Wildermyth (PC) im Test – Voller Überraschungen

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Wildermyth klang, als ich im Mai die Ankündigung schrieb, dass der Titel im Juni aus dem Early Access kommen wird, nicht unbedingt nach einem Spiel für mich: Rundenbasiertes Kampfsystem, Strategieelemente und ein kleines bisschen roguelite. Dennoch fragte ich nach einem Review Key und wurde definitiv überrascht. Was mir an Wildermyth gefallen hat und warum es einen gewissen Suchtfaktor hat, erzähle ich in meiner Review zur Steam Version von Wildermyth. !B

Auf dem Bild sind drei verschiedene Frauen zu sehen.  Eine von ihnen sagt: "Things are different than they were." Die andere erwidert: "Yeah. Well, I don't know if you've ever seen something quite like this."

Meine eigene Held/-innentruppe

Interessant fand ich von vornherein, dass ich in Wildermyth meine eigene Held/-innentruppe erschaffen kann, dass meine Entscheidungen einen Einfluss auf die Welt, meine Gegner und meine Held/-innen haben werden, und dass ich meine ganz eigenen Legenden schaffen kann. Darunter konnte ich mir zunächst nichts vorstellen, doch als ich mein erstes Szenario abschloss, wurde mir klar, was damit gemeint war: Meine Heldinnen aus dem ersten Szenario wurden zu Legenden und ich hatte das Potential, ihnen in weiteren Spielen zu begegnen. Was ziemlich cool ist.

Jedes Szenario hat dabei eine bestimmte Länge, manche dauern drei Kapitel, andere sind deutlich länger, doch jedes Szenario beginne ich mit drei zufällig generierten Charakteren, die als Warrior, Hunter oder Mystic meinem Team beitreten und bereits eine gemeinsame Geschichte haben. Das gefällt mir ziemlich gut in Wildermyth, denn es sind keine ganz unbeschriebenen Niemande, die plötzlich spawnen, sondern die ein Leben hatten, bevor sie zu Abenteurer/-innen wurden. Und dann gründete ich die Sisterhood of the Travelling Pants, wohlwissend, dass man Traveling mit nur einem L schreibt.

Für mich typisch wechsle ich jedes Mal so lange durch die zufälligen Charaktere, bis ich die gefunden habe, die zu ihren Rollen passen. Außerdem beginne ich meine Abenteuer immer mit Frauen. Ein wenig schade ist, dass der Zufallsgenerator nicht einen Schritt weiter geht und die Geschlechter mischt oder gar nicht-binäre Charaktere zur Verfügung stellt. Dafür bringt mir der Zufallsgenerator jede Menge andere ziemlich coole Dinge, die ich so noch nicht wirklich aus anderen Spielen kenne. !B

Und dann wurde sie zum Bären

Die Welt und die Geschichte werden in Wildermyth zufällig generiert, was jede Spielrunde zu einem spannenden Erlebnis macht, da auf diese Weise nicht jedes Szenario komplett identisch ist. Klar, hin und wieder wiederholen sich die zufällig verteilten Events, das ist logisch, doch davon gibt es zum Glück ganz schön viele, sodass man schon ein bisschen spielen muss, um Wiederholungen zu erleben.

Dabei sind die Ereignisse auch immer mal unterschiedlich, mal jage ich einen Bären, mal rette ich jemanden, mal soll ich auf einen Baum klettern, mal finde ich etwas. Manche Ereignisse sorgen dafür, dass sich meine Heldinnen entwickeln und plötzlich Bärenkräfte haben – im wahrsten Sinne des Wortes – oder zum Wolf werden oder Feuerarme bekommen. Das ist Stoff für wahre Legenden, und das macht mir ziemlich viel Spaß.

So wie sich meine Heldinnen zufällig weiterentwickeln, da die Ereignisse zufällig kommen, passen sich auch die Gegner an mein Verhalten an und werden auf diese Weise mächtiger oder entwickeln passendere Strategien, um mich in die Schranken zu weisen. Auf der Schwierigkeitsstufe „Storyteller“ ist das alles trotzdem relativ einfach und stellt kaum größere Herausforderungen dar, obwohl ich doch manchmal schlucken muss und dann mit meinen Heldinnen mitfiebere, weil ich mal wieder einen falschen Schritt gesetzt habe.

Dennoch hat Wildermyth auch eine gewisse Monotonie, die nach einigen Sitzungen einsetzen kann, denn im Grunde folgt immer alles demselben Rhythmus, auch wenn alles eine andere Grundstory hat: Das Böse ist irgendwo, ich muss die Dörfer befreien und eine Befestung bauen, und wenn ich genügend Dörfer befreit habe, kommt es zum finalen Endkampf. Das kann schon monoton werden, obwohl ich momentan noch dem Suchtcharakter verfallen bin, weil ich mir häufig denke: „Ach, nur noch das eine Dorf da…“. !B

Im oberen Bereich des Bildes ist eine Szene, im unteren werden drei Optionen angezeigt, um sich für den weiteren Verlauf der Geschichte zu entscheiden.

So papierhaft

Wildermyth hat einen ganz besonderen Grafikstil, denn alle Charaktere wirken wie aus Papier gebaut, Papercraft-Grafik-Stil nennt sich das Ganze und verpasst allem einen besonderen Look. Durch das rundenbasierte Kampfsystem und dem Papercraft-Grafik-Stil wirkt alles so, als hätte ich tatsächlich ein Brettspiel vor mir. Das ist ziemlich cool. Und auch nur hin und wieder kommt es zu kleineren Fehlern, wo sich die Bilder überlappen, aber das ist relativ selten und meistens dann, wenn man die Maus „schief“ gesetzt hat.

Ein bisschen lang finde ich in Wildermyth die Ladezeiten am Anfang, wenn das gesamte Spiel geladen wird. Das dauert schon ein bisschen – im restlichen Spiel hält sich das jedoch in Grenzen, sodass nur die Maps, die zufällig generiert werden, für kurze Ladezeiten sorgen, doch sonst gibt es fast nichts, wofür ich warten muss.

Ziemlich witzig finde ich dahingegen die Texte, die für die Ladezeiten in Wildermyth verwendet werden. Das ist schon originell und sorgt für den einen oder anderen Lacher zwischendurch. Da steht dann so was geschrieben wie „Wo waren wir? … Ach ja… Das geschah als nächstes“, denn allen in allem ist Wildermyth quasi ein uraltes Buch, in dem sich die Geschichten meiner Held/-innen finden lassen. Schließlich werden sie nach jedem Szenario zu Legenden – und die gehören in Bücher geschrieben.

Untermalt wird Wildermyth übrigens von einem ziemlich coolen, mittelalterlich anmutendem Soundtrack, der gut zur ganzen Szenerie passt. !B

Zu sehen ist der Ladetext, der so viel sagt wie: "Wo waren wir? Ach ja, so ging die Geschichte weiter."

Rundenbasiert und charakterentwickelt

Wildermyth ist ein rundenbasiertes Rollenspiel. Das bedeutet, dass du mit jedem Charakter in deiner Held/-innentruppe einmal pro Runde dran bist, danach sind die Gegner dran. Deswegen ist es ganz gut, wenn du direkt versuchst, in deiner Runde so viele Gegner wie möglich zu eliminieren. Nach jedem Gefecht verteilt Wildermyth Erfahrungspunkte, die dazu führen, dass deine Held/-innen im Level aufsteigen und das ist gut.

Jedes Level führt dazu, dass die Werte deines Charakters steigen und dass du aus zufällig ausgewählten Fertigkeiten und Fähigkeiten wählen kannst, um deine/-n Held/-in weiter anzupassen und ihr/-m neue Fähigkeiten zu geben. Das ist ziemlich cool, denn auch hier gibt es viele verschiedene Fähigkeiten, zwar sind sie auch hier an die Klassen der Held/-innen gebunden, trotzdem gibt es viele. Allerdings ist die Gegner-KI nicht immer sonderlich klug, auch wenn sie sich mit jeder deiner Entscheidungen weiterentwickelt. Manchmal macht sie genauso dumme Fehler wie ich. !B

Ein Einblick in das rundenbasierte Kampfsystem, das an ein Brettspiel erinnert.

Fazit: Mein Überraschungshit 2021

Als ich die Ankündigung zu Wildermyth schrieb, war mir nicht klar, dass es ein Spiel für mich sein könnte: Es sollte rundenbasiert sein und mit einem strategischen Kampfsystem. Das allein sind schon zwei Dinge, die mich häufig einen großen Bogen um Spiele machen lassen, doch als ich dann die ersten Spielstunden hinter mir hatte und ich auch vorhin „nur mal kurz für die Review“ nochmal reinschauen wollte und dann plötzlich drei Stunden um waren, wusste ich, dass ich es hier mit meinem Überraschungshit 2021 zu tun habe. Wildermyth ist ein ziemlich spannendes Rollenspiel, das mit vielen verschiedenen zufälligen Events, Fertigkeiten und Fähigkeiten daherkommt, sodass keine Spielrunde wie die andere ist. Die Möglichkeit besteht allerdings, dass es zu Wiederholungen kommt und vielleicht findest du es hin und wieder monoton, doch ich habe sehr viel Spaß mit Wildermyth und kann es Rollenspielfans, die auch gerne mal ein Brettspiel spielen, wärmstens empfehlen.

ProContra
+Viele Zufallsereignisse…– … die sich manchmal doch wiederholen können
+ Viele verschiedene Fertigkeiten und Fähigkeiten– Auf einfach fast einen Tacken zu einfach.
+ Viele verschiedene Missionen und Szenarien…– … die jedoch größtenteils ähnlich ablaufen
+ Ruhiger, passender Soundtrack– Lange Ladezeiten am Anfang
+ Humorvolle Texte und Geschichten– Gegner KI nicht immer klug

Technik: 83
Grafik: 88
Sound: 90
Umfang: 85
Gameplay: 83
KI: 70

Spielspaß: 90

  • Story: Du erstellst deine eigene Held/-innentruppe und begibst dich auf Szenarien, deren Ereignisse und Entwicklungen zufällig generiert werden. Dabei hat jede deiner Entscheidungen Einfluss auf die Welt, deine Charaktere und die Gegner.
  • Frustfaktor: Manchmal ja, doch auf „Storyteller“ ist der fast gar nicht gegeben.
  • Design/Stil: Ein interessanter Papercraft-Grafikstil, der an ein klassisches Brettspiel erinnert.
  • Musik und Sound: Der Soundtrack passt hervorragend zum Gesamtsetting. Ein wahrer Genuss für die Ohren.

Offenlegung

Wildermyth wurde uns vom Publisher kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wildermyth ist bei Steam (20,99 €) und itch.io ($ 24,99) verfügbar und kann sowohl auf Linux, Windows und Mac genutzt werden.

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Beatrice Vogt
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