Atelier Ryza 2 (PS4) im Test – Zweites Abenteuer für Ryza

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Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ein Spiel der Atelier Reihe auf der PlayStation gespielt habe, doch ebenso wie es für mich quasi wieder ein Debüt ist, so ist auch Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy ein Erstling. Es ist der erste Eintrag in der Reihe, der einer Alchemistin einen direkten zweiten Teil beschert. Wie sich das Abenteuer auf der PlayStation 4 spielt, erfährst du in meiner Review.

Willkommen in einer neuen Welt

Ryza, unsere Protagonistin und Alchemistin, begibt sich in eine neue Welt: Sie verlässt ihr Dorf in Kurken Island und beginnt ihr neues Abenteuer in der Hauptstadt, in der sie auch ihre alten Bekannten wieder trifft. Ihr Abenteuer beginnt damit, dass Moritz sie darum bittet, das Geheimnis eines leuchtenden Steins aufzudecken – außerdem erzählt ihr Tao, einer ihrer Freunde aus der Kindheit, das große Ruinen nur darauf warten, erforscht zu werden. Und irgendwo will Ryza auch eine bessere Alchemistin werden.

Drei Jahre sind seit Atelier Ryza vergangen, doch gefühlt hat sich für mich kaum etwas verändert: Die Story nimmt mich dieses Mal kein Stück mit. Während mich der Vorgänger noch dahingehen einfangen konnte, dass er Elemente eines guten englischen Jugendbuchs beinhaltete, fühlt sich die Story von Atelier Ryza 2 eher wie ein Abenteuerroman an, dessen Elemente nicht sonderlich catchy sind. Immerhin hat man sich von der sexualisierten Darstellung von Ryza verabschiedet, was mich wiederum sehr freut.

Für mich fühlt sich diese neue Welt – die große Hauptstadt, in der sehr viel Leben herrscht – viel zu leblos an, doch auch die Story selbst wirkt für mich eher wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die irgendwo bedingt etwas mit Ryza zu tun haben, jedoch sich kaum um ihre Alchemie drehen. Während der erste Teil noch darum ging, dass Ryza mit ihrer Alchemie helfen möchte, fehlt mir dieser Aspekt in Atelier Ryza 2 so gut wie völlig. Zwar hat sie einen Kessel in ihrem Zimmer und die Menschen bitten sie auch stellenweise um Hilfe, doch mir fehlt hier der Zauber der Alchemistin irgendwie sehr. Stattdessen ist Atelier Ryza 2 ein Abenteuerspiel, in dem Ryza springend, kletternd und schwimmend Ruinen erkundet, die Tao entdeckt hat. Und dann gibt es da noch Fi, ein kleines Feenwesen, das ein magisches Geheimnis verbirgt.

Nur so als Randnotiz, aber für mich immer wichtig, es zu erwähnen: Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy kommt wieder nur mit einer japanischen Tonspur daher. Ich wünsche mir ein einziges mal ein Atelier Spiel, das vollständig lokalisiert wurde. Dennoch punktet das Spiel immerhin mit einem sehr gelungenen Soundtrack.

Die leblose Stadt

Viele Teile von Atelier Ryza 2 spielen sich in der großen Hauptstadt ab, in der es lebendig zugehen soll. Doch von dieser Lebendigkeit merke ich nur wenig. Ja, es gibt einige NPC, die durch die Gegend laufen, allerdings ohne Ziel, zudem wiederholen sich die Charaktermodelle viel zu häufig. Generell haben die NPC kein Leben. Während auch Atelier Ryza 2 über einen Tag-und-Nacht-Zyklus verfügt, verhalten sich die NPC wie auch schon im Vorgänger: Keiner geht einer Aufgabe nach und nachts sitzen sie an denselben Stellen wie tagsüber. Auch die Läden haben nicht geschlossen oder passen sich in irgendeiner Weise an den Zyklus an. Zudem wiederholen sich die Modelle der NPCs viel zu häufig.

Wenn man bedenkt, dass vorherige Teile der Atelier Reihe beispielsweise auf Tagesrhythmen setzten, ist hier in Atelier Ryza 2 keine Spur von, was wirklich schade ist. An sich ist diese große, gigantische Stadt einfach nur groß und gigantisch. Wirklich etwas zu entdecken gibt es nicht, viele Wege führen in leere Sackgassen, es warten keine Überraschungen oder versteckten Kisten irgendwo in dieser großen, leblosen Stadt. Das ist sehr schade, denn die Welt könnte so viel lebendiger sein als sie es aktuell ist.

Das spiegelt sich auch ein bisschen in allen anderen Aspekten des Spiels wieder: Jedes Objekt, das man farmen kann, um Items zu sammeln, zeigt mir direkt im Vorfeld an, welches Item ich da sammeln kann. Überraschungen gibt es auch hier keine. Ryza weiß sogar immer schon im Vorfeld, was sich in Fässern oder zerstörbaren Kisten befindet, sie muss echt ein magisches Näschen dafür haben. Und hier liegt für mich die Diskrepanz: Auf der einen Seite ist Atelier Ryza 2 ein Abenteuerspiel, auf der anderen Seite lauern nirgendwo irgendwelche Überraschungen, die mich dazu anstacheln, die Welt zu erkunden. Auch werden mir auf der Weltkarte immer alle Storyabschnitte und Quests angezeigt, sodass ich mithilfe der Schnellreise im Grunde gar nicht mehr laufen brauche.

Und trotzdem gibt es kleine zärtliche Details, auf die geachtet wurde. Zum Beispiel wird Ryza nass, wenn es regnet und dann tropft auch Wasser von ihrer Kleidung. Nach dem Regen gibt es überall Pfützen. Das sind liebevolle Details, die jedoch stellenweise auch wiederum nicht konsequent umgesetzt wurden, so werden NPC nicht nass und gehen im Regen auch allen bisherigen Nicht-Aktivitäten nach. Ich kann einfach von einem Spiel im Jahr 2021 und einem Studio, das bereits seit mehr als 25 Jahren Videospiele entwickelt, mehr erwarten.

Viel zu tun

Atelier Ryza 2 punktet allerdings mit jeder Menge Dinge, die man tun kann. So kann ich Dinge herstellen an meinem Kessel, ich kann Quests am Brett annehmen (allerdings nur das Board, das im Café ist, die anderen sind nur Dekoelemente), es gibt sogar Akademiequests, die in der Hauptstadt zu finden sind, ich kann Händler ausbauen und mein Atelier so gestalten, wie ich es möchte. Und trotz dass sich die Story für mich nur an simplen Fäden entlanghangelt, fühle ich mich wohl mit all den Dingen. Sicherlich sind sie nicht sonderlich abwechslungsreich, aber das ist hier fast egal. Viele Quests kann ich einfach auf dem Weg erledigen – oder ich nehme mir gesondert die Zeit dafür.

Auch Atelier Ryza 2 hat kein Zeitmanagement und ich kann Aufträge dann erledigen, wenn ich sie erledigen möchte. Ich muss nicht wie beispielsweise in Atelier Ayesha noch darauf achten, dass ich die Quests bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig habe.

Atelier Ryza 2 hebt sich übrigens auch durch das Alchemiesystem wieder von den Vorgängern ab, denn dieses Mal habe ich einen Skilltree, an dem ich meine Rezepte erlernen kann. Hierfür brauche ich Punkte, die ich wiederum nur durch die Alchemie erhalte, manchmal auch in dem ich verschiedene Ruinen besuche. Ansonsten ist das Alchemiesystem jedoch ähnlich wie auch schon bei Atelier Ryza. Auch das Kampfsystem wurde nochmal leicht überarbeitet, arbeitet jedoch immer noch mit quasi ATB-Balken, sprich, man kann erst eine Aktion nach einer gewissen Zeit anwenden. Mir gefallen die Änderungen am Kampfsystem sehr, allerdings finde ich, dass die Schwierigkeit unterschiedlich ist. Mal komme ich mit Ryza und ihren Freunden gut durch einen Kampf, mal habe ich enorme Schwierigkeiten. Das Coolste am Kampfsystem ist jedoch, dass Ryza tatsächlich harte Angriffe austeilen kann und somit nicht nur die nutzlose Alchemistin ist, wie es häufig in den Vorgängerspielen der Fall war.

Wähle ich nun „Weisheit Academy District“, komme ich direkt zur Cutscene

Ich schiebe mich durch die Welt

Atelier Ryza 2 hat für mich so viele Mängel, besonders im technischen Bereich. GUST gibt es jetzt seit 1993 und trotz allem fühlt sich ein Final Fantasy XIII, das ich derzeit auf der Xbox One spiele, technisch deutlich weiter an als ein Atelier Ryza 2 und das finde ich persönlich sehr schade. Ich erwarte hier mittlerweile einfach ein bisschen mehr.

Neben den bereits aufgeführten technischen Herausforderungen und Auffälligkeiten, fällt mir jedoch eines ganz besonders auf: Ryza läuft nicht wirklich. Ja, sie hat eine Laufanimation. Aber sie wirkt dabei eher nur so, als würde sie über die Welt geschoben werden oder dass die Welt unter ihr weggeschoben wird. Besonders auffällig wird das, wenn sie an Abhängen am Berg entlanggeht oder sie Ranken nach oben klettert, denn wirklich connected sieht sie dabei nicht aus. Und das, obwohl bereits deutlich ältere Spiele wie ein Tomb Raider Legends auf stolze Kletteranimationen zurückblicken können, ohne dass sich die Protagonistin dabei durch die Gegend schieben muss.

Zudem gibt es auch mit der PlayStation 4 Version auf der PlayStation 5 Kantenflimmern, während die Gespräche mit NPC oder Freunden von Ryza eher so wirken, als stammen sie direkt noch aus einer viel früheren Konsolengeneration. Sehr schade.

Fazit: Der Vorgänger war für mich besser

Mit Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy bringt GUST das erste Mal in der Geschichte der Atelier Spiele einen direkten Nachfolger mit gleicher und gut aussehender Protagonistin auf den Markt: Die Geschichte setzt drei Jahre später nach dem Erstling an, bleibt für mich aber deutlich hinter diesem zurück, vor allem was die Story betrifft. Häufig ist es für mich nur ein Abarbeiten der auf der Weltkarte markierten Gebiete – wo es Cutscenes und Sidequests gibt, wird dort angezeigt und per Schnellreise kann ich direkt dorthin reisen. Einen Grund, die Welt zu erkunden, gibt es in den meisten Fällen nicht, zudem auch nur wenige Überraschungen in der zum Teil sehr leblosen Welt auf mich warten. Immerhin gibt es jede Menge im Spiel zu tun, was zumindest meine Motivation steigert und auch einige kleine Details zeigen die Liebe zum Spiel: Regentropfen, die von Ryzas Kleidung tropfen, oder Pfützen, die nach Regen immer noch zu sehen sind. Auch das Charakterdesign wurde deutlich überarbeitet und rückt nun Ryzas echte Vorzüge in den Vordergrund.

Atelier Ryza 2 bringt allerdings auch viele grafische Mängel mit, die auch der erste Teil mit sich brachte und an denen dem Anschein nach nur bedingt gearbeitet wurde. Immerhin können Kampf- und Alchemiesystem überzeugen, denn beides macht sehr viel Spaß. Dennoch ist Atelier Ryza 2 nicht der Titel, der er hätte sein können und als Einstieg in die Reihe ist er auch nur bedingt geeignet. Wer auf der Suche nach einer guten Geschichte ist, kann gerne zu Atelier Ryza greifen, jedoch nicht direkt zum zweiten Teil.

ProContra
+ Toller Soundtrack– Uhrzeit irrelevant für NPCs
+ Motivierendes Kampfsystem– Welt sehr leblos gestaltet, NPC haben keine Ziele
+ Interessantes Alchemiesystem– Viele NPC sehen gleich aus
+ Super viel zu tun– Ryza schiebt sich durch die Welt
+ Ryza teilt ordentlich aus– Geschichte eher belanglos für mich
+ Kein Zeitdruck– Keine Überraschungen oder Anregungen zur Welterkundung
+ Gutes Charakterdesign– Kantenflimmern
+ Auge auf kleinen Details wie Pfützen

Technik: 71
Grafik: 58
Sound: 88
Umfang: 90
Gameplay: 70
KI: 50

Spielspaß: 60

  • Story: Atelier Ryza 2 erzählt die Geschichte von Ryza und ihren Freunden, die verschiedene Ruinen erkunden und mehr Geheimnisse aufdecken.
  • Frustpotential: Die Kämpfe sind meistens recht leicht, sodass ich hier kein Frustpotential erkennen konnte.
  • Design/Stil: Animestil, jedoch zum Teil mit einer sehr leblosen Welt, doppelten NPCs und einem schönen Charakterdesign für die Hauptcharaktere.
  • Musik und Sound: Sehr passend und inspirierend.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Atelier Ryza 2 kostet rund 60 €, was für die Menge an Inhalt okay ist, dennoch würde ich eher mit 50 € mitgehen.

Offenlegung & Unterstützung

Ich habe ein Pressemuster zu Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy kostenlos für die PlayStation 4 erhalten und auf der PlayStation 5 gespielt.

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Beatrice Vogt
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