Unpacking (PC) im Test – Frieden im Auspacken finden

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In der Regel habe ich damit meine persönlichen Herausforderungen, Spiele zu spielen, die gerade im Hypetrain unterwegs sind. So was stößt mich irgendwie ab und lockt überhaupt nicht dazu. Doch bei einem Spiel wollte ich den Hype verstehen: Unpacking lässt dich verschiedene Kisten auspacken und Zimmer mit Dingen bestücken – und so banal wie das Ganze klingt, so schön, bezaubernd und vor allem entspannend ist es auch. Warum auch du etwas auspacken solltest, um inneren Frieden zu finden, erfährst du jetzt. !B

Zusehen ist ein buntes Jugendzimmer. Auf dem Bett in der rechten Ecke sitzt ein rosa Schweinchen als Stofftier, der Schreibtisch davor ist voll mit Malutensilien. Durch das Fenster links scheint die Sonne.

Der Zauber des Auspackens

Wenn ich mich an meinen letzten Umzug erinnere, der mittlerweile mehr als zehn Jahre her ist, dann erinnere ich mich vor allem an das, was mir Spaß gemacht hat: Das Auspacken von Kisten. Ich gehöre eher zu der Sorte Mensch, die erstmal Dinge in Kisten packt und erst beim Auspacken sortiert und darüber nachdenkt. Deswegen finde ich dann erst Objekte mit Erinnerungen: Das Mitbringsel aus dem Urlaub, ein bestimmtes Foto oder alte Pokemon Karten führen bei mir immer dazu, dass ich aufhöre, die Kisten zu leeren und erstmal in Erinnerungen schwelge. Für mich ist das alles irgendwie magisch.

Und genau auf diese Magie setzt auch Unpacking. Ich habe den Titel gestern nur mal aus Interesse heruntergeladen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass er wirklich so viel Spaß macht, wie meine halbe Twitter Bubble so schreibt. Na ja, und dann flimmerten nach so zwei bis drei Stunden die Credits über den Bildschirm und ein ziemlich cooles Lied, passend zum Spiel selbst erklang. Und ich war weder traurig noch enttäuscht, dass es schon vorbei ist. Ich empfand eine innere Zufriedenheit und eine Art Glück.

In Unpacking beobachte ich das Leben der Protagonist/-innen. Ich bin diejenige, die die Kisten auspackt und die Dinge an den richtigen Ort stellt. Dabei folge ich den Personen von 1997 bis hin zu 2018, gehe mit ihnen aufs College, habe die erste Beziehung, ziehe wieder zu Hause ein, um wieder auszuziehen und neue Wege zu gehen. Dabei freue ich mich über alles, wir gemeinsam erreichen. Mein Herz lachte, als ich das Ergebnis der Zeichnungen sah, das ich am Ende in mehrfacher Ausführung ins Regal stellen durfte.

Ich freute mich bei jeder Kiste, wenn ich etwas auspackte, das ich schon kannte: Allein die Hühnerfamilie, die mit jedem Umzug mindestens ein neues Küken dazu bekam, hat mich jedes Mal glücklich gestimmt. Die verschiedenen Küken an einen Platz zu stellen, hat mir viel Freude bereitet. Wenn ich mir dann selbst Geschichten dazu ausdenke, wird das ganze Bild für mich vollständig. Nie hätte ich gedacht, dass mich so viele Kleinigkeiten glücklich stimmen könnten und dass Unpacking wirklich diese Magie mit sich bringt. !B

Zusehen ist ein Schlafzimmer mit einem grauen Ehebett. Vor dem Bett stehen vier Pappkartons, rechts neben dem Bett ist ein großer weißer Kleiderschrank.

Ein bisschen Rätsel hier und da

Doch Unpacking ist kein simples Spiel, in dem man einfach eben Kisten auspackt und das Zeug irgendwohin stellt, es verlangt schon, dass du ein bisschen mitdenkst. Manchmal befinden sich beispielsweise in den Kisten Dinge für andere Zimmer der Wohnung, dann ist es wichtig, diese auch an den richtigen Ort zu bringen. Ebenso verbirgt sich in Unpacking ein kleines Rätselspiel, denn wie ich schon schrieb, kann man nicht nur die Sachen irgendwohin stellen, sondern sie haben alle auch einen richtigen Platz. Dieser muss zum Glück nicht hundertprozentig mit der Lösung übereinstimmen, denn ein bisschen Individualismus ist nicht verkehrt.

In einigen wenigen Level war ich jedoch überfordert. Die Gegenstände blinkten Rot, was bedeutete, dass sie nicht dorthin gehörten, wohin ich sie gestellt habe. Doch ich hatte keine Ahnung, wohin sie gehören. So zum Beispiel in einer der letzten Wohnungen: Es gab etwas, das für mich wie ein Badvorleger aussieht – doch Unpacking sah das nicht so. Es hat eine ganze Weile und viele Räume später gedauert, bis ich herausfand, dass das Ding in die Badewanne und nicht davor kommt. Das war sehr erfüllend und vor allem befreiend.

Manchmal war es jedoch nicht nur etwas schwieriger, die Gegenstände an ihren Platz zu stellen, sondern sie auch zu markieren. Denn oft habe ich beispielsweise etwas in Schubladen gelegt als sie zu schließen, weil es mit der Maus hier nicht richtig ausgewählt hat. Das stelle ich mir auf einer Konsole, wo ich nur den Stick habe, um etwas zu bewegen, schwierig vor. Ansonsten ist die Erfahrung auf dem PC wirklich sehr gut, zumal am Ende jedes Kapitels auch noch eine Kleinigkeit zum Leben erzählt wird: Mal freut sich die Hauptfigur über eine eigene Küche, mal darüber, dass sie wieder zu Hause eingezogen ist. !B

Im Bild ist eine Küche, die im rechten Rand des Bildes ist. Die Küche ist schwarz und grau.

Zurück in alte Erinnerungen

Was mich an Unpacking mittlerweile so fasziniert? Dass ich genau die richtige Zielgruppe bin. Ich bin in diesem Zeitraum aufgewachsen und kenne ALLES, was ich eingeräumt habe. Ob das der alte Game Boy ist, das Kleid, das an Sailor Venus erinnert, oder der Nintendo DS, den ich mehrere Wohnungen mitnehme. Ich kann mit allem etwas anfangen, was ganz besondere Erinnerungen in mir weckt und ich kann mir durchaus vorstellen, Unpacking nochmal zusammen mit Manuel zu spielen und gemeinsam über alte Erinnerungen mit diesen Dingen zu sprechen. Oder mit Freundinnen in Erinnerungen schwelgen. All das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Untermalt wird Unpacking dabei übrigens von einem sehr guten Soundtrack. Angefangen mit „Pixelmusik“, die einfach hervorragend zu den Zeiten passt, wo man noch einen Zauberwürfel und einen Game Boy hat, bis hin zu richtigen Songs und Klavierstücken, die zu jedem Umzug hervorragend passen. An keiner Stelle nervt die Musik hier, sondern sie untermalt genau passend alles, was ich gerade erlebe.

Einziges Manko am Spiel ist für mich die Spielzeit. Im Normalpreis kostet Unpacking 19,99 €, was ich recht viel finde. Es gibt mir persönlich zwar einen emotionalen Wert, weswegen ich es mir gut vorstellen kann, den Titel einfach auch nochmal auf der Switch zu kaufen, dennoch finde ich den Preis für etwa zwei oder drei Stunden hoch gegriffen. 14,99 € hätten es hier sicherlich auch getan, da ich mir auch nicht sicher bin, inwieweit man es wirklich nochmal spielt. Dafür punktet es mit Errungenschaften, die nicht nur an die Plattform geknüpft sind, sondern auch im Spiel selbst auftauchen, was ich wiederum cool finde. Dennoch glaube ich, dass das den Preis nicht wirklich rechtfertigt. !B

Ein Bild ist in einem Fotoalbum zu sehen. Es zeigt einen schwarzen Bürodrehstuhl vor einem braunen Schreibtisch. Die Bildunterschrift sagt: "Hier kommen nur meine Bilder hin!"

Fazit: Wieso machte ich einen Bogen um dich?

Ich frage mich mittlerweile, warum ich mich so lange sträubte, Unpacking zu spielen. Es ist für mich eine rundumfassende zufriedenstellende und glücklich machende Erfahrung gewesen, all diese Kartons auszupacken und zu überlegen, was die Hauptfiguren damit wohl machen oder was sie damit verbinden. All diese liebevollen kleinen Details in diesem wunderbaren, klaren Pixelartstil, lassen mein Herz auch jetzt noch lachen. Untermalt wird Unpacking von einem hervorragend passenden, fast schon perfekten Soundtrack, dessen Finale in einem grandiosen Unpacking-Song endet, der tief in mir drin etwas bewegt hat. Nur ganz wenige Mängel bleiben dabei in Erinnerung, die jedoch genauso wie die Umzugskartons verblassen werden. Wenn du, so wie ich, ein Fan davon bist, Kisten auch wieder auszupacken und ganz nebenbei in alten, längst vergessenen Erinnerungen zu schwelgen, ohne Zeitdruck, dann bist du mit diesem verzaubernden Indie an der richtigen Adresse – du musst dich nur darauf einlassen und schon entpacken sich die Kisten von allein und dein Herz geht auf.

ProContra
+ Wunderschöner Pixelartstil– Etwas zu kurz
+ Hervorragender Soundtrack– Steuerung manchmal nicht klar (Anwählen schwierig)
+ Magie des Auspackens und Erinnerns wunderbar eingefangen– Nicht immer ist klar, was wohin kommt
+ Tolle Geschichte, die nebenbei erzählt wird
+ Absolutes Zenfeeling

Technik: 84
Grafik: 92
Sound: 100
Umfang: 65
Gameplay: 80

Spielspaß: 98

  • Story: Unpacking erzählt eine Geschichte über das Umziehen und Ankommen, über das Verabschieden und Einziehen, über das Ausziehen und Loslassen und dabei einen ganz eigenen Weg zu gehen.
  • Frustfaktor: Selten ist es schwierig, herauszufinden, wohin etwas kommt, das frustriert zumindest mich.
  • Nachhaltigkeitswert: Mich hat Unpacking sehr berührt und ich hoffe, dass es die Welt nicht nur mal eben für fünf Minuten berührt, sondern langfristig. Bitte mehr hiervon.
  • Design/Stil: Ein wunderbarer Pixelartstil mit ganz verschiedenen Elementen. Sehr gut umgesetzt.
  • Musik und Sound: Perfekt, einfach nur perfekt, abwechslungsreich, klangvoll, hervorragend und immer zur Geschichte passend. Habe ich schon perfekt gesagt?
  • Preis- und Leistungsverhältnis: Ich finde 19,99 € einen Tacken zu hoch angesetzt und denke, dass 14,99 € auch ganz angemessen gewesen wären.

Offenlegung

Ich habe Unpacking auf einem Windows PC durch den Game Pass Ultimate gespielt.

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Beatrice Vogt
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