Table Top Racing: World Tour (PS4) im Test – Ernüchterung auf vier kleinen Rädern

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Motorisierte Spielzeugautos flitzen in einer Werkstatt, auf einem Spielzeugtisch und im Sushi-Restaurant um die Wette. Klingt nach einem Riesenspaß? Finden wir auch, und es steht ja nicht zuletzt in der Tradition von Reihen wie Micro Machines, deren Fans schon recht lange kein neues Futter mehr bekommen haben. Playrise Digital aus Liverpool versucht mit Table Top Racing: World Tour, die Fans mit frischer Kost zu versorgen. Ob man überzeugen kann, verrät der Test.

(Fast) alles da

Table Top Racing: World Tour bringt ein solides Grundgerüst mit und weist fast alles auf, was so ein Titel haben muss: Eine recht umfangreiche Solokampagne mit drei Fahrzeugklassen und damit Geschwindigkeitsstufen steht zur Verfügung, darüber hinaus gibt es Spezialevents, eine ordentliche Auswahl von Fahrzeugen und einen Online-Mehrspielermodus.

Was fehlt? Auf einen lokalen Mehrspielermodus, also einen Splitscreen, muss man unverständlicherweise verzichten, wobei das Spiel ja dafür prädestiniert wäre. Viele andere Entwickler solcher Titel setzen ja momentan eher auf lokalen Multiplayer denn eine Onlinevariante, wie zum Beispiel Vector Unit. Dass Table Top Racing: World Tour einen Onlinemehrspielermodus hat, ist löblich, es handelt sich jedoch um diejenige Variante, die jeweils auf den Konsolen der Hoster läuft und die relativ laganfallig ist.

Unser größtes Problem war, dass wir regelmäßig Spielen nicht beitreten konnten und auch ordentliche Spielsitzungen liefen hinsichtlich Geschwindigkeit und Präzision wesentlich schlechter als Einzelspielerrennen. Und das, wo Table Top Racing: World Tour sowieso nicht gerade mit seiner extrem flüssigen Darstellung protzen kann.

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Omom, Sushi! Mehr als eine optische Bereicherung ist es aber nicht.

Mittelklasse Technik, Einstiegsklasse Ideen

Auch wenn die Kurse von Table Top Racing: World Tour relativ schön gestaltet sind, so sieht der Titel grafisch nicht gerade umwerfend aus. Dass Playrise Digital bisher höchstens für Vita programmiert hat, sieht man dem Titel schon einmal an. Das wäre nicht so schlimm, würde Table Top Racing: World Tour wenigstens flüssig laufen. Regelmäßiges Stocken gehört aber leider zum Spielablauf, von Anfang an. Mit dem einzigen bisher veröffentlichten Patch wurden die Probleme ein ganz kleines bisschen besser, aber bei dieser Optik (und dieser Art von Spiel!) dürfen solche Mängel einfach nicht sein.

Die unterdurchschnittliche Technik und die fehlenden Ideen in vielen Bereichen machen deutlich, dass es Table Top Racing: World Tour ganz eindeutig an der Passion fehlt, die ein Funracer wie dieser eigentlich braucht. Haben wir erwähnt, dass man sich Wettrennen um Sushi-Restaurant liefern kann? Das stimmt zwar, aber ebenso wie die Strecken in den anderen Umgebungen weisen die Kurse nur optische Besonderheiten auf: Spielerisch hat man die Möglichkeiten der Umgebungen schlichtweg nicht genutzt.

Einzige Besonderheiten der Kurse sind Objekte, die auf den Strecken platziert wurden und die von euch weggeschoben bzw. –geworfen werden können und die Kurven. In der Werkstatt hätte man gefährliche Maschinen platzieren können, im Sushi-Restaurant das Laufband zu mehr als einem optischen Element der Strecke machen können. Wie man trotz vielversprechender Szenarios so einfallslos bei der spielerischen Gestaltung der Strecken sein kann, ist ganz ehrlich schon ein bisschen fraglich. Wenigstens gibt es Abkürzungen und versteckte Objekte, aber es ist nur bedingt motivierend, diese zu finden. Vor allem im Einzelspielermodus, in dem die Rennen nicht schwieriger, lediglich länger werden, ist man daran interessiert, diese schnellstmöglich hinter sich zu bringen und die später fünf bis sieben Runden auf den (kurzen) Strecken ohne Verzögerungen zu absolvieren.

Immerhin bei den Rennarten kann Table Top Racing: World Tour mit ein bisschen Vielfalt aufwarten: Kampfrennen, normale Rennen ohne Waffen, Driftevents, Zeitrennen (nach Runden oder nach Gesamtzeit für mehrere) und Verfolgungs-Events gibt es da. Zusammen mit der Wagenauswahl, den verfügbaren Upgrades, die man mittels Preisgelder kauft, und verschiedener Bereifungen für eure Fahrzeuge kann der Titel zumindest einige Aspekte auffahren, die für etwas Langzeitmotivation sorgen – Bedingt kann man dadurch sogar über die einfallslosen Strecken hinwegsehen.

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Mehr als das?

Wenn einem schon direkt zum Launch des Titels ein DLC-Pack aus dem Store heraus entgegenwinkt, verstärkt sich trotzdem der Eindruck, dass Playrise Digital mit Table Top Racing: World Tour nur die Basis für etwas abgeliefert hat, was so viel besser hätte sein können. Die Basis ist ja wirklich nicht schlecht und vor allem die Kampfrennen machen durchaus Spaß, auch wenn selbst das Waffenarsenal ziemlich einfallslos ausgefallen ist.

Aus Table Top Racing: World Tour könnte man mit recht wenig Aufwand ein besseres Spiel machen – Oder hätte schon eines gemacht haben können. Neben technischen Verbesserungen wären insbesondere überarbeitete Strecken wünschenswert, die die Potentiale ihrer Szenarien endlich nutzen. Ob Playrise das aber umsetzt, bleibt fraglich.

Auch für enthusiastische Spieler verliert Table Top Racing: World Tour so spätestens in der dritten Meisterschaftsklasse und damit nach wenigen Spielstunden seinen Reiz – Wenn man feststellt, dass auch die fehlende Herausforderung nicht noch Einzug ins Spiel hält. Wenigstens lassen sich viele Trophäen problemlos sammeln. Auch eine Platin gibt es, für alle, die die Strecken doch genauer unter die Lupe nehmen wollen und auch 20 Onlinerennen gewonnen haben.

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Die Driftevents sind ganz spaßig und die schwierigsten Rennen im Spiel.

Fazit: Spielzeug, das ernüchtert

Digitales, zum Leben erwecktes Spielzeug fasziniert Spieler ja immer wieder. Table Top Racing: World Tour versucht, ein actiongeladenes Rennspiel mit Mini-Flitzern zu sein. Durch die unterdurchschnittliche Technik und völlig einfallslose Kurse bleibt aber nicht viel mehr übrig als ein ganz netter Titel für Sonntagsfahrer – Table Top Racing: World Tour fällt es schwer, den Spieler sogar nur durch die Kampagne hindurch wirklich bei Laune zu halten. Es fehlen Anspruch und frische Ideen. Da hilft es nichts, dass die Fahrzeugauswahl ganz witzig ist und geupgraded werden kann oder dass die verschiedenen Rennarten eigentlich ganz spaßig sind. Playrise Digital hätte sich hier und da mehr Mühe geben müssen, um einen wirklich coolen Titel abzuliefern. So reicht es gerade so für Durchschnitt.

Pro Contra
+ Interessante Rennarten – Grafisch und technisch unterdurchschnittlich, ruckelt teils stark
+ Optisch ansprechende Kurse… – … aber spielerisch völlig einfallslos
+ Ordentliche Wagenauswahl – Laganfalliger Online-Multiplayer
+ Upgrades der Fahrzeuge können motivieren – Viel zu leicht, keine Herausforderung
+ Abkürzungen und versteckte Münzen auf den Strecken – Eher einfallslose Waffen
– Motivation geht eher schnell verloren

Technik: 57

  • Grafik: 38
  • Sound: 66
  • Umfang: 72
  • Gameplay: 44
  • KI: 66

Spielspaß: 53
Singleplayer:

  • Frustfaktor: Kaum vorhanden – Nur einige wenige Rennen sind ein wenig schwerer.
  • Wiederspielwert: Eingeschränkt vorhanden – In erster Linie durch die recht leichten Trophäen.
  • Design/Stil: Das Design der Strecken geht gerade so in Ordnung, aber nicht über die Optik hinaus. Technisch weit unter Durchschnitt.
  • Musik: Die Musik ist okay, mehr nicht.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4 500GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 2 Jahre, 5 Monate (PS4 Launchkonsole)

Table Top Racing: World Tour war im Mai 2016 im Rahmen von PlayStation Plus kostenlos erhältlich.

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Manuel Eichhorn
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