Coffee Talk (PC) im Test – Das beste Café der Stadt

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Coffee Talk hat mich schon bei seiner Ankündigung begeistert: Ein Talking und Barista Simulator in einem und noch dazu in einer Welt, die ein wenig anders ist als unsere, sich aber dennoch mit den gleichen Problemen konfrontiert sieht. Nun ist Coffee Talk auf verschiedenen Plattformen erhältlich und ich hatte schon die Gelegenheit, mich als Barista in meinem eigenen Café zu probieren. Ob mir der Job gefallen und meinen Gästen der Kaffee geschmeckt hat, erfahrt ihr im Test.

Kluge Fragen zur Gesellschaft 2020

Coffee Talk spielt in einem alternativen Seattle des Jahres 2020. Diese Welt gehört nicht mehr nur den Menschen, denn andere Lebewesen wie Vampire, Zwerge, Werwölfe und viele weitere – übrigens auch Außerirdische – gehören genauso dazu. Dass in dieser Welt auch Rassismus zum Alltag gehört, versteht sich von selbst, doch gleichzeitig wirft Coffee Talk auch eine spannende Frage auf. Es wird von einer Welt erzählt, in der es nur Menschen gibt und dennoch Rassismus zum Alltag gehört. Doch wie kann es Rassismus geben, wenn nur eine Rasse herrscht?

Coffee Talk ist nicht nur in dieser Hinsicht ein erwachsenes Spiel, das viel Aufmerksamkeit verdient hat, denn es beschäftigt sich noch mit vielen weiteren Themen, die auch aktuell in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen und bei denen manche Menschen mehr bewegen möchten als andere. Es geht um soziale Gerechtigkeit, die Verpflichtungen der Arbeit, und wie man als Autor überhaupt Geld verdient. Coffee Talk stellt eine andere Welt dar als unsere ist dennoch vor allem eins: Gesellschaftskritisch. Der Außerirdische, der versucht, die Gepflogenheiten der Menschheit zu verstehen, um sich auf der Erde fortpflanzen zu können, bestätigt nicht nur das, sondern sorgt auch noch für den einen oder anderen Lacher.

Mit unserem Café liegen wir da genau richtig. Viel Kundschaft haben wir nicht, doch die braucht es auch gar nicht. Für die Gäste, die kommen, sind wir nämlich persönlich da. Mehr als etwas warmes zu trinken gibt es im Coffee Talk, so auch der Name unseres Cafés nicht, doch eine warme Tasse Kaffee, Tee oder Milch ist eben genau das, was die meisten Leute nach einem stressigen Tag brauchen. Genauso einen entspannten Ort wie das Coffee Talk, in der mir der Barista ohne Fachbegriffe und Vorgaben und tolles Getränk mischt, wünsche ich mir auch.

So ist das mit der Werbung – mit Vampiren geht’s am besten.

Visual Novel mit Kaffeebrauen

Coffee Talk bietet kein aufregendes Gameplay und ist schon mal gar nichts für Actionfans. Einfluss auf die Gespräche darf man auch nicht nehmen: Über weite Strecken handelt es sich tatsächlich um eine Visual Novel. Dennoch gibt es Entscheidungen und auch verschiedene Enden, doch die hängen nur von eurer Arbeit als Barista ab. Eure Gäste geben eine Bestellung auf, doch es hängt an euch, was ihr ihnen letztlich serviert. Bekommen sie das richtige, wirkt sich das mitunter auf die Handlung aus: Die gestresste Autorin kann beispielsweise nur mit dem dreifachen Espresso wirklich ihrer Aufgabe nachgehen.

In Coffee Talk sind die Enden einmal nicht offensichtlich und mehr oder weniger hängt es vor allem beim ersten Durchgang mitunter auch mal vom Zufall oder richtigem Raten ab, ob ihr den Gästen wirklich das richtige serviert. Manches Mal muss man sich an vorherige Besuche erinnern, die Zutaten eines bestimmten Getränkes kennen (oder halt mit Ecosia mal eben rausfinden) oder aber die dritte Zutat raten – all das kann sich auf Nuancen der Story auswirken.

Insgesamt ist Coffee Talk so eine entspannte interaktive Geschichte, die durch das Kaffeebrauen mit drei Zutaten immer wieder erfrischend aufgelockert wird. Es ist eine interaktive Geschichte, die man auch noch ein zweites oder drittes Mal erleben kann, denn eins ist sie nicht: Besonders lang. Nach rund zwei Stunden seid ihr durch, doch neben der Möglichkeit, die Hauptgeschichte noch weitere Male zu spielen, gibt es auch die Endlos-Modi, die entweder komplett freies Brühen (zum Finden der verbleibenden Getränke) erlauben oder aber einen Challenge Modus, in dem ihr mit Zeitlimit möglichst viele Gäste zufriedenstellen müsst. Hier ist die Übersetzung teilweise etwas hakelig und nicht immer ist nachvollziehbar, warum ein Getränk nicht gut ankam. Insgesamt halten die Endlos-Modi trotz ihres vielversprechenden Namens auch nicht wirklich lang bei Laune. Mit einem einmaligen Durchgang bietet Coffee Talk also ungefähr drei Stunden gute Unterhaltung, was den Preis von 13€ schon etwas kritisch machen mag.

So stellt man die Getränke her.

Ein schönes Café

Audiovisuell überzeugt Coffee Talk auf ganzer Linie: Der Stil aus „hochauflösender Pixeloptik“ gefällt mir hier außerordentlich gut. Während das Café statisch bleibt, bewegen sich draußen Autos und Fußgänger und wir bekommen ein gutes Gefühl dafür, ein Rückzugsort im geschäftigen Seattle zu sein. Das Figurendesign ist ebenfalls super – ebenso wie der Soundtrack das Erlebnis entspannt abrundet, aber auch nicht in Erinnerung bleibt.

Vertont ist Coffee Talk übrigens nicht – lesen müsst ihr also selbst. Auf Deutsch spielbar ist das Spiel allerdings und die Übersetzungen der normalen Gespräche auch sehr gut und fehlerfrei. Allgemein für die Bedienung stehen die üblichen Werkzeuge zur Verfügung, die problemlos funktionieren: Automatisches Abspielen der Dialoge oder Überspringen stehen mit zur Verfügung.

So wirkt die Menschheit nach außen.

Fazit: Ein traumhaftes Café

Das Coffee Talk ist ein wunderbares Café: Ein Rückzugsort mitten im lauten Seattle für ein warmes Getränk, Gesellschaftskritik, Freundschaften und Streit, oder, um einfach nur runterzukommen. Ebenso ein entspanntes Spielerlebnis hat Toge Productions mit Coffee Talk geschaffen. Die Mischung aus Visual Novel und Barista-„Simulation“ geht wunderbar auf und die Geschichten, die erzählt werden, regen zum Nachdenken an und beschreiben einen Großteil der Herausforderungen, der sich unsere Gesellschaft 2020 gegenübersieht. Da Coffee Talk mit rund zwei Stunden für einen einfachen Durchgang nicht so lang geht, sollten sich viele Spieler einmal auf den Job als Barista einlassen. Die Endlos-Modi bieten darüber hinaus nur wenig zusätzliche Motivation, zumal nicht immer nachvollziehbar ist, wieso die Gäste Getränke mögen oder nicht. Die Story hat mir umso mehr Spaß gemacht und ich wünsche mir mehr Spiele, die auf ungezwungene Art kluge Dinge erzählen.

ProContra
+ Audiovisuell überzeugend– Endlos-Modi bieten nur wenig zusätzliche Motivation
+ Kluge Geschichten– Nicht immer nachvollziehbar, warum ein Getränk nicht richtig ist (Challenge Modus)
+ Gelungene Darstellung der Welt– Übersetzung im Endlos-Modus etwas schwammig
+ Getränke mischen fügt sich gut ein
+ Gut übersetzte Dialoge

Technik: 80
Grafik: 85
Sound: 84
Umfang: 74
Gameplay: 85
KI: 74

Spielspaß: 90

  • Story: Coffee Talk erzählt viele Geschichten auf einmal und ist dabei ebenso witzig wie gesellschaftskritisch.
  • Frustfaktor: Kaum vorhanden, im Endlos-Modus ist aber manchmal nicht ganz nachvollziehbar, warum ein bestimmtes Getränk nicht gut ankam.
  • Nachhaltigkeitswert: Coffee Talk sollte viel besprochen und gespielt werden, denn es vermittelt kluge Inhalte auf ungezwungene und entspannte Weise.
  • Design/Stil: Stimmig und mit einer guten Atmosphäre.
  • Musik und Sound: Die Musik passt, bleibt aber nicht unbedingt in Erinnerung.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: 13€ war mir Coffee Talk zwar wert, man sollte aber bedenken, dass es dafür bei einmaligem Durchgang nur ungefähr zwei bis drei Stunden Unterhaltung bietet.

Offenlegung

Ein Pressemuster zu Coffee Talk wurde uns von Toge Productions zur Verfügung gestellt.

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Manuel Eichhorn
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