Warriors Orochi 3 Ultimate (PS4) im Test – Anständiges Gemetzel?

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Warriors Orochie 3 erschien einst im Jahr 2011 in Japan für die PlayStation 3 und Xbox 360 und kombinierte damals bereits Figuren aus den Spielen Dynasty Warriors und Samurai Warriors miteinander und mischte noch verschiedene Figuren wie Ryu Hayabusa aus Ninja Gaiden und anderen japanischen Spielen darunter. Nun, etwa drei Jahre nach dem ersten Erscheinen des Titels, steht Warriors Orochi 3 Ultimate in den Händlerregalen auch für PlayStation 4 und Xbox One bereit, aber lohnt sich die Neuauflage überhaupt oder haben wir es nur mit einem lauen Aufguss zu tun?

BildDas Tor zum Schlachtfeld

Ein Grund, sie zu binden

Wenn man einen Cross-Over-Titel mit Story machen möchte, braucht man zunächst erst einmal etwas ganz Wichtiges: Man braucht einen Grund, warum die verschiedenen Charaktere zusammenarbeiten sollen. Gesagt, getan, denn wie mehr als ein simpler Grund wirkt die Story in Warriors Orochi 3 Ultimate nicht. Schlichtweg geht es darum, dass zu Beginn die Dunkelheit über das Land zieht und eine große Hydra erscheint. Also beschließen drei große Anführer, sich zusammenzuschließen und mit ihren Armeen die Hydra anzugreifen. Darunter ist beispielsweise Sima Zhao aus dem Hause Jin aus Dynasty Warriors und Hanbei Takenaka aus Samurai Warriors.

Jedoch, und wie sollte es auch anders sein, hat diese Gruppe keine Chance gegen die Hydra: Selbst mit einem Geschoss machen wir nur wenig schaden. Und genau hier kommt der Clou ins Spiel, denn Prinzessin Kaguya, die noch dazu über magische Fähigkeiten verfügt und aus dem japanischen Märchen Taketori Monogatari stammt, hat eine unglaublich gute Idee. Reisen wir doch einfach in die Vergangenheit zurück und holen uns alle möglichen Offiziere, die wir so finden können, damit wir am Ende in einer großen Schlacht als Sieger dastehen. Natürlich willigen wir ein, weil die Geschichte auch überaupt nicht dubios klingt. Und genau ab dem Zeitpunkt begeben wir uns in verschiedene Schlachten, die man zum Teil schon aus Dynasty Warriors kennt und retten sowohl unsere Offiziere als auch feindliche Figuren.

Ach ja, bevor wir es vergessen: Durch unsere Zeitreise sind auch andere Figuren dummerweise in das alte China geraten, die wir nun hin und wieder treffen und gleich rekrutieren. Auf diese Weise reihen sich Figuren aus Ninja Gaiden in unsere Armeen ein, ebenso wie Charaktere aus der Atelier-Reihe. Somit steigert man das Ganze auf 145 spielbare Figuren, die man netterweise alle aufleveln sollte, aber dazu gleich mehr.

Ich level mir einen

Wer die Spiele der Reihe Dynasty Warriors kennt, wird das dortige Levelsystem kennen: Für jeden besiegten Offizier erhält man eine gewisse Anzahl Punkte mit denen man dann seine Figur verbessern kann, sodass sie verschiedene Fähigkeiten erlernt oder ihre Werte verbessert. In Warriors Orochi 3 hat man von diesem System abgelassen und ein simples Levelsystem eingebaut, bei dem man ganz klassisch Erfahrungspunkte bekommt und nach einer gewissen Anzahl im Level aufsteigt. So hat man zwar weniger Einfluss auf die direkte Entwicklung der Figur, aber es ist weitaus einfacher, voran zu kommen.

Wer allerdings auf Individualität steht, der sollte sich unbedingt mit dem Waffenhändler kurzschließen, denn hier habt ihr die Möglichkeiten, eure gesammelten oder gekauften Waffen miteinander zu fusionieren und somit die Attribute zu übernehmen und euch eine mächtige Waffe zu basteln. Jede Waffe hat dabei acht mögliche Slots, die ihr nach und nach einbauen müsst. Habt ihr dann einen freien Sockel zur Verfügung, könnt ihr dort nach Belieben eure Atribute einbauen – diese werden im Übrigen auch gesteigert. Habt ihr also beispielsweise eure Waffe mit Ice +1 versehen, damit eure Gegner eingefroren werden, könnt ihr diese problemlos mit einer anderen Waffe, die vielleicht Ice +3 hat, verschmelzen, damit der Wert gesteigert wird und eure Waffe am Ende auf Ice +4 blicken kann. Dieses System gefällt uns richtig gut, vor allem weil man jede Veränderung an der Waffe merkt. Mehr Agilität? Kein Problem, sofort werden eure Angriffe weitaus schneller ausgeführt. Klasse System!

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Taktisch zum Sieg!

Im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Art hat man im Storymodus immer insgesamt drei Charaktere dabei, die man problemlos mit R2 wechseln kann. Und genau hier kommt der taktische Sinn ins Spiel, der bei anderen Titeln dieser Art eher im Kampfgefecht untergeht. Dadurch, dass ihr drei Charaktere mitnehmen könnt, habt ihr die Möglichkeit, vollkommen frei euer Team zu wählen. Wie wäre es mit einem Schwertkämpfer, einem Messerwerfer und einem Kämpfer, der mit einem klingenbesetzten Jojo angreift? Kein Problem, so könnt ihr nämlich Feinde aus der Ferne angreifen, euch durchmetzeln oder aber euch Platz verschaffen, wenn ihr umzingelt seid.

Auch im Gauntlet Modus habt ihr die Möglichkeit mit verschiedenen Figuren anzutreten, hier könnt ihr sogar insgesamt fünf Charaktere mitnehmen. Und das Beste: Wenn eure aktuelle Figur Schaden erlitten hat, braucht ihr einfach nur zu wechseln und schon regeneriert sie sich langsam aber stetig wieder.

Welcher Modus?

Warriors Orochi 3 kann es natürlich nicht lassen und kommt nicht nur mit einem oder zwei Modi daher, nee, das wäre ja doof. Wir empfehlen, ganz schlicht gesagt, die folgende Reihenfolge der Modi.

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1. Story Mode: Hier folgt ihr der Story und rettet Asien vor der Hydra und Orochi. Dabei leveln eure Charaktere auf und werden stärker, je besser ihr sie zudem ausrüstet.
2. Free Mode: Seid ihr mit der Geschichte durch, geht es in den freien Modus, wo ihr eure Figuren noch weiter auflevelt und verstärkt.
3. Gauntlet Mode: Und habt ihr das gemacht, dürften eure Figuren stark genug für den Gauntlet Mode sein. Das ist quasi ein Unendlichkeitslevel, bei dem ihr immer weiter kämpfen müsst. Das Ziel hierbei ist es, Miasma Level 100 zu erreichen, sprich das Höchstlevel an Gegnern zu besiegen. Und das ist gar nicht soooo einfach.

Neben den Modi erwartet euch dann noch der Duel Mode, bei dem ihr mit einem Team aus drei Charakteren bestimmte Modi ausspielt. Zum Beispiel gibt es hier den Survival Mode, bei dem ihr so vielen Gegnern wir möglich standhalten müsst oder den direkten Duel Modus, wo ihr gegen den Computer, einen Onlinefreund oder einen Partner auf der Couch antretet. Und da wir nicht allzu viele Worte über Modi verlieren wollen, die euch im Grunde jedes Mal fast alle in eine asiatische Schlacht entführen, lassen wir euch mit dieser Erklärung auch schon allein.

Hö? Der war doch gerade noch da?

Hach, Technikabschnitte in Koei-Spielen erinnern einen fast immer an ein Gemetzel in Warriors Orochi… Während das Spielkonzept zwar immer dasselbe ist und dem einen Spaß macht, den anderen langweilt, kann man sich leider immer auf eines ganz gewiss verlassen: Die Gegner werden aufploppen, wieder verschwinden und wieder auftauchen, so lange, bis ihr glaubt, alle besiegt zu haben – nur um dann festzustellen, dass das nicht der Fall ist. Denn wenn Warriors Orochi 3 ein Problem hat, dann ist es das Anzeigen von Dingen, denn ganz gern verschwinden auch mal ganze Häuser, Brücken oder Landschaften im Hintergrund, nur um dann wieder plötzlich aufzuploppen.

Am ärgerlichsten ist das aber wirklich bei den Gegnern, die ganz gern mal einfach so verschwinden und dann irgendwann wieder auftauchen. Am schlimmsten ist das, wenn man mit jemanden zusammen im Splitscreen spielt, denn dann scheint sogar die Rechenleistung der PlayStation 4 nicht auszureichen. Gerade dann verschwinden ganze Gegnertruppen, die dann am Ende im Victory-Bildschirm plötzlich wieder auftauchen. Auch wenn das ziemlich ulkig aussieht, sorgt das für Frust. Denn aus irgendeinem Grund können auch die unsichtbaren Gegner angreifen. Was soll das, Koei?

Und wenn wir einmal beim Aufregen sind: Wer schon einmal ein Warriors-Spiel welcher Art auch immer gespielt hat, wird sich noch an die deutschen Texte erinnern, die die Story erklärt haben. Wem das schon zu langweilig war und wer deswegen die Story übersprungen hat, sollte um Warriors Orochi 3 einen Bogen machen. So blöd wie das jetzt klingt, aber es hat nur eine japanische Tonausgabe und eine englische Textausgabe. Das bedeutet, man kann entweder dem japanischen Kauderwelsch lauschen, das hin und wieder mal nach “Schnitzel”, “Mewtu” oder “Hund im Schloss” klingt, oder aber man versucht sich auf das Englisch zu konzentrieren. Wir geben zu, dass es uns an der Stelle sehr schwer gefallen ist, der Story zu folgen, weil wir uns zum einen auf Japanisch und zum anderen auf Englisch gleichermaßen konzentriert haben – und somit hat dann die Geschichte absolut keinen Sinn mehr ergeben. Hier wäre entweder eine englische Synchro nett gewesen oder aber deutsche Untertitel. Und dadurch rückt die Story leider immer weiter in den Hintergrund, und das, wo das schon mal kein besonders starkes Zeichen von Warriors Orochi 3 ist.

Übrigens wird das Spiel auch von ziemlich heftigen Kantenflimmern begleitet, das einem wirklich Augenschmerzen verursacht und sehr, sehr stark auffällt. Weiterhin gibt es an manchen Stellen Einbrüche der Framerate, sodass es zu leichten Rucklern kommt. Das ist immerhin ein Mangel, der nicht ganz so übel ist…

BildIm Ladebildschirm gibt es immer ganz nette Statistiken

Zu zweit ist es doch am… beschissensten

Wer sich vielleicht ganz gern mal mit seiner oder seinem Liebsten gemeinsam vor einer Konsole vergnügt, der wird hier ein wenig finster in die Röhre blicken. Es gibt zwar einen Coop-Modus, bei dem man gewohnt die Story und verschiedene andere Modi gemeinsam bestreiten kann, aber das Spiel ist verdammt noch einmal viel zu stark an Spieler 1 gebunden. Im Story Modus zum Beispiel hat Spieler 1 quasi sein festes Team, während sich Spieler 2 jedes Mal aufs Neue (das heißt, jedes Mal, wenn man ein Schlachtfeld betritt) sein Team aussuchen muss. Das ist verdammt nervig und auch fragwürdig. Warum kann sich eine Spielekonsole nicht merken, welche Figuren Spieler 2 hatte????

Zudem darf sich Spieler 2 auch freuen, denn im Spiel selbst, also auf dem Schlachtfeld, verdecken diese lustigen Gespräche von Offizieren den halben Bildschirm vom zweiten Spieler, wodurch es häufig zu Verwirrung und auch zu einigen Toden kommt. Sehr schade und verdammt ärgerlich für den zweiten Spieler! Im Gauntlet Modus immerhin darf der zweite Spieler das ausgewählte Kader von Spieler 1 benutzen, immerhin etwas. Aber gerade im Storymodus ist das verdammt ätzend, gerade dann, wenn man wirklich mal einen Abend zocken will – und da ein Schlachtfeld etwa eine Viertelstunde Zeit in Anspruch nimmt, heißt das für Spieler 2, dass man alle Viertelstunde seine Figuren auswählen darf. Was das soll? Spielen die Jungs von Koei nicht gern im Offline-Coop?

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Wie ultimativ sind die Krieger?

Gut, wir haben in Warriors Orochi 3 Ultimate also eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, die möglichst viele Figuren aus unterschiedlichen Spielen zueinanderbringt. Insgesamt haben wir 145 Figuren, die man bis Level 100 leveln darf. Eine Hand voll unterschiedliche Modi, die irgendwie doch alle auf dasselbe hinauslaufen. Eine Technik, die auf der PlayStation 4 sehr fragwürdig ist und die uns mit der Frage zurücklässt, ob man es einfach nicht besser kann. Und einen nervigen 2-Spieler-Coop, der den zweiten Spieler vor ungeahnt nervige und ätzende Aufgaben stellt. Außerdem haben wir noch eine japanische Tonspur mit englischen Untertiteln, die die Story irgendwie in den Hintergrund sinken lässt. Unterm Strich scheint Warriors Orochi 3 Ultimate nicht sonderlich gut wegzukommen.

Es ist nicht so, dass Warriors Orochi 3 Ultimate keinen Spaß machen würde, aber die technischen Mängel und die extrem schwache Geschichte lassen das Ganze fast schon albern wirken. Schade, wir hätten uns hier weitaus mehr Überarbeitung gewünscht – Mehr Schlachten hin oder her, aber man sollte lieber an der Technik arbeiten, statt zu versuchen, 1.000 Gegner gleichzeitig anzuzeigen, 20 würden es auch tun. Für Fans von Dynasty Warriors und ähnlichen Spielen ist Warriors Orochi 3 Ultimate sicherlich hervorragend geeignet, immerhin bringt es viele bekannte Charaktere aus Spielen dieser Art. Neueinsteiger sollten jedoch hiervon die Finger lassen und vielleicht doch lieber einen Blick auf Dynasty Warriors 8 oder das kommende Samurai Warriors 4 werfen.

Pro Contra
+ Sehr viele Charaktere, gutes Cross-Over – Aufploppende Gegner/Landschaften/Häuser/Dinge
+ Sehr viele Missionen – Kantenflimmern und Framerateeinbrüche
+ Interessantes Levelkonzept – Nur japanische Tonspur und englische Texte
+ Gute Möglichkeit zum Waffenausbau – Die Story wirkt irrelevant
+ Strategisches und taktisches Denken erforderlich – Schlecht durchdachter und frustrierender Offline-Coop
+ Viele unterschiedliche Modi – Gameplay wiederholt sich in zu vielen Modi viel zu oft
+ Schöne Cutscenes zwischendrin

Technik: 74

  • Grafik: 61
  • Sound: 79
  • Umfang: 96
  • Gameplay: 60

Spielspaß: 78

  • Story: Haha. Wir sollten den Punkt “Story” hier in “Grund” umwandeln. Auch wenn die Geschichte interessant sein könnte, wirkt sie doch eher an den Haaren herbeigezogen und so, als hätte man einen Grund gesucht, um möglichst viele verschiedene Charaktere unter einen Hut zu bringen. Sehr schade.
  • Frustfaktor: Das kommt drauf an, wie man Frustfaktor definiert. Wenn man ständig grundlos verliert, dann ist der Frust auf jeden Fall in greifbarer Nähe. Gerade, weil man ganz oft nicht wirklich weiß, was das Ziel ist – Und dann kann man sich immerhin schon einmal über einen schönen Defeat-Bildschirm ärgern.
  • Wiederspielwert: Man ist definitiv mehrere 100 Stunden mit Warriors Orochi 3 beschäftigt, so viel ist sicher.
  • Design/Stil: Man bewegt sich zum Teil im alten China, hat aber auch mit Maps aus heutiger Zeit zu tun. Schade nur, dass die Umsetzung unter heftigen Kantenflimmern zu leiden hat.

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Beatrice Vogt

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