgesehen von der normalen Attacke noch zur Verfügung stehen, sind zahlenmäßig eher begrenzt und müssen in Form von Schriftrollen beim Händler gekauft oder gefunden werden.

Je öfter man einen Skill einsetzt, desto stärker wird er, da er im Level steigt. Hier kristallisiert sich eigentlich schnell ein individueller Favorit heraus, da manche Skills eher umständlich einzusetzen sind. Eure Freiheit hinsichtlich der Charakterentwicklung besteht darüber hinaus darin, dass ihr die mit jedem Kampf verdienten Rainbow Pearls in bestimmte Charakterattribute investieren könnt, also z.B. mehr Stärke, was euren Angriffen mehr Durchschlagskraft verleiht, oder in mehr Verteidigung, oder gar in mehr Lebenspunkte…

Das sind Entscheidungen, die gerade zum Anfang gut überlegt sein wollen, denn auch auf leichterem Schwierigkeitsgrad haben es manche Kämpfe in Rainbow Moon ganz schön in sich. Das Stichwort lautet: Trainieren, trainieren, trainieren. Training ist alles, und wer genug trainiert hat, hat in den folgenden Kämpfen eigentlich keine Probleme. Auf der Map sind zum einen direkt sichtbare Gegner unterwegs. Hier muss man aufpassen: Man wird zwar über die Anzahl der Feinde informiert, jedoch bestehen die Gruppen aus Gegnern unterschiedlichen Typs, was teilweise fies werden kann, wenn man auf dem Schlachtfeld insgesamt neun oder mehr Feinden gegenübersteht. Dann gibt es noch Zufallskämpfe, die aber nicht automatisch ausgelöst werden, sondern die ihr annehmen oder einfach ignorieren könnt. Hier wird man genau darüber informiert, welchen Feinden man gegenüberstehen wird. Vorsicht: Die Zufallskämpfe sind oftmals leichter, teilweise aber auch viel schwieriger als andere Gefechte. Also immer die Gegnergruppen ansehen, und nicht einfach „X“ zum Beginnen des Kampfes drücken!

Die Kämpfe bekommen mit der Zeit immer mehr taktische Elemente verpasst: Verschiedene Kampfformationen sind möglich, sodass ihr bestimmte Figuren in die Angriffs- oder Verteidigungsposition stellen könnt. Dadurch, dass die erwähnten Rainbow Pearls nur von derjenigen Figur verdient werden, die Gegnern den letzten Schlag verpassen, kommt noch eine weitere wichtige Komponente ins Spiel: Figuren, deren Attribute verbessert werden sollen müssen also auch mal Feinde erledigen. Die Levelaufstiege allein, die durch die automatisch verdienten Erfahrungspunkte erreicht werden, bringen nämlich nichts, sondern ermöglichen nur, die Attribute weiter auszubauen. Man muss in Rainbow Moon also auf ziemlich viel achten.

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Bei den Zufallskämpfen werden euch mehr Informationen geliefert als bei den anderen.

War ich hier schon?

Zunächst gibt euch Rainbow Moon auch sonst den Weg ziemlich genau vor: Gerade das Abenteuer auf der ersten Insel ist eher linear aufgebaut und ihr werdet Quest für Quest durchgeschleust, die Nebenquests könnt ihr ebenfalls nicht vor einem bestimmten Zeitpunkt abschließen, da die benötigten Items schlichtweg nicht droppen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich Rainbow Moon nach dem Abschluss dieses ersten Abschnitts doch öffnet.

Spätestens, wenn ihr Boote leihen könnt, bleibt es euch überlassen, was ihr zuerst erkundet. Die (Haupt-)Quests geben euch zwar weiterhin einen roten Faden an die Hand und euer nächster Einsatzort wird auch auf der Weltkarte markiert bzw. lässt sich zur Not auch im Questlog nachlesen, jedoch könnt ihr euch auch an ein gänzlich anderes Gebiet vorab heranwagen. Da sind wir dann auch wieder beim Thema: Trainieren! Mehr Kämpfe zu absolvieren bedeutet auf kurze und lange Sicht, leichteres Spiel zu haben.

Hin und wieder kann es trotzdem zu frustigen Auseinandersetzungen kommen, da manche Gegnertruppen einfach sehr stark sind… Haben wir schon erwähnt, dass ihr trainieren solltet? Hin und wieder tut einem aber auch die KI in den Kämpfen einen Gefallen, da sie sich gerade bei durch Loot blockierte Felder zu mitunter dämlichen Aktionen hinreißen lässt. Das führt manchmal soweit, dass man sie dann einfach schön der Reihe nach abservieren kann – Das hat auch etwas mit kluger Positionierung auf dem Schlachtfeld zu tun!

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Wo zum…? Die Dungeons haben es manchmal ganz schön in sich.

Steuerung mit Stolperfallen

Ein dritter Beteiligter in den Kämpfen kann bisweilen auch die Steuerung sein. Wie wir eingangs erwähnt haben, bewegt ihr euch Feld für Feld fort. Doch gerade, wenn es ums Laufen in den Kämpfen geht, ist nicht immer nachvollziehbar, in welche Richtung ihr das Steuerkreuz des Controllers drücken müsst, um wohin zu laufen. Wer hier schnell macht und nicht auf die Anzeige achtet, macht oft was Falsches.

Ebenso muss man daran denken, bei mehreren Sub-Turns das Laufen-Menü wieder zu verlassen, wenn man nach der Fortbewegung noch angreifen möchte, sonst läuft man aus Versehen nochmal. Das ist hin und wieder verwirrend und hat uns öfter wertvolle Spielzüge gekostet. Besonders gemein ist, dass Wände und Objekte auf den abgrenzten Schlachtfeldern teilweise die eingeblendeten Richtungen überdecken, sodass man mehr oder weniger raten muss, welche Tasten des Steuerkreuzes man drücken muss, um in die geplante Richtung zu laufen.

Technisch macht Rainbow Moon sonst nichts falsch. Der Grafikstil ist beeindruckend stimmig und macht auch auf der PS4 eine gute Figur, besticht aber keineswegs mit Realismus, sondern eher mit seinem gezeichneten, magischen, bisweilen witzigen Stil. Die Musikuntermalung ist dauerhaft gut und wird auch nicht langweilig. Je nach Gebiet unterscheidet sich die Kampfmusik, sodass sie einem nie auf den Geist geht. Ach ja, ein technisch-spielerischer Segen ist das freie Speichersystem, das euch euren Fortschritt jederzeit sichern lässt. Vorsicht: Speicherpunkte oder automatisches Speichern gibt es dafür nicht. Spielstände können auch unkompliziert in die Cloud geladen werden, um sie auf der PS3 oder der Vita mit Rainbow Moon verwenden zu können.

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So wie hier werden die Steuerelemente manchmal ganz gerne verdeckt.

Fazit: Ein feines RPG mit genügend ‚Epicness‘

In gewisser Weise ist Rainbow Moon ein kleines, aber feines Spiel: Nicht nur, weil es u.a. für die PS Vita erschienen ist, sondern auch, weil zunächst alles so einen überschaubaren Eindruck macht. Das erste kleine Spielgebiet, die eher enge Charakterentwicklung… Doch in Rainbow Moon steckt mehr, als man zunächst denken mag. Ein insgesamt tolles Abenteuer, eine stimmige Spielwelt, die schließlich doch genügend Anlass zum Erkunden bietet, ein anspruchsvolles, taktisches Kampfsystem, das bisweilen auch frustrierende Begegnungen beinhaltet… Rainbow Moon unterhält unheimlich gut und man bekommt für die investierten 15€ ein viele Stunden langes Abenteuer geboten. Abgesehen von der etwas merkwürdigen und verwirrenden Steuerung gibt es nicht viel auszusetzen. Und was hinsichtlich der Freiheiten jetzt noch nicht ist, kann ja mit dem Nachfolger Rainbow Skies noch werden!

Pro Contra
+ Stimmiger Stil – Steuerung hin und wieder nervig und verwirrend
+ Genügend Freiheiten trotz enger Charakterentwicklung – Teils dämliche KI-Aktionen
+ Taktisch und anspruchsvoll – Stellenweise frustrierend
+ Größer als zunächst gedacht
+ Gelungene Musikuntermalung

Technik: 79

  • Grafik: 85
  • Sound: 85
  • Umfang: 89
  • Gameplay: 68
  • KI: 68

Spielspaß: 85

Singleplayer:

  • Story: Wie entkommt man aus Rainbow Moon? Findet es heraus und trefft weitere Abenteuer. Unterwegs erwarten euch genügend Quests und andere Abenteuer.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden. Das Stichwort lautet: Trainieren! Manchmal nervt aber auch die Steuerung.
  • Wiederspielwert: Rainbow Moon unterhält für den kleinen Preis sehr lange. Für mehr Herausforderung kann man zum höheren Schwierigkeitsgrad greifen.
  • Design/Stil: Stimmig und gelungen. Technisch gibt es nichts auszusetzen.
  • Musik: Die Musikuntermalung ist sehr gelungen. Eine Synchro fehlt aber fast gänzlich.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4 500GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 2 Jahre, 2 Monate (PS4 Launchkonsole)

Wir bedanken uns bei eastasiasoft für die Bereitstellung des Pressemusters zu Rainbow Moon!

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Manuel Eichhorn
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