Riptide GP: Renegade (PS4) im Test – Große Herausforderungen im kühlen Nass

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Vector Unit feierte 2010 ein erfolgreiches Debüt als Entwickler von Rennspielen mit dem Release von Hydro Thunder Hurricane, einem der erfolgreichsten Titel des dritten Summer of Arcade auf Xbox 360. Danach zog sich das Entwicklerteam aber vorerst aus dem Konsolenspielemarkt zurück, bis man im letzten Jahr Umsetzungen der Mobilspiele Riptide GP 2 und Beach Buggy Racing für Konsolen herausbrachte. Vector Unit konnte uns mit diesen Spielen überzeugen – Nun verspricht man, mit Riptide GP: Renegade einen Titel herauszubringen, der gleich mit den Konsolen im Hinterkopf entwickelt wurde. Unser Test verrät, ob das Spiel dem Anspruch gerecht wird.

Größer, schöner, besser

Spielern von Riptide GP 2 auf PS4 oder anderen Konsolen wird Riptide GP: Renegade grundsätzlich vertraut vorkommen: An Bord eures Jetboots stellt ihr in verschiedenen Events euer Können unter Beweis und werdet dabei teilweise ganz schön hart rangenommen. Das spielerische Erlebnis auf der Strecke ist grundsätzlich fast unverändert, und auch optisch wie musikalisch erkennt man viele Elemente als Spieler des Vorgängers oder anderer Vector Unit Titel wieder. Das soll aber nicht heißen, dass sich die Entwickler mit mehr vom Gleichen oder gar Recycling zufriedengeben: Größer, schöner, besser lautet stattdessen die Devise.

Riptide GP: Renegade bietet eine umfangreiche Kampagne, die dieses Mal auch mit einer Story daherkommt: Ein cineastisches Erlebnis braucht ihr zwar nicht erwarten, aber durch den recht seichten und bisweilen auf Witz und Easter Eggs getrimmten Plot bekommen die Rennen zu Wasser einen Sinn – Da geht es um rivalisierende Racer und die Vormacht auf dem Wasser. Durch das Besiegen der Bosse erweitert ihr euer Raster an verfügbaren Fahrern und schaltet zudem ihre entsprechenden Jetboote frei. Dieser Fortschritt ist dieses Mal also storybedingt, im Unterschied zu Riptide GP 2 könnt ihr keine neuen Boote kaufen, sondern müsst sie so freischalten. Bei den Booten gilt: Jedes neue Boot ist schneller und lässt sich höher upgraden als das vorherige; Die Fahrer weisen keine spielerischen Unterschiede auf, jedoch stehen einige (optionale) Abschnitte in der Story nur bestimmten Fahrern zur Verfügung.

Während Riptide GP: Renegade so vom grundsätzlichen Konzept und vom Aufbau her schon eher einem Konsolenspiel würdig ist, hat sich nicht viel daran geändert, dass man das Spiel auch wunderbar eine Runde zwischendurch spielen kann. Vor allem an den Strecken merkt man aber auch sonst den größeren Maßstab: Die Auswahl an Strecken ist zwar leider noch immer relativ überschaubar und es gibt auch keine modifizierenden Faktoren wie Tag- und Nachtwechsel oder verschiedene (dynamische!) Wetterbedingungen, jedoch sind die Strecken detailreicher, lebendiger, dynamischer, da sie sich teilweise im Verlauf der Runden verändern, und zudem manchmal auch länger sowie spektakulärer. Einige Strecken kommen auch mit Abkürzungen daher, die man dann aber recht schnell herausgefunden hat.

Riptide GP Renegade PS4

Auch für die verschiedenen Eventtypen werden die Strecken teilweise modifiziert: In den Freestyle-Rennen, in denen es um das Punktesammeln durch die Ausführung von Stunts geht, werden so noch mehr Schanzen platziert oder zusätzliche Passagen aktiviert, sodass ihr mehr Stunts ausführen könnt. Die Stunts sind ohnehin dauerhaft im Spiel ein wichtiger Aspekt, denn auch in den Rennen werdet ihr ohne Stunts nicht lange bestehen, da ihr Turbo für das geglückte Ausführen erhaltet. Und ohne diesen zieht die KI gnadenlos an euch vorbei.

Im Zusammenhang der Stunts und allgemein der Rennen zeigt sich, wie geschmeidig die Steuerung von Riptide GP: Renegade von der Hand geht. Vor allem im direkten Vergleich fühlt sich Riptide GP 2 auf Konsolen teilweise etwas störrisch und steif an, auch das Wasser schien etwas zu „hart“ – Riptide GP: Renegade fühlt sich dagegen sehr weich und dynamisch an, die Jetboote steuern sich wesentlich geschmeidiger, es wird aber trotzdem ein solider Eindruck von Wasserwiderstand vermittelt.

Die Stunts tragen solche Namen wie „Tabeltop“, „Umgedrehte Pizza“, „Todeswunsch“ oder „Höhlenmensch“ und werden mit beiden Analog Sticks ausgeführt, die in verschiedenen Kombinationen bewegt werden müssen. Die einfachsten Stunts fordern von euch beispielsweise, beide Sticks nach rechts zu drücken, die kompliziertesten erfordern dann drei Schritte hintereinander. Führt man die richtigen Kombinationen aus, geht das ebenfalls gut und flink von der Hand – Teilweise kann die Struktur aber ein kleines bisschen verwirrend sein, weil es beispielweise egal ist, ob man die Sticks nach links oder rechts drückt, nicht aber, ob nach oben oder unten. So geht manches Mal auch ein Stunt schief. Wir haben uns irgendwann einen Zettel mit den besonders punkteträchtigen Stunts in Sichtweite gelegt – Ja, tatsächlich…

Riptide GP Renegade PS4

Auch Riptide GP: Renegade merkt man nicht gleich zum Anfang an, welch herausforderndes Spiel hinter der flotten und arcadigen Fassade steckt. Riptide GP: Renegade ist genau das: Herausfordernd. Später werden keine Fehler mehr verziehen und ihr müsst euch richtig ins Zeug legen, um Erfolg zu haben. Generell gilt, das alles schaffbar ist: Zumindest der dritte Platz und damit ein Stern in der Veranstaltung ist immer drin, auch drei Sterne (erster Platz) sind schaffbar, auch wenn schnell frustrierte Spieler vielleicht auch mal einen Controller gegen die Wand feuern könnten.

Riptide GP: Renegade leidet ähnlich wie die anderen Vector Unit Spiele daran, dass die Schwierigkeit nicht immer ganz geschickt verpackt ist. Im Spielverlauf wird einfach ordentlich an der KI geschraubt, sodass diese immer schneller und schneller wird. Auch bei einem wirklich guten Rennen kann man so oft nur Millisekunden Vorsprung herausfahren, oder wird sogar in den letzten Metern vor dem Ziel noch einmal überholt, weil die KI wieder den Turbo zündet. So sollte man sich einige Taktiken zurechtlegen, wie beispielsweise selbst noch etwas Turbo für die letzten Meter übrig zu haben. Warum einen dann auch Fahrer mit angeblich langsameren Hydrojets ganz problemlos überholen können, ist eine Frage, die Rennspielfans noch nie restlos klären konnten… In den Slalom- oder Freestyle-Events kämpft ihr nur gegen statische Daten, die ihr besiegen müsst. Auch das ist teilweise tricky, insbesondere wenn ihr irgendwann knapp 2.000 Stuntpunkte erreichen sollt. Da müsst ihr experimentieren und hoffen, um erfolgreich zu sein. Heißt: Irgendwann muss man sich auch mit noch so kleinen Events beschäftigen.

Technisch und spielerisch gibt es sonst kaum Aspekte, die euch negativ beeinflussen können. Für etwas mehr Frust können teilweise die Cops auf der Strecke sorgen, die euch notorisch nerven und seltsamerweise häufig nur euch rammen und ausbremsen… Grml! Dabei ist ihr Verhalten relativ stark gescriptet, da sie auf vielen Strecken immer an der gleichen Stelle einfach aufgeben und anhalten, nur um in der nächsten Runde neu zu spawnen. Auch das hätte man geschickter verpacken können.

Technisch liefert Riptide GP: Renegade ansonsten ein immerhin solides Gesamtbild ab. Im Hinterkopf muss man behalten, dass auch dieser Titel letztlich doch für mobile Plattformen erscheinen wird, was man ihm unterm Strich natürlich durchaus ansieht. So sind die Texturen nicht immer so, wie sie sein könnten, jedoch sind für PS4- Verhältnisse besonders die streckenabhängig starken Pop-Ups von Objekten oder das Nachploppen der Texturen ärgerlich. Auch das war schon in den vorherigen Vector Unit Spielen auffällig, ist dieses Mal aber noch etwas stärker. Durch die recht detaillierten Strecken und das zudem schnelle und ruckelfreie Spielerlebnis geht die Gesamttechnik aber insgesamt durchaus in Ordnung. Erwähnenswert sind jedoch noch kleine Darstellungsfehler bei den Storytexten oder auch Übersetzungsfehler in diesen – Vermutlich fehlte hier die Zeit für Korrekturlesungen!

Splitscreen und Online Multiplayer

Auch abseits der Kampagne hat Riptide GP: Renegade Einiges zu bieten – So gibt es natürlich schnelle Rennen sowie die Rangliste, wo ihr in Zeitrennen unter anderem gegen eure Freunde antreten könnt. Ansonsten ist erfreulicherweise auch wieder der Splitscreen für bis zu vier Spieler an Bord, in dem ihr – das Feld aufgefüllt mit KI-Fahrern – an einer Konsole um die Wette rauschen könnt.

Erstmals dabei ist in Riptide GP: Renegade auch ein einfach gestrickter Online-Mehrspielermodus für bis zu acht Spieler. Dieser bietet sogar drei Geschwindigkeitsstufen, sodass jeder auf seine Kosten kommt, ansonsten gibt es ein gewohnt einfaches Lobbysystem, wobei eine Schnelle Suche den Spielstart erleichtert. Wir konnten zum aktuellen Zeitpunkt den Multiplayer leider noch nicht testen, da wir im Vorfeld des Launches noch keine Mitspieler gefunden haben. Wir werden diesen Textabschnitt noch ergänzen und behalten uns auch vor, die Wertung für Riptide GP: Renegade ggf. anzupassen.

Fazit: Mehr ist dieses Mal mehr!

Riptide GP: Renegade zeigt, dass mehr manchmal tatsächlich mehr ist und dass Spiele mit dem Grundsatz „schöner, größer, besser“ durchaus sehr gut funktionieren können. Durch die umfangreiche Kampagne mit Story, die überarbeitete Steuerung und die detailreicheren und lebendigeren Strecken ist Riptide GP: Renegade im Vergleich zu Riptide GP 2 in fast allen Belangen ein besseres Konsolenspiel. Durch die technischen Limitierungen, die etwas überschaubare Streckenanzahl sowie den Verzicht auf modifizierende Faktoren wie zum Beispiel Streckenbedingungen merkt man aber durchaus, dass auch dieser Titel für mobile Plattformen vorgesehen ist. Das ändert nichts daran, dass Riptide GP: Renegade trotz einiger frustrierender Stellen und einer immer noch verbesserungswürdigen KI jede Menge Spaß macht, und vor allem, dass man für 14,99€ ganz viel Spiel bekommt, das dieses Mal sogar mit einem Online-Mehrspielermodus daherkommt. Vector Unit hat auch in Aussicht gestellt, dass es noch weitere inhaltliche Updates für das Spiel geben kann. Gemeinsam mit dem Vorgänger ist Riptide GP: Renegade einer der wenigen Hydrojet-Racer am PC- und Konsolenmarkt, definitiv aber der beste!

Pro Contra
+ Detailreiche und lebendige Strecken – Streckenauswahl eher überschaubar
+ Umfangreiche Kampagne mit Story – Deutliche Pop-Ups und nachladende Texturen
+ Butterweiche Steuerung – Teilweise frustrierend (KI!)
+ Gelungenes Stuntsystem und viele Tricks – Kleine Fehler in der Übersetzung
+ Lokaler Splitscreen (4 Spieler) + Online-Multiplayer – Stunts können verwirren
+ Anspruchsvolles Spielerlebnis + optionale Herausforderungen – Auffällig gescriptete Cops

Technik: 80

  • Grafik: 79
  • Sound: 83
  • Umfang: 89
  • Gameplay: 81
  • KI: 68

Spielspaß: 85

Singleplayer:

  • Story: Nichts Großartiges, aber immerhin ein vorhandener und bisweilen witziger Plot rund um die Racer auf dem Wasser!
  • Frustfaktor: Teils sehr hoch – Die KI präsentiert sich teilweise zu überholfreudig.
  • Wiederspielwert: Der Umfang passt und insbesondere Trophäenjäger dürften sich auch den größen Herausforderungen stellen.
  • Design/Stil: Dystopisch gelungen.
  • Musik: Die Musik erinnert eher an die Mobilespiele-Herkunft der Entwickler, unterstreicht das Geschehen aber passend.

Wir bedanken uns bei Vector Unit für das Pressemuster zu Riptide GP: Renegade!

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Manuel Eichhorn
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