Rise of Industry (Steam) im Test – Auf dem Weg zum Profit- und Logistikexperten

Ich muss ehrlich zugeben: Meine Faszination für Strategie- und Aufbauspiele hat gehörig nachgelassen und so ganz mein Genre deckt Rise of Industry daher mittlerweile nicht mehr ab. Aber: Beim Ausprobieren dieses netten Titels, der gut ein Jahr im Early Access verbracht hat, frage ich mich mal wieder: Warum eigentlich? Es macht Spaß, sein eigenes Handelsimperium aufzubauen. Was genau euch erwartet, erfahrt ihr im Test.

Der Titel fasst eure Aufgabe gut zusammen: Es geht in Rise of Industry darum, nach und nach neue eine funktionierende Industrie aufzubauen und mit euren Produkten ein gutes Geschäft zu machen. Doch dazu gehört eben nicht nur, die Produkte mit einem Gewinn zu verkaufen, sondern auch, die Produkte an sinnvollen Orten zu produzieren und ganz nebenbei noch die Umwelt nicht zu sehr belasten.

Was mir Rise of Industry wirklich sehr gut gefallen ist, ist die Tatsache, dass man auch als Einsteiger oder jemand, der schon Jahre kein Spiel dieser Art mehr angefasst hat, wirklich gut reinkommen kann. Vor dem ersten Spielstart gibt es eine riesige Anzahl an Einstellungen, mit dem man sich sein Spiel zurechtbasteln kann – das gilt sowohl für die Kampagne als auch den Sandboxmodus.

Sind der Startkredit und die sonstigen Einstellungen niedrig genug, wird auch ein Anfänger ein recht erfolgreiches Imperium aufbauen können und das Ende des Spieles erreichen: Das ist in der Kampagne geschafft, wenn entweder der Prototyp eines Autos, eines Großrechners, oder eines fertigen Abendessens erforscht sind. Ihr erahnt es schon: Diese Produkte sind allesamt Produkte aus vielen verschiedenen anderen Rohstoffen und Produkten. Alleine dafür braucht es eine umfangreiche Transportkette.

Am Anfang könnt ihr erst einmal ganz genau einstellen, wie euer Spiel sein soll – für Einsteiger und Profis!

Machbarer Einstieg, lückenhafte Übersetzung

Wir haben Rise of Industry mit einer Vorabversion gespielt, die tendenziell auf Deutsch verfügbar ist. Momentan sollten all diejenigen, die der englischen Sprache nicht oder nur bedingt mächtig sind, dennoch noch einen Bogen ums Spiel machen: Die deutsche Übersetzung ist sehr lückenhaft, wodurch einige Menüs und Einblendungen gar nicht übersetzt sind, und manche Sätze eben aus übersetzten und nicht übersetzten Teilen zusammengewürfelt werden.

Manches Mal ist dieses Sprachengewirr auch wirklich verwirrend, auch wenn sich im Großen und Ganzen der Einstieg in Rise of Industry wirklich gut meistern lässt. Für manche UI Elemente scheinen zwar Erklärungen ganz zu fehlen, aber man muss sich einfach von dem Gedanken verabschieden, direkt von Anfang an alles verstehen zu können. Das Wichtigste ist freilich der Blick auf eure Finanzen: Ihr könnt euch zwar einen großzügigen Startkredit sichern, aber wenn ihr nicht auf den Bankrott zulaufen wollt, sollte da natürlich eine grüne statt einer roten Zahl stehen.

Die Menüs und Benutzeroberfläche von Rise of Industry erweist sich glücklicherweise als sehr flexibel, denn schnell hat man mehrere Fenster seiner eigenen Gebäude offen, um einen Blick auf Preise, produzierte Waren und Abläufe zu haben. Und das, bevor zentrale Elemente wie echte Handelsrouten und der Transport von Waren über die ganze Karte überhaupt erst freigeschaltet werden. Zu Beginn müssen sich die Waren nämlich im Umkreis eines Lagerhauses bewegen.

Das UI ist gut zu händeln, die Übersetzung lässt sich nicht so gut auf einem Screen einfangen.

Eigene Zielsetzung mit Blick auf den Bedarf

Es ist ratsam, sich in Rise of Industry eigene Ziele zu setzen. Ihr wollt der neue Lebensmittel oder gar Pizzakönig werden? Kein Problem. Zu viel auf einmal zu wollen, ist meistens eher schlecht, denn jede Forschung für ein neues Produkt braucht Zeit und Geld – Zeit, in der euch wiederum schnell Geld verlorengehen kann.

Wichtig ist nur, dass ihr eure Produktionsstätten dann an den richtigen Ort setzt, denn die verschiedenen Städte auf der prozedural generierten Karte haben unterschiedliche Anforderungen. Wenn keiner eure Produkte dort kaufen will, ist das schlecht – und ihr müsst vielleicht viel zu lange Transportwege in Kauf nehmen.

Rise of Industry ist sehr gut darin, so etwas nachvollziehbar zu machen. Und um euch den Einstieg noch weiter zu erleichtern, gibt es sogar ein umfangreiches Wiki zum Spiel, das euch nahezu alle Fragen beantworten und Grundsätzliches erklären sollte.

Etwas schade: Alles, was Logistik und das Planen von Handelsrouten betrifft, ist in Rise of Industry großartig. Hat man das aber einmal raus, gibt es nicht allzu viel Weiteres zu entdecken. Während sich die Welten schön dynamisch entwickeln und man zum Beispiel eine erhöhte Luftverschmutzung verhindern und auch den Verkehr noch halbwegs effizient planen muss, hat man sonst nur recht wenig Einfluss, und man ist weitestgehend eben auf die Tätigkeiten als Produzent und Logistiker beschränkt. Profis könnte es auf lange Sicht also auch schnell etwas langweilig werden.

Technisch rund

Abgesehen von der lückenhaften Übersetzung konnte ich Rise of Industry kaum anmerken, dass es sich zum Testzeitpunkt noch um eine Vorabversion handelte. Vor allem Abstürze sind mir nicht begegnet, und auch sonst macht das alles technisch eine gute Figur. Vor allem läuft das Spiel auch auf größeren Karten richtig flüssig.

Die Optik hat mir sehr gut gefallen: Irgendwo relativ simpel gehalten, bieten die Karten beim Hereinzoomen dennoch genügend Details, dass es Spaß macht, auch einfach einmal so den Prozessen zuzuschauen. Der Soundtrack ist nichts besonderes, aber die Effekte generell in Ordnung – es gibt auch nichts, das unangenehm in Erinnerung bleibt und insgesamt erinnert der Ton an klassische Aufbauspiele.

Fazit: Viel Spaß beim Aufbau

Rise of Industry ist ein Titel, in dem man sich ohne Probleme verlieren kann. Eine besondere Empfehlung kann er sich deshalb abstauben, weil er Einsteiger wie Experten gleichermaßen ansprechen kann: Zahlreiche Einstellungen ermöglichen es, haargenau euer gewünschtes Spiel zusammenzustellen. Eine Dokumentation steht in Form eines Wikis zur Verfügung, sodass Einsteiger nicht allein gelassen sind – Experten dagegen können dies ignorieren und sich direkt einer harten Nuss von Spiel widmen. So oder so, Rise of Industry ist fesselnd und logisch aufgebaut, hat einen wunderbaren Stil und abgesehen von der lückenhaften deutschen Übersetzung kaum etwas, das negativ auffällt. Kampagnen und Sandboxmodi sorgen zudem für die nötige Langzeitmotivation. Schaut man sich den bisherigen Early Access Ablauf an, darf man zudem davon ausgehen, dass der Titel noch eine ganze Weile mit Updates unterstützt wird. Mich hat Rise of Industry jeweils eine versteckte Freude an Aufbauspielen wieder entdecken lassen – und das ist ein ziemlich großer Verdienst. Einzig und allein die Tatsache, dass es abseits der großartigen logistischen Herausforderungen nicht viel zu entdecken gibt, ist etwas schade.

Technik: 84
Grafik: 90
Sound: 72
Umfang: 85
Gameplay: 88
KI: 85

Spielspaß: 81

  • Story: Die erzählt ihr hier einmal selbst – indem ihr eine starke Industrie aufbaut.
  • Frustfaktor: Wenn man seine eigenen Fertigkeiten realistisch einschätzt, kaum vorhanden.
  • Wiederspielwert: Hoch durch prozedural generierte Karten und umfangreiche Schwierigkeitseinstellungen. Für Profis durch die enge Beschränkung auf (effizientes) Produzieren und Transportieren aber eventuell auch auf ganz lange Sicht etwas eintönig und schnell erschöpft.
  • Design/Stil: Sehr gelungen – irgendwo simpel, und doch mit genügend Details.
  • Musik: Die Sounduntermalung passt insgesamt gut, ist aber auch nichts herausragend Besonderes.
Pro
Contra
+ Für Einsteiger wie Profis geeignet- Lückenhafte Übersetzung sorgt für Verwirrung
+ Nachvollziehbare Prozesse- Wenig zu tun abseits der großen Stärken: Lieferketten und Logistikmanagement
+ Stil sehr gelungen: Simpel und doch detailreich
+ Kampagnen und Sandboxmodus
+ Flexible Benutzeroberfläche

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