Vendetta: Curse of Raven’s Cry (Steam) im Test – Reality Pump flickt die Segel

Anfang des Jahres brachten Reality Pump und TopWare ihr Piraten-RPG nach mehreren Verschiebungen mehr oder weniger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion bei Steam heraus. Wir nahmen das Abenteuer, das von einer turbulenten Entwicklungsgeschichte und vielen Verschiebungen gebeutelt war, damals unter die Lupe und stellten fest, dass ganz grundsätzlich ein großartiges Spiel in Raven’s Cry schlummerte, das jedoch von unzähligen Fehlern und seinem schlichtweg unfertigen Charakter begraben wurde. Nun kehrt das Projekt zurück – Nach Umstrukturierungen im Hause TopWare möchte man nach Jahren Entwicklungszeit das Projekt mit Vendetta: Curse of Raven’s Cry zum Abschluss bringen. Während bereits der Spieltitel eine Anspielung auf das „verfluchte“ Projekt ist, verraten wir euch, ob TopWares Vendetta geglückt ist.

Was ist denn das?

Wer bei Vendetta: Curse of Raven’s Cry ein Remaster erwartet, bei dem man sofort auf den ersten Blick irgendwelche Unterschiede erkennt, ist fehl am Platz. An einigen Stellen ist die überarbeitete Fassung genau das gleiche Spiel wie das Original. Doch Vendetta: Curse of Raven’s Cry macht neben vielen inhaltlichen Erweiterungen etwas viel Wichtigeres: Die Entwickler haben unter der Haube deutlich erkennbar gearbeitet – Das ist ein Fortschritt, denn ja gerade die ach so belobten Remasters häufig nicht mal aufweisen können.

Dass wirklich viel verbessert wurde, ist dann doch direkt zu Beginn erkennbar: Framerateprobleme und Tearing gehören mit Vendetta: Curse of Raven’s Cry nämlich fast vollständig der Vergangenheit an. Wir können nur in den größeren Städten stellenweise ganz leichtes Ruckeln feststellen. Des Weiteren wurde auch das leidige Absturzproblem, das Christopher Ravens Abenteuer in Raven’s Cry noch gehörig versaute, auch beseitigt: Vendetta: Curse of Raven’s Cry ist uns während des Tests nur ein einziges Mal während eines Seegefechts abgeschmiert – Das geht bei den vielen Stunden in Ordnung. Übrig geblieben sind die noch immer recht behelfsmäßig wirkenden und langweiligen Texteinblendungen beim Auslösen von Scripts, während Christopher in ähnlichen Situationen manchmal auch synchronisiert ist. Hier merkt man, dass Vendetta: Curse of Raven’s Cry lange in Entwicklung war und manche Elemente eben entweder nicht ganz abgeschlossen oder nicht ganz wieder entfernt wurden.

Während man durch die verbesserte Technik nun viel entspannter an das Abenteuer herangeht, stellt man fest, dass sich eben auch inhaltlich einiges getan hat: Es gibt neue Quests, die man mal selbst finden muss, die mal auf dem Weg ausgelöst werden, die Spielwelt wurde mit neuen Dingen bestückt, nämlich Sammelobjekten und versteckten Kisten, und es gibt eine Bevölkerung der Spielwelt mit Wildtieren! Fast überall dort, wo in Raven’s Cry noch gähnende Leere herrschte, gibt es in Vendetta: Curse of Raven’s Cry zumindest Kleinigkeiten zu tun. Ganz an den Umfang und die Qualität anderer Spiele heranreichen können diese Aktivitäten nicht, denn Einiges wirkt immer noch leicht unbeholfen bis unfertig – dazu gleich mehr – doch insgesamt hat man nun schon einen ganz anderen Eindruck vom Spiel.

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Was machen die beiden denn da? Diese Szene kennt man, doch sie hat an Witz nichts verloren.

Tolle Atmosphäre, einige Ärgernisse

Die wunderschöne Spielwelt mit ihrer guten Atmosphäre und einer tollen Musikuntermalung ist natürlich uneingeschränkt erhalten geblieben. Doch durch die Erweiterungen macht sie nun schon wesentlich mehr den Eindruck einer fertigen Spielwelt als nur einer Kulisse. Trotzdem kann Vendetta: Curse of Raven’s Crytechnisch nicht ganz mit anderen aktuellen Titeln mithalten, was teilweise vielleicht dem eigentlichen Alter des Materials geschuldet ist, teils aber immer noch an fehlendem Feinschliff liegt.

Ganz grundsätzlich steht noch immer das Problem im Raum, dass das Kampfsystem an Land kaum angerührt wurde: Zwar sind die Kämpfe prinzipiell taktisch, da man die Aktionen des Gegenübers beobachten muss, im richtigen Moment angreifen und kontern muss, doch es fehlt de facto immer noch deutlich an Trefferfeedback, zudem leistet sich die KI einige Aussetzer und dumme Aktionen, sodass die Kämpfe häufig in hektisches und auch frustrierendes Rumgehacke ausarten. Die Kämpfe mit den Wildtieren sind teilweise besonders frustrierend, denn im bergigen Gelände verfangen sich nicht nur die Gegner, sondern auch Christopher ganz gerne in Hindernissen, sodass Widersacher beispielsweise nicht mehr angreifbar sind, man selbst aber schon… Weglaufen und neu versuchen hilft da! Probleme mit den NPCs ganz grundsätzlich haben aber aus irgendeinem Grund bei der Überarbeitung ohnehin zugenommen: Da stecken ganz gerne NPCs auch mal irgendwo fest oder laufen gegen Wände. Diese Mängel stören aber hier nicht.

Glänzen können dagegen in Vendetta: Curse of Raven’s Cry noch immer die Seegefechte, mit ihren anspruchsvollen und taktischen Charakter. Aus irgendeinem Grund kamen sie uns aber in Vendetta teilweise deutlich frustrierender vor als im Original, da Gegner manchmal übermächtig wirken. Zudem sind Abläufe häufig festgelegt: So hat man gerade sehr knäpplich eine Seeschlacht einer Storymission bestanden, auf dem Weg zum nächsten Reiseziel begegnet man aber zwangsläufig noch anderen Gegnern, die man beim besten Willen nicht mehr schafft… Da hilft dann nur, dass man am besten noch ein Savegame übrig hat, bevor man die erste Schlacht überhaupt begonnen hat, sonst entkommt man hier fast unmöglich….

Trotz allem kann man sagen, dass Vendetta: Curse of Raven’s Cry insgesamt einen ordentlichen Eindruck hinterlässt und sich rund spielen lässt, sofern man genügend Spielstände anlegt. Trotz einiger loser Enden und unfertiger Elemente würden wir behaupten, dass die Entwickler aus dem teils angestaubten Material das Beste herausgeholt haben, was man sich für eine Überarbeitung hätte wünschen können. Auf alle Fälle sind ja auch die ganz gravierenden Fehler eindeutig beseitigt! Durch seinen leicht unwirschen Charakter hat Vendetta: Curse of Raven’s Cry am Ende nämlich auch fast mehr Charme als andere aktuelle Spiele.

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Böses Vieh erledigt! Die Wildtiere sind neu, die Kämpfe können manchmal ziemlich frustrierend sein.

Gelungene Spielmechaniken

Ist der Eindruck technisch insgesamt recht ordentlich, so sind die anderen Spielmechaniken in Vendetta: Curse of Raven’s Cry definitiv am rechten Fleck: Die Charakterentwicklung wurde etwas abgeändert, sodass sich bestimmte Skills nun leichter freischalten lassen, während andere alleine durch die Storyentwicklung freigeschaltet werden. Durch die nun vorhandenen optionalen Aktivitäten geht das Leveln gerade zum Beginn des Spieles recht problemlos vonstatten, zumindest, wenn man sich auf die Spielwelt einlässt und beispielsweise die Tiere besiegt.

Exzellent sind Crew- und Schiffsverwaltung sowie Handel – Hier fühlt man sich bisweilen wie ein echter Pirat. Um ordentlich Kohle zu machen, bietet es sich an, billige Waren zu kaufen und wie im nächsten Hafen teuer zu verticken. Auf der Map wird jeweils angezeigt, welche Waren an einem bestimmten Ort reichlich vorhanden sind und somit schlecht bezahlt, und welche knapp vorhanden sind und somit gut bezahlt werden. Im Laufe des Abenteuers trefft ihr immer wieder Personal, das bestimmte Posten eures Schiffs besetzen kann, wobei jede Person Boni und Mali mit sich bringt. Welche man wählt, hängt nicht zuletzt vom eigenen Spielstil ab. Hier hätte man sich vielleicht noch eine größere Auswahl an Leuten wünschen können – Häufig ist alles von einer bestimmten Nebenquest abhängig, die man vielleicht zufällig findet, vielleicht auch nicht. In Vendetta: Curse of Raven’s Cry gilt eben die Regel: Wer mehr erkundet, kriegt mehr.

Nicht vergessen werden darf das Rufsystem: Vor allem mit Aktionen auf der See steigert oder mindert ihr euren Ruf bei bestimmten Fraktionen, zudem darf man sich natürlich auch Fraktionen anschließen. Netterweise weist einen Vendetta: Curse of Raven’s Cryvor so einer Entscheidung auf deren Tragweite hin – Beispielsweise dem französischen Gouverneur könnt ihr euch schon bald zu Spielbeginn Untertan machen. Wer das nicht möchte, lehnt sein Angebot ab, erhält aber eben auch keine Aufgaben von ihm.

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Nach den Seegefechten stellt sich die Frage, was man mit an Bord nimmt – Am besten etwas, das sich im nächsten Hafen gut verkaufen lässt!

Fazit: Ein besseres Piraten-RPG

Am schroffen und bisweilen auch etwas unfertigen Charakter von Raven’s Cry hat sich mit Vendetta: Curse of Raven’s Cry nicht viel geändert. Teilweise hat man immer noch den Eindruck, dass Ideen und Elemente aus ganz verschiedenen Stadien der Entwicklung zusammengeführt und nicht ganz zu Ende gebracht wurden. Aber vielleicht macht genau das das Spiel auch so charmant, wie es ist. An Flair hat Vendetta: Curse of Raven’s Cry nämlich mehr zu bieten, als so manches aktuelles Spiel.

Reality Pump hat die gröbsten technischen Patzer aus dem Weg geräumt – Ein einziges Mal stürzte Vendetta: Curse of Raven’s Cry in unserer Testphase ab, davon abgesehen kommt es nur gelegentlich zu Framerateeinbrüchen. Auch die inhaltlichen Erweiterungen überzeugen, spielerisch hatten wir an sich schon am Ursprungsspiel wenig auszusetzen. Nur einer unserer größten Kritikpunkte wurde kaum angerührt: Das Kampfsystem kann taktisch sein, es wirkt jedoch immer noch hektisch und es mangelt an echtem Trefferfeedback. Hin und wieder leistet sich auch die KI Aussetzer und in den Kämpfen mit den Tieren kommt es gerne zu Problemen mit der Kolissionsabfrage, was letztlich zu frustrierenden Erlebnissen führt. Hätte man an diesem wesentlichen Element noch mehr verbessert, könnte sich Vendetta: Curse of Raven’s Cry eine noch höhere Wertung sichern. So reicht es für eine sehr solide gute Wertung – Und unterm Strich ist Vendetta: Curse of Raven’s Cry ein starkes Piraten-RPG.

Pro Contra
+ Tolle Seegefechte – Immer noch holpriges Kampfsystem an Land & KI-Schwächen
+ Gelungene inhaltliche Erweiterungen gegenüber Original (Tiere, Quests etc.) – Kämpfe mit Tieren teilweise sehr glitchy
+ Gute Musikuntermalung, ordentliche Synchro – Teilweise sehr frustrierend (aber: Freies Speichern!)
+ Tolle Spielwelt – Gelegentliche Framerateeinbrüche
+ Gelungene Ruf- und Handelssysteme – Einfache Texteinblendungen wirken manchmal merkwürdig
+ Ordentliche Crewverwaltung – NPCs teilweise buggy

Technik: 78

  • Grafik: 79
  • Sound: 88
  • Gameplay: 73
  • Umfang: 85
  • KI: 63

Spielspaß: 80

Einzelspieler:

  • Story: Eine Geschichte mit dem altbekannten Rache-Motiv, aber ordentlich aufs Setting angepasst und insgesamt gut umgesetzt.
  • Wiederspielwert: Vorhanden – Der Umfang ist sehr ordentlich und es gibt auch viele optionale Dinge zu erledigen (Side-Quests, andere Entscheidungen, Schatzkarten,…)
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden, vor allem, da die Seegefechte teilweise unschaffbar schwer sind.
  • Design/Stil: Insgesamt stimmig – Die Spielwelt überzeugt, einerseits mit ihrer Schönheit, andererseits mit dem schroffen Charakter. Die meisten Elemente passen gut zusammen.
  • Musik/Sound: Eine stimmige Musikuntermalung und eine solide Synchro.

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 10 Professional (64 bit)

Wir bedanken uns bei TopWare für die Bereitstellung des Reviewmusters zu Vendetta: Curse of Raven’s Cry!

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