Some Distant Memory (Steam) im Test – Emotionale Reise in eine gefährliche Zukunft

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Stell dir vor, in 300 Jahren kannst du nicht mehr draußen leben. Du kannst nur noch in Sicherheitsanzug nach draußen gehen, denn die Welt, wie du sie heute kennst, existiert nicht mehr und fiel dem Klimawandel und seinen Folgen zum Opfer. Doch es gibt leise Hoffnung. Welcome to Some Distant Memory auf Steam und meiner Review.

Finde die Versunkene Stadt, finde Hoffnung

In Some Distant Memory schlüpfe ich in die Rolle von Professor Zay, die auf der Suche nach Houston, der Versunkenen Stadt ist. Ihre Hoffnung liegt darin, dass es dort Ideen oder Technologien gibt, die die menschliche Zivilisation vor dem Aussterben retten kann, denn die Zukunft ist nicht gerade rosig. Professor Zay gehört zu den wenigen Überlebenden, die es noch auf dem Planeten namens Erde zu finden gibt. Sie sucht seit mehr als zehn Jahren nach Houston und hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Some Distant Memory beginnt damit, dass wir die Versunkene Stadt finden und uns auf ein spannendes, unfreiwilliges Abenteuer begeben. Immer im Hinterkopf, dass ein Blütestorm naht, der Commander Ti, unseren Begleiter, vermutlich das Leben kosten wird, wenn wir nicht rechtzeitig zurückkehren. Doch ich kann nicht zurück, ich will wissen, was in Housten geschehen ist.

Some Distant Memory ist ein gewaltfreies Spiel. Ihr werdet dort nicht schießen, ihr werdet niemanden verletzen müssen. Doch ihr als Spieler habt eine wichtige Aufgabe: Findet etwas, für dass es sich lohnt zu kämpfen. Findet etwas, wodurch die Menschheit vielleicht doch eine Chance hat zu überleben. Oder ist es eher an der Zeit, dass der Planet den Menschen als gescheitertes Projekt ansieht? Keine Sorge, diese Frage wird nicht gestellt. Doch ihr findet viele andere Dinge, die euch aufhorchen lassen solltet, während ihr das Haus in Houston erkundet. Das Haus, das unter der Erde ist. Das Haus, in dem die Blüte keinen Einzug gehalten hat, das nicht kontaminiert ist.

Entdecke die Gegenwart durch die Augen der Zukunft

Some Distant Memory spielt 300 Jahre in der Zukunft. Die Welt wird von der Blüte heimgesucht, die es nahezu unmöglich gemacht hat, auf der Erde zu überleben, geschweige denn zu leben. Es gibt nur noch wenige Kolonien, die geradeso am Leben sind. Und genau da kommen wir ins Spiel. Professor Zay und ich finden also nach zehn Jahren endlich Houston und durchsuchen es. Die Versunkene Stadt setzt sich für uns zunächst nur aus einem Haus zusammen, in dem vor 300 Jahren Menschen gelebt haben. Und Menschen von vor 300 Jahren bedeutet: Menschen des 21. Jahrhunderts. Menschen wie du und ich. Es ist eine sehr emotionale Reise, die wir hier antreten. Wir finden viele Dinge, die wir von heute kennen: Videospielkonsolen, DVDs, Bücher… Wir finden Anspielungen auf unsere Popkultur, die Dragonballs haben einen Auftritt und Harvey Pewter, der Technikzauberer. Ja, Some Distant Memory hält uns den Spiegel vor, doch nicht nur in der Popkultur.

Während Zay und ich durch das Haus streifen, finden wir viele Zeitungen und Artikel aus dem 21. Jahrhundert. Artikel über verschmutzte Ozeane, gefährliche Unternehmen. Unternehmen, die Green Washing betreiben. Und letzten Endes auch Unternehmen, die behaupten, dass sie ja nur wenige Prozente bei der Umweltverschmutzung beitragen, ABER China! Das kommt euch bekannt vor? Richtig. Some Distant Memory spiegelt unser aktuelles Zeitgeschehen besser und wichtiger denn je wieder. Den ganzen Artikeln entnehme ich genau das, was wir heute auch lesen können. Wir suchen die Schuld woanders, aber nicht bei uns. Und genau deswegen ist Some Distant Memory so wichtig, denn es erzählt nicht nur diese eine Geschichte, sondern viel mehr.

Eine tiefe Bindung und ein Fünkchen Realität

Es erzählt mir von einem Leben in der Zukunft, das ich niemandem wünsche. Ich möchte nicht, dass die Liebe verloren geht, weil es dem Menschen nur noch um Fortpflanzung geht, damit sie überleben können. Ich möchte nicht, dass wir in kleinen Kolonien zusammenleben müssen, weil es dem Planeten gereicht hat. Ich möchte nicht, dass unsere Kindeskinder vielleicht irgendwann einen Baum nur noch aus Bildern sehen können oder nicht wissen, was eine Schildkröte ist, oder sich fragen, wie die frische Luft gerochen haben muss. Some Distant Memory hat mir vieles gezeigt, über das ich nachdenken muss und es hat mich auf eine sehr emotionale Reise mitgenommen.

Denn wenn euch die Reise in unsere Gegenwart noch nicht gereicht hat, wenn ihr so hartgesotten seid, dass euch der Planet egal ist, so hoffe ich doch, dass euch Some Distant Memory mit der Geschichte der Familie Baron mitnimmt. Mit Rikin, der an Asthma leidet. Mit Ada, die eine große Künstlerin ist. Mit Emmy, die ihren Sohn allein lässt. Ja, die Familie Baron ist eine ganz normale Familie, wie wir sie heute kennen. Leider. Großeltern, die sich liebevoll um ihren Enkel kümmern, eine Mutter, die sich nur um ihre Karriere kümmert. Ich habe selten so stark mitgefühlt in einem Spiel. Als es zu Ende ging und ich mich von jedem Charakter verabschieden musste, war es fast so, als würde ein Stück von mir mitgehen. Als würde ich sie tatsächlich verlieren. Doch dabei verliere ich sie nicht, denn ich kenne nun die Geschichte von Rikin und seiner Familie.

ARORA, mein Helfer in der Dunkelheit

Im Haus der Familie Baron gibt es am Anfang kein Licht, sodass eure KI, die ihr dabei habt, namens ARORA euer Lichtkegel ist. Sie begleitet euch das gesamte Spiel über und hilft euch, gefundene Hinweise zu sichtbaren Erinnerungen zu verwandeln. Damit ihr nun also alle Erinnerungen finden und alle Puzzleteile zu einem zusammenfügen könnt, solltet ihr das Haus auf den Kopf stellen und alles durchsuchen, was ihr findet. Ein bisschen hat es wirklich von Detektivarbeit – etwas, dass Zay nicht kennt, Ti aber schon. Und nebenbei entdeckt ihr nicht nur die Geschichte von Familie Baron, sondern lernt auch noch ganz vieles über die Kolonien, aus denen Professor Zay und Commander Ti kommen, wie es sich wirklich lebt in dieser Zukunft.

Allerdings habe ich auch einige, kleinere negative Punkte an Some Distant Memory auszusetzen. So kann man mit der Maus nicht immer alles anklicken, dafür hilft dann aber hervorragend die Tastatur, sodass ihr ganz einfach alles erreichen könnt. Zudem kommt es mit einer deutschen Übersetzung daher, die jedoch nicht immer einwandfrei ist, manchmal sogar niedlich. Dennoch tut die deutsche Sprache der gesamten Story keinen Abbruch. Und: Ich hätte noch mehr in dieser Welt vertragen können, noch ein kleines bisschen mehr Zeit.

Fazit: So eine Zukunft möchte ich nicht!

Some Distant Memory ist ein Spielerlebnis von rund drei Stunden ohne Steam Achievements, doch es waren die besten drei Stunden, die ich seit langem in einem Videospiel verbracht habe. Ich habe mit Professor Zay die Versunkene Stadt gefunden, ich habe mit ihr gelacht, ich habe mit ihr geweint und ich habe die Geheimnisse der Familie Baron aufgedeckt. Ich habe mehr über unsere Gegenwart gelernt als mir lieb war und ich habe eine Zukunft gesehen, die ich niemandem zumuten kann. Some Distant Memory ist ein wahres Spiegelbild unserer Gesellschaft und ein sehr wichtiges Spiel, denn es zeigt uns, wie wir gerade wirklich sind. Wie ignorant. Wie selbstsicher. Und wie schnell dieses Gefühl kippen kann. Wie schnell sich der Planet gegen uns wenden kann. Ich lege Some Distant Memory jedem ans Herz, der noch nicht begriffen hat, dass wir agieren müssen. Es ist eines der wichtigsten Spiele des Jahres 2019.

Pro Contra
+ Emotionale Geschichte – Einige Buttons nicht gut klickbar
+ Tiefe Bindung zu den Charakteren – Deutsche Sprache mit leichten Fehlern
+ Mögliche Version unserer Zukunft – Ein bisschen mehr Umfang wäre noch besser
+ Realität sehr gut eingefangen
+ Verschwommene Soundeffekte hervorragend gewählt
+ Spiegelbild unserer Gesellschaft

Technik: 90
Grafik: 90
Sound: 93
Umfang: 85
Gameplay: 92

Spielspaß: 100

  • Story: Ihr entdeckt mit den Augen der Zukunft unsere Gegenwart. Mit Professor Zay sucht ihr in der Zukunft einen Ausweg für die Menschheit.
  • Frustfaktor: Keiner vorhanden.
  • Nachhaltigkeitswert: Some Distant Memory ist eines der wichtigsten Spiele 2019 und hat somit sehr, sehr, sehr viel Potential wirklich nachhaltig zu sein.
  • Design/Stil: Schön und schlicht, ein wenig düster.
  • Musik und Sound: Passend! Hervorragend! Eine wunderbare und emotionale Untermalung!
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Some Distant Memory kostet 9,99 € und ist jeden Cent wert.

Offenlegung

Wir haben Some Distant Memory für Steam von Galvanic Games kostenlos erhalten.

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Beatrice Vogt
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