Cris Tales (PS5) im Test – Zwischen Zeiten

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Für mich hat es sich fast wie eine Ewigkeit angefühlt, als auf der E3 2019 Cris Tales vorgestellt wurde, zudem es wenig später auch eine Demo gab. Erscheinen sollte der Titel, der mit der Zeit spielt, ursprünglich im November 2020, doch wurde es verschoben. Nun, einer gefühlten Ewigkeit, habe ich die PlayStation 5 Version von Cris Tales in den Händen und stürze mich zusammen mit Crisbell und ihren Freund/-innen in dieses fantastische Abenteuer. !B

Das Bild zeigt ein blaues Fenstermosaik, das ein Mädchen mit roten Haaren in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zeigt und dabei zeigt, wie sie altert.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Es ist ein verwirrender Anfang für jene, die die Demo zu Cris Tales nicht kennen: Statt sich mit der Protagonistin vertraut zu machen, befinde ich mich mitten im Kampf und lerne erste Schritte des Kampfsystems kennen, jedoch zu diesem Zeitpunkt ohne Crisbells besonderer Fähigkeiten. Der Kampf scheint aussichtslos, weswegen ich nach wenigen Augenblicken in die unmittelbare Vergangenheit geschickt werde, um dieses Mal Crisbell und ihre Begleiter kennenzulernen.

Crisbell selbst ist ein auf den ersten Blick unscheinbares Mädchen, das in einem Waisenhaus aufwuchs – nichts ahnend, dass sie schon bald in ihr größtes Abenteuer verstrickt wird und eine Prophezeiung erfüllen soll. Doch, beginne ich lieber etwas weiter vorn: Crisbell ist eine Zeitmagierin, die ihr Fähigkeit in einer Kathedrale der Dame erhält. Sie sieht durch ihre Gabe die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit gleichermaßen und somit siehst auch du sie, verteilt über deinen Bildschirm. Und hier hat das Entwickler/-innenteam richtig geniale Arbeit geleistet.

Den größten Teil des Spiels sehe ich Städte und Orte zu drei verschiedenen Zeiten. Somit siehst du immer die historische Herkunft der Orte, die Gegenwart und was später mal daraus werden kann – und die Zukunft hast du in vielen Fällen direkt selbst in der Hand, denn durch Entscheidungen an verschiedenen Stellen der Story oder dann, wenn dich ein NPC etwas fragt, verändert sich alles. Cris Tales lässt dir dabei viel Freiheiten und sagt auch, dass viele Entscheidungen und wenn sie auch nur noch so klein sind, die Zukunft verändern und das ist wahr. Doch nicht nur das.

Wenn man von allen Gebäuden und auch Bewohner/-innen stets alles sieht, so bemerkt man auch Dinge, die man vielleicht gar nicht bemerken möchte: Der Zimmermann, der schon in der Gegenwart alt ist, ist in der Zukunft verschwunden. Die drei Freundinnen, die in der Gegenwart lachend zusammen stehen, sind in der Zukunft nur noch zu zweit. Ich weiß nicht, was mit diesen Menschen geschehen ist, gehe aber aufgrund der Kriegslage in Cris Tales vom schlimmsten aus.

Außerdem liebe ich einfach den Frosch Matias. Das ist die beste Figur, die je für mich erdacht wurde, und mit der ich als Kaulquappe und alten Frosch durch die Zeit hüpfen kann. Ebenso finde ich die Dynamik zwischen den Charakteren auch sehr gut, denn das führt zu dem einen oder anderen Lacher zwischendurch, was die Geschichte teilweise wirklich braucht. !B

Die Grausamkeit der Zukunft

Cris Tales ist eine Geschichte, die mitten im Krieg spielt. Es spielt in einer Zeit, die ungünstig für schöne Momente ist und so hübsch und farbenfroh Cris Tales auch grafisch ist, so viel Trauer und Angst um die Zukunft verbirgt sich hinter jeder Fassette. Die Zukunft jedes Ortes ist in den seltensten Fällen rosig: Fast immer ist die Zukunft zerstört und verfallen, was jedoch nicht nur mit dem Krieg zu tun hat, sondern mit der Wirtschaft. Statt sich um die Belange der Bewohner/-innen zu kümmern, schützt man die Wirtschaft und will immer mehr „Wohlstand“ generieren, alles auf den Schultern der Bürger/-innen. Ein Szenario, das mir bekannt vorkommt.

Und trotz dessen, dass Cris Tales so farbenfroh ist, um so mehr treffen mich die Themen der Einwohner/-innen und ich hoffe stets, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um ihnen eine bessere Zukunft zu bieten. Ich will sie nicht in ein noch größeres Chaos stürzen. Glücklicherweise kann ich mehrere Speicherslots haben und somit vor jeder größeren Entscheidung, die sich häufig an einen Bosskampf anschließt, speichern, um zu sehen, welche Entscheidung für mich das beste Resultat bringt. Da die Bosskämpfe jedoch nicht immer ohne sind, ist das auch nicht immer eine weise Entscheidung.

Apropos Kämpfe: In Cris Tales spielt die Zeit übrigens nicht nur innerhalb der Story eine Rolle, sondern auch bei den Kämpfen selbst. So kann ich beispielsweise alle Gegner auf der rechten Seite des Bildschirms in die Zukunft, und alle Gegner auf der linken Seite in die Vergangenheit schicken und sie auf diese Weise ändern. Hier ist viel taktisches Vorausschauen vonnöten, denn auch die Fertigkeiten und Fähigkeiten meiner Mitstreiter/-innen kann ich auf diese Weise stärken oder abschwächen. Ich mag das Kampfsystem sehr, da ich mir dabei wirklich mal Gedanken machen muss – aber auch Zeit dafür habe, denn es ist rundenbasiert und kein Zeitbalken läuft irgendwo ab.

Ungünstig am Kampfsystem finde ich lediglich die Verteidigung: Hier darf ich im richtigen Moment einen Knopf drücken, doch das Timing ist oft mies und ich verpasse dazu. Zumal mir diese Verteidigung auch nur minimalen Schutz bietet und ich häufig dennoch großen Schaden erleide. Gerade am Anfang hat mich das ganz schön frustriert, doch nach einigen Spielstunden habe ich den Bogen, denke ich, raus – auch wenn es immer noch Angriffe gibt, bei denen ich einfach nicht weiß, wann ich drücken muss, um mich zu schützen. Zudem ist Cris Tales eine Hommage an klassische JRPGs, das bedeutet, es gibt keine Autosave Funktion und man läuft noch über eine Karte, um zu anderen Orten zu kommen. !B

Gezeigt wird das Kampfsystem, in der Mitte ist ein Strich. Eine der Kämpfenden ist durch die Zeit gesprungen, um den Angreifer (links) zu besiegen.

Ist das die Gegenwart?

Cris Tales ist für so gut wie jede aktuelle Plattform verfügbar, doch ich habe die PlayStation 5 Version auf der PlayStation 5 Digital gekauft. Eigentlich sollte der Titel ursprünglich mal mein Launch Titel für die PS5 werden, was jedoch durch die Verschiebung nicht geklappt hat. Was ich sehr schade finde, sind hierbei teilweise wirklich die Grafiken, denn obwohl ich mit der PS5 auf einem 4K Fernseher spiele, sind manche Grafiken doch sehr matschig, bzw. verschwommen, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Ebenfalls gibt es häufig sehr viel Kantenflimmern, was wirklich stark das Bild vieler Städte stört. Das finde ich sehr schade.

Ebenfalls wirken manche Effekte, wie beispielsweise von Wasser relativ altbacken – vielleicht ist auch Cris Tales ein Spiel, das gar nicht auf so vielen verschiedenen Plattformen hätte erscheinen müssen. Eine ordentliche PS4 Version, die ich ja auch ganz normal auf der PS5 spielen kann, hätte mir zumindest ausgereicht. Ansonsten ist der Zeichenstil sehr schön: Er ist recht bunt und steht somit im starken Kontrast zu der relativ heftigen Geschichte, die doch verschiedene schwierige Themen behandelt. Ich find’s eine gute Mischung.

Mir persönlich gefällt zudem auch der Soundtrack ziemlich gut, ebenso wie das Voice Acting! Das ist sensationelle Arbeit, die hier geleistet wurde. Gefällt mir ausgesprochen gut, ebenso wie die Kampfeffekte selbst. Manchmal gibt es im Soundtrack jedoch kleinere Hänger, die zu ganz kurzen Hüpfern führen, aber das ist nicht weiter tragisch und kommt auch nicht sooo oft vor. !B

Fazit: Ich liebe meine Zeiten

Ich kann mit Freude sagen: Ich habe nicht grundlos auf Cris Tales gewartet, denn es bietet mir eine tiefgründige Story über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und zeigt mir direkt und unmittelbar, welche Auswirkungen meine Entscheidungen auf das Leben der Bewohner/-innen der jeweiligen Reiche haben. Ich muss nicht ewig warten, bzw. bekomme mein Ergebnis vielleicht gar nicht mit, weil ich es einfach die ganze Zeit über sehen kann. Das liebe ich so sehr an Cris Tales, ebenso wie das taktische Vorgehen in den rundenbasierten Kämpfen, in denen ich ebenfalls mit der Zeit spielen kann, das mir aber im Grunde gar nicht vorschreibt, wie ich vorgehen soll. Und ich bin der Musik und den Synchronsprecher/-innen verfallen. Cris Tales ist eine klasse Hommage an alte Rollenspiele, die trotzdem ihren ganz eigenen Charme mitbringt und zu einem wahren Kristall meiner Indiesammlung geworden ist. Vor allem für Fans von Rollenspielen geeignet und für all jene, die eine Vorliebe für bunte Spiele mit schwierigen Herzensthemen haben.

ProContra
+ Man sieht direkt, welche Entscheidung welche Auswirkungen hatte– Heftiges Kantenflimmern
+ Viele kleine Entscheidungen haben Konsequenzen– Hin und wieder leichte Aussetzer im Soundtrack
+ Tolle Umsetzung der Zeitenumsetzung, auch im Kampfsystem– Verteidigen nicht immer einfach
+ Tiefgründige und emotionale Story, die unbewusst aktuelle Themen behandelt– Teilweise unscharfe Texturen
+ Genialer Soundtrack und hammer Voice Acting
+ Komplexes Kampfsystem, das hin und wieder Taktik fordert
Die Bewertung zeigt einen Score von 89 an.

Technik: 86
Grafik: 85
Sound: 87
Umfang: 90
Gameplay: 81

Spielspaß: 92

  • Story: Cris Tales erzählt an sich mehrere Geschichten über Unterdrückung auf das Aufbegehren, über das Erwachsen werden und über die Zeit.
  • Frustfaktor: Ich hatte Herausforderungen, bis ich das Kampfsystem wirklich verstanden habe, vor allem durch das Verteidigungssystem kann es frustrierend sein.
  • Wiederspielwert: Cris Tales bietet viele verschiedene Entscheidungen, die alle mit Trophäen verknüpft sind… Also zumindest auf Plattformen, die Errungenschaften oder Trophäen anbieten, hat man viele Möglichkeiten, nochmal zu spielen.
  • Design/Stil: Cris Tales hat einen bunten Stil, der im starken Kontrast zur dargebotenen Story steht.
  • Musik und Sound: Ein fantastisches Soundtrack und klasse Voice Acting.

Offenlegung

Wir haben einen Review Key zur PS5 Version von Cris Tales kostenlos erhalten.

Cris Tales erscheint am 20.07.2021 für PlayStation 5*, PlayStation 4*, Nintendo Switch*, Steam, Xbox One* und Xbox Series*. Wenn du dem Link folgst, folgst du einem Partnerlink zu Amazon und unterstützt uns gegebenenfalls mit qualifizierten Einkäufen

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Beatrice Vogt
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