Asphalt 9: Legends (Nintendo Switch) im Test – Zu viele Ersatzteile drosseln die Leistung

Es wird langsam zum Trend, dass Spiele oder Reihen, die bisher nur auf Smartphones zur Verfügung standen, auf die Nintendo Switch umgesetzt werden. Im eShop lassen sich bereits einige solcher Titel finden. Auch eine der bekanntesten Mobilreihen überhaupt hat nun den Sprung geschafft: Asphalt 9: Legends gibt es jetzt für die Switch, ebenfalls als Free2Play. Der Test verrät euch mehr.

Eher für Zwischendurch?

Ich habe Asphalt 9: Legends auf der Nintendo Switch ohne große Erwartungen gestartet – der letzte mobile Asphalt Ableger, den ich gespielt habe, war tatsächlich eins der ersten. Seit einer Weile war ich raus. Dennoch hat sich am Grundanspruch der Spiele nichts verändert: Gameloft hat seit jeher das Ziel verfolgt, technisch imposante und vor allem rasante Rennspiele auf mobile Plattformen zu bringen.

Und genau das macht Asphalt 9: Legends auch richtig gut. Ganz ehrlich: Vor allem jetzt auf der Switch mit einer solide umgesetzten Controllersteuerung würde sich Asphalt 9: Legends problemlos gut als neuer Burnout Ableger machen, wenn da nicht die vorhandenen Einschränkungen wären, dazu gleich mehr. Im Großen und Ganzen handelt es sich beim Spiel aber um ein unkompliziertes und schnelles Arcadespiel, das mit abgetrennten Rennstrecken rund um den Globus, schnellen Rennen, Takedowns und der Vollständigkeit halber auch den Gesetzeshütern daherkommt.

Einen Anspruch mobiler Spiele erfüllt Asphalt 9: Legends auch: Es ist für schnelle Runden zwischendurch gemacht, geht man zumindest mal vom Erlebnis auf der Strecke aus. Die längsten Rennen sind die im Mehrspielermodus, die Einzelspielerrennen dagegen sind variabel kurz. Manche Events sind sogar nahezu lächerlich kurz – da lohnt sich kaum das Verbrauchen einer Tankfüllung für den Wagen und steigert umso mehr den Frust, wenn man mal nicht gewinnt, durch die Kürze der Strecke und des Rennens von weit unter einer Minute aber auch kaum die Gelegenheit dazu hat…

Die Rennen sind rasant und die Cops sind auch dabei.

Kein Überblick über Ersatzteile: Autokarten, Kartenpakete, Marken, Münzen…

Es ist einfach zu ärgerlich, dass Asphalt 9: Legends seinen Ursprung in einem Mobilspiel hat, das den Begriff In-App-Käufe mit anderen groß gemacht hat. Ganz ehrlich: Ich kann mir das Spiel wunderbar als ausgewachsenes Rennspiel auf der Nintendo Switch vorstellen, das 30 oder gar 40 Euro kostet. Es bietet grundsätzlich genug und macht auch viel Spaß. Von den einigen wirklich zu kurzen Rennen mal abgesehen, ist Asphalt 9: Legends einfach wie geschaffen für die Nintendo Switch und kann sich auch technisch auf der Plattform sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus wirklich sehen lassen.

Man kommt in dem kostenlosen Spiel auch wirklich viel und mit viel, viel Geduld lässt sich auch irgendwie alles freischalten, aber man wird allein schon durch die überladenen Menüs immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt: Ständig erklärt einem Asphalt 9: Legends irgendein neues Spielelement, und das nicht besonders klar, deutlich wird meistens nur, dass die nächste Aktion im besten Fall mit dem Ausgeben von Echtgeld endet.

Zunächst macht es noch den Eindruck, dass man echt viele Marken einfach als Belohnungen für tägliche oder wöchentliche Events oder einfach nur zum Abschluss der Karrierevents bekommt, doch ihr Verbrauch für lächerliche Gegenstände ist einfach nur inflationär. Gamelofts Vermarktung der Kartenpakete für neue Fahrzeuge ist ungefähr so realistisch wie das Werbebild eines Big Mac im Vergleich mit dem liebevoll zusammengeworfenen Burger im nächsten Schnellrestaurant. Geworben mit einem verdammt heißen Schlitten und am Ende erhaltet ihr eine Handvoll Karten für eine lahme Karre, die ihr längst schon habt – mit einer bestimmten Anzahl von Karten könnt ihr zwar die Stufe des Wagens verbessern, aber … na ja.

Ganz ehrlich: Über alles, was irgendwie levelt, verbessert und mit Echtgeld gekauft oder verbessert werden kann, den Überblick zu behalten, ist in Asphalt 9: Legends fast unmöglich. Genau so wie über die verschiedenen Ligen, Eventtypen und Co. Am Ende macht man am besten einfach alles und freut sich über eine Fortschritte. Weniger ist manchmal mehr – auf die Menüs von Asphalt 9: Legends trifft das voll und ganz zu. Auf dem Handy hätte ich das Spiel in dieser Form nach wenigen Minuten wieder deinstalliert.

Im Shop kann man viele tolle Sachen kaufen – doch in Kartenpaketen ist nicht immer das, was man denkt.

Das Burnout, auf das alle warten

Gameloft hätte sich einen riesigen Gefallen getan, eine echte Konsolenversion aus Asphalt 9: Legends zu entwickeln. Denn es steckt alles darin, was ein gutes Spiel braucht und mit der Nintendo Switch als Plattform hatte man nun mal auch den richtigen Riecher.

Die Strecken, die über den Globus verteilt sind, sind optisch sehr abwechslungsreich und auch außerordentlich detailreich – mir macht das so viel mehr Spaß, als immer wieder durch die gleiche und überall ähnlich aussehende Open-World zu fahren. Sogar spielerisch halten die verschiedenen Umgebungen interessante Nuancen bereit. Auf Dauer wiederholen sich die einzelnen Schauplätze und Strecken allerdings recht oft.

Vom Handling her fühlt sich Asphalt 9: Legends auf der Nintendo Switch zunächst recht schwammig an. Daran gewöhnt man sich allerdings schnell, und es handelt sich um einen typischen Arcaderacer, in dem man nicht bremst, sondern driftet, und zudem Takedowns austeilt was das Zeug hält. Die verschiedenen Nitroarten sind irgendwie sinnfrei, aber egal, Hauptsache, es geht schneller. Als Renntypen hat man regelmäßig zumindest normale Rennen und Zeitrennen am Start, was voll und ganz ausreichend ist, und hey, es gibt auch einen Mehrspielermodus, der zwar nicht so richtig stabil läuft und ziemlich ungleiche Spieler zusammenwirft, aber es ist auch eine ganz nette Abwechslung.

Kann man dann über die überladenen Menüs hinwegsehen und möchte sich einfach nur auf die Rennen konzentrieren, die wirklich gut sind, wird man bestimmt auch wieder ausgebremst – irgendwann sind nämlich alle Tankfüllungen eines Wagens aufgebraucht und dann braucht es mal eben 15 Minuten oder so, bis er wieder einsatzbereit ist, außer ihr gebt Marken dafür aus. Habt ihr dann keinen anderen Wagen mit genügend Upgrades am Start, heißt es warten, oder alte Rennen wiederholen. Vor allem, wenn der Schwierigkeitsgrad von Asphalt 9: Legends etwas sprunghaft ansteigt, steigt auch der Frust, denn freilich kann man Rennen nicht einfach wiederholen, sondern muss sie immer wieder aus dem Menü heraus neu starten – und natürlich kostet jedes Mal eine Tankfüllung. Juhu!

Warten…

Fazit: Ist vs. Soll vs. was hätte sein können

Asphalt 9: Legends hat es also vom Smartphone auf die Nintendo Switch geschafft. Das Schlimmste an dieser Umsetzung ist, dass man sich ständig vorstellt, was für ein herausragender Titel es hätte werden können, wenn Gameloft anstatt einer angepassten Umsetzung aus der Basis ein vollumfängliches Konsolenspiel entwickelt hätte. Es hätte das Burnout sein können, auf das seit Jahren alle warten. Super abwechslungsreiche Strecken rund um den Globus, rasante Rennen mit Takedowns, genügend spielerische Abwechslung, ein echter Onlinemodus: Es ist alles da, was das Rennspielherz begehrt. Keine Frage, für ein kostenloses Spiel bekommt man mit Asphalt 9: Legends richtig, richtig viel. Ausgebremst wird das Erlebnis aber durch eine viel zu große Anzahl unterschiedlicher Elemente, die irgendwie doch alle was mit Echtgeld zu tun haben: Marken, Kartenpakete, Upgrades, Tankfüllungen – es ist schon schwer, hier den Überblick zu behalten. Die Rennen machen das zum Teil wett, lassen aber in erster Linie hoffen, dass irgendwann mal ein großes Asphalt Spiel kommt.

Technik: 70
Grafik: 81
Sound: 77
Umfang: 69
Gameplay: 64
KI: 58

Spielspaß: 69

  • Story: Asphalt 9 macht sich nicht wirklich die Mühe, eine Story zu erzählen – die braucht es aber auch nicht.
  • Frustfaktor: Vorhanden und teils groß, wenn die Rennen viel zu kurz sind oder der Schwierigkeitsgrad später ziemlich sprunghaft ansteigt. Und jeder Versuch braucht eine Tankfüllung!
  • Nachhaltigkeitswert: Hat Asphalt 9: Legends durchaus. Mangels Konkurrenz ist es eins der besten Rennspiele in dieser Form auf der Switch und dürfte auch eine ganze Weile gespielt werden. Man kann allerdings zu viel Geld reinpumpen, um wirklich von Nachhaltigkeit zu sprechen.
  • Design/Stil: Gelungen, arcadig und rasant. Darf so bleiben!
  • Musik und Sound: Man setzt auf recht bekannte Musik, der Rest bleibt aber nicht in Erinnerung.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Man bekommt hier viel, ohne Geld auszugeben – wenn man jedoch Geld ausgibt, kann man durch den Glücksspielfaktor auch enttäuscht werden.
  • Akkuverhalten: Pro Viertelstunde werden im Handheldmodus rund 10 % des Akkus verbraucht, somit ist eine Spielzeit von gut zwei bis zweieinhalb Stunden Stunden ohne Strom möglich. (Launchkonsole)

Offenlegung

Wir haben die normale Version von Asphalt 9: Legends aus dem Nintendo eShop heruntergeladen und auf einer Switch vom Launch gespielt.

Ein optisches Highlight von den Strecken zum Abschluss.

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