Samurai Warriors 4 Empires (PS4) im Test – Von Strategen und verschwindenden Gegnern

Das alte Japan versuchten wir bereits in Samurai Warriors 4 und seinem Nachfolger Samurai Warriors 4-II auf der PlayStation 4 zu erkunden. Nun bescherte uns Omega Force auch noch den strategischen Teil und veröffentlichte im Westen den Titel Samurai Warriors 4 Empires, in dem wir versuchen die Herrschaft über ganz Japan zu erlangen. Warum man jedoch diesen Ausflug nach Japan eher auslassen sollte, verraten wir euch in unserem Test zur PlayStation 4 Version von Samurai Warriors 4 Empires.

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Einmal einen eigenen Banner haben…

In Samurai Warriors 4 Empires gibt es viele Ziele, denen ihr folgen könnt: Wollt ihr beispielsweise ganz Japan einen oder lieber einen bestimmten Clan auslöschen? Auf diese Weise gibt es viele Möglichkeiten, in Japan Fuß zu fassen. Allerdings kommt es hier ganz darauf an, welchen Modus ihr gewählt habt. Im Grunde gibt es nämlich zwei unterschiedliche Modi: Im Conquest Modus spielt ihr bereits vorgegebene Szenarien und folgt festgelegten Zielen, im Genesis Modus habt ihr vollkommen freie Hand, doch dazu kommen wir später noch einmal. Wer lieber festgesetzten Regeln folgt, kann sich im Conquest Modus die Seele aus dem Leib prügeln. Hier könnt ihr zwischen unterschiedlichen Szenarien entscheiden, jedoch gibt es nur geringfügige Unterschiede: Mal gibt es einen anderen Clan, mal haben alle andere Ziele, mal werden Schlösser von anderen Clans beherrscht und mal unterscheiden sich die Verbündeten. Sonderlich viel Abwechslung gibt es da also nicht. Aber das macht auch nichts, denn das zeichnet die Spielreihe im Grunde aus.

Je nachdem für welchen Modus ihr euch entscheidet, liegt dann die Wahl ganz bei euch, welchem Clan ihr euch anschließt und welchen Zielen ihr folgt. Bitte achtet jedoch darauf, ob euch der Clan auch empfohlen wird, denn gerade Neueinsteigern in die Reihe empfehlen wir auch nur Clans, die euch empfehlen werden – sonst seid ihr schneller besiegt als euch lieb ist. Ach ja, und sorgt dafür, dass ihr nicht alleine spielt. Besonders die erste Spielrunde dürfte mit einem Coop-Partner weitaus mehr Spaß machen und euch auf jeden Fall einen Sieg garantieren.

Im Genesis Modus hingegen, könnt ihr übrigens euer komplett eigenes Spiel und Szenario kreieren, da ihr entscheiden könnt, welcher Clan mit welchen Mitgliedern und welchen Zielen wo sitzt und wie sich die Verhältnisse ergeben und welche Mächte sonst noch walten. Im Genesis Modus könnt ihr also locker einige Stunden verbringen – nur um eben euer ganz eigenes Szenario zu schaffen. Das ist schon richtig cool und fordert auch viel Ausdauer, damit jeder auch an seinen richtigen Platz kommt und man sich ein richtig geniales Spiel ausdenken kann.

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Achtung, Strategie!

Wer jedoch denkt, dass man in Samurai Warriors 4 Empires nur von einer Schlacht zu nächsten hetzt, der irrt. Zumindest ein bisschen. Denn neben den Schlachten gibt es im Spiel auch noch einen strategischen Aspekt, bei dem ihr genau überlegen müsst, welche Handlungen ihr eingeht, um eure Ressourcen sinnvoll nutzen zu können. Ihr müsst euch das Ganze so vorstellen, dass ihr ein ganz eigenes Schloss mitsamt Bewohnern leitet. Pro Ründe könnt ihr entscheiden, ob ihr beispielsweise eure Armee oder eure Reisfelder ausbauen wollt. Um jedoch etwas ausbauen zu können, benötigt ihr Gold. Dieses Gold erhaltet ihr einmal pro Runde durch Mieten und dergleichen oder aber wenn ihr siegreich aus einer Schlacht hervorgeht. Um jedoch in eine Schlacht zu ziehen, benötigt ihr wiederum Truppen und sogenannte Supplies – und genau ab hier wird es ein bisschen tricky.

Supplies bekommt ihr nur einmal in einem Spieljahr, nämlich genau zur Ernte Zeit im Herbst. Dafür gibt es da dann zwar auch richtig viele dieser tollen Ressourcen, doch bis zum Herbst müsst ihr eben sehr gut haushalten können. Nützlich hierfür kann es sein, dass ihr das gesamte Jahr über eure Reisfelder ausbaut, da dann die Ernte etwas besser ausfällt. Doch ein richtiges Geheimrezept gibt es hierfür nicht – also, einfach ein bisschen darauf achten, wie ihr eure Ressourcen einsetzt und wie ihr neue bekommt. Das wird euch übrigens nicht erklärt, ist jedoch relativ logisch und nachvollziehbar, wenn man sich ein wenig mit dem Spiel beschäftigt. Etwas verwirrender fanden wir dann schon die Aufteilung des Angriffs, bzw. die Auswahl des Ziels. Ihr könnt nur Ziele angreifen, die an eure Gebiete angrenzen und in den Schlössern, die an feindliche Gebiete angrenzen, müssen sich zudem auch Offiziere eurerseits befinden. Habt ihr an euren Grenzen keine Offiziere platziert, könnt ihr auch keine anderen Gebiete angreifen. Im Falle eines Kampfes stehen euch dann auch nur die Offiziere zur Verfügung, die ihr in den Schlössern platziert habt. Etwas unlogisch erschien uns das Ganze schon, da man so einige Mühen hat, um die verschiedenen Offiziere hin und her zu schieben, aber nach einiger Zeit war uns klar, was das Spiel wollte. Etwas unklarer war uns leider die technische Seite von Samurai Warriors 4 Empires.

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Niemand in der Basis?

Samurai Warriors 4 Empires könnte ein gutes Spiel sein, da die Ideen und auch die Mechaniken dahinter nichts für Casualgamer sind und man sogar hin und wieder mal sein Köpfchen anstrengen muss – vor allem weil es bestimmte Dinge gibt, die man bei der Wahl des Gegners und der Vorbereitung beachten muss, wenn man nicht unbedingt sofort besiegt sein möchte. Doch es gibt so ein paar Dinge, die stören den Spielspaß und den Spielfluss ungemein, sodass man sich doch fragt: Hat das eigentlich keiner getestet, bevor man es auf den Markt geschickt hat? Wir haben schon einige Spiele von Omega Force getestet, einige davon waren gut, einige davon waren nicht ganz so gut, aber noch keines hat uns im technischen Rahmen so sehr enttäuscht wie Samurai Warriors 4 Empires.

Dass Gegner in den Warriors-Spielen aufploppen, ist bekanntlich nichts Neues, doch Samurai Warriors 4 Empires toppt das Ganze noch einmal um eine gehörige Note. Im Spiel selbst müsst ihr die Basen eurer Feinde einnehmen – an sich eine leichte Aufgabe, wenn es nur auch Gegner geben würde, die dauerhaft dableiben würden. Ihr müsst euch das Ganze wie folgt vorstellen: Ihr lauft auf eine gegnerische Basis zu. Am oberen Bildschirmrand seht ihr einen Balken, der euch verrät, wie viele Gegner sich noch in der Basis befinden, doch die Basis selbst ist leer. Ihr bleibt kurz stehen, wartet einige Sekunden und plötzlich seid ihr umzingelt von einem Haufen Gegnern. Super Gelegenheit, denkt ihr und beginnt einen Musou-Angriff. Die ersten beiden Schläge sitzen noch, doch der letzte Move des Angriffs geht ins Nirwana, da die Gegner bereits alle wieder hinter einem Tarnumhang verschwunden sind und erst wieder aufploppen, nachdem euer Angriff vorbei ist.

Auf diese Weise gehen so derart viele Angriffe ins Nichts, dass ihr es euch auch fast schon kneifen könnt, einen besonderen Angriff oder eine Kombo zu versuchen. Die beste Möglichkeit, um bei diesen verschwindenden Gegnern überhaupt zu treffen, besteht darin, einfach immer nur mit Dreieck anzugreifen – irgendwer wird dann schon im Radius dieses Angriffs stehen. Das ist unheimlich ärgerlich und tritt sowohl im Coop-Modus als auch im Singleplayer auf und zerstört ungemein den Spielspaß. Selbst Offiziere sind von diesem Spaß nicht ausgenommen, so läuft man häufig auf der Karte herum, sieht, dass sich ein Offizier nähert und muss dann stehen bleiben, um darauf zu warten, dass dieser eingeblendet wird. Das geht heutzutage wirklich nicht mehr. Omega Force sollte sich lieber darauf konzentrieren, Qualität statt Quantität abzuliefern.

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Wer bist du gleich nochmal?

Was wir bereits in den Vorgängern bemängelten, war die fehlende Nähe zu den Charakteren. Dynasty Warriors hat beispielsweise auch viele verschiedene Figuren, doch durch die eng verbundene Geschichte mit den drei Reichen, bekommt man ein Gefühl für die einzelnen Figuren und man kann einschätzen, wen man ganz gern mag und auch spielt. In Samurai Warriors 4 und dessen Nachfolger war es schon etwas schwierig, zumal wir uns die Namen nicht wirklich merken konnten, obwohl die Namen im chinesischen Gegenstück ein wenig verwirrender sind. In Samurai Warriors 4 Empires verlieren wir nun jegliches Gefühl für die einzelnen Charaktere, was unter anderem daran liegt, das sogenannte No-Name-Offiziere, also Offiziere ohne sonderbar wichtige Aufgabe in der Geschichte, sich am Kleiderschrank der selbst erstellten Figuren bedienen – und aus diesem Grund kaum von „wichtigen“ Offizieren zu unterscheiden sind.

Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, freuten wir uns darüber, dass sich „New Officer“ unseren Reihen anschloss, die sich ebenfalls am Kleiderschrank bediente, eine Frau war und mit zwei Schwertern kämpfte. Wir fanden das zwar lustig, aber genauso auch ziemlich verwirrend, da die anderen Charaktere alle wenigstens irgendwelche zufälligen Namen erhalten haben. Genauso belanglos wie die Namen der Figuren sind definitiv die Schlösser. Uns fällt es beim Spielen schwer, die einzelnen Schlösser auseinander zu halten und uns war es größtenteils egal, welches Schloss nun welches Problem hat, zumindest in der Einblendung der Nachricht – danach wird das jeweilige Schloss nämlich farblich markiert. An den Farben erkennt ihr selbst, ob das Event gut oder schlecht war: Rot ist schlecht, Blau ist gut. Logisch. Aber eine Nähe zu unseren Gebieten haben wir trotzdem nicht aufbauen können.

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Minna! Let’s get ready!

Samurai Warriors 4 Empires bleibt dem Muster seiner beiden Vorgängerspiele treu und präsentiert sich mit einer japanischen Sprachausgabe mitsamt englischen Untertiteln. Das Japanische ist in dem Fall gar nicht sooo dramatisch, da es nicht sonderlich viele Aufgaben oder Gespräche gibt, denen man folgen können müsste. Problematischer ist dabei eher das Englische, bei dem sogar wir stellenweise Probleme hatten, es zu verstehen. Nicht immer ist nämlich klar, was man genau machen muss, besonders bei den Objectives, also den Zwischenaufgaben, ist das der Fall – immer wenn wir dachten, wir wissen, was die Aufgabe von uns möchte, ging die Aufgabe in die Hose. Warum? Das wissen wir nicht so genau, aber wenn wir gleich einmal bei den Objectives sind: Diese sind in den meisten Fällen absolut deplatziert, da sie nur dafür sorgen sollen, dass die Bindungen zwischen den einzelnen Offizieren steigt und gefestigt wird. Ziemlich nutzlos und zudem auch noch hässlich. Denn immer, wenn ihr eine Aufgabe bekommt, die für zwei Offiziere bestimmt ist, könnt ihr mit der Options-Taste zwischen denen wechseln. Zur Verdeutlichung habt ihr dafür ein verdammt seltsam verzerrtes Bildchen des jeweils anderen Offiziers auf der linken Seite. Achtung: Wenn ihr einmal wechselt, kommt ihr nicht mehr zu der Figur zurück, die ihr zu Beginn der Schlacht gespielt habt.

Zusätzlich zu diesem ganzen Gemeckere sei noch die miese Übersicht zu betonen, die uns manchmal absolut in die Irre führte und wir uns trotz Karte keinen Überblick über die Map verschaffen konnten. Das ist an vielen Stellen sehr blöd gelöst, da auch die Kamera selbst nach unten schwankt. Wenn man also sehen möchte, wohin man in Samurai Warriors 4 Empires läuft, muss man immer zuerst an der Kamera drehen. Sehr blöd gelöst. Auch grafisch kann der Titel nur schwerlich überzeugen. Haben wir die Grafik noch in Samurai Warriors 4 gelobt, so können wir hier nur von einer mittelguten Grafik sprechen – die Figuren sind einfach irgendwie nicht so schön, Gras und Gebäude bauen sich langsam mit dem Bewegen der Figur auf. Das sind alles Dinge, die nicht hübsch sind. Dafür gibt es einen ganz schönen Soundtrack, immerhin etwas.

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Fazit: Die Kunst der aufploppenden Krieger

Samurai Warriors 4 Empires könnte so gut sein, denn die Ideen sind nicht schlecht, auch das Konzept stimmt: Strategiefans werden vom Spielprinzip her sicherlich auf ihre Kosten kommen, wann hat man schließlich sonst die Gelegenheit, ganz Japan zu einen und Herrscher über das Land der aufgehenden Sonne zu sein? Samurai Warriors 4 Empires bietet so viel und hat so viel Potential, das es jedoch permanent aufgrund der Technik verschenkt. Wir fragen uns: Hatte Omega Force zu wenige Playtester oder war das Unternehmen anhand der vielen aktuellen Projekte überfordert? Blieb einfach nicht die Zeit, um noch einmal nachzupolieren und zumindest die Sichtrate auf der PlayStation 4 nach oben zu treiben?

Wer auf der Suche nach einer Kunst ist, der ist mit Samurai Warriors 4 Empires gut beraten, denn es beherrscht die Kunst der aufploppenden Krieger blind und lässt all die unwissenden Spieler im Regen stehen. Diese Spieler wissen nicht, dass man sich nur langsam an einen aufploppenden Krieger heranwagen darf, dass man manchmal auch ihn warten muss und dass dadurch auch der Spielspaß zu leiden hat. Es ist eine schöne Idee, die Gegner mit Tarnumhängen auszustatten, doch spätestens nach der dritten Basis wird das doch irgendwie langweilig und wir freuten uns über das Picknick, das wir jedes Mal veranstalten konnten, bis die Gegner aus ihren Löchern krochen. Hier hätte definitiv noch einmal nachgeprüft werden müssen, denn auf diese Weise geht der Spielspaß ordentlich in den Keller.

Besonders für Einsteiger können wir Samurai Warriors 4 Empires nicht empfehlen. Dafür ist es technisch zu unübersichtlich und zu unrund, zu viele Macken trüben den Spielspaß und zu viele seltsame Übersetzungen und Anweisungen lassen eher Fragezeichen auf dem Gesicht auftauchen anstatt vor Freude strahlende Augen. Samurai Warriors 4 Empires ist eine Mischung aus einem Strategiespiel und der Warriors-Reihe, kann jedoch auf viele Aspekte der Dynasty Warriors Empires Reihe nicht blicken und bleibt damit leider nur ein mittelmäßiges Spiel am unteren Rande des Mittels. Sehr schade, sind wir doch weitaus Besseres von Omega Force gewöhnt.

Pro Contra
+ Interessantes Spielprinzip mit Strategie-Elementen… – … das an einigen Stellen jedoch nicht richtig erklärt wird
+ Langzeitmotivation denkbar – Sehr heftiges Aufploppen von Gegnergruppen
+ Cooler Soundtrack – Attacken können aufgrund der aufploppenden Gegner nicht richtig platziert werden
+ Viele verschiedene Charaktere… – … denen es jedoch an Persönlichkeit und Wiedererkennungswert fehlt
+ Möglichkeit für komplett eigene Spiele/Szenarien – Englische Texte sind oft nicht verständlich/Tonausgabe in Japanisch
– Objectives wirken unnötig platziert und können häufig nicht ausgeführt werden
– Grafische Darstellung oft nur mittelmäßig
– Übersicht geht sehr häufig im Kampf verloren
– Gebiete und Figuren wirken oft vollkommen belanglos

Technik: 60

  • Grafik: 63
  • Sound: 76
  • Umfang: 84
  • Gameplay: 47
  • KI: 30

Spielspaß: 50

  • Story: Wir befinden uns wieder einmal in Japan und versuchen, das Land unter unserem Banner zu einen. Im Grunde schreiben wir dabei unsere eigene Geschichte, enden jedoch jedes Mal damit, in einer Schlacht um die Vorherrschaft eines Gebietes zu kämpfen.
  • Frustfaktor: Der ist da und zwar aufgrund der Technik, die dieses Mal wirklich mies ist.
  • Wiederspielwert: Es gibt mehrere Szenarien, die zwar im Grunde alle demselben Muster folgen, aber immerhin unterschiedliche Voraussetzungen bringen.
  • Design/Stil: Man bleibt im Realismus, verbaut sich jedoch durch die eher maue Grafik einen schönen Vorsprung.
  • Musik: Die Musik ist dieses Mal auf vielen Maps recht cool, sorgt zwar nie für Ohrwürmer, wird aber auch nicht nervig.

Information: Vielen Dank an Koch Media für das Pressemuster von Samurai Warriors 4 Empires.

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